Freiheit bei Karl Marx unter dem Gesichtspunkt der Entfremdung


Seminararbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Freiheitsbegriff bei Marx
2.1 Positiver Freiheitsbegriff bei Marx
2.2 Negative Freiheitsbegriffe für Marx
2.3 Der Künstler als Beispiel für freiheitliche Arbeit

3. Die Entfremdung im Kapitalismus als Ursache der Unfreiheit
3.1 Entfremdungsbegriff bei Marx
3.1.1 Entfremdung im Verhältnis zu den Produkten seiner Arbeit
3.1.2 Die Entfremdung von der Tätigkeit als dem Arbeiter nicht angehörige Tätigkeit
3.1.3 Selbstentfremdung
3.1.4 Entfremdung von der Gesellschaft
3.2 Das Verhältnis von Freiheit und Entfremdung

4. Der Mensch in Freiheit

5. Was bleibt von Marx´ Ideen?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Karl Marx - in der westlichen Hemisphäre ist dieser Name wohl den wenigsten unbekannt. Seine Ideen wurden oft zitiert, um totalitäre Herrschaftssysteme zu rechtfertigen. Zwar ist Marx bekannt als der Kapitalismuskritiker schlechthin, doch setzen seine Überlegungen bei der persönlichen Freiheit an und erst als Konsequenz daraus am Kapitalismus. Die Kritik am Kapitalismus ist für ihn das Mittel, welches den Weg in die Freiheit aufzeigt. Um Marx als Freiheitsphilosoph zu verstehen, ist es entscheidend zu begreifen, warum und wie der marxsche Begriff des Kapitalismus in Beziehung auf den der Freiheit zu verstehen ist. Zwar sieht Marx vielfältige Ursachen für die Unfreiheit im Kapitalismus[1], jedoch nimmt hier die Entfremdung, insbesondere in den Frühwerken, eine Sonderstellung ein. Die Untersuchung dieser Arbeit zielt darauf ab, zu analysieren und zu verstehen, in welchem Verhältnis für Marx die Begriffe Freiheit, Entfremdung und Kapitalismus stehen.

Der lohnenswerte Aspekt dieser Arbeit liegt darin, dass die Freiheit des Einzelnen für Marx anscheinend eine große Rolle spielte, dieser entscheidende Aspekt allerdings von den "sozialistischen" Diktaturen völlig mißachtet wurde.

Daher wird in Kapitel 2 der Versuch unternommen, den Freiheitsbegriff bei Marx zu bestimmen, um eine Grundlage für die weiteren Gedankengänge zu schaffen. Marx hat den Freiheitsbegriff nicht systematisch definiert. Aus diesem Grund soll versucht werden, diesen aus den zahlreichen verstreuten Belegstellen zu rekonstruieren.

In Kapitel 3 soll der marxsche Begriff der Entfremdung rekonstruiert und charakterisiert werden. Es soll gezeigt werden, wie für Marx die kapitalistische Gesellschaftsordnung notwendigerweise den Zustand der Entfremdung hervorbringt. Dabei soll auf die verschiedenen Arten der Entfremdung eingegangen werden. Daraufhin soll in Kapitel 3.2 der marxsche Freiheitsbegriff mit dem der Entfremdung in Verbindung gebracht werden.

In Kapitel 4 wird dann erläutert wie Marx sich die Befreiung der Menschen aus der Unfreiheit vorgestellt hat, dass heißt, wie die Entfremdung überwunden werden könnte. Außerdem wird noch die Frage geklärt, wie sich Marx den Menschen in der "Assoziation" (siehe Kapitel 2 für Definition) vorgestellt hat.

Zuletzt wird in Kapitel 5 eine kurze Zusammenfassung der Arbeit gegeben. Darüber hinaus wird kurz skizziert, wie und wo Marx problematisch erscheint und wie die Diskussion im politikwissenschaftlichen Bereich derzeit aussieht.

Es bleibt zu erwähnen, dass die Theorie der Entfremdung eine Idee des jungen Marx war, welche er später immer seltener benutzte. Daher stützt sich diese Arbeit stark, wenn auch nicht ausschließlich, auf die frühen Werke von Marx. Außerdem werden in dieser Arbeit die Begriffe "positive Freiheit" wie auch "negative Freiheit" benutzt, welche auf Immanuel Kant zurückgehen und von Isaiah Berlin geprägt wurden.

2. Freiheitsbegriff bei Marx

2.1 Positiver Freiheitsbegriff bei Marx

In diesem Kapitel soll versucht werden, den Freiheitsbegriff von Marx darzustellen. Nur mit dem Verständnis dessen ist zu verstehen wie Entfremdung unfrei macht und wie die kommunistische Zukunftsvision von Marx Freiheit wiederherstellt.

Im Gegensatz zu einem negativen Freiheitsentwurf, bei dem von diversen Rechten ausgegangen wird, geht Marx von einem positiven Freiheitsbegriff aus.

„Jedem nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“.[2] Dieses Zitat symbolisiert den Zustand jedes Einzelnen in der "Assoziation" nach den marxschen Vorstellungen. Die Assoziation nimmt dabei die Position der ehemaligen "Klassengesellschaft" im Kommunismus ein und erhält damit eine Schlüsselposition in den marxschen Theorien.[3] Marx versucht durch dieses Zitat zu zeigen, wie in seinem positiven Freiheitsverständnis Freiheit konkret aussehen soll. Es soll eine Gesellschaft sein in welcher jeder Mensch das bekommt was er zum Leben[4] braucht und das Berufliche wie Gesellschaftliche leistet, wozu er im Stande ist, unabhängig von jeglicher Wertigkeit. Der Mensch soll keinerlei Einschränkungen durch Gesetze oder Normen unterliegen, in seiner Entwicklung nicht gegen, sondern durch die Gesellschaft gefördert werden.

Marx´ Denken ist durchdrungen von seinem „transpolitischen Freiheitsverständnis“.[5] Dass heißt, dass sein Verständnis von Freiheit über politische Freiheit hinausgeht und einen gesellschaftlichen Freiheitsbegriff verlangt.

2.2 Negative Freiheitsbegriffe für Marx

"Die Freiheit ist also das Recht, alles zu tun und zu treiben, was keinem anderen schadet. Die Grenze, in welcher sich jeder dem anderen unschädlich bewegen kann, ist durch das Gesetz bestimmt. Es handelt sich um die Freiheit des Menschen als isolierter auf sich zurückgezogener Monade"[6].

Der negative Freiheitsbegriff gilt Marx als eine Denkart, in welcher der Mensch Grenzen zu seinem eigenem und des Mitmenschen Schutz brauche. Marx sieht nicht die Vorteile von Gesetzen, sondern in ihnen lediglich die Verfestigung der bestehenden, für Unfreiheit sorgenden Ordnung. Mit der Erlangung der politischen (negativen) Freiheiten habe sich die von Marx sogenannte "bürgerliche Gesellschaft" voll entwickelt.[7] Unfreiheit ist für Marx keine Notwendigkeit, sondern an die Entwicklung der sozio-ökonomischen Bedingungen (genauer: an die Produktionsverhältnisse) geknüpft und damit ein geschichtlich kontingentes Phänomen. Marx unterscheidet hierbei drei Stadien der gesellschaftlichen Entwicklung: Urkommunismus - Antagonistische Klassengesellschaft - Kommunismus.[8]

Engels beschreibt den von Marx und ihm angenommenen Zustand des Urkommunismus als eine frühgeschichtliche Gemeinschaft. Es sei der Zustand in dem jedem alles gehörte und alles gemeinschaftlich genutzt und konsumiert wurde.[9] Nach Engels herrschte in diesem Zustand Harmonie und individuelle Freiheit. Mit dem aufkommen des Privateigentums sei dann die von Marx betitelte antagonistische "Klassengesellschaft"[10] entstanden, welche die Zersplitterung der Menschen in verschiedene Klassen ausdrücke und dauerhaft zu "Klassenkonflikten" führen müsse. Die individuelle Freiheit des "Urkommunismus" wäre demnach zerstört, was sich durch die Entfremdung manifestiere.

[...]


[1] Ebenfalls sehr bekannt ist die Religion.

[2] Marx, Karl 1971: Kritik des Gothaer Programms, 1.Auflage, Peking, S. 16.

[3] Marx, Karl 1953: Manifest der Kommunistischen Partei, 8.Auflage, Berlin, S. 35.

[4] Wozu nach Marx nicht nur Essen und Wohnung gehören, sondern auch Kultur, Bildung etc.

[5] Bluhm, Harald 2005: Freiheit in Marx` Theorien, in: Pies, Ingo (Hg.): Karl Marx` kommunistischer Individualismus, 1. Auflage, Tübingen, S. 57-80. Hier: S. 64.

[6] Marx, Karl 1919: Zur Judenfrage, 1. – 5. Tausend, Berlin. S. 31.

[7] Klopfleisch, Reinhard 1982: Freiheit und Herrschaft bei Claude-Henri de Saint-Simon : eine wissenschaftliche Studie über die Entwicklung des sozialen Freiheitsbegriffs von Rousseau über Saint-Simon zu Marx, 1. Auflage, Frankfurt am Main, S. 255.

[8] Krauss, Hartmund: Marx und die Freiheit. Darstellung und Kritik der "romantischen" Marx-Interpretation Charles Taylors. http://www.glasnost.de/autoren/krauss/marx.html, 25.01.10, S. 3.

[9] Engels, Friedrich 1974: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates, 12. Auflage, Berlin, S. 178.

[10] Marx, Karl 2001: Das Kapital. Erster Band, 20.Auflage, Berlin, S. 683ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Freiheit bei Karl Marx unter dem Gesichtspunkt der Entfremdung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Politische Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V154913
ISBN (eBook)
9783640676033
ISBN (Buch)
9783640675937
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiheit, Karl, Marx, Gesichtspunkt, Entfremdung
Arbeit zitieren
Max Nothaft (Autor), 2010, Freiheit bei Karl Marx unter dem Gesichtspunkt der Entfremdung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154913

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