Die Umsetzung der Serviceorientierten Architektur (SOA) in der Firma SAP


Studienarbeit, 2008

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Zielbeschreibung

2 Begriffsklärung

3 SOA@SAP
3.1 Von SOA zu Enterprise SOA
3.2 Zusammenwirken von BPM und SOA
3.3 Vorteile einer Enterprise SOA
3.4 ES Workplace und ES Bundles

4 Komponenten der SOA-Middleware (NetWeaver)
4.1 Application Server
4.2 Process Integration (ehem. XI)
4.3 Enterprise Service
4.4 Enterprise Service Repository
4.5 Enterprise Service Registry
4.6 Composition Environment
4.7 Zusammenspiel der Komponenten

5 Anwendung
5.1 Services bereitstellen
5.2 Services konsumieren
5.3 Galaxy bzw. Process Composer

6 Perspektiven

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Motivation

In der Entwicklung von IT-Landschaften gab es immer große Trends. Zu Beginn der 70er Jahre waren Mainframe-Systeme State of the Art. Diese waren auf die zentralistische Struktur von Unternehmen bestens ausgerichtet. Jedoch waren Prozessänderungen nur im Rahmen großer Projekte möglich.

Mitte der 80er Jahre bis Anfang der 90er Jahre wurden die Client/Server­Architekturen populär. Dies war die Geburtsstunde von dezentralen und skalierbaren Softwaresystemen wie z.B. SAP R/3. Unternehmen waren nun in der Lage, flexibel auf externe Marktveränderungen zu reagieren und gleichzeitig ihre Geschäftsprozesse integriert abzuwickeln.

Mitte bis Ende der 90er Jahre wurde dann durch das Internet der Grundstein für die Abwicklung von Geschäftsprozessen über Unternehmensgrenzen hinweg gelegt. Neue Systeme für Supply Chain Management, Customer Relationship Management und vieles mehr unterstützten diesen Trend.

Heute haben Unternehmen mit der Best-of-Breed-Strategie heterogene und sehr komplexe Systemlandschaften aufgebaut. Zum einen bieten diese sehr viel Komfort, da die Einzelkomponenten über ein Maximum an Funktionalität verfügen, zum anderen sind aber hohe Investitionen für die Integration notwendig.

Aktuell werden IT-Abteilungen neben den heterogenen Systemlandschaften und den unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Die Kommunikation zwischen den Fachbereichen und der IT muss als wesentliche Grundlage für gelungene Prozessimplementierungen weiter verbessert, und die Flexibilität der Anwendungen erhöht werden.

Ein Lösungsansatz dafür ist eine umfassende Integration von Prozessen und Daten einerseits und von Anwendungen und den Schnittstellen zum Menschen andererseits. Eine solch umfassende Integration rückt mit einer serviceorientierten Architektur in greifbare Nähe[1].

1.2 Zielbeschreibung

Im Rahmen dieser Arbeit wird nach einer kurzen Begriffsklärung rund um das Thema SOA dargestellt, wie dieses Paradigma durch die SAP AG adaptiert wurde. Dabei wird geklärt was SAP unter SOA bzw. Enterprise SOA versteht, welche Vorteile daraus entstehen und auch wie SAP seine Kunden bei einem sanften Umstieg auf das neue Konzept unterstützt.

Anschließend werden die Komponenten der technischen Umsetzung - insbesondere das Produkt NetWeaver - vorgestellt. Anhand eines konkreten Beispiels wird sodann erläutert, wie Services bereitgestellt und konsumiert werden können.

Im letzten Teil dieser Arbeit erfährt die Umsetzung des SOA-Konzeptes durch SAP eine kritische Würdigung. Offene Fragen werden aufgezeigt und es werden konkrete Handlungsempfehlungen für den sinnvollen Einsatz zum derzeitigen Zeitpunkt gegeben.

2 Begriffsklärung

In der Literatur findet man zahlreiche Definitionen für die Serviceorientierte Architektur (kurz SOA). Die Grundidee hinter dieser Informationssystem Architektur ist es, Funktionen als Dienste zu kapseln und so in verteilten Systemen neue Anwendungen aus lose gekoppelten Diensten erzeugen zu können. Dabei wird in der Praxis eine Kommunikation über Standardprotokolle gefordert, um auch heterogene Systeme miteinander verbinden zu können. Das Softwareengineering fordert darüberhinaus einen hohen Grad an Wiederverwertbarkeit für die einzelnen Dienste, was schlussendlich die Qualität der Software steigern soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2-1: Übersicht SOA

Die Anwendungsgebiete für eine SOA sind vielfältig. In dieser Arbeit betrachten wir insbesondere die Anwendung im Prozessmanagement und der Anwendungsentwicklung. Im Prozessmanagement werden einzelne Prozessschritte als Dienste realisiert. Auf diese Weise können system- und unternehmensübergreifende Prozesse geschaffen werden (siehe auch 3). Bei der Anwendungsentwicklung schafft eine SOA neue Möglichkeiten für die Wiederverwendbarkeit von Funktionen. Konnten bisher Funktionen nur innerhalb eines Systems mehrfach verwendet werden (z.B. durch systemübergreifende DLLs), können jetzt auch Dienste anderer Systeme - sogar dynamisch - eingebunden werden.

Das zentrale Element einer SOA ist der Dienst bzw. Service. Gemäß der Definition in (Heutschi, 2008) ist „ein Service ein abstraktes Software­Element bzw. eine Schnittstelle, die anderen Applikationen über ein Netzwerk einen standardisierten Zugriff auf Anwendungsfunktionen anbietet“. In der Praxis wird zudem die Verwendung von Standards bei der Veröffentlichung der Schnittstelle (WSDL) und der Übertragung (in der Regel SOAP) gefordert.

Weitere Details des SOA-Paradigmas und die technischen Umsetzung werden in den Vorträgen zu diesem Kurs in diesem Semester erläutert.

3 SOA@SAP

3.1 Von SOA zu Enterprise SOA

Die SAP AG nennt ihre Adaption des SOA Konzepts Enterprise SOA (kurz: E-SOA). Beim klassischen SOA werden meist isolierte, manuell erstellte Funktionen bzw. Services ohne übergeordnete Steuerung betrachtet. Da dies schnell zu Chaos führen kann, werden bei E-SOA sogenannte einsatzfertige Services mit Bezug auf konkrete Geschäftsprozesse fokussiert. Ein einheitliches Repository trägt hier wesentlich zur Integrität bei.

3.2 Zusammenwirken von BPMund SOA

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die heutige Systemstruktur vieler Unternehmen durch den Best-of-Breed-Ansatz geprägt. [2] In einer Vielzahl von Spezialsystemen wie CRM[3], SCM[4] und PLM[5] sind zahlreiche Funktionen abgebildet und zum Teil sicher auch verknüpft. Jedoch trägt dies noch lange nicht der unternehmerischen Realität Rechnung. Tatsächlich ist es so, dass praktisch jeder reale Geschäftsprozess mehrere Systeme betrifft.

Nehmen wir zum Beispiel den Kundenauftragsprozess. Dieser wird normalerweise im CRM System starten. Dort werden sogenannte Opportunities verwaltet, Verkaufsdaten ausgewertet und Kampagnen geplant. Nach erfolgreicher Durchführung entschließt sich ein Kunde zum Kauf und wird eine Bestellung bzw. einen Kundenauftrag im ERP-System platzieren. Hier werden unter anderem relevante Konditionen ermittelt und später die Abwicklung im Finanzwesen und Controlling durchgeführt. Zuvor jedoch löst der Kundenauftrag im SCM-System die Beschaffung von Rohstoffen und die Planung von Produktionskapazitäten aus. Die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den beteiligten Systemen eines Geschäftsprozesses finden natürlich auch in die andere Richtung statt. Wenn etwa in der Qualitätsprüfung (ERP) der Fertigerzeugnisse ein Problem festgestellt, und daraufhin zu Wartungszwecken eine Stillstandszeit auf einer Maschine eingeplant werden muss (SCM), so verschieben sich eventuell die Lieferzeiten für den Kunden (ERP).

Wie will es SAP nun meistern, die Abbildung von Geschäftsprozessen näher an der Realität auszurichten und die geforderte Integration zu ermöglichen? Dies wird durch folgende Darstellung veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3-1: Flexible Geschäftsprozesse durch SOA[6]

Die Idee ist, die bisher starr in einem System implementierten Prozesse in ihre Einzelteile zu zerlegen und als flexibel miteinander verknüpfbare Bausteine bzw. Services zur Verfügung zu stellen (Integrate). Diese können je nach den Anforderungen des Unternehmens zu Geschäftsprozessen zusammengesetzt werden (Compose). Dabei können natürlich nicht nur von SAP bereitgestellte, sondern auch von Kunden, Lieferanten bzw. Drittanbietern angebotene Services miteinbezogen werden. Dies wird durch die Verwendung von technischen Standards sichergestellt (siehe Kapitel 5).

Neben der Flexibilisierung und damit der besseren Integration von Geschäftsprozessen, ist aus Sicht des Business Process Management (kurz BPM) auch die Entkoppelung der Geschäftsebene von der darunterliegenden IT-Infrastruktur ein wichtiger Aspekt. Im Rahmen der Umstellung auf eine serviceorientierte Architektur wird der Bedarf an Services zunächst durch das Business vorgegeben werden. Aufgabe der IT ist die Bereitstellung der Funktionalität unter Verwendung der vorhandenen Systeme. Zukünftige Veränderungen auf IT-Ebene werden jedoch keinen direkten Einfluss mehr auf die Geschäftsprozesse haben, da die grundsätzliche Funktion eines Services bestehen bleibt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3-2: Entkopplung von Business und IT[7]

Ein Service „Get Article“ beispielsweise liefert aus der Sicht Business­Perspektive immer Materialnummern nach bestimmten Kriterien zurück. Ob hierbei auf ein oder mehrere Systeme zurückgegriffen wird spielt keine Rolle.

3.3 Vorteile einer Enterprise SOA

Der Einsatz von Enterprise SOA bietet allgemein folgende Vorteile[8] :

- Reduktion der TCO (Total Cost of Ownership): Durch die Konsolidierung von IT-Systemen und/oder Prozessen sinken die IT- und Prozesskosten.
- Flexibilität: Die Entkopplung von Prozessschritten ermöglicht es, schneller und kostengünstiger Veränderungen der Prozesse in der IT abzubilden.
- Innovation: Durch die Verwendung von Prozessschritten in innovativen neuen Anordnungen kann ein Unternehmen Prozessinnovationen realisieren und sich darüber gegenüber dem Wettbewerb differenzieren.

Je nach konkreter Verwendung und Ausprägung von E-SOA können aus Sicht der Fachbereiche weitere Vorteile genannt werden. Es wurde bereits erläutert, dass die Integration zwischen Systemen erheblich verbessert werden kann. Dies ermöglicht sowohl unternehmensintern als auch unternehmensübergreifend eine bessere Zusammenarbeit. Durch die Entkoppelung von Services wird weiterhin das Outsourcing und Outtasking vereinfacht.

Von zentraler Bedeutung ist natürlich stets die Qualität. Diese kann im Hinblick auf die Prozessbearbeitung gesteigert werden, da z.B. gleiche Funktionen (z.B. Verfügbarkeit prüfen) an unterschiedlichen Stellen (Vertriebsinnendienst, Call Center) und auch in verschiedenen Prozessen (Anfrage, Reklamation) gleichartig ausgeführt werden und zum gleichen Ergebnis führen.

Last but not least kann im Rahmen der Compliance den regulatorischen Anforderungen nach höherer Transparenz (z.B. Sarbanes-Oxley Act) durch die homogene und klar dokumentierte Enterprise-Service-Infrastruktur besser entsprochen werden.

Aber nicht nur das Business, sondern auch die IT kann von E-SOA profitieren. Durch die Wiederverwendbarkeit von Services werden funktionale Redundanzen eliminiert, wodurch die Entwicklungsgeschwindigkeit und - Qualität verbessert werden kann. Eine einheitliche Plattform wirkt sich auf der Kostenseite positiv aus und die Verknüpfung von Applikationen wird einfacher. Dies wird zum einen durch die Verwendung von Standards und zum anderen durch die vereinfachte inhaltliche Kommunikation durch eine einheitliche Semantik im Enterprise Repository erreicht.

[...]


[1] vgl. (Karch, Heilig, Bernhardt, Hardt, Heidfeld, & Pfennig, 2005, S. 209)

[2] BPM = Business Process Management

[3] CRM = Customer Relationship Management

[4] SCM = Supply Chain Management

[5] PLM = Product Lifecycle Management

[6] Quelle: (Jie Deng, 2008)

[7] Quelle: (Rosenberg & Dietrich, 2008)

[8] Quelle: (karch & Heilig, 2008)

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Umsetzung der Serviceorientierten Architektur (SOA) in der Firma SAP
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Veranstaltung
Middleware
Note
1,0
Autoren
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V155139
ISBN (eBook)
9783640686346
ISBN (Buch)
9783640686421
Dateigröße
6875 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
SOA, SAP, Netweaver, E-SOA, Enterprise Service
Arbeit zitieren
Markus Kammermeier (Autor)Elisabeth Hötzinger (Autor), 2008, Die Umsetzung der Serviceorientierten Architektur (SOA) in der Firma SAP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155139

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