Wozu denn Väter?

Vater-Sohn und Vater-Tochter Beziehung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Rolle des Vaters in der Geschichte der Familie
a) Antike
b) Mittelalter
c) Gegenwart

3 Rolle des Vaters Entwicklungspsychologisch4
a) Triangulierungsphase
b) Erste ödipale Phase
c) Zweite ödipale Phase
d) Kritik an der Theorie

4 Folgen des Vaterverlustes
a) Trauma
b) Auswirkung
c) Einfluss der Umwelt

5 Resümee

6 Literaturangaben

1. Einleitung

2. Rolle des Vaters in der Geschichte der Familie

a) Antike

Will man die Rolle des Vaters in antiken Familien darstellen, steht man vor dem Problem der nur gering vorhandenen Quellen. Sicher gibt es einige Schriften, so dass einiges ausgesagt werden kann, dennoch ist das Wissen nur spärlich vorhanden:

[…] Uns [liegen] einige Befunde über die Bedeutung des Vaters aus Ägypten, Griechenland, Rom, aus dem Judentum, also aus dem Alten Testament, und nicht zuletzt natürlich aus dem Neuen Testament vor. 1

Gemeinhin ist bekannt, dass der Vater der gesamten Familie vorstand und somit deren Oberhaupt war. Er bestimmte die innere und äußere Struktur der Familie und traf Entscheidungen wie z.B. in der Auswahl der Ehepartner für seine Kinder.

Die frühe hebräische Kultur war eine Agrarkultur und das sie kennzeichnende Familiensystem das Patriarchat. […] Die Vater-Kind-Beziehung war durch Härte und Strenge charakterisiert. 2

Ähnlich dieser hebräischen Struktur war die Vaterrolle in Rom ebenfalls patriarchalisch. Das Oberhaupt einer römischen Familie hatte die Macht, über seine Vaterschaft zu entscheiden, denn er wurde nur dann Vater, wenn [er] ein Kind anerkannt und adoptiert [hatte]: ‚Die Evidenz der Vaterschaft beruht allein auf der Entscheidung des Vaters.’ 3

Verweigerte der Vater die Annahme, hatte diese fast ohne Ausnahme den Tod des Kindes zur Folge. Der Vater hatte somit die absolute väterliche Gewalt („patrias potestas“), die sogar über Leben und Tod der eigenen Kinder zu entscheiden hatte. Ähnlich wie z.B. im antiken Sparta wurde die Beziehung zum Kind als reine Sachbeziehung gesehen, sexuelle vergehen von Männern an Kindern waren in Rom und Griechenland dadurch an der Tagesordnung4. Ausgeschlossen werden darf bei all der Härte nicht, dass es schon damals liebevolle Väter gab. Der Vater trug somit die Verantwortung für die Familie vor der Welt und vor Gott bzw. den Göttern, war für die inneren und äußeren Entscheidungen allein verantwortlich und während die Mutter frei von der Verantwortung [war], das mos maiorum in der Nachkommenschaft zu vertreten, [konnte] sich andererseits der pater familias niemals und unter keinen Umständen [davon] freisprechen […]. 5

b) Mittelalter

Mit dem Christentum kamen andere Impulse in die Rolle des Vaters und in das Familiengeflecht:

Was durch das Christentum in die Welt gekommen ist und was das Mittelalter prinzipiell zu verwirklichen sucht, ist das Prinzip der Liebe. Vater und Mutter lieben sich selbst und ihre Kinder, wie Gott den von ihm in die Welt gesandten Sohn geliebt hat. 6

Diese Ansicht ist wohl etwas idealistisch ausgefallen, denn weiterhin war der Vater das Oberhaupt der Familie, indem er weiterhin alle Entscheidungen zu treffen hatte und die Verantwortung für die Familie allein trug.

Einen Versuch, ein […] Bild der Familien […] zu zeichnen, hat Poster (1978) unternommen, wobei er zwischen aristokratischen und bäuerlichen Familien unterscheidet. Er konnte nachweisen, dass das Vater-Kind-Verhältnis in beiden Familienformen unterschiedlich war. In der aristokratischen Familie war der Vater mächtig und das Oberhaupt der Familie. Die direkte Sorge und Erziehung wurde jedoch an Dienstboten delegiert, die die Kinder nach eigenem Gutdünken belohnen und bestrafen konnten. Poster’s Beschreibung der bäuerlichen Familien fällt anders aus: Obwohl der Vater auch hier die Gewalt über Frauen und Kinder besaß, unterlag er doch der Kontrolle des ganzen Dorfes. 7

Das delegieren der Erziehungsarbeit war typisch für die mittelalterliche Zeit, in der insbesondere in Europa die Kirchen enorme Macht und Kontrolle bis in die Familien hinein ausübten.

Während der Renaissance und mit Beginn der Neuzeit leitete sich dann ein tiefgreifender Wandel in den Familienbeziehungen ein, der zu dem „privaten“ Familiengefühl führt, das heute beinahe kennzeichnend für die Familie steht. Damit wurde auch die Grundlage für eine engere Beziehung zwischen Eltern und Kindern gelegt. 8

c) Neuzeit und Gegenwart

Mit der Veränderung in der Arbeitswelt veränderte sich in den letzten zwei Jahrhunderten die Familie entscheidend.

Durch Arbeitsteilung, Abwesenheit und die fortschreitende Anonymisierung der Arbeitswelt [verlor] der Vater zunehmend an Macht, Ansehen und Autorität vor seinen Kindern, wodurch deren zur Ich- und Über-Ich-Entwicklung notwendige Identifizierungsmöglichkeiten einschneidend behindert [wurde]. 9

In vielen wissenschaftlichen Werken liest man derzeit, dass wir in einer vaterlosen Gesellschaft leben würden. Hierbei ist jedoch nicht allein die Abwesenheit durch den Tod des Ehemanns gemeint.

Heutzutage muss man seine Abwesenheit mit der Lebenssituation der Mutter in Verbindung bringen (freiwilliges oder unfreiwilliges Unverheiratetsein), aber auch mit der Neustrukturierung der Familien und Elternschaften Homosexueller. 10

Bevor auf die Neustrukturierung der Familie eingegangen wird, muss festgehalten werden, „dass noch 75 Prozent aller Kinder unter 18 mit beiden Eltern zusammenleben.“ 11 Von Neustrukturierung muss man deshalb sprechen, weil „[…] jede Familie [mittlerweile] eine andere Struktur hat […].“ 12 Immer mehr Kinder leben in dieser „bunten Vielfalt von heute“ 13 mit nur einem Elternteil (Sechs Siebtel der Alleinerziehenden sind dabei Mutter-Kind-Familien, nur ein Siebtel allein erziehende Väter14), in so genannten Patch-Work-Familien (Familien, „in denen ein Kind mit einem seiner beiden Eltern und dessen neuem Partner lebt.“ 15) oder in Familien von homosexuellen Partnern. Diese verschiedenen Familienstrukturen haben zum Großteil gemein, dass der Vater als feste Größe im so wichtigen Beziehungsgeflecht, auf das im nächsten Abschnitt eingegangen wird, fehlt. Sicher ist, dass auch in Familien, in den der Vater körperlich präsent ist, durch autoritäres Verhalten die Beziehung zu den Kindern gestört oder nicht vorhanden ist.16 Der Vaterverlust bzw. die Neustrukturierung der Familie ist laut einigen Forschern jedoch nicht nur auf die veränderte Arbeitswelt zurückzuführen, sondern auch auf die Weitergabe eines Traumas, welches sich seit nunmehr drei Generationen tradiert hat:

Bereits seit drei Generationen tradiert sich die Erfahrung massiver Vaterverluste, und viele Millionen von Menschen aller Altersgruppen in der Bevölkerung sind durch die historischen Ereignisse von deisem Schicksal betroffen. 17

Fakt ist, dass es biologisch gesehen keinen Vaterverlust gibt und dass in der gesamten Menschheitsgeschichte keine vaterlose Gesellschaft existierte. Warum der Vaterverlust für ein Kind ein unglaubliches Trauma beinhaltet, wird im nun folgenden Abschnitt anhand der Rolle des Vaters in der Familie aufgezeigt.

3. Entwicklungspsychologisch

Die Mutter-Kind-Beziehung wurde früh untersucht, wodurch die Bedeutung der Mutter für das Kind ins Zentrum geriet. Versuche zeigten, dass Säuglinge erschreckend schnell seelisch und körperlich verfielen, wenn die Mutter für längere Zeit oder für immer abwesend war. […] Und der Vater? Bis vor nicht langer Zeit ging man davon aus, daß dessen Verlust weniger schwer wiegt, solange eine ausreichende Bemutterung garantiert ist. 18

In den letzten Jahrzehnten hat die Väter- und die Säuglings- und Kleinkindforschung bewiesen, wie existenziell notwendig auch der Vater für eine gesunde seelische und soziale Entwicklung der Kinder ist. In der Entwicklungspsychologie unterscheidet man heute drei für die Vater-Kind- Beziehung entscheidende Zeiträume, die "Dreieckbildungsphase", in der Fachsprache auch als "Triangulierungsphase" (a) bezeichnet, die "erste ödipale Phase" (b) und die "zweite ödipale Phase" (c). Kritik kommt von Le Camus, der die Rolle des Vaters von Beginn an als unabdingbar hält (d).

[...]


1 Braun 1980, S. 16

2 Fthenakis 1985, S. 10

3 Le Camus 2001, S. 21

4 Vgl. Fthenakis 1985, S. 9

5 Braun 1980, S. 17

6 Fthenakis 1985, S. 23

7 Ebd., S. 11f

8 Fthenakis 1985, S. 12

9 Petri 1999, S. 16

10 Le Camus 2000, S. 31

11 Ebd.

12 Braun 1980, S. 59

13 Camus 2000, S. 32

14 Vgl. ebd.

15 Leridon 1993, S. 52

16 Vgl. Kreckel 1996, S. 62

17 Petri 1999, S. 180

18 Petri 1999, S. 26

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Wozu denn Väter?
Untertitel
Vater-Sohn und Vater-Tochter Beziehung
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V155280
ISBN (eBook)
9783640674602
ISBN (Buch)
9783640674817
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wozu, Väter, Vater-Sohn, Vater-Tochter, Beziehung, Psychologie
Arbeit zitieren
Tilman Fuchs (Autor), 2006, Wozu denn Väter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155280

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wozu denn Väter?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden