atmosfair – Ein Social Enterprise Beispiel im Klimaschutz


Seminararbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorstellung von atmosfair

3 Analyse von atmosfair
3.1 atmosfair ein „Social Enterprise“
3.2 Wertschöpfung / „Social Value“ durch atmosfair
3.3 Umfeld von atmosfair
3.4 Social Innovation und Ausblick

4 Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: atmosfair’s Planung des Projektportfolios und Abgleich mit den Spenden

Abbildung 2: Vergleich der Emissionen einzelner Verkehrsträger im Personenverkehr

Abbildung 3: Zusammenfassung der Ergebnisse

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einnahmeentwicklung von atmosfair seit der Gründung 2005

1 Einleitung

Der Geschäftsmann Stephan M. sitzt im Flugzeug der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic von London nach Frankfurt. Hoch über den Wolken, die Sonne strahlt, die Anschnallzeichen sind erloschen. Er beobachtet wie die Stewardessen mit ihren metallenen Versorgungswagen durch die Reihen fahren und professionell lächelnd die Passagiere vor ihm fragen: „Darf's für Sie etwas sein? Tee? Kaffee? Ein gutes Gewissen?". Stephan M. wundert sich, was mit letztgenanntem gemeint ist, als ein ebenfalls verdutzter Passagier die Stewardess belustigend danach fragt. Die Stewardess erwidert, dass es ein individuelles Klimaschutzzertifikat sei, mit dem man seinen persönlichen CO2-Ausstoß des Fluges kompensieren kann und Klimaschutzprojekte in der dritten Welt unterstützt. Der Passagier lehnt dankend ab, so wie die anderen Passagiere vor Stephan M. Als die Stewardess allerdings bei Stephan M., der in der Zwischenzeit ins Grübeln über den Umwelteinfluss seines Fluges gekommen ist, angelangt ist, fragt er nach dem Zertifikatepreis. Die Stewardess antwortet: „1,50 EUR[1]“. Stephan M., der etwas verwundert über den niedrigen Preis ist, kauft sich das Klimazertifikat. Mehrere Passagiere hinter ihm, vielleicht durch Stephan M. angeregt, fangen ebenfalls an, sich diese Klimazertifikate zu kaufen. Es scheint so, als ob eine Art Gruppendruck Unentschlossener zum Kauf bewegt, ihren individuellen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Stephan M. spendete durch seinen Zertifikatekauf einem „Social Enterprise“ Geld, das sich mit der Kompensation von Treibhausgasen im Flugverkehr beschäftigt – einem Unternehmen wie atmosfair.

Was aber steckt hinter atmosfair, dass es als „Social Enterprise“ angesehen werden kann?

Was ist die Wertschöpfung bzw. der „Social Value“ der durch atmosfair entsteht?

Wie sieht das Umfeld aus, das den Weg für die Idee von atmosfair ebnete?

Ist die Dienstleistung von atmosfair eine „Social Innovation“ und wie sieht der Ausblick für diese Innovation aus?

Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Seminararbeit ausgearbeitet werden.

2 Vorstellung von atmosfair

atmosfair ist eine gemeinnützige GmbH mit Sitz in Bonn, die aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministerium entstand und 2003 von der Umweltorganisation Germanwatch e.V. und dem forum anders reisen e.V. initiiert wurde. Die atmosfair gGmbH wurde im Mai 2005 unter der Schirmherrschaft von Klaus Töpfer gegründet.[2] atmosfair ist eine Organisation zur Minderung der klimaschädlichen Folgen des Luftverkehrs. Die Idee von atmosfair ist die direkten Akteure des Flugverkehrs, die Fluggesellschaften, die Reiseveranstalter und insbesondere die einzelnen Flugpassagiere zu informieren und ihnen eine positiv besetzte Handlungsmöglichkeit in Form von Kompensationszahlungen zu bieten.[3]

Die Kunden können auf der Website von atmosfair (www.atmosfair.de) bzw. über die Website eines mit atmosfair kooperierendem Akteurs ihre Reisedaten eingeben. Der von atmosfair entwickelte Emissionsrechner berechnet die Menge an CO2, die dieselbe Klimawirkung hat wie die Emissionen des eingegebenen Fluges (pro Passagier). Der Kunde kann anschließend an atmosfair den Betrag zahlen, der nötig ist, um die berechneten Emissionen an anderer Stelle in Klimaschutzprojekten einzusparen (siehe Anlage A).

atmosfair investiert die Kompensationszahlungen in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte, um dort eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen des Flugzeugs. Finanziert werden Projekte in Entwicklungsländern.[4] Bei allen aus atmosfair-Geldern finanzierten Projekten wird garantiert, dass sie tatsächlich Emissionen einsparen, die ansonsten entstanden wären. Dafür sorgt der sogenannte CDM-Mechanismus[5], mit dem die Projekte von atmosfair zertifiziert werden. Zudem sind die Projekte CDM-Gold-Standard[6] zertifiziert, der gewährleistet, dass besonders umweltfreundliche Technologien verwendet und für die Nutzer weitere ökonomische und soziale Vorteile gebracht werden.

Mittlerweile hat atmosfair das Produktportfolio ausgeweitet. Neben den Flügen kann auch der individuelle Jahres CO2-Verbrauch durch z.B. Autofahren, Strom, Heizung, Ernährung, kompensiert oder direkte Spenden für die Klimaschutzprojekte geleistet werden. Zudem bietet atmosfair eine Abofunktion an, mit der monatlich oder jährlich eine individuelle Kompensation möglich ist.[7] Darüber hinaus vertreibt atmosfair eine CO2-Bilanzierungssoftware, mit der Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck durch Geschäftsreisen ermitteln können.

Seit Gründung ist atmosfair stetig bei Mitarbeiteranzahl und Einnahmen gewachsen. Es beschäftigt 13 feste und zwei freie Mitarbeiter sowie fortlaufend 1 - 2 Praktikanten oder Diplomanten.[8] Auf der Einnahmeseite werden neben den Kompensationszahlungen (Spenden) sonstige Einnahmen (ca. 5%) durch den Verkauf der atmosfair- CO2-Bilanzierungssoftware erzielt. Die Einnahmeseite hat sich wie folgt entwickelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Einnahmeentwicklung von atmosfair seit der Gründung 2005[9]

Durch die Erweiterung des Produktportfolios und Sensibilisierung der Kunden für das Thema Klimaschutz sind weitere Einnahmesteigerungen auf der Spendenseite zu erwarten. Darüber hinaus erweitert atmosfair den Softwarebereich um ein intelligentes Analyse- und Planungstool[10], das das Reisemanagement von Unternehmen bei Kosten- und Klimagaseinsparungen unterstützt, so dass weitere Einnahmen erwirtschaftet werden können.

Als non-profit Organisation sind kommerzielle Interessen ausgeschlossen. So lässt sich garantieren, dass mit den atmosfair-Geldern so viel wie möglich für den Klimaschutz getan wird. Mindestens 80 Prozent der Einnahmen fließen in Klimaschutzprojekte. Im Jahr 2008 waren es sogar 92%, da durch die Einnahmen aus dem Softwareverkauf ein Großteil der Verwaltungskosten finanziert werden konnten.[11] Damit entspricht die Mittelverteilung bei atmosfair den Anforderungen des deutschen Spendensiegels.[12]

Die Kunden von atmosfair kommen neben den Privatpersonen aus den vier wesentlichen Bereichen:

1) Tourismus: z.B. Thomas Cook, Neckermann Reisen, opodo,
2) Wirtschaftsunternehmen: z.B. Deutsche Bahn, Münchener Rück, Cisco Systems,
3) NGOs, Politik und Verbände: z.B. NABU, Die Bundesregierung, ver.di, Bündnis 90/Die Grünen,
4) Veranstalter: z.B. ITB Berlin, Deutscher Evangelischer Kirchentag, Die Toten Hosen.

Die Kunden aus den Bereichen Tourismus und Veranstalter bieten ihren Kunden wiederum die Möglichkeit an, bei der Buchung der Reise bzw. Ticketkauf über atmosfair ihren individuellen CO2-Ausstoß zu kompensieren. Wirtschaftsunternehmen, NGOs, Politik und Verbände kompensieren über atmosfair den CO2-Ausstoß, der durch Geschäftsreisen mit dem Flieger ihrer Beschäftigten anfällt.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe[13] von vergleichbaren Anbietern, etwa das australische Projekt Climate Friendly, die US-amerikanische Native Energy sowie die Stiftung MyClimate in Zürich, zu deren Abnehmern unter anderem die Lufthansa, Swiss, Tuifly und Virgin Atlantic zählt.[14] atmosfair als Vorreiter setzt den höchsten Standard voraus. Neben dem Gold-Standard bei den CDM-Projekten berücksichtigt atmosfair bei der Berechnung des CO2-Ausstoßes die stärkere Klimawirkung nach dem Radiative Forcing Index (RFI)[15] mit. Das führt zu einer höheren Kompensationsberechnung als bei anderen Anbietern. So würde der Flug London – Frankfurt anstatt ca. EUR 1,50 (85 kg CO2) bei MyClimate EUR 6,00 (200 kg CO2)[16] bei atmosfair kosten. Die Lufthansa beispielsweise verzichtet auf den RFI-Multiplikator, sodass atmosfair eine Kooperation abgelehnt hat. Der hohe Standard von atmosfair führte dazu, dass es als einziger Anbieter in einem Ranking der Bostoner Tufts-Universität mit „exzellent“ bewertet wurde.[17]

[...]


[1] Betrag in Anlehnung an den Emissionsrechner der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic, die als erste Gesellschaft den Verkauf von Klimazertifikaten im Flugzeug Ende 2007 startete, und der Gesellschaft myclimate für die Strecke London - Frankfurt: https://virginatlantic.myclimate.org/add_to_cart. Der exakte Wert von GBP 1,13 wurde in EUR umgerechnet und für das Beispiel aufgerundet.

[2] vgl. atmosfair (2010): Wer steckt hinter atmosfair?, Internetquelle.

[3] vgl. Stern (2009): Schmerzpille gegen das schlechte Gewissen, Online-Artikel vom 18.12.2009.

[4] vgl. atmosfair (2010): Wie funktioniert atmosfair?, Internetquelle.

[5] CDM = „Clean Development Mechanism“ („Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung“). Die CDM-Kriterien wurden bei der internationalen Klimakonferenz in Kyoto vereinbart. CDM ermöglicht es Industrie- und Entwicklungsländern, gemeinsam Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern durchzuführen. Vgl. GTZ (2009): Clean Development Mechanism, What is it? How does it work?, S. 2.

[6] CDM-Gold-Standard: Er ist eine Art Gütesiegel mit einer Reihe von freiwilligen Vorgaben für CDM-Projekte, die eine hohe Qualität des Projektes beim Erreichen von Umwelt- und Entwicklungszielen im Gastland sicherstellen sollen, damit ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt werden, um für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen. Vgl. Gold Standard Foundation (2007): Unternehmensbroschüre - The Gold Standard, S. 4.

[7] vgl. atmosfair (2010): Jetzt kompensieren, Internetseite.

[8] Stand: 29.05.2010, gemäß atmosfair (2010): atmosfair-Team.

[9] Eigene Darstellung in Anlehnung an die Geschäftsberichte der einzelnen Jahre sowie Pressemitteilung zum Jahresabschluss 2009.

[10] vgl. atmosfair (2009): Jahresbericht 2008, S. 5.

[11] vgl. atmosfair (2009): Jahresbericht 2008, S. 24.

[12] vgl. Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (2006): Leitlinien und Ausführungsbestimmungen, S. 5.

[13] 2008 gab es bereits über 40 Klimaschutzagenturen, vgl. Spiegel (2008): Onlineartikel vom 05.05.2008.

[14] vgl. manager magzin (2008): Onlineartikel vom 05.02.2008.

[15] Der Radiative Forcing Index (RFI), auch Strahlungsantrieb genannt, ist ein Multiplikator, mit dem der CO²-Ausstoß in größeren Flughöhen multipliziert wird. Er wird im IPCC-Bericht von 2007 auf einen Wert zwischen 1,9 und 4,7 geschätzt. Vgl. Fuchs, H. (2008): S. 51.

[16] CO2-Daten basieren auf den Berechnungen der jeweiligen Emissionsrechner.

[17] vgl. manager magazin (2008): Onlineartikel vom 05.02.2008.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
atmosfair – Ein Social Enterprise Beispiel im Klimaschutz
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät II - Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften)
Veranstaltung
Corporate Social Responsibility - Social Entrepreneurship
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V155213
ISBN (eBook)
9783640679898
ISBN (Buch)
9783640680245
Dateigröße
865 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social, Enterprise, Beispiel, Klimaschutz
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirt (BA) Cornelius M. P. Kiermasch (Autor), 2010, atmosfair – Ein Social Enterprise Beispiel im Klimaschutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155213

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