Die Philosophie John Searles

Eine Analyse von Bedeutung und Geist


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Darstellung des Textes: „Sind Bedeutungen im Kopf?“
1.1. Searles Ziele
1.2. Internalistische Theorie der Bedeutung
1.3. Einwände gegen internalistische Theorien
1.4. Die Auseinandersetzung mit Hilary Putnam

2. Searles Internalismus im Vergleich mit seiner Darstellung von Geist als biologisches Phänomen
2.1. Einführung in den Text
2.2.Analyse von Gemeinsamkeiten und Widersprüchen

3. Persönliche Analyse und kritische Reflexion des Textes
3.1. Textanalyse
3.2. Kritische Reflexion und eigene Gedanken zu den beiden Texten
3.3. Resumé

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf zwei ausgewählten Texten von John Searle. Ich beginne damit, den Haupttext vorzustellen, in dem sich Searle vor allem mit der Frage nach Bedeutung und Intentionalität beschäftigt. Anschließend, werde ich diesen Haupttext in Bezug zu einem Text von Searle setzen, in dem er versucht zu zeigen, dass der menschliche Geist und dadurch auch Bewusstsein reine biologische Vorgänge sind, um zu untersuchen, in wie weit sie übereinstimmen, und ob es vielleicht auch Widersprüche zwischen ihnen gibt. Den Schluss und letztendlich auch das Ziel dieser Arbeit bildet die eigenständige und kritische Reflexion der Texte, welcher ich auch meine eigene Meinung, zu den von Searle erwähnten Themen anschließen werde.

1. Darstellung des Textes: „Sind Bedeutungen im Kopf?“

In diesem ersten Teil meiner Arbeit, werde ich versuchen, die Thesen und Auffassungen Searles, die er in dem Text „Sind Bedeutungen im Kopf“ darstellt, in meinen eigenen Worten zu erläutern. [1]

Ich beginne damit Searles Ziele, die er in diesem Text verfolgt, zu erklären und kurz darzustellen. Danach skizziere ich seine Vorstellung von internalistischen und intentionalistischen Theorien der Bedeutung und schließe daran mit einem kurzen Teil über mögliche Kritiken dieser Theorien an. Zum Schluss des ersten Teils möchte ich näher auf Searles Auseinandersetzung mit Hilary Putnam eingehen, und ich werde versuchen zu erklären, wieso Searle meint, Putnam in all seinen Theorien widerlegen zu können.

1.1 Searles Ziele

Searles Ziel ist von Anfang an klar definiert. Er will, ausgehend von der Annahme einer internalistischen Theorie von Bezug, seine intentionalistische Theorie vorstellen und im selben Zug beweisen, warum sich Bedeutungen im Kopf, und nirgends sonst, befinden und alle anderen Theorien, die gegenteiliges behaupten, falsch liegen. Dieses Ziel formuliert er ganz deutlich, wenn er sagt: „ […] mein Ziel ist es nicht nur, eine intentionalistische Theorie des Bezugs vorzustellen, sondern dabei zugleich eine Antwort auf eine Familie von meines Erachtens irrigen Lehren der zeitgenössischen Philosophie zu geben.“[2] Weiters denke ich, dass es ihm ein Anliegen ist, zu zeigen, dass seine Theorie der Intentionalität und ebenso die Sprechakttheorie äußerst brauchbare Theorien sind, um wichtige Phänomene wie Bedeutung und Bewusstsein zu analysieren und zu erklären.

1.2. Internalistische Theorien von Bedeutung

Zu Beginn dieser Erläuterung meine ich sagen zu müssen, dass Searle keine genaue Unterscheidung zwischen internalistischen und intentionalistischen Bedeutungstheorien macht. Beide bedeuten meines Erachtens, dass es uns mit Hilfe unserer Geisteszustände, die sich im Kopf befinden, möglich ist, dass sowohl Sprecher als auch Hörer verstehen können, worauf sich die verwendeten sprachlichen Ausdrücke beziehen.[3]

So bezieht sich beispielsweise der Ausdruck „Baum“ über den Sinn im Kopf auf den tatsächlichen Gegenstand. Die Gegenposition zum Internalismus ist der Externalismus, den Hilary Putnam vertritt. Externalisten vertreten die Meinung, dass der tatsächliche Gegenstand in der Welt, Teil meiner Idee von dem Gegenstand ist. Für Putnam ist nicht wichtig, was in unseren Köpfen ist, sondern der reale Gegenstand und dessen Mikrostruktur.

Ich meine sagen zu können, dass Searle seine intentionalistische Theorie, als eine Theorie sieht, die man der Kategorie der internalistischen Theorien zurechnen kann, die jedoch die spezielle Eigenschaft hat, die Intentionalität in den Mittelpunkt zu stellen. Um begreifen zu können, wie die Beziehung zwischen dem Geist und der Wirklichkeit ist, muss man nach den unterschiedlichen Formen der Intentionalität fragen.[4]

Searle stellt anfangs Freges´ Theorie als eine internalistische dar und entwickelt anhand dieser Theorie seine eigne, wobei er nicht alle Teile der Fregeschen Vorstellung akzeptiert. Das Postulat eines „dritten Reiches“[5], wie Frege es nennt, in dem es abstrakten Entitäten möglich ist, zu existieren, verwirft Searle, denn eine solche Annahme ist für ihn überflüssig. Ein solches Reich ist keine nötige Voraussetzung oder Annahme, um zu erklären, wieso Menschen einander verstehen können, oder sie gemeinsame intentionale Gehalte haben.[6]

Er demonstriert seine Anschauung indem er sagt: „Die Möglichkeit gemeinsamer intentionaler Gehalte verlangt genauso wenig einen schweren metaphysischen Apparat, wie die Möglichkeit gemeinsamer Spaziergänge dies tut.“[7]

1.3. Einwände gegen internalistische Theorien

Searle geht dann dazu über, Angriffe auf internalistische Bedeutungstheorien vorzustellen. All diese Konzeptionen haben laut Searle eines gemeinsam: Ihnen ist der innere intentionale Gehalt nicht genug, um einen Bezug oder eine Bedeutung festzustellen. Sie nehmen zusätzlich eine äußere, kausale Beziehung zwischen dem Geäußerten und dessen Merkmalen in der Welt an, um eine Bedeutung zu erhalten.[8] Es wird gefragt, wovon der Begriff kausal verursacht wurde.

Beispiele für nicht-internalistische und somit irrige Lehren, wären laut Searles etwa Lehren, die eine genaue Unterscheidung zwischen de re- Einstellungen und de dicto-Einstellungen für wichtig erachten, Lehren, die meinen, dass eine internalistische Theorie nicht mit indexikalischen Begriffen fertig würde, oder Lehren, die Bezugnahme nur durch Kausalbeziehungen erklären können.[9]

1.4. Die Auseinandersetzung mit Hilary Putnam

Searle geht sehr genau auf die Argumentation von Putnam ein, um zu zeigen, dass er mit seiner Auffassung (dass Bedeutungen nicht im Kopf sind), Unrecht hat, und dass eigentlich auch er eine internalistische Auffassung von Bedeutung vertritt.[10]

Hilary Putnam vertritt die Meinung, dass es nicht alleine unsere psychischen Zustände sind, die Extensionen festlegen. Putnam hält folgende Argumentation für falsch:

1) Die Bedeutung eines Wortes zu kennen besteht darin, in einem gewissen psychischen Zustand zu sein.
2) Bedeutung legt Extension[11] fest.

Daraus folgt: Psychische Zustände legen dir Extension fest.[12]

Putnam meint, dass der gezogene Schluss nicht korrekt ist, denn derselbe psychische Zustand kann laut Putnam unterschiedliche Extensionen hervorrufen. Das bedeutet, dass laut Putnam zwei Menschen dieselbe Idee im Kopf haben können, aber die tatsächlichen Sachen in der Welt unterschiedlich oder nicht identisch sind mit dieser Idee. Kurz gesagt: Ein psychischer Zustand aber zwei unterschiedliche Gegenstände. Um dies zu beweisen, konstruiert er einige Gedankenexperimente, die seine Haltung verdeutlichen sollen.[13]

Als erstes Beispiel nennt Putnam ein Prinzip, welches er „sprachliche Arbeitsteilung“[14] nennt. Dieses Prinzip besagt, dass es in jeder Gesellschaft Menschen gibt, die sich in bestimmten Themenbereichen besser auskennen als andere, was sich in deren Wortwahl zu genau diesem Themenbereich äußert. Beispielsweise kann jemand der den Unterschied zwischen Ulmen und Buchen nicht kennt, einfach weil er nicht genug Kenntnis zu diesem Themenbereich hat, auch nicht zwischen Ulmen und Buchen unterscheiden. Ein Laie auf diesem Gebiet hat aber denselben psychischen Zustand wie ein Experte, wenn er eine Buche vor sich sieht. Ihr psychischer Zustand ist derselbe, aber ihre Extension eine andere, so Putnam.

Searle entkräftet diesen Einwand, indem er sagt, dass es unsinnig sei, von Fällen auszugehen, in denen Menschen die richtige Bedeutung von Dingen gar nicht kennen. Der Laie habe die Möglichkeit die Extension von dem Experten festlegen zu lassen, wenn seine eigenen Kompetenzen mangelhaft sind.[15]

Das zweite und wichtigere Beispiel von Putnam ist das „Zwerdenbeispiel“. Man muss sich die Zwerde vorstellen, wie unseren Planeten die Erde. Das Leben auf Zwerde ist unserem in vielerlei Hinsicht ähnlich. Aber es gibt auch Unterschiede. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass Wasser auf Zwerde eine andere chemische Verbindung als Wasser auf der Erde aufweist. Auf Erde hat es die chemische Zusammensetzung H2O und auf Zwerde XYZ. Zu einer Zeit in der sowohl die Erd- auf auch die Zwerdbewohner von der chemischen Zusammensetzung von Wasser noch nichts wussten, waren sie in dem gleichen psychischen Zustand, wenn sie an Wasser dachten. Ihre Extensionen waren aber unterschiedlich.[16]

Putnam geht weiters davon aus, dass man Extensionen indexikalisch festlegt. Das bedeutet, dass man Ausdrücken wie „Wasser“ gewisse Merkmale wie farblos, flüssig, geschmacklos etc. zuordnet. Alles, was dann dieselbe Struktur ausweist, wie der beschriebene Gegenstand, gehört zur Extension des indexikalisch festgelegten Gegenstands. Daraus folgt für Putnam, dass Wasser auf Erde und Wasser auf Zwerde unterschiedliche Extensionen haben, weil es auf Erde eine andere Struktur aufweist als auf Zwerde.[17]

[...]


[1] Vgl. Searle, John. „Intentionalität: eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes.“ 1. Aufl. Frankfurt am Main. 1987. Suhrkamp. S. 247- 260.

[2] Ebd. S.248

[3] Ebd. S.248

[4] Ebd. S.247

[5] Ebd. S.247

[6] Ebd. S. 247 f.

[7] Ebd. S. 248

[8] Ebd. S. 250

[9] Ebd. S. 249

[10] Ebd. S. 260

[11] Extension bedeutet Begriffsumfang.

[12] Searle. Intentionalität. S. 251

[13] Ebd. S. 250 f.

[14] Ebd. S. 251

[15] Ebd. S. 251 f.

[16] Ebd. S. 253 f.

[17] Ebd. S. 257

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Die Philosophie John Searles
Untertitel
Eine Analyse von Bedeutung und Geist
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V155164
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosophie, John, Searles, Bedeutung, Geist
Arbeit zitieren
Eva Eckhard (Autor), 2009, Die Philosophie John Searles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155164

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