Erläuterung des Buches "Erfahrung-Symbol-Glaube" von Peter Biehl

Mit Bezug auf den religionspädagogischen Ansatz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

14 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Erfahrung
2.1. Was ist Erfahrung?
2.2. Erfahrungsbezogenes Lernen im Religionsunterricht

3. Erfahrung - Symbol
3.1. Was ist ein Symbol?
3.2. Kritische Symbolkunde im Religionsunterricht

4. Erfahrung – Symbol – Glaube

5. Kritik

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der jungen Geschichte der Religionspädagogik gab es in der Vergangenheit etliche Versuche, durch verschiedene Ansätze einen ansprechenden und wirkungsvollen Religionsunterricht zu gestalten. Direkt nach dem Krieg war das Ziel des Religionsunterrichts gewesen, die Schüler durch Glaubenunterweisung an die Gemeinde heranzuführen und in diese dadurch einzugliedern. Im Unterricht sollte deshalb das Wort Gottes verkündet werden und „Schülerinnen und Schüler zur Entscheidung“ 1 geführt werden. In den 60er Jahren forderten Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, „dass der Religionsunterricht einen Beitrag zum schulischen Bildungsauftrag leisten“ 2 müsse, woraufhin die Religionspädagogik sich diesem Anspruch zu stellen versuchte. Diese Forderungen waren durch gesellschaftliche Veränderungen aufgekommen und führten zum Ansatz des so genannte Hermeneutische Religionsunterricht. Durch dieses Konzept wurde der christliche Glaube kritischem Denken geöffnet und einer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Veränderungen ausgesetzt. Die Religionspädagogik trat hierbei in den so wichtigen Dialog mit den Erziehungswissenschaften. Gegen Ende der 60er Jahre und in den 70er Jahren wurde die Bibel „als zentrale Bezugsgröße des Religionsunterrichts“ 3 in Frage gestellt. Das Subjekt und dessen individuellen Probleme wurden in den Mittelpunkt gerückt. Ausgelöst wurde diese fundamentale Krise des Religionsunterrichts durch die Studentenproteste. Bibel, Kirche und Religion wurden als alte, überkommene Traditionen abgestempelt.

„In den neu gegründeten religionspädagogischen Instituten entwickelten Vertreterinnen und Vertreter aus Schule und Universität […] Konzepte für einen zeitgemäßen Religionsunterricht.“ 4

Diese Phase von 1968 bis 1980 wurde als Phase der Problemorientierung gekennzeichnet. In den 80er Jahren versuchte die Religionspädagogik, die in den vorausgegangenen Konzeptionen unterschiedlich gewichteten Kategorien Tradition, Subjekt und Gesellschaft in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Auch die biblische Tradition wurde wieder entdeckt. Die neueste Kategorie war die Erfahrung, die die drei oben genannten Kategorien zu verschränken intendierte. „Im Zuge der Erfahrungsorientierung [wurde] das ‚Symbol’ zum zentralen Begriff“ 5. Der bedeutendste didaktische Ansatz wurde konfessionsübergreifend die Symboldidaktik. Auf evangelischer Seite war der von Peter Biehl als kritische Symboldidaktik entwickelte didaktische Ansatz der wichtigste. Dieser didaktische Ansatz soll in dieser Arbeit in seinen Grundzügen erklärt werden. Aufgrund der begrenzten Seitenzahl, kann allerdings nur ein Umriss des didaktischen Ansatzes abgegeben werden. Die Symbolansätze von Paul Ricoeur und Paul Tillich, die grundlegend für Biehls Symbolverständnis sind, können daher nicht beschrieben werden.

Da die Erfahrungsorientierung in diesem Ansatz eine sehr wichtige Rolle spielt, soll im ersten Teil geklärt werden, was Biehl unter dem Begriff Erfahrung versteht (2.1) und wie er diesen Erfahrungsbezug im Religionsunterricht einbringt (2.2). Im zweiten Teil soll der Begriff Symbol erklärt werden (3.1) und wie Biehl diesen Begriff in seiner kritischen Symbolkunde verwendet (3.2). Im dritten Teil sollen Erfahrung und Symbol in Verbindung mit dem Glauben gebracht werden (4.). Der letzte Teil soll den didaktischen Ansatz noch einmal kritisch untersuchen (5.) und die Sicht des Verfassers widerspiegeln.

2. Erfahrung

2.1 Was ist Erfahrung?

Das Wort Erfahrung steht für einen Prozess. Ein Subjekt erlebt in diesem Prozess der Erfahrung bestimmte Ereignisse und wird mit bestimmten Situationen konfrontiert. Mehrere solcher Erfahrungsvorgänge, solcher Ereignisse, führen als Ergebnis zu einer Erfahrenheit. Das Ergebnis ist also die „Verarbeitung und Deutung, die der Erfahrungsprozess zurücklässt und die die weitere Erfahrung bestimmen“ 6. Subjekt und Objekt sind in diesem Erfahrungsprozess in wechselseitiger Beziehung, beeinflussen sich also Gegenseitig. Dieser Prozess ist somit als dialektischer Prozess zu verstehen. Das Subjekt wird in diesem Prozess in so fern beeinflusst, dass in der Begegnung mit dem Objekt7 die bisher bekannten und angewöhnten Ansichten und Verhaltensweisen hinterfragt und verändert werden. „[…] Das Objekt erhält in dem Wahrnehmungsvorgang eine neue Dimension […]“ 8. Es wird neu entdeckt, verändert seine Wirkung oder wird in einem anderen, neuen Licht betrachtet. Erfahrungen können sowohl als positiver Prozess, aber auch als negativer Prozess erfahren werden. Positive und Negative Erfahrungen können zur Umstrukturierung im Leben eines Menschen führen. Dabei hat der Mensch die Wahl, ob er sich der der Erfahrung widersetzt, sich vor dieser Veränderung verschließt, oder ob er sich diesem Prozess öffnet, sich davon verändern lässt und in eine „produktive Offenheit“ 9 hineinwächst. Dieser Erfahrungsprozess dauert ein Leben lang an und formt aktiv die Identität des Menschen. Da eine Erfahrung meist mit Überraschung verbunden ist, kann das den Menschen sowohl in eine aktive also auch in eine passive Rolle versetzten. Das passive sich aussetzen gegenüber diesem Erfahrungsprozess kostet Kraft und Mut, da man in dieser Situation verwundbar ist und man zu Beginn oft nicht weiß, ob man ein positives oder negatives Erfahrungserlebnis haben wird. Der Mensch ist in diesem passiven Moment des sich Aussetzens „unmittelbar selbst betroffen und für sich selbst verantwortlich“ 10. Um die Wirklichkeit erfahren zu können, muss der Mensch sich selbst erfahren. Diese Selbsterfahrung ist deshalb so wichtig für die menschliche Identitätsbildung, weil sie Voraussetzung für Fremderfahrung ist.11.

„Erfahrung ist eine fundamentale Begegnungskategorie, die sich nicht weiter auf anderes zurückführen läßt; Erfahrung ist die einzige Weise, in der sich uns Wirklichkeit zeigt und ihrer Wahrheit erschließt.“ 12

In der Erfahrung berühren wir als die Wirklichkeit. Da laut Biehl die Erfahrung als Vermittler zwischen „gegenwärtiger Situation und überlieferten Symbolen“ 13 auftritt, soll im nächsten Abschnitt geklärt werden, wie erfahrungsbezogenes Lernen im Religionsunterricht möglich sein kann, um dieser Vermittlerrolle gerecht zu werden.

[...]


1 SCHULTE; WIEDENROTH-GABLER, Religionspädagogik, S. 50

2 ebd., S. 54

3 ebd., S. 58

4 ebd., S. 60

5 SCHULTE; WIEDENROTH-GABLER, Religionspädagogik, S. 68

6 BIEHL; BAUDLER, Erfahrung – Symbol – Glaube, S. 28

7 Anm.: Objekte können Personen, Gegenstände, Handlungen usw. sein.

8 BIEHL; BAUDLER, Erfahrung – Symbol – Glaube, S. 28

9 ebd.

10 ebd.

11 vgl. ERIKSON, E. H., Identität und Lebenszyklus. Frankfurt, 1979

12 BIEHL; BAUDLER, Erfahrung – Symbol – Glaube, S. 29

13 ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erläuterung des Buches "Erfahrung-Symbol-Glaube" von Peter Biehl
Untertitel
Mit Bezug auf den religionspädagogischen Ansatz
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V155268
ISBN (eBook)
9783640683871
ISBN (Buch)
9783640684403
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erläuterung, Buches, Erfahrung-Symbol-Glaube, Peter, Biehl, Bezug, Ansatz, Pädagogik, Religionspädagogik, Religion, Evangelisch
Arbeit zitieren
Tilman Fuchs (Autor), 2005, Erläuterung des Buches "Erfahrung-Symbol-Glaube" von Peter Biehl , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155268

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erläuterung des Buches "Erfahrung-Symbol-Glaube" von Peter Biehl



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden