Ein gutes Geschäftskonzept wird nur zum nachhaltig erfolgreichen Unternehmen, wenn
alle mit der Leistungserstellung und Vermarktung verbundenen Aktivitäten geordnet,
schnell, flexibel und optimiert ablaufen. Der für die Erfüllung verschiedener gesetzlicher
Vorschriften notwendige organisatorische Aufwand der Erstellung, Sammlung und Archivierung
von Daten und Dokumenten ist eine weitere Herausforderung. Workflowmanagementsysteme
(WfMS) können hier substanzielle Wettbewerbsvorteile schaffen (s. Österle/
Vogler 1996). Die Einführung solcher Systeme in Geschäftsprozesse etablierter Unternehmen
bringt jedoch auch Nachteile mit sich und wirft teils erhebliche Probleme auf.
Gegenstand dieser Seminararbeit ist eines der auftretenden Probleme, die Einbindung von
Legacy-Systemen1 (LgS) in WfMS Architekturen.
Zur Vereinfachung bzw. Lösung dieses Problems wird aufgeführt, welche betriebswirtschaftlichen
Überlegungen bezüglich Integration bestehender Software (SW) bei der Implementierung
des WfMS anzustellen sind, welche Merkmale SW aufweisen muss um vollständig
integriert werden zu können und wie es möglich ist, nicht-anpassungsfähige SW in
den Workflow zu integrieren. Zu letzterem wird außerdem eine SW vorgestellt, die beispielhaft
die Integrationsfähigkeit demonstriert.
Zum allgemeinen Verständnis werden im Kapitel 2 Grundlagen zur SW-Unterstützung von
Gruppenarbeit, im speziellen WfMS, und deren Funktionsweise vermittelt. Kapitel 3 geht
auf die technische Vorgehensweise zur erfolgreichen Implementierung eines WfMS in ein
existierendes Unternehmen ein. Daraus abgeleitet wird das Legacy Problem, für das die
vorhandenen Migrationstechniken vorgestellt werden. Kapitel 4 erläutert im Detail die Integration
eines LgS in eine WfMS Architektur im Detail. Der besonderen Bedeutung der
Wrapper Technologie wird dabei Kapitel 4.5 gerecht. Des weiteren wird im Kapitel 5 die
praktische Umsetzung dieser Technologie im Rahmen eines Beispielfalles erklärt. Die zugehörige
SW ist Bestandteil des Referates zu dieser Seminararbeit. Abschließend wird ein
Fazit gezogen und ein Ausblick gewagt.
1 Legacy (engl.: Vermächtnis, Erbe) Systeme bezeichnen allgemein veraltete, überholte Systeme. Hier steht es für Software
samt zugehöriger Daten, deren Eignung für die Verwendung in computerunterstützter Gruppenarbeit (CSCW), insbesondere
WfMS, unzureichend ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Computergestützte Gruppenarbeit
2.1 Grundlagen
2.2 Workgroup Computing
2.3 Workflowmanagementsysteme
2.4 Beurteilung des automatisierten Workflows
3 Implementierung eines WfMS mit Legacy Problem
3.1 Einführung eines WfMS
3.2 Legacy Problem
3.3 Migration von Legacy Systemen
4 Integration von Legacy Systemen und Wrapping
4.1 Prozessteuerung
4.2 Applikationsaufruf
4.3 Datenübergabe
4.4 Aufrufmechanismen
4.5 Wrapper-Technologie für das Legacy Problem
5 Anwendungsbeispiel Auftragseingang
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Integration veralteter Software-Systeme, sogenannter Legacy-Systeme (LgS), in moderne Workflowmanagementsysteme (WfMS). Ziel ist es, technische Lösungswege aufzuzeigen, wie diese Systeme trotz technischer Restriktionen in automatisierte Geschäftsprozesse eingebunden werden können, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Wrapper-Technologie liegt.
- Grundlagen von Workflowmanagementsystemen und computergestützter Gruppenarbeit
- Herausforderungen bei der Migration von Legacy-Systemen in moderne Architekturen
- Methoden zur Integration bestehender Software (Neuentwicklung, Konversion, Kapselung)
- Technische Umsetzung des Applikationsaufrufs und der Datenübergabe im Workflow
- Praktische Demonstration der Wrapper-Technologie anhand eines Fallbeispiels
Auszug aus dem Buch
Wrapper-Technologie für das Legacy Problem
Durch den vergleichsweise geringen Programmieraufwand und die Möglichkeit den Wrapper für jede Legacy SW spezifisch anzupassen, präsentiert sich Wrapping als das vorteilhafteste der drei Migrationswerkzeuge. Aufgrund dieser Vorteile kann Wrapping als die Standardtechnik der LgS Integration (vgl. Leymann/Roller 2000, 349) bezeichnet werden.
Doch es entstehen auch Nachteile. Wrapper führen zu Performance Verlusten der LgS und müssen bei Änderungen am Workflow oder der IT-System Landschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit angepasst werden. Aus der Fähigkeit zur spezifischen Anpassung resultiert ein weiterer Nachteil. Wrapper werden üblicherweise per Hand programmiert. Sollen mehrere, strukturell unterschiedliche LgS integriert werden, muss für jedes ein eigener Wrapper erstellt werden. Wiederverwendbarkeit ist für den Funktionskern des Wrappers in einem solchen Fall nicht möglich. Da das Anpassen und manuelle Erstellen der Wrapper nur von Programmierern durchgeführt werden kann, entstehen Kosten.
Mittlerweile gibt es auch Bestrebungen Systeme zu entwickeln, die einen passenden Wrapper automatisch entwickeln. Ist dieses System einmal eingerichtet, erhält der Betreiber auf Anforderung einen neuen, angepassten Wrapper (vgl. Legner 2000, 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Problembereich der Integration von Legacy-Systemen in moderne Workflowmanagementsysteme und skizziert den Aufbau der Seminararbeit.
2 Computergestützte Gruppenarbeit: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Workflowmanagementsystemen (WfMS) im Kontext von modernen Client-Server-Architekturen und bewertet den automatisierten Workflow.
3 Implementierung eines WfMS mit Legacy Problem: Es wird der Prozess der WfMS-Einführung beschrieben, das daraus resultierende „Legacy Problem“ abgeleitet und verschiedene Migrationsstrategien vorgestellt.
4 Integration von Legacy Systemen und Wrapping: Das Kernkapitel vertieft die technischen Aspekte der Prozesssteuerung, des Applikationsaufrufs, der Datenübergabe und fokussiert dabei besonders auf die Wrapper-Technologie.
5 Anwendungsbeispiel Auftragseingang: Anhand eines praxisnahen Szenarios wird die Implementierung und Einbindung eines Legacy-Systems durch Kapselung demonstriert.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die Marktentwicklung von WfMS sowie zukünftige Trends wie die Konzentration auf Branchenlösungen und Enterprise Application Integration (EAI) analysiert.
Schlüsselwörter
Workflowmanagementsystem, WfMS, Legacy-Systeme, LgS, Integration, Wrapping, Kapselung, Migration, Geschäftsprozesse, Workflow Engine, Middleware, Applikations-Integration, Softwaremigration, CSCW, IT-Architektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der technischen Integration von bestehenden, oft als veraltet geltenden Softwareanwendungen (Legacy-Systeme) in moderne Workflowmanagementsysteme, um deren Nutzen in Unternehmensprozessen zu erhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Workflowmanagementsysteme, deren Architektur, die Herausforderungen bei der Modernisierung von IT-Landschaften und spezifische Techniken zur Überbrückung von Systemkompatibilitätsproblemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über Migrationsstrategien zu geben und insbesondere die Wrapper-Technologie als effizientes Mittel zur Einbindung alter Software in neue Workflow-Umgebungen vorzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse der gängigen Fachliteratur und Architekturmodelle sowie auf eine praktische Fallbeispiel-Demonstration zur Veranschaulichung der theoretischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen der Gruppenarbeit definiert, die Phasen der WfMS-Einführung durchlaufen und schließlich die technischen Details der Wrapper-Technologie, einschließlich Applikationsaufruf und Datenübergabe, erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Workflowmanagement, Legacy-Systeme, Kapselung (Wrapping), Middleware, Prozessmodellierung und IT-Integration.
Welche Rolle spielt die Wrapper-Technologie konkret?
Die Wrapper-Technologie dient als "Programmhülle", die das Legacy-System nach außen hin mit einer modernen, kompatiblen Schnittstelle ausstattet, sodass es für die Workflow Engine nutzbar wird, ohne den Quellcode des Altsystems grundlegend ändern zu müssen.
Was ist das zentrale Hindernis bei der Nutzung von Legacy-Systemen in WfMS?
Das Haupthindernis ist, dass Legacy-Systeme oft in proprietären Sprachen oder Architekturen entwickelt wurden, die nicht für moderne, verteilte Workflow-Umgebungen oder für den Datenaustausch via standardisierter APIs oder Messaging-Interfaces ausgelegt sind.
- Arbeit zitieren
- Matthias Grabe (Autor:in), 2002, Integration von Legacy-Systemen in eine WFMS Architektur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15505