In Zeiten steigender psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen gewinnt die Förderung des Wohlbefindens in der Schule immer mehr an Bedeutung. Das Schulfach "Glück" von Ernst Fritz-Schubert verspricht, Schüler*innen die Fähigkeiten zu vermitteln, ein erfülltes Leben zu führen. Doch inwiefern deckt dieses Konzept die tiefgreifenden Erkenntnisse der Philosophin Martha Nussbaum über die Voraussetzungen für ein gutes Leben ab?
Diese Masterarbeit untersucht die Schnittmenge zwischen dem pädagogischen Konzept des Schulfachs "Glück" und dem Capabilities Approach von Nussbaum. Ziel ist es, herauszufinden, ob und inwieweit das Schulfach die von Nussbaum identifizierten zentralen Fähigkeiten fördert, die für ein erfülltes Leben unerlässlich sind.
Kernpunkte der Arbeit:
Problematik: Steigende psychische Belastungen bei Schüler*innen und die Bedeutung von Wohlbefinden in der Schule.
Theoretischer Hintergrund: Vorstellung des Capabilities Approach von Nussbaum und des pädagogischen Konzepts des Schulfachs "Glück".
Analyse: Detaillierte Gegenüberstellung der von Nussbaum identifizierten Fähigkeiten und der Ziele des Schulfachs "Glück".
Fazit: Bewertung des Potenzials des Schulfachs "Glück" zur Förderung des Wohlbefindens und zur Vermittlung der von Nussbaum identifizierten Fähigkeiten.
Warum diese Arbeit interessant ist:
Relevanz: Das Thema psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist hochaktuell.
Interdisziplinarität: Die Arbeit verbindet Pädagogik, Philosophie und Psychologie.
Praxisbezug: Die Ergebnisse können für die Gestaltung von Lehrplänen und Unterrichtsinhalten genutzt werden.
Diese Arbeit ist für folgende Leser*innen interessant:
Pädagog*innen und Lehrer*innen
Studierende der Erziehungswissenschaften, Psychologie und Philosophie
Eltern und alle, die sich für die Förderung des Wohlbefindens von Kindern und Jugendlichen interessieren.
Diese Arbeit bietet folgende Erkenntnisse:
Ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Bildung und Wohlbefinden.
Konkrete Anregungen für die Gestaltung von Unterrichtsinhalten, die das Wohlbefinden der Schüler*innen fördern.
Eine kritische Bewertung des Konzepts des Schulfachs "Glück".
Mit dieser Arbeit leistet die Autorin/der Autor einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um eine ganzheitliche Bildung, die nicht nur kognitives Wissen vermittelt, sondern auch die soziale, emotionale und persönliche Entwicklung der Schüler*innen fördert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1. Problemstellung und Forschungsfrage
I.2 Struktur der Arbeit
II. Begriffliche Klärung
II.1 Der Glücksbegriff
II.2. Das Konzept ‚Wohlbefinden‘
II.3 Lebenszufriedenheit und Lebensqualität
III. Das gelingende Leben – Konzeptionen und Grundlagen
III.1 Aristoteles’ Konzept der eudaimonia
III.2 Martha NUSSBAUMS Theorie des guten Lebens
III.2.1 Der Capabilities Approach
III.2.2 Analyse und kritische Reflexion der Fähigkeitenliste
IV. Das pädagogische Konzept – Schulfach ‚Glück‘
IV.1 Unterrichtsfach ‚Glück‘ nach Ernst Fritz-Schubert
IV.2 Ziele des Schulfachs ‚Glück‘
IV.3 Wissenschaftlicher Hintergrund
IV.4 Das Tetraedermodell
IV.4.1 Psychologische Bedürfnisse (Regulation)
IV.4.2 Konsistenz (Kognition)
IV.4.3 Kohärenz (Motivation)
IV.4.4 Kompetenz (Volition)
IV.5 Das Curriculum
IV.6 Empirie zum Schulfach ‚Glück‘
V. Analyse anhand Nussbaums Konzept des guten Lebens
V.1 Leben
V.2 Körperliche Gesundheit
V.3 Körperliche Integrität
V.4 Sinneswahrnehmung, Vorstellung, Denken
V.5 Emotionen
V.6 Praktische Vernunft
V.7 Zugehörigkeit
V.8 Andere Spezies
V.9 Spiel
V.10 Kontrolle über die eigene Umwelt
V.11 Der Capabilities Approach – kritisches Fazit
VI. Fazit
VI.1 Zusammenfassung der Analyseschritte
VI.2 Schlussfolgerung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das pädagogische Konzept des vom Ernst Fritz-Schubert ins Leben gerufenen Schulfachs ‚Glück‘ im Vergleich zur Theorie des guten Lebens von Martha Nussbaum, um zu untersuchen, inwieweit das Unterrichtsfach zur Förderung des Wohlbefindens beitragen und zentrale menschliche Fähigkeiten vermitteln kann.
- Vergleich pädagogischer Ziele des ‚Glücks‘-Curriculums mit Nussbaums 10-Fähigkeiten-Liste
- Untersuchung der psychologischen Fundierung des Tetraedermodells im Kontext des Capabilities Approach
- Reflexion über die Rolle der Schule bei der Förderung mentaler Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung
- Analyse der Wirksamkeit und methodischen Grundlagen der Glücksvermittlung
Auszug aus dem Buch
Die Mesotêslehre
Gemäß Aristoteles liegt die tugendhafte Ausübung der Vernunft darin, die rechte Mitte (meson, mesotês) zwischen zwei Extremen, zu finden (NE II 2, 1104a18ff). Die rechte Mitte ist hierbei jedoch nicht im herkömmlichen, arithmetischen Sinne zu verstehen. Sie repräsentiert vielmehr das angemessene Maß zwischen zwei Extremen, einem Übermaß (hyperbolê) und einem Mangel (elleipsis) (NE II 6, 1107a2 f.). Die einzige Ausnahme bilden Handlungen oder Affekte, die an sich schlecht sind, wie zum Beispiel Neid und Diebstahl. Auf sie lässt sich die Mesotêslehre nicht anwenden (NE II 6, 1107a8–17). Die Bestimmung berücksichtigt demnach den Umstand, dass das richtige Handeln vom Einzelfall abhängt (NE II 2, 1103b34–1104a10) und somit stets individuell beurteilt werden muss (Spierling 2004, S. 68). Durch die wiederholende Wahl der rechten Mitte formt der Mensch nach Aristoteles seinen eigenen Charakter zu einem tugendhaften. Das Besitzen dieses tugendhaften Charakters stellt seiner Meinung nach die wahre Form des guten Lebens dar, die eudaimonia. Denn durch ein solches Leben wird die spezifische Funktion des Menschen in ihrer bestmöglichen Form zum Ausdruck gebracht (Aufenanger 1984, S. 32).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die steigende psychische Belastung von Schüler*innen und führt das Schulfach ‚Glück‘ als Ansatz zur Förderung von Kompetenzen für ein gelingendes Leben ein.
II. Begriffliche Klärung: Die Begriffe Glück, Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Lebensqualität werden inhaltlich voneinander abgegrenzt und theoretisch fundiert.
III. Das gelingende Leben – Konzeptionen und Grundlagen: Das Kapitel vergleicht Aristoteles’ Konzept der eudaimonia mit Martha Nussbaums Capabilities Approach und ihrer Liste zentraler menschlicher Fähigkeiten.
IV. Das pädagogische Konzept – Schulfach ‚Glück‘: Hier werden die Ziele, der wissenschaftliche Hintergrund (u.a. PERMA, Salutogenese, Tetraedermodell) und die strukturierte Umsetzung des Schulfachs dargelegt.
V. Analyse anhand Nussbaums Konzept des guten Lebens: Es folgt eine detaillierte Gegenüberstellung der zehn Nussbaum-Fähigkeiten mit den Inhalten und Handlungsphasen des ‚Glücks‘-Unterrichts.
VI. Fazit: Die Arbeit resümiert die Analyseergebnisse und zieht eine Schlussfolgerung über das Potenzial des Schulfachs im Hinblick auf eine ganzheitliche Bildung.
Schlüsselwörter
Glück, Wohlbefinden, Capabilities Approach, Martha Nussbaum, Ernst Fritz-Schubert, Schulfach Glück, Eudaimonia, Tetraedermodell, Lebensqualität, Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Ethik, Pädagogik, Resilienz, Selbstbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Schulfach ‚Glück‘ von Ernst Fritz-Schubert und analysiert dessen Potenzial, Schüler*innen Fähigkeiten für ein gelingendes Leben zu vermitteln, wobei der Capabilities Approach von Martha Nussbaum als theoretischer Maßstab dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Konzepte von Glück und Wohlergehen, die philosophischen Grundlagen des gelingenden Lebens, aktuelle pädagogische Herausforderungen sowie die praktische Umsetzung des ‚Glücks‘-Schulfachs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, inwiefern die Inhalte des Schulfachs ‚Glück‘ mit den von Nussbaum postulierten zentralen Fähigkeiten für ein erfülltes Leben korrelieren und ob dieser Ansatz effektiv zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse und einen theoretischen Vergleich, bei dem das pädagogische Konzept des ‚Glücks‘-Unterrichts kritisch anhand der zehn Fähigkeiten von Nussbaums Capabilities Approach geprüft wird.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Grundlegung bei Aristoteles und Nussbaum, eine detaillierte Vorstellung des pädagogischen Modells (Glücksunterricht) sowie eine umfassende Analyse der zehn Fähigkeiten Nussbaums in Bezug auf deren Umsetzung im schulischen Alltag.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind Glück, Wohlbefinden, Capabilities Approach, Schulfach Glück, Eudaimonia, Tetraedermodell, Persönlichkeitsentwicklung und Resilienz.
Inwiefern spielt das Tetraedermodell bei der Umsetzung im Schulfach eine Rolle?
Das Tetraedermodell dient als strukturelles Fundament des ‚Glücks‘-Unterrichts und ordnet menschliche Grundbedürfnisse sowie Wachstumsfaktoren, die den sechs Handlungsphasen des Curriculums zugrunde liegen.
Welche kritischen Punkte bringt die Analyse bezüglich Nussbaums Fähigkeitenliste hervor?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Nussbaums Liste aus einer westlichen Perspektive stammt und viele Punkte eher menschenrechtliche Grundvoraussetzungen als tatsächlich erlernbare Fähigkeiten darstellen.
Welches Fazit zieht der Autor für die schulische Praxis?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Schulfach ‚Glück‘ besonders wertvoll bei der Förderung der Emotionsregulation ist, weist aber darauf hin, dass empirische Belege zur Wirksamkeit bisher eher begrenzt sind.
- Arbeit zitieren
- David Reuter (Autor:in), 2024, Wohlbefinden lernen in der Schule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1553106