Der Verein für Leibesübung (VfL) Wolfsburg wurde am 12. September 1945 gegründet. Die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH ist seit 1997 ein Bundesligist in der ersten Liga. Seit 1952 ist Volkswagen der Hauptsponsor des Vereins. Im Jahre 2001 wurde der Verein in die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH umgewandelt. Der VfL trägt seine Heimspiele in der Volkswagen Arena aus, die 2002 fertig gestellt wurde und über 30.000 Sitzplätze verfügt. Im Jahre 2009 gewannen die "Wölfe" die deutsche Meisterschaft. Aktuell hält die Volkswagen AG 100 Prozent der Anteile an der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. Es ist zu befürchten, dass Volkswagen nicht nur zur Unterstützung des Vereins beiträgt, sondern auch die Vorgänge bei der Tochter steuert. Offiziell wird diese Unterstützung als Prestigeprojekt für die Stadt Wolfsburg und als Standortfaktor verkündet. Bis zur Saison 2010/2011 waren die Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger abrufbar. Die Gesellschafterversammlung hat dann beschlossen, die VfL Wolfsburg-Fußball GmbH von der Offenlegungspflicht zu befreien. Seitdem gibt es keine aktuelle, öffentlich zugängliche Bilanz der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. Die Zahlen gehen in den Abschluss von Volkswagen ein. Bezogen auf die Seminararbeit stellt sich daher das Problem, dass eine Bilanzanalyse nur mit veralteten Zahlen (Saison 2010/1011) durchführbar ist. Es stellt sich auch die Frage, ob der VfL Wolfsburg nur ein Prestigeobjekt des Konzerns ist und ob der Öffentlichkeit etwas vorenthalten wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung von Kennzahlen für Unternehmen
3. Die Bilanzanalyse
4. Der Jahresabschluss
5. Der VfL Wolfsburg
5.1. Das Konstrukt
5.2. Zuletzt veröffentlichte Bilanzdaten
5.3. Die Bilanzierung aus der Sicht der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
5.4. Das Transfergeschäft
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Lage der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH mittels einer Bilanzanalyse, um die finanzielle Verflechtung mit dem Mutterkonzern Volkswagen zu beleuchten und die Transparenz der Berichterstattung zu hinterfragen.
- Methoden der Kennzahlenanalyse bei Sportunternehmen
- Die Besonderheiten des Transfersgeschäfts im Profifußball
- Der Einfluss der 50+1-Regel auf die Konzernbindung
- Strukturelle Analyse der Bilanz- und Finanzlage
- Transparenzproblematik bei der Offenlegung von Jahresabschlüssen
Auszug aus dem Buch
5.4. Das Transfergeschäft
Das Transfergeschäft wird durch Nachfrage und Angebot auf einem Transfermarkt (nach dem Marktwert) gebildet. Auf diesem Transfermarkt treten die Fußballbundesliga-Unternehmen sowohl als Anbieter als auch als Nachfrager auf. Ihre Position hängt von der qualitativen und quantitativen Bedarfsdeckung mit Spielern ab. Ein wesentlicher Faktor sind das Spielausfallrisiko und solche Spieler, welche einen Einfluss auf den Spiel- und Saisonverlauf ermöglichen. In der Profi-Fußballbranche ist es üblich, dass talentierte Spieler, welche Torchancen erzeugen sollen, auch viel kosten. Hierbei handelt es sich um einen immateriellen Vermögensgegenstand, der entgeltlich erworben wird. Der Kaufpreis entspricht den Anschaffungskosten (i.S.d. § 253 Abs.1 HGB).
Der Ankauf und Verkauf von Spielern in Form von Spielerlizenzen erbrachte der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH im Jahr 2011 einen Transferüberschuss von 25,7 Mio. Euro. Gleichzeitig erfolgte eine Abschreibung auf „Spielerwerte“. Der Umfang der Spielerwerte mit 48,8 Mio. Euro macht die Hälfte der Bilanzsumme aus. Die Spielerwerte sind sowohl durch planmäßige als auch außerplanmäßige Abschreibungen geschrumpft. Der Posten Spielerwerte entspricht dem Transfergeschäft.
Es finden sich keine Anhaltspunkte dafür, was unter außerplanmäßiger Abschreibung bei Spielerverträgen des VfL zu verstehen ist. Hierbei handelt es sich um eine vorzeitige Vertragsbeendigung, die eine dauerhafte Wertminderung begründet (i.S.d. 253 Abs. 3 HGB). Auch könnte sich eine dauerhafte Wertminderung durch den körperlichen Zustand des Sportlers begründen, was einen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Bei der Abschreibung ist nicht der Spieler an sich, sondern die Spielerlizenz gemeint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Unternehmensgeschichte und die Entstehung der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH sowie die Problematik der eingeschränkten Datenverfügbarkeit für eine aktuelle Bilanzanalyse.
2. Die Bedeutung von Kennzahlen für Unternehmen: Dieses Kapitel erläutert die Funktion von Kennzahlen als Führungsinstrument zur Erkennung von Schwachstellen und zur Steuerung der Unternehmensentwicklung.
3. Die Bilanzanalyse: Hier werden die methodischen Verfahren zur Auswertung von Jahresabschlüssen definiert, um die Finanz- und Erfolgslage eines Unternehmens ganzheitlich beurteilen zu können.
4. Der Jahresabschluss: Das Kapitel beschreibt das Kernstück der Rechnungslegung bei Kapitalgesellschaften und die Relevanz der Größenkriterien gemäß HGB für die Berichtspflichten.
5. Der VfL Wolfsburg: Eine detaillierte Untersuchung der Unternehmensstruktur des VfL sowie eine kritische Analyse der Bilanzlage und der Mechanismen im Transfergeschäft.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass der Verein als Tochtergesellschaft innerhalb des Konzerns finanzielle Besonderheiten aufweist und bilanziell eng an die Strategie von Volkswagen geknüpft ist.
Schlüsselwörter
Bilanzanalyse, VfL Wolfsburg, Volkswagen AG, Kennzahlen, Transfergeschäft, Jahresabschluss, Konzernrechnungslegung, 50+1-Regel, Spielererlaubnis, Kapitalgesellschaft, Wirtschaftsführung, Profifußball, Offenlegungspflicht, Spielerwerte, Unternehmensbewertung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Ziel dieser wissenschaftlichen Untersuchung?
Die Arbeit analysiert die wirtschaftliche Gesamtsituation der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH mittels Kennzahlen, um Transparenzlücken im Jahresabschluss zu identifizieren.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Im Fokus stehen die Konzernbeziehung zu Volkswagen, die Bilanzierung von Spielertransfers und die methodische Anwendung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen im Profifußball.
Womit wird die Forschungsfrage begründet?
Die Forschungsfrage ergibt sich daraus, dass der Verein von der Offenlegungspflicht befreit wurde und somit eine aktuelle externe Bilanzanalyse der Sportgesellschaft erschwert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Der Autor verwendet eine bilanzanalytische Methode, basierend auf dem letzten öffentlich zugänglichen Jahresabschluss (2011), ergänzt durch Konzernberichte und Kennzahlenvergleiche.
Welche Bereiche deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Bilanzanalyse, die Unternehmensgeschichte und -struktur des VfL sowie eine detaillierte Auswertung der Bilanzierungspraxis.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Konzernverflechtung, Bilanzanalyse, Transferüberschuss und Transparenz im Profisport charakterisiert.
Wie wirkt sich die 50+1-Regel auf den VfL Wolfsburg aus?
Der VfL Wolfsburg genießt als Sonderfall eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regelung, was die enge finanzielle und strategische Bindung zum Volkswagen-Konzern untermauert.
Was verbirgt sich hinter der sogenannten "Sparschwein-Theorie" des Autors?
Der Autor vermutet in seinem Fazit, dass der VfL bilanztechnisch als Vehikel genutzt wird, um in guten Zeiten Gelder zuzuführen und in Krisenzeiten finanzielle Defizite innerhalb des Konzernverbunds zu steuern.
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- Thomas Majer (Autor), 2015, Bilanzanalyse und Kennzahlen im Profi-Fußball, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1550314