Entgegen der klassischen Organisationslehre weist die systemtheoretische Betrachtungsweise Kommunikationen in Form von Entscheidungen als Kernbestandteil der Organisation Alten- und Pflegeheim aus. Diese Arbeit betrachtet Pflegeeinrichtungen auf Basis praktischer Erfahrungen und aus einer theoretisch-systemischen Sichtweise und nimmt damit Positionen von F. B. Simon bis hin zu N. Luhmann ein.
Entsprechend den Inhalten dieses Studiums beleuchtet diese Arbeit das System stationäre Einrichtung der Altenhilfe unter einer systemtheoretischen Perspektive. Diese ermöglicht es, für vieles Unverständliche in Organisationen Worte zu finden. So kann man Probleme identifizieren, analysieren und bearbeiten, die bislang schwer zu fassen waren. Dem entsprechend werden in Kapitel drei Erkenntnisse aus den dargelegten Beobachtungen für das Management dieser Organisation gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Ausgangslage
1.1 Ausgangspunkt der Beobachtung
1.2 Situation stationärer Altenhilfeeinrichtungen in Bezug auf Ihre relevanten Umwelten
2 Organisation und Entscheidung (in Einrichtungen der stationären Altenhilfe)
2.1 Organisation
2.2 Entscheidungen und Entscheidungsprämissen
2.2.1 Entscheidungen
2.2.2 Entscheidungsprämissen
3 Ergebnisse für das Management in Einrichtungen der stationären Altenhilfe
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht stationäre Einrichtungen der Altenhilfe aus einer systemtheoretischen Perspektive, um die komplexen Prozesse von Organisation und Entscheidungsfindung bei gleichzeitiger Unsicherheit zu verstehen und daraus Implikationen für modernes Management abzuleiten.
- Systemtheoretische Analyse von Altenhilfeeinrichtungen
- Die Rolle von Entscheidungen und Entscheidungsprämissen in sozialen Systemen
- Umgang mit Komplexität und Unsicherheit durch Ungewissheitsabsorption
- Transformation des Managementverständnisses in der stationären Pflege
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Entscheidungsprämissen
Nachdem „Entscheidungen“ bereits begrifflich festgelegt wurden, bedarf es noch der Bestimmung des Begriffes „Prämisse“. Im Zusammenhang mit Entscheidungsprämissen lohnt der Rückgriff auf Luhmann: „Mit „Prämisse“ soll gesagt sein, dass es sich um Voraussetzungen handelt, die bei ihrer Verwendung nicht mehr geprüft werden, oder vielleicht besser: dass zwar die Relevanz für das anstehende Problem, nicht aber die Wahrheit der Prämisse eine Rolle spielt.“ (Luhmann 2006: 222).
Um den Entscheidungsaufwand in Organisationen zu reduzieren, Entscheidungs-findungen zu erleichtern und um sich vor zuviel Unsicherheit zu schützen, entscheiden sich Organisationen für bestimmte Entscheidungsprämissen.
Solche Entscheidungsprämissen legen fest, wie was zu welcher Zeit und von wem entschieden wird. Sie fokussieren die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte und Problemstellungen und geben ein grobes Bearbeitungsraster vor (vgl. Wimmer, Gebauer 2006: 37). Mit der Entscheidung für Entscheidungsprämissen schaffen es stationäre Pflegeeinrichtungen, ein bestimmtes Maß an Unsicherheit draußen zu halten, um im Inneren handlungsfähig zu bleiben oder zu werden (vgl. Wimmer, Gebauer 2006: 37). Luhmann drückt den Sachverhalt in seiner unnachahmlichen Art folgendermaßen aus: „Organisationen ermöglichen sich die Erzeugung interner, noch bestimmungsbedürftiger Komplexität durch die Entscheidung über Entscheidungsprämissen für weitere Entscheidungen“ (Luhmann 2006: 222).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ausgangslage: Dieses Kapitel erläutert die systemtheoretische Herangehensweise und beschreibt die hochkomplexe Umwelt von Altenhilfeeinrichtungen, die durch permanenten Wandel geprägt ist.
2 Organisation und Entscheidung (in Einrichtungen der stationären Altenhilfe): Hier werden die theoretischen Grundlagen zur Organisation als autopoietisches soziales System und die essenzielle Rolle von Entscheidungen sowie Entscheidungsprämissen zur Reduktion von Unsicherheit detailliert dargelegt.
3 Ergebnisse für das Management in Einrichtungen der stationären Altenhilfe: Das Kapitel schließt mit einer Neudefinition der Managementrolle als Designer von Sinnsystemen, der eher moderiert und Rahmenbedingungen schafft, als direkt steuernd einzugreifen.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Organisation, Entscheidung, Entscheidungsprämissen, stationäre Altenhilfe, Management, Unsicherheit, Komplexität, Ungewissheitsabsorption, Autopoiese, Pflegeeinrichtung, Kommunikation, Führungskraft, Dienstleistungssystem, Selbstorganisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die stationäre Altenhilfe aus einer systemtheoretischen Perspektive, um zu verstehen, wie diese Organisationen Entscheidungen treffen und operieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Organisation als soziales System, der Umgang mit externer Komplexität sowie die Funktion von Entscheidungsprämissen für die interne Handlungsfähigkeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den zugrunde liegenden Mechanismen der Organisation und Entscheidungsfindung in der stationären Altenhilfe und wie sich diese Erkenntnisse auf das Management auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systemtheoretische Analyse angewandt, die auf den Konzepten von Niklas Luhmann und anderen systemischen Organisationstheoretikern basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Organisationen als soziale Systeme definiert, der Begriff der Entscheidung als kommunikatives Ereignis expliziert und die Rolle von Programmen, Kommunikationswegen und Personen als Entscheidungsprämissen erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemtheorie, Organisation, Entscheidung, stationäre Altenhilfe und Management sind die zentralen Begriffe, die diese Untersuchung prägen.
Warum spielt das Konzept der Ungewissheitsabsorption eine so wichtige Rolle?
Weil es erklärt, wie Organisationen in der stationären Pflege mit einer unsicheren Zukunft umgehen, indem sie durch Entscheidungen Eindeutigkeit schaffen, um handlungsfähig zu bleiben.
Was bedeutet es für ein Management, sich "selbst überflüssig zu machen"?
Dies beschreibt das Ideal einer Führungskraft, die nicht mehr als zentrale "Führergestalt" agiert, sondern Strukturen und Prozesse etabliert, die personenunabhängig den langfristigen Erfolg und die Selbstorganisation des Systems sichern.
- Quote paper
- Robert Althier (Author), 2011, Organisation und Entscheidung in Einrichtungen der stationären Altenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1553123