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Die romantische Wiedergängerin

Der weibliche Vampir in der deutschen Literatur der Romantik

Title: Die romantische Wiedergängerin

Bachelor Thesis , 2021 , 37 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Angellika Bünzel (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Mit Goethes Ballade "Die Braut von Korinth" begann Ende des 18. Jahrhunderts weltweit das Interesse an sogenannter Vampirliteratur. Die weibliche Vampirin wurde zum Lieblingsmotiv der Schwarzen Romantik. Als territoriale und motivische Grenzgängerin bewegte sie sich zwischen Forschung und Literarizität. Sie war die Antwort des Volkes auf die Frage nach dem Leben nach dem Tod und eine Figur der verbotenen wie unmöglichen Liebe, die stets im Liebestod und tabuisierter Sexualität endete. Umso mehr ist sie eine Figur der Schwarzen Romantik. Abgründig, magisch und zwiespältig. Eine unerklärliche und unheimliche Blutsaugerin, deren Werke oftmals von der Öffentlichkeit und Literaturwissenschaft abgelehnt, verbannt und vergessen wurden. In diesem Buch wird untersucht, inwiefern literarische Vampirinnen der deutschen Romantik sich unterscheiden und wo sie Gemeinsamkeiten aufweisen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Vampirinnen

2.1 Goethes Die Braut von Korinth

2.2 Gottfried Peter Rauschniks Die Totenbraut

2.3 E. T. A. Hoffmanns Cyprians Erzählung

2.4 Ernst Benjamin Raupachs Lasst die Toten ruhen

2.5 Theodor Hildebrands Der Vampyr oder die Todtenbraut

3. Die dämonisierte Weiblichkeit

3.1 Das Geschlecht als Konstrukt

3.2 Furchteinflößende Frauen

4. Leben und Tod

4.1 Von Müttern und vampirischem Leben

4.2 Der Tod einer schönen Mörderin

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die literarische Figur der Vampirin in der deutschen Romantik, um zu analysieren, inwiefern das Motiv der Blutsaugerin als Ausdruck einer geschlechtsspezifischen Dämonisierung fungiert. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Verknüpfung von Geschlechterkonstruktionen, Tabus hinsichtlich weiblicher Sexualität und der paradoxen Verbindung von Leben und Tod in der Schauerliteratur.

  • Analyse der Vampirin als Grenzgängerin und Identitätskonstruktion in der Schwarzen Romantik.
  • Untersuchung der dämonisierten Weiblichkeit im Kontext patriarchaler Rollenvorstellungen.
  • Deutung der vampirischen Transformation und ihrer narrativen Funktionen.
  • Erörterung der Rolle der Vampirin als Verführerin und Mörderin in ausgewählten Texten des 19. Jahrhunderts.

Auszug aus dem Buch

2.3 E. T. A. Hoffmanns Cyprians Erzählung

E. T. A. Hoffmanns Vampir-Erzählung von 1821 weicht von den bereits beschriebenen Vampirinnen weiter ab. Zugleich ist der Vampirismus auf mehreren Ebenen angesiedelt. Der am einfachsten zu fassende Vampirismus äußert sich in der Binnenerzählung. Hier gibt es wie bei Goethe und Rauschnik eine vampirische Liebesgeschichte, die im Tod der Vampirin Aurelie endet. Ihr Opfer, diesmal zum Ende hin ihr Ehemann, verfällt dem Wahnsinn und verstirbt nicht. Einen weitaus größeren Unterschied nehmen die Natur und die Vergangenheit der attraktiven, jedoch unsicher und wahnsinnig wirkenden Vampirin ein, denn im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Untoten steigt sie nicht aus dem Grab. Aurelie wird aufgrund eines Fluchs, ausgesprochen von ihrer unattraktiven Mutter, die selbst eine Untote zu sein scheint, und aufgrund einer angedeuteten Schwangerschaft zur leichenfressenden Vampirin. Ihren Trieben geht sie in einer größeren Gruppe von halbnackten Frauen nach, die bei Nacht auf dem Friedhof Menschenfleisch verspeisen, was an die antiken Lamien erinnert. Das Saugen von Herzensblut wird zum Schluss angedeutet, aber nicht verifiziert.

Die Binnenerzählung ist durchzogen von Phantastik, Wahnsinn und Andeutungen. Während der Wahnsinn eine Folge von Katastrophen zu sein scheint, für die der menschliche Geist keine rationale zufriedenstellende Erklärung findet, tragen zur Phantastik die vielen Andeutungen bei, die wiederum in Katastrophen enden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Genese des Vampirmythos von volkstümlichen Vorstellungen des Nachzehrers bis hin zur Entdeckung als literarisches Motiv in der deutschen Romantik.

2. Vorstellung der Vampirinnen: Dieses Kapitel gibt einen detaillierten Überblick über primärliterarische Werke wie Goethes "Braut von Korinth" sowie Erzählungen von Rauschnik, Hoffmann, Raupach und Hildebrand, um die verschiedenen Motivlagen zu verdeutlichen.

3. Die dämonisierte Weiblichkeit: Hier wird der historische Kontext der Geschlechterdefinition hinterfragt und geprüft, ob Vampirismus als Metapher für weibliche Sexualität und eine patriarchale Angst vor dem "furchteinflößenden" Geschlecht interpretiert werden kann.

4. Leben und Tod: Dieses Kapitel thematisiert die symbolische Bedeutung von Blut und die Rolle der Frau als Mutter-Negativ, die zwischen Leben und Tod wandelt und dabei existenzielle Ängste der Zeitgenossen verkörpert.

5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert die Gemeinsamkeiten der untersuchten Vampirinnen und bestätigt deren komplexe Rolle als attraktive, aber trügerische Figuren, die tradierte Rollenvorstellungen in der patriarchalen Gesellschaft der Romantik untergraben.

Schlüsselwörter

Vampirin, deutsche Romantik, Schauerliteratur, Dämonisierung, Weiblichkeit, Geschlechterkonstruktion, Sexualität, Tod, Identität, Körperlichkeit, Mythos, Literaturwissenschaft, Verführerin, Transformation, patriarchale Rollenbilder.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Darstellung weiblicher Vampire in der deutschen Literatur der Romantik und untersucht deren Bedeutung im Kontext gesellschaftlicher Vorstellungen jener Zeit.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion von Weiblichkeit, der Dämonisierung erotischer Lust, dem Motiv der "Schwarzen Romantik" sowie der Verbindung von Leben und Tod.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der dargestellten Vampirinnen zu ermitteln und aufzuzeigen, wie diese literarischen Figuren das gesellschaftliche Unbehagen an weiblicher Autonomie reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Primärtexte unter Einbeziehung des historischen Kontexts und existierender Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert die spezifischen Texte (u.a. von Goethe, Hoffmann und Raupach), historische Geschlechterdefinitionen sowie die symbolträchtige Figur der Vampirin als Grenzgängerin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit bewegt sich primär im Spannungsfeld zwischen Vampirismus, weiblicher Identität, Literaturkritik und der soziokulturellen Dämonisierung der Frau während des 19. Jahrhunderts.

Welche Rolle spielt die "Schwarze Romantik" in den untersuchten Werken?

Die Schwarze Romantik dient als literarischer Rahmen, der das Unheimliche, Abgründige und die Tabuisierung von Sexualität in den Vordergrund rückt, was die Vampirin zur idealen Projektionsfläche macht.

Inwiefern unterscheiden sich die Vampirinnen bei Hoffmann von den anderen Beispielen?

Hoffmanns Vampirin, Aurelie, zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht aus dem Grab steigt, sondern eine psychisch-physische Transformation durchläuft und nekrophage Züge zeigt, was eine Verknüpfung mit psychologischen Störungen erlaubt.

Warum wird die Vampirin als "Grenzgängerin" bezeichnet?

Die Bezeichnung rührt daher, dass sie physisch und ontologisch zwischen den Lebenden und den Toten vermittelt und gleichzeitig gesellschaftliche Schwellen, wie die zwischen tugendhafter Frau und "Hure", transzendiert.

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Details

Title
Die romantische Wiedergängerin
Subtitle
Der weibliche Vampir in der deutschen Literatur der Romantik
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
1,8
Author
Angellika Bünzel (Author)
Publication Year
2021
Pages
37
Catalog Number
V1550304
ISBN (eBook)
9783389100226
ISBN (Book)
9783389100233
Language
German
Tags
Vampir Literatur Romantik Germanistik Goethe Die Braut von Korinth Die Totenbraut E. T. A. Hoffmann Gottfried Peter Rauschnik Cyprians Erzählung Ernst Benjamin Raupach Lasst die Toten ruhen Theodor Hildebrand Der Vampyr oder die Todtenbraut Die dämonisierte Weiblichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Angellika Bünzel (Author), 2021, Die romantische Wiedergängerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1550304
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