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Die Inszenierung der Politik durch die Massenmedien

„Symbolische Politik“ als notwendiges Mittel zur Legitimation der Demokratie

Titel: Die Inszenierung der Politik durch die Massenmedien

Magisterarbeit , 2010 , 78 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Sylwia Jalocha (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
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... Dass die medienvermittelte Wirklichkeit nicht eins zu eins der tatsächlichen politischen Realität entspricht, liegt auf der Hand. Jetzt stellt sich nur die Frage, ob dieses „politische Theater“ mit seiner Symbolik eine notwendige Methode ist, die Politik für die Wählerschaft im Zeitalter der Massenkommunikation und - unterhaltung angenehmer und vor allem verständlicher zu gestalten und damit die politische Legitimation und letztendlich die Demokratie zu sichern? Oder aber ist sie ein Mittel, um der Wählerschaft eine trügerische Scheinpolitik zu vermitteln, sie zu verblenden und in Ahnungslosigkeit verweilen zu lassen, nur mit dem Ziel, die meisten Wählerstimmen zu ergaunern?
Fakt ist, es wird immer schwieriger für Politiker, Wählersympathien und damit die Legitimierung ihrer Politik zu sichern. Rhetorische Mittel erhalten eine immer größere Bedeutung in der politischen (Wahlkampf-)Kommunikation. In dieser Arbeit soll diesbezüglich die „symbolische Politik“ als rhetorisches Instrument unter dem Aspekt der Legitimation als zentraler Bestanteil zur Rechtfertigung politischen Handelns untersucht werden und zwar im Kontext ihrer inszenierten, medialen Vermittlung durch das Fernsehen.
Dazu soll zunächst erklärt werden, was unter „symbolischer Politik“ zu verstehen ist und welche Bedeutung das Symbolische für politisches Handeln hat. Diesbezüglich wird als erstes der Begriff „Symbol“ näher bestimmt. Da „symbolische Politik“ in unserer Mediengesellschaft allen voran durch das Fernsehen an ein breites Publikum herangetragen wird, wird anschließend analysiert, welche Funktion dem Fernsehen als Massenmedium bei der Politikvermittlung zugesprochen wird und welchen medialen Selektions- und Darstellungsregeln die Politik unterworfen ist. Des Weiteren wird darauf eingegangen, auf welche Weise die Symbolik in die Politik eingebracht wird. Hierzu werden exemplarisch die Inszenierungsstrategien des Theaters behandelt, ebenso wie die „Personalisierung“ und „Privatisierung“. Anschließend soll auf die Probleme und Folgen medial übermittelter,
inszenierter Politik eingegangen werden. Hierzu wird näher die Problematik zwischen Schein und Wirklichkeit behandelt, bzw. der Unterschied zwischen Darstellungs- und Herstellungspolitik, ebenso wie die Problematik des „Politainments“, sowie der viel beschworene Wandel von der Parteiendemokratie hin zur Mediendemokratie und der damit verbundene Parteienverfall. Schlussendlich soll erklärt werden, warum die Inszenierung der Politik in

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Symbolische Politik“ und ihre Bedeutung

3 Der Kampf um das knappe Gut der Aufmerksamkeit in der Wettbewerbsdemokratie

3.1 Funktion der Massenmedien

3.2 Nachrichten als Ware: Kriterien der Nachrichtenselektion

3.3 Einsetzen „symbolischer Politik“ durch Inszenierungsstrategien des Theaters

3.4 Personalisierung und Privatisierung als Mittel zur Einführung „symbolischer Politik“

4 Folgen und Probleme „symbolischer Politik“ und ihrer Inszenierung

4.1 Zwischen Schein und Wirklichkeit

4.2 Politainment – eine form der Entpolitisierung?

4.3 Verfall der Parteiendemokratie?

5. Die Inszenierung der Politik – eine notwendige Zugangsbedingung zur politischen Medienbühne

6 „Symbolische Politik“ – ein Politik-Ersatz?

7 „Symbolische Politik“ – Notwendigkeit der demokratischen Legitimation

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Rolle der „symbolischen Politik“ als rhetorisches Instrument zur Legitimation politischen Handelns innerhalb der medialen Vermittlung durch das Fernsehen. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob die Inszenierung von Politik eine notwendige Voraussetzung für die demokratische Legitimation im Medienzeitalter darstellt oder lediglich eine trügerische Scheinpolitik zur Wählertäuschung ist.

  • Die Funktion und Macht des Fernsehens als politisches Leitmedium.
  • Die Entlehnung theatraler Inszenierungsstrategien für die politische Kommunikation.
  • Die Auswirkungen von Personalisierung, Privatisierung und Politainment auf den politischen Diskurs.
  • Die Veränderung der Parteiendemokratie hin zur Mediendemokratie.

Auszug aus dem Buch

3.2 Nachrichten als Ware: Kriterien der Nachrichtenselektion

Da die Zuschauer die Kontrolle über das Umschalten der Fernsehsendungen besitzen, sehen sich die Sender gezwungen, jede Programmsequenz mit dem Ziel zu inszenieren, minutiös das Wegschalten des Zuschauers zu verhindern. Dieser Zwang forciert die Tendenz, Sendungen laufen zu lassen, die der Masse gefallen und sie als eine ununterbrochene Reihung von spannungserzeugenden Spektakeln zu realisieren. Dies drückt fortwährend auf das kulturelle und politische Anspruchsniveau.

Dabei wird der „am wenigsten gebildete Durchschnittsgeschmack des Massenpublikums zur Richtschnur. Der Wettlauf um die Gunst des Massenpublikums schleift das Besondere, Herausragende oder einfach nur Anspruchsvolle als untragbares Risiko ab, weil es der Mehrheit nicht gefällt. Legitim erscheint in der Demokratie, wenn sie die Kultur ergreift, nur noch das, was mehrheitsfähig ist.“

Die Landesmedienanstalten in Deutschland haben eine wissenschaftliche Langzeitstudie zur Lage und Entwicklung des Fernsehens in Auftrag gegeben, die im Jahr 2000 zu dem Ergebnis kam, dass die Unterhaltung im Fernsehen das Maß aller Dinge sei. Die politische Berichterstattung befinde sich im Allgemeinen auf dem Rückzug. Die Unterhaltungsprogramme verdrängen die politische Informationsvermittlung mit ihren politischen Sendungen, die aufgrund von mangelndem Interesse oft auf die Sendeplätze in der Nacht abgedrängt werden. Hinzu kommt die schon länger zu beobachtbare Lockerung traditioneller Parteibindungen und die Erhöhung des Wechselwählerpotenzials, die die Fähigkeiten der Wahlkampfstrategen, Themen in die politische Kommunikation einzubringen und in den Massenmedien durchzusetzen, in besonderer Weise fordert. Jene Partei, der das besser gelingt, „hat meistens schon die besseren Aussichten auf Erfolg“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Legende der Fernseh-Debatte zwischen Kennedy und Nixon ein und skizziert die wachsende Bedeutung des Fernsehens für politische Kommunikation und die Inszenierung von Politik.

2 „Symbolische Politik“ und ihre Bedeutung: Das Kapitel definiert den Begriff „Symbol“ und „symbolische Politik“ und erläutert die Bedeutung symbolischen Handelns für die Komplexitätsreduktion politischer Kommunikation.

3 Der Kampf um das knappe Gut der Aufmerksamkeit in der Wettbewerbsdemokratie: Hier wird analysiert, wie politische Akteure das Medium Fernsehen nutzen, um in einer wettbewerbsorientierten Demokratie Aufmerksamkeit zu generieren und politische Entscheidungen zu legitimieren.

4 Folgen und Probleme „symbolischer Politik“ und ihrer Inszenierung: Dieses Kapitel behandelt die negativen Implikationen wie die Verschwimmung von Schein und Wirklichkeit, Politainment und den Wandel zur Mediendemokratie.

5. Die Inszenierung der Politik – eine notwendige Zugangsbedingung zur politischen Medienbühne: Es wird dargelegt, warum die mediale Inszenierung heute als unumgängliche Voraussetzung gilt, um überhaupt auf der politischen Medienbühne sichtbar zu sein.

6 „Symbolische Politik“ – ein Politik-Ersatz?: Das Kapitel diskutiert, ob symbolische Politik tatsächlich einen reinen Ersatz darstellt oder historisch tief in der politischen Kultur verwurzelt ist.

7 „Symbolische Politik“ – Notwendigkeit der demokratischen Legitimation: Es wird argumentiert, dass symbolische Politik eine essenzielle ordnende Funktion besitzt, um in einer komplexen Gesellschaft Zustimmung und Vertrauen in die Demokratie zu sichern.

8 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass symbolische Politik ein ambivalentes, aber notwendiges Element der modernen Politikvermittlung ist, das nicht vorschnell als reine Volksverdummung abgelehnt werden sollte.

Schlüsselwörter

Symbolische Politik, Mediendemokratie, Politainment, Inszenierung, Wahlkampfkommunikation, Massenmedien, Fernsehen, politische Legitimation, Nachrichtenwert, Personalisierung, Parteiendemokratie, Komplexitätsreduktion, Scheinpolitik, Mediencharisma, öffentliche Meinung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Medialisierung der Politik und dem gezielten Einsatz von Symbolik durch politische Akteure, um in einer von Massenmedien dominierten Gesellschaft Aufmerksamkeit und Legitimität zu erlangen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle des Fernsehens, die Inszenierungstechniken politischer Akteure, das Konzept des Politainments und der Wandel von der klassischen Parteiendemokratie hin zur Mediendemokratie.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob die Inszenierung von Politik als „symbolische Politik“ eine notwendige Methode zur Sicherung demokratischer Legitimation ist oder ob sie die politische Realität durch eine trügerische Scheinwelt ersetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf politikwissenschaftlicher Fachliteratur, Medienanalysen und kommunikationswissenschaftlichen Ansätzen basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Funktionen der Massenmedien, die Kriterien der Nachrichtenselektion, die Übernahme theatraler Strategien in die Politik sowie die damit verbundenen Risiken wie Entpolitisierung und Vertrauensverlust.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind unter anderem Symbolische Politik, Politainment, Mediendemokratie, Inszenierung und politische Legitimation.

Wie unterscheidet sich "Symbolische Politik" von klassischer Politik?

Symbolische Politik setzt weniger auf inhaltliche Debatten als auf die Darstellung von Handlungen und Persönlichkeiten durch Zeichen und Symbole, um Emotionen zu wecken und Aufmerksamkeit im Medienwettbewerb zu erzielen.

Welche Rolle spielt das Fernsehen bei der Inszenierung?

Das Fernsehen fungiert als Selektionsinstanz, die durch ihren Bedarf an unterhaltsamen, spannenden und visuell präsentierbaren Inhalten Politiker dazu zwingt, ihre Kommunikation an die Gesetze der Medialität anzupassen.

Ist der Rückgang der Parteiendemokratie durch die Medien bedingt?

Ja, die Arbeit argumentiert, dass Parteien im direkten Vergleich zur spontanen Medienpräsenz der Spitzenpolitiker zu langsam und schwerfällig wirken, wodurch die Parteiidentifikation zugunsten eines medialen Personen-Kults schwindet.

Ist Symbolische Politik zwingend negativ zu bewerten?

Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass symbolische Politik in einer komplexen Welt als notwendiges Mittel zur Komplexitätsreduktion dient und somit ein unverzichtbarer Bestandteil der demokratischen Konsensbildung sein kann.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Inszenierung der Politik durch die Massenmedien
Untertitel
„Symbolische Politik“ als notwendiges Mittel zur Legitimation der Demokratie
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Institut für Politische Wissenschaften)
Note
1,7
Autor
Sylwia Jalocha (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
78
Katalognummer
V154946
ISBN (eBook)
9783640677009
ISBN (Buch)
9783640676927
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inszenierung Politik Massenmedien Politik“ Mittel Legitimation Demokratie Politiker als Schauspieler politische Symbolik symbolische Politik Funktion der Medien Politik und Medien Medien Theater Legitimation der Demokratie Wettbewerbsdemokratie Nachrichtenselektion Personalisierung Privatisierung Politainment Infotainment Entpolitisierung Parteiendemokratie politische Medienbühne Politikersatz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sylwia Jalocha (Autor:in), 2010, Die Inszenierung der Politik durch die Massenmedien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154946
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Leseprobe aus  78  Seiten
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