Die Rechte der dänischen und der sorbischen Minderheit in der BRD


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sorben und Dänen, zwei Minderheiten innerhalb der BRD

2. Zur Entstehung der beiden Minderheiten
2.1. Sorben
2.2. Dänen

3. Entwicklung bis 1945
3.1. Deutsches Reich
3.2. Weimarer Republik

4. Entwicklung in den beiden deutschen Staaten
4.1. Sorben
4.2. Dänen

5. Entwicklung nach der Wende

6. Sorben und Dänen heute

7. Literaturverzeichnis

1. Sorben und Dänen, zwei Minderheiten innerhalb der BRD

Im Prozess des Zusammenwachsens von Europa spricht man immer wieder von „Staaten“ und geht gemeinhin davon aus, dass zum Beispiel in Frankreich Franzosen, in Irland Iren und in Portugal Portugiesen leben. Dass diese Länder aber tatsächlich von vielen verschiedenen Völkern als Heimat angesehen werden, wird gerne übersehen. Die historisch gewachsenen Staaten dehnen sich oft über die Siedlungsgebiete mehrerer Völker aus, so dass man eigentlich von Vielvölkerstaaten sprechen muss.

In der Bundesrepublik Deutschland leben nicht nur Deutsche, sondern auch Angehörige anderer Nationen. Ein großer Teil dieser „anderen“ Bevölkerung ist eingewandert, aber es gibt auch „Nicht-Deutsche“, deren angestammtes Wohngebiet auf dem Territorium der BRD liegt. Dazu gehören die Sorben in Brandenburg und Sachsen, die Dänen und Schleswig-Holstein, die Friesen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, sowie die Sinti und Roma, die kein geschlossenes Siedlungsgebiet haben, sondern über ganz Europa verteilt leben.

Das Zusammenleben vieler Völker in einem Staat, also auch einem politischen System, gestaltet sich oftmals schwierig. Die Interessen aller Gruppen, auch die der ethnischen Minderheiten, gleichberechtigt nebeneinander wahrzunehmen, erfordert viel Toleranz auf allen Seiten. Die Schaffung von Gesetzen, die allen, der Mehrheits- und der Minderheitenbevölkerung gerecht werden, ist ein langwieriger Prozess.

Die vorliegende Arbeit soll zeigen, inwieweit dieser Prozess für die sorbische und die dänische Minderheit erfolgreich war. Beide Gruppen legen Wert darauf, als „sorbisch“ bzw. „dänisch“ und eben nicht „deutsch“ angesehen zu werden. Beide leben seit Jahrhunderten im selben Gebiet, beide haben eine andere Sprache und Kultur als die deutsche Mehrheitsbevölkerung. Trotzdem gibt es gewichtige Unterschiede zwischen beiden Minderheiten, die völlig verschiedene Vorraussetzungen für ihre Rechte in der BRD schaffen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen in dieser Arbeit näher beleuchtet, die rechtliche Situation der beiden Minderheiten miteinander verglichen werden. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der unterschiedlichen historischen Entwicklung beider Gruppen liegen.

Die Literatur zu diesem Thema beschränkt sich meist auf die rein juristische, oder die rein ethnische Seite des Problems. Über die Sorben lässt sich eine breite Anzahl von Büchern, sowohl über ihre Geschichte, als auch ihr Volkstum und ihre heutige rechtliche Situation finden, während die dänische Minderheit weniger behandelt wird. In juristischen Belangen stützt sich die Arbeit hauptsächlich auf die Dissertationen von Faisst und Messtorff.[1]

2. Zur Entstehung der beiden Minderheiten

2.1. Sorben

Nachdem die Germanen im Zuge der Völkerwanderung im 2. bis 6. Jahrhundert den Raum östlich von Elbe und Saale verlassen hatten, rückten ab 600 n.Chr. slawische Stämme, die Vorfahren der heutigen Sorben, in das ca. 40000 Quadratkilometer[2] große Gebiet zwischen Ostsee und Erzgebirge vor und besiedelten es.

Bis ins 9. Jahrhundert lebten diese Stämme in einer relativ „altertümlichen“[3] Gesellschaftsordnung, in Großfamilien in einer „militärischen Demokratie“[4] und ohne ein herrschaftliches Gefüge. Damit waren sie Angriffen relativ schutzlos ausgeliefert.

Mit der deutschen Ostbewegung wurde das Siedlungsgebiet der slawischen Stämme Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Während der ersten Welle wurden die Stämme christianisiert, behielten aber ihre eigene Sprache und konnten ihr Brauchtum und ihre Lebensweise erhalten. Mit der zweiten Welle der Ostkolonisation kamen mehrere 100000 deutsche Bauern in das Gebiet, es wurden Wälder gerodet und deutsche Städte und Dörfer gegründet. Deutsche und Slawen lebten friedlich nebeneinander, aber durch den nun häufigeren Kontakt kam es zu einer allmählichen Verschmelzung beider Völker. Bis zum Ende des Mittelalters waren die Slawen außerhalb der Markgrafentümer Oberlausitz und Niederlausitz weitgehend assimiliert und in der deutschen Bevölkerung aufgegangen.

In der Lausitz konnten sich die Slawen behaupten, was unter anderem daran lag, dass sie gegenüber den Deutschen hier immer noch die Mehrheit der Bevölkerung stellten und dass es keine straff zentralisierte Landesverwaltung gab. Die beiden Lausitzen waren viel mehr Ständerepubliken, ohne dass es einen Landesherren vor Ort gegeben hätte. So fand keine Eindeutschung der Sorben von oben statt und sie konnten relativ unbehelligt ihre Sprache und Kultur pflegen.

Die Reformation ab 1517 stellt einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Sorben dar. Nachdem im Mittelalter eher Kultgottesdienste stattgefunden hatten, wurde nun mehr Wert auf die Predigt und den Gemeindegesang gelegt, was eine Aufwertung der sorbischen Sprache bewirkte. Gleichzeitig wurden die ersten Texte auf sorbisch verfasst, so dass das Sorbische nun auch eine Schriftsprache besaß. Die höhere Bildung von Pfarrern und Lehrern brachte dem sorbischen Volk eine Art Intelligenz-Schicht, die unter anderem auch begann, sorbische Literatur zu schaffen. Durch all diese Vorgänge wurde das ethnische Bewusstsein der Sorben gestärkt.

Ein anderer wichtiger Aspekt, der mit der Reformation zusammenhängt, ist, dass ein großer Teil der Sorben katholisch blieb und sich nun auf zweierlei Art von der Restbevölkerung in der Lausitz unterschied: ethnisch und religiös. Diese doppelte Abgrenzung führte dazu, dass man sich seines „Sorbisch-Seins“ immer bewusster wurde und den alten Bräuchen besonders treu blieb.

Ende des 17. Jahrhunderts war das Siedlungsgebiet der Sorben schließlich zwischen Sachsen und Preußen aufgeteilt. Die „Wenden“ in der Niederlausitz hatten mit viel mehr Germanisierungsdruck zu kämpfen als die Sorben in der Oberlausitz, im toleranteren Sachsen.

2.2. Dänen

Die Region Schleswig liegt schon seit Jahrhunderten im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Dänemark und war seit jeher Streitobjekt und Grund für heftige Kriege. Immer wieder kam es zu Grenzverschiebungen. Ab 1773 gehörte Schleswig dann komplett zu Dänemark.

Trotz dieser Streitigkeiten lebten Deutsche und Dänen in der Gegend jedoch friedlich zusammen, bis die Suche nach einer eigenen Volksidentität im 18. und 19. Jahrhundert stark zunahm und sich in beiden Gruppen ein Nationalstolz entwickelte.

Bis zum deutsch-dänischen Krieg blieb Schleswig ein Teil des dänischen Staates, gehörte dann aber ab 1866 als Provinz „Schleswig-Holstein“ zu Preußen. Im Prager Friedensvertrag war vorgesehen, dass die nördlichsten Gebiete Schleswig-Holsteins auf Wunsch der Bevölkerung an Dänemark abgetreten werden sollten. Der entsprechende Artikel trat jedoch nie in Kraft, wurde aufgehoben und statt dessen setzte in den folgenden Jahren ein starker Germanisierungsdruck von preußischer Seite ein, der sich vor allem in der Sprach-, Schul- und Personalpolitik der neuen Regierung äußerte. Dadurch wurde die nationale Haltung der Dänen allerdings eher gestärkt als besänftigt.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde auf Grundlage des 14-Punkte-Plans des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, der die Selbstbestimmung der Völker als Ziel vorsah, in Teilen Schleswig-Holsteins eine Volksabstimmung durchgeführt. Daraufhin ging Nordschleswig wieder an Dänemark. Seit dem gibt es eine deutsche Minderheit in Dänemark und eine dänische Minderheit in Deutschland. Die Dänen in Deutschland „versteh[en] sich als Gruppe von Bürgern und Bürgerinnen [...] die bereit ist, die staatsbürgerlichen Pflichten des Staates, in dem sie lebt, zu erfüllen, aber Dänemark als ihr kulturelles Mutterland ansieht.“[5]

Im Gegensatz zur sorbischen Minderheit haben sie also ein „starkes“ Mutterland im Rücken, dass ihnen völkerrechtliche Sicherheit bietet und mit dem sie ständig im kulturellen Austausch stehen.

3. Entwicklung der Rechte der beiden Minderheiten bis 1945

3.1. Deutsches Reich

Charakteristisch für die Zeit des Deutschen Reiches war ein verschärfter Germanisierungsdruck gegenüber den Sorben. Schon vor der Reichsgründung war man z.B. in Preußen dazu übergegangen, sorbische Namen einzudeutschen und ein sächsisches Schulgesetz von 1835 hatte den Gebrauch des Sorbischen im Unterricht (außer in Religion) verboten.

[...]


[1] Messtorff, Silke: Die Rechtsstellung der ethnischen Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland. Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Hamburg, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main, 1987 und Faisst, Sabine Nora: Minderheitenschutz im Grundgesetz und in den Landesverfassungen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Juristischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Köhler Druck, Tübingen, 2000

[2] Oschlies, Wolf: Die Sorben – slawisches Volk im Osten Deutschlands. Forum Deutsche Einheit. Perspektiven und Argumente Nr. 5, 2. überarbeitete Aufl., Friedrich Ebert Stiftung, 1991, S. 11

[3] Stiftung für das sorbische Volk (Hrsg.): Die Sorben in Deutschland, 3. überarbeitete Aufl., 1999, S. 6

[4] ebenda

[5] Sigaard-Mansen, Edith: Die dänische Minderheit. In: Schmalz-Jacobsen, Cornelia und Hansen, Georg (Hrsg.): Ethnische Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Lexikon, Verlag C.H. Beck, München, 1995, S. 134

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Rechte der dänischen und der sorbischen Minderheit in der BRD
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
GK/PS Einführung und Methoden: Regierungssystem und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V15537
ISBN (eBook)
9783638206143
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechte, Minderheit, GK/PS, Einführung, Methoden, Regierungssystem, Außenpolitik, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Susanne Opel (Autor), 2003, Die Rechte der dänischen und der sorbischen Minderheit in der BRD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15537

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