Braucht die gegenwärtige Gesellschaft Religion?


Essay, 2010

5 Seiten


Leseprobe

Braucht die gegenwärtige Gesellschaft Religion?

Die kritische Frage nach dem Sinn und Zweck von Religionen ist besonders in der heutigen Gesellschaft existent. Während frühere Gesellschaften die Religion und den Gottesglauben als Selbstverständlichkeit voraussetzten, scheint es heute hingegen so zu sein, dass die Kirche – und damit auch ein Bestandteil der Religion – vom Staat über die Kirchensteuer getragen werden muss, um weiterhin existent zu bleiben. Dahingegen hatte die Religion in früheren Gesellschaften einen sehr viel höheren Stellenwert. Als gutes Beispiel hierfür kann der Name des deutschen Kaiserreiches von ca. 800 bis 1806 gesehen werden: Heiliges römisches Reich deutscher Nation. Hier findet eine Erhöhung der Nation (so man das Staatengebilde der damaligen Zeit denn als solche bezeichnen möchte) zu etwas Heiligem, Religiösem statt. Der Name deutet darauf hin, dass sich diese Nation Gott unterordnet, ihm aber dennoch sehr nah ist. Dies könnte eine treffende Interpretation des Präfix „Heilig“ sein. Eine weitere, damit verbundene Auslegung ist das Verständnis von „Heilig“ im Sinne von „unantastbar“ oder „ewig“.

Wandel der Religion vom kirchlichen zum individuellen Glauben

Innerhalb dieser tausend Jahre wechselten sich die Annäherung und Entfernung zur römisch-katholischen Kirche immer wieder ab, Glaubenskriege verwüsteten die Landschaften, unter dem Mantel von Religiosität wurden Hexen und Ketzer verfolgt. Nach der Christianisierung des Reiches konnte die Kirche in der damaligen Gesellschaft ihre Monopolstellung als Religion lange Zeit beibehalten. Die Religion hatte, aus geschichtlicher Perspektive, einen maßgeblichen Einfluss auf den Zeitgeist.

Dies änderte sich zusehends im Laufe der letzten 200 Jahre. Während nach amerikanischem und französischem Vorbild die einheitliche Nation mit demokratischer Selbstbestimmung immer mehr in den Fokus rückte und naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Welt erklärbarer machten, verlor das religiöse Grundempfinden zunehmend an Bedeutung. Dies zeigt sich auch in der Auffassung und Wahrnehmung Gottes:

„Der ambivalente Gott des Zornes und der Gnade wird zum lieben Gott, weil wir vor seiner Natur keine Angst mehr zu haben brauchen. Die Natur, die in den alten Traktaten unberechenbar, böse und bedrohlich erschien, wird zum guten Werk der Schöpfung. Gut ist die Schöpfung, weil sie gesetzmäßig geordnet ist und wir in der Lage sind, diese Gesetze zu erkennen, um sie zu unserer Sicherheit anzuwenden.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Braucht die gegenwärtige Gesellschaft Religion?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften (FB 03))
Veranstaltung
Wiederkehr des Religiösen
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V154949
ISBN (eBook)
9783640683772
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Braucht, Gesellschaft, Religion
Arbeit zitieren
Joachim Wulkop (Autor), 2010, Braucht die gegenwärtige Gesellschaft Religion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154949

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