Das Schaffen Björk Viks in den 70er Jahren


Seminararbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Biographisches zu Bjørg Vik

III. Die Stellung weiblicher Autoren und die Behandlung ihrer Werke im literarischen Milieu

IV. Analyse dreier ausgewählter Novellen
a, „På bussen er det fint“ aus „Kvinneakvariet“ (1972)
b, „De kommer i små flokker“
c, „Rosa og Ruth“

V. Themen, Motive und Figuren in norwegischer Frauenliteratur

VI. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Frauenliteratur kann als Literatur, die von Frauen geschrieben wurde, definiert werden. Dabei werden vor allem Probleme und Themen aufgegriffen, die speziell Frauen und ihre Umgebung betreffen. Die alte Definition dieses Begriffes schloss jegliche Literatur von oder über Frauen ein. Mit der modernen Frauenbewegung um 1970 änderte sich diese jedoch.

Bjørg Vik ist eine der norwegischen Frauen, die sich neben Familie und Arbeit dem Schreiben zugewandt hat. Mit meiner Hausarbeit möchte ich sowohl allgemeine Aspekte der Frauenliteratur darlegen als auch spezielle Bezüge zu Bjørg Viks Autorenlaufbahn herstellen. Durch die Analyse dreier ausgewählter Novellen aus den 70er Jahren möchte ich Themen, Motive und auch Figuren in einen gemeinsamen Kontext bringen und die Frage nach einer Entwicklung der Figuren stellen. Ob und inwiefern Bjørg Viks „forfatterskap“ in Verbindung mit der damaligen Frauenbewegung steht, wird ebenfalls thematisiert. Auf diese und andere Fragen möchte ich versuchen, durch meine Arbeit Antworten zu geben.

Ich beschränke mich bei meiner Forschung auf den Zeitraum der 70er Jahre, da diese für die Frauenbewegung entscheidend waren. Auch auf Bjørg Vik und ihre Werke hatten diese Jahre einen großen Einfluss. Um einen guten und umfassenden Einblick in dieses Gebiet zu bekommen, habe ich je ein Werk aus einer Novellensammlung von 1972, 1975 und 1979 gewählt.

Als Forschungsgrundlage dienten mir in vielen Fällen Bücher und Aufsätze von Irene Engelstad und Janneken -verland. Auch einige Artikel aus der Zeitschrift „Vinduet“ und die Novellen Bjørg Viks selbst waren hilfreich, um meinem Thema Inhalt zu verleihen.

II. Biographisches zu Bjørg Vik

Bjørg Vik wurde 1935 in Oslo geboren und wuchs dort bei St. Hanshaugen auf. Sie hatte einen Bruder. Beide absolvierten das Abitur, doch nur er begann ein Studium. Sie ging zur Hausfrauenschule, denn sie hatte wie ihre Freundinnen keine Motivation zu studieren. Das Schreiben war eines der wenigen Dinge, von denen sie wusste, dass sie es „kann“. So bekam sie schon mit 16 Jahren einige Aufträge für Artikel in einer Zeitung. 1955 ging sie zur Journalistenakademie. Damit fühlte sie sich dem näher, was sie im Innersten tun wollte. Sie arbeitete fünf Jahre beim „Porsgrunn Dagbladet“ und wohnt seitdem in Porsgrunn.

Bjørg Vik begann, jede Woche ein Samstagsinterview zu führen. Obwohl ihr Mann Architekt war und er sie hätte unterstützen können, bezahlte sie von diesem selbst verdienten Geld drei mal die Woche eine Haushaltshilfe. Dies war der erste Schritt für ihre „Schreibkarriere“. Zwei Vormittage davon konnte sie voll und ganz nutzen, um das zu schreiben, was sie bewegte. 1969 errang sie ein Arbeitsstipendium, welches sie sofort in den Haushalt investierte, denn sie hatte drei Kinder zu versorgen. Durch diesen Freiraum, den sie sich geschaffen hatte, und durch eine gute Organisation besitzt sie heute ein kleines Büro am anderen Ende der Stadt.[1]

Mehr als alle anderen setzt Bjørg Vik in ihren Novellen einen Schwerpunkt auf die Entwicklung und Sozialisierung junger Mädchen in der Gesellschaft. Sie debütierte mit ihrem Buch „S-ndag ettermiddag“ 1963, als der Begriff der „Rolle der Frau“ erst aufkam und die eigentliche Frauenbewegung noch im Tiefschlaf lag. Zu dieser Zeit stießen sich viele Kritiker nicht nur an dem Inhalt ihrer Werke, sondern auch einfach nur daran, dass sie aus dem Blickwinkel einer Frau geschrieben waren. Ab den 70er Jahren schrieb sie ihre Bücher in Verbindung zur Frauenbewegung, unter anderem als Autorin in der Zeitschrift „Sirene“.[2]

Mit den drei von mir gewählten Novellensammlungen festigte sie ihre Position als eine der besten Novellistinnen in Norwegen. Sie wurde von Kritikern geschätzt und war auf gleicher Linie mit ihren männlichen Kollegen. Sie hat etwas erreicht, dass nur wenige Autoren erreichen. Ihre Werke sind schon zu ihren Lebzeiten ein Klassiker geworden. Neben ihrem Erfolg in Norwegen wurden einige ihrer Stücke auch in mehrere Sprachen übersetzt und aufgeführt.[3]

Eines ihrer Grundthemen findet sich in den meisten ihrer Werke wieder: die Freiheit des Menschen. So wie sie uns zeigt, dass es im Leben hart und schwer sein kann, verweist sie auf genauso viel schöne Dinge. Sie regt zum Denken und zum Leben an. Dies ist Bjørg Viks Anliegen. Ihre Sprache ist so wirklichkeitsgetreu und ausdrucksstark, dass sie verständlich ist und man gezwungen ist, sich den beschriebenen Sachverhalt vor Augen zu halten.[4] Bjørg Vik ist eine der bedeutendsten Novellistinnen in Norwegen. Sie ist wichtig in der Nachkriegsliteratur, benutzt eine realistische Sprache und vermittelt dadurch die typischen Erfahrungen von Frauen ihrer Generation: vom Aufwachsen (1940-50) über die sexuelle Befreiung (1960) über die Frauenbewegung (1970) bis hin zur postfeministischen Konsolidierungsphase.[5] Doch sie selbst sieht sich keineswegs als Galionsfigur, nicht als Vorreiter des Feminismus.

III. Die Stellung weiblicher Autoren und die Behandlung ihrer Werke im literarischen Milieu

Der Begriff der Frauenliteratur kam in Norwegen in den 70er Jahren auf. Dass die Geschlechter unterschiedliche Rollen in der Gesellschaft einnehmen, wusste man schon lange vorher, doch erst jetzt wurde es üblich, dass das Bewusstsein des Mannes und das Bewusstsein der Frau und somit auch das künstlerische Schaffen unterschiedlich behandelt wurden. Viele weibliche Autoren bezeichneten sich selbst als Feministinnen und fühlten sich damals der neuen Frauenbewegung zugehörig. Diese Art von Literatur schilderte die Wirklichkeit. Sie war nicht programmatisch, sondern realitätsgetreu.[6]

Man bemerkte schnell, dass die Frauenliteratur eine kritische Haltung gegenüber der Situation der Frau einnahm und dass durch sie versucht wurde, mögliche Wege aus der Unterdrückung aufzuzeigen. Diese oppositionelle Haltung führte häufig dazu, dass Frauenliteratur nicht zur traditionellen Literaturgeschichte hinzugezogen wurde. Doch die neue Frauenliteratur setzte sich bewusst dafür ein, dass der ursprüngliche Literaturbegriff ausgeweitet wurde. Sie bringt längst verdrängte Erfahrungen hervor, die notwendig sind, um die Situation der Frauen und auch ihr mangelndes politisches Agieren und Engagement zu verstehen. Die neue Frauenliteratur will nicht nur diese Situation verdeutlichen, sondern auch neue Wege aufzeigen und in alle Lebensbereiche, vor allem Politik und Literatur, eine feministische Dimension verankern.[7]

Dem nächsten Abschnitt soll ein Zitat von Camilla Collett, einer bedeutenden Autorin aus Norwegen, vorausgeschickt werden:

„For en kvinne, som hos oss ter offentlig fram, har fra det -yeblikk ikke noe privatliv mer, ingen fold hun kann skjule seg i. Hennes handlinger, hver bevegelse, hennes huslige stilling, åndelige tilstand, kort, hennes forhold til Gud og mennesker, er derved innviet til en alminnelig overveielse og bedømmelse.“[8]

Daran wird deutlich, dass ein weiblicher Verfasser viel stärker unter der öffentlichen Kritik leidet als ein männlicher. Nicht nur in Norwegen bestand das Problem, dass die Frau in den Köpfen die traditionelle Rolle einnahm und damit gleichzeitig als Autorin und Künstlerin disqualifiziert wurde. Als Frauen im letzten Jahrhundert zu schreiben begannen, gab es nur wenige Kritiker, die eine Frau als Autorin anerkannten. Einige wollten sogar überhaupt nichts mit „Frauensachen“ zu tun haben. Heute findet man kaum noch solch offene Diskriminierung. Die Arbeit der Frauenbewegung hat also Wirkung gezeigt. Dieser Erfolg ist ein großer Fortschritt für die Frauen und ihre Literatur, doch dieser Aspekt sollte nicht mit zu viel Naivität betrachtet werden. Denn natürlich gibt es immer noch Formen der Diskriminierung, wenn auch nicht auf die Art und Weise wie sie früher auftrat.[9]

Irene Engelstad unterscheidet in ihrem Artikel „Hvordan kvinnelige forfattere og deres verk blir behandlet i det litterære miljøet“ zwei allgemeine Diskriminierungsformen: die sichtbare und die unsichtbare Kritik.[10]

Bei der sichtbaren Kritik kommt es auf die sprachliche Formulierung an. Über einen weiblichen Verfasser wird ganz anders als über einen männlichen geschrieben. Pil Dahlerup hat in seinem Buch „Litterære kjønnsroller“ gezeigt, inwiefern das Wort „Mann“ und das Wort „Frau“ unterschiedliche sprachliche Muster hervorrufen. Zum Beispiel werden zur Beschreibung von Werken männlicher Verfasser viele Verben verwendet, bei weiblichen Autoren hingegen mehr Adjektive. Sprachwissenschaftler ordnen den Verben dynamische und den Adjektiven eher statische Eigenschaften zu.[11]

Die Hauptform unsichtbarer Diskriminierung ist das „Weglassen“. In vielen Sammlungen und Übersichten zur Literatur und Literaturgeschichte sind weibliche Verfasser nur vereinzelt oder gar nicht aufgeführt. Vier bedeutende Literaten aus Bergen haben zum Beispiel im Zeitraum der 60er/ 70er Jahre einen Übersichtsartikel über Tendenzen, Probleme und Entwicklungslinien in der norwegischen Literatur verfasst, ohne auch nur einen Satz über die damals aufkommende Frauenliteratur hinzuzufügen.[12]

Will man die Stellung weiblicher Autoren beschreiben, muss auch das damalige literarische Milieu genauer betrachtet werden, welches von männlichen Schriftstellern beherrscht wurde. Das heißt, in den meisten Institutionen sind Männer in den Machtpositionen: gewöhnlich als Verlagschef, Redakteur oder als Leiter einer Zeitschrift. Ausnahmen sind das norwegische Autorenzentrum mit einer Frau als Leiter und der Pax Verlag mit männlicher und weiblicher Chefbesetzung.[13]

[...]


[1] Vgl. Knut Feldbakken. Samtale med Bjørg Vik. Vinduet Nr.1. 1976. 1 (S.53- 57).

[2] Vgl. -ystein Rottem. Bjørg Vik – den nye kvinnelitteraturens førstedame. In Norges litteraturhistorie, Band 7. Inn Medietidsalderen. J.W. Cappelens Forlag. 1997. (S. 380-396).

[3] Vgl. Bjørg Vik. Noveller. Et utvalg for skolen. J.W. Cappelens Forlag. 1979. (S.7-10).

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. -ystein Rottem. F-rstedame. 1997. (S. 380-396).

[6] Vgl. -ystein Rottem. Kjønnsrollelitteratur. In Norges litteraturhistorie: Band 7. Inn Medietidsalderen. J.W. Cappelens Foralg. 1997. (S.365-370).

[7] Vgl. Janneken -verland. Kvinneliteratur. In: Engelstad, Irene. -verland, Janneken: Frihet til å skrive. Artikkler om kvinnelitteratur fra Amalie Skram til Cecilie L-veid. Pax Forlag, Oslo. 1981. (S.159-164).

[8] Irene Engelstad. Hvordan kvinnelige forfattere og deres verk blir behandlet i det litterære miljøet. Vinduet nr.1. 1976. (S.40).

[9] Vgl. Ebd. (S.41-45).

[10] Vgl. Ebd. (S.41-45).

[11] Vgl. Ebd. (s.41-44).

[12] Vgl. Ebd. (s.44-48).

[13] 1974 lag der Anteil an weiblichen Mitgliedern in der norwegischen Autorenvereinigung bei nur etwa 21%. Aus Ebd. (S.45).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Schaffen Björk Viks in den 70er Jahren
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Nordeuropa Institut)
Veranstaltung
GK Einführung in die Literaturwissenschaft
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V155357
ISBN (eBook)
9783640693214
ISBN (Buch)
9783640693528
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schaffen, Björk, Viks, Jahren
Arbeit zitieren
Bianca Saupe (Autor), 2003, Das Schaffen Björk Viks in den 70er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155357

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