Wie entstehen „Massen“? Wie verhalten sie sich? Und wie werden sie im „Monumentalfilm“(und in anderen Filmen) dargestellt? Mit welcher Intention? Diesen Fragen ist die Veranstaltung, in deren Rahmen diese Hausarbeit entstanden ist, in vielschichtiger,
umfassender Weise nachgegangen.
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich überwiegend mit einem etwas kleineren „Ausschnitt“ der obigen Betrachtungsebene, nämlich mit der Masse als ein aus sich selbst heraus organisierter, hierarchischer Zusammenschluss, der seinen wertkonservativen Status Quo auch mit
Gewalt zu verteidigen bereit ist – die Gang.
Die Gang an sich unterscheidet sich von anderen Formen der Masse in vielerlei Hinsicht. Gleichzeitig hat die „Gang“ eine historische
Entwicklungsgeschichte und scheint als ein soziales Konstrukt der Gesellschaft immanent zu sein: Je nach Blickwinkel vermuten Betrachter in der Gang den Ursprung heutiger politischer
Systeme oder global operierender Unternehmen.
Der Ende 2002 in die Kinos gebrachte Film „Gangs of New York“ von Regisseur Martin Scorsese schildert die Geschichte der Gangs in den „Five Points“, den Elendsvierteln in der wachsenden Großstadt New York in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Anhand dieses auf der gleichnamigen historischen Abhandlung von Herbert Asbury basierenden Films lassen sich sozialpsychologische Strukturen von Gangs und Mobs aufzeigen,ebenso wie typische, funktionalisierte filmische Darstellungsweisen von Masse und Massenanführern.
Entsprechend der thematischen Ausrichtung des Seminars orientiert sich diese Hausarbeit am Film wie an einem „roten Faden“ und arbeitet für die Schlüsselszenen deren sozialpsychologischen
und filmischen Besonderheiten heraus, mit einem klaren Schwerpunkt auf dem letzteren Aspekt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
Der Regisseur 4
Film-Facts 5
Filmhandlung 6
Gang – Versuch einer Definition 6
Historischer Hintergrund 9
Szenenanalyse 10
Menschen unter der Erde 10
Blutige Schlacht 12
Exkurs: Kameraeinstellungen 15
Das Häusermeer 16
Neue Zeiten 16
Neue Menschen 17
Veränderungen 17
Die Hand, die dich füttert 18
Gangs in den Straßen 19
Feuer! 20
Die Ordnung des Krieges 21
Chaos ist Leben, Ordnung ist Krieg? 21
Schauspiel Hinrichtung 22
Ganovenball 23
Spuren der Gewalt 23
Quecksilber-Masse 24
Masse + Kultur = Massenkultur? 25
Grenzen verschwimmen 26
Die Einsamkeit des Monstrums 27
Verrat 27
Im Reich der Toten 29
Wiedergeburt 29
Der Glaube und die Masse 30
Demokratie? 31
Die Qual der Wahl 31
Die Herausforderung 32
Ein patriotischer Beitrag 33
Ein Mob entsteht 33
Es kocht über 34
Ein Kerzenmeer 34
Aufstand 35
Eskalation im Ticker 36
Der letzte Gang 37
Geplatzte Träume 37
Lynchmob 37
Feuer gegen Pressefreiheit 38
Vogelfrei 39
Vorboten der Apokalypse 39
Vor der Entscheidung 40
Massenflucht 41
Das Ende der Gangs 42
Fegefeuer 43
Geburtswehen 44
The bones that built America 44
Letzte Anordnung 45
New York, New York 45
Zur Frage der historischen Authentizität 46
Zusammenfassung/Fazit 47
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Films "Gangs of New York" von Martin Scorsese sozialpsychologische Strukturen von Banden sowie filmische Darstellungsweisen von Massen und deren Anführern. Die Forschungsfrage fokussiert dabei insbesondere auf die filmische Inszenierung der Masse als ein aus sich selbst heraus organisiertes, hierarchisches Konstrukt.
- Sozialpsychologische Analyse von Gangs und Massenphänomenen
- Filmische Darstellung von Masse und Macht in "Gangs of New York"
- Der Einfluss von Anführern auf das kollektive Verhalten
- Vergleichende Betrachtung historischer Realität und filmischer Fiktion
- Die Rolle von Korruption und Politik in organisierten Bandenstrukturen
Auszug aus dem Buch
Gang – Versuch einer Definition
Die „Gang“ als ein „Massenphänomen“ ist bei näherer Betrachtung ein zeitgeschichtlich unterschiedlich aufgefasstes Konstrukt, das außerdem von anderen Konstrukten wie etwa dem „Mob“ abzugrenzen ist.
So kann man den Aufzeichnungen Asburys entnehmen, dass während der Aushebungskrawalle im Juli 1863 Mobs mit bis zu 10.000 Menschen durch die Straßen New Yorks zogen. Während der kurz vorher – am 4. und 5. Juli – wegen Streitigkeiten um die Polizeihoheit im 6. Bezirk, zu dem auch die Five Points gehörten, von den führenden Lokalpolitikern angezettelten Straßenschlachten zwischen den Gangs verschiedener Lager waren dagegen in den einzelnen Gefechten etwa 800 bis 1000 Gangster beteiligt. Die großen Gangs der Five Points und des Hafenviertels kamen laut Asbury in den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts tatsächlich jeweils etwa auf bis zu tausend Mitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, die Masse als soziales Konstrukt der Gang zu betrachten und die filmischen Besonderheiten bei Martin Scorsese zu analysieren.
Der Regisseur: Kurzbiografie von Martin Scorsese mit Fokus auf seine Verbindung zu New York und seinen neorealistischen Wurzeln.
Film-Facts: Informationen zur Entstehungsgeschichte des Films, den Dreharbeiten in Italien und den filmischen Mitteln.
Filmhandlung: Zusammenfassung der Handlung des Films von der Rache Amsterdams bis zum Showdown in den Five Points.
Gang – Versuch einer Definition: Theoretische Abgrenzung der Gang vom Mob mittels massenpsychologischer Ansätze.
Historischer Hintergrund: Erläuterung der soziologischen Wandlung von der "Gemeinschaft" zur "Gesellschaft" im Kontext der Five Points des 19. Jahrhunderts.
Szenenanalyse: Detaillierte Untersuchung ausgewählter Schlüsselszenen des Films hinsichtlich ihrer massenpsychologischen und filmischen Bedeutung.
Zur Frage der historischen Authentizität: Kritische Gegenüberstellung der filmischen Darstellung mit historischen Fakten unter Berücksichtigung von Expertenmeinungen.
Zusammenfassung/Fazit: Resümee über die filmische Qualität des Werkes als eigenständiger Beitrag zur Diskussion über Massendarstellungen im Film.
Schlüsselwörter
Gangs of New York, Martin Scorsese, Massenpsychologie, Mob, Gang, Five Points, Sozialpsychologie, Filmanalyse, Historischer Hintergrund, Massendarstellung, Amsterdam Vallon, Bill the Butcher, Tammany Hall, Kollektives Verhalten, Machtstrukturen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht sozialpsychologische Strukturen von Gangs und die filmische Inszenierung von Massenphänomenen im Film "Gangs of New York".
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören die Unterscheidung zwischen Gang und Mob, die massenpsychologische Dynamik, politische Korruption und die filmische Darstellung von Macht durch Kameraführung und Regie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für Schlüsselszenen des Films deren sozialpsychologische und filmische Besonderheiten herauszuarbeiten, mit einem besonderen Fokus auf der filmischen Inszenierung.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine filmanalytische Betrachtung vorgenommen, die durch massenpsychologische Theorien und historische Hintergründe gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Szenenanalyse, in der über 40 spezifische Szenen hinsichtlich ihrer Massendarstellungselemente untersucht werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind "Massendarstellung", "Szenenanalyse", "sozialpsychologische Strukturen", "Archaische Ordnung" und "filmische Inszenierung".
Welche besondere Bedeutung haben die Kerzen im Film?
Kerzen werden im Film vielseitig verwendet: als Symbol für Hoffnung, als Mittel zur Identifizierung von Leichen und als Zeichen der Solidarität unter den Aufständischen.
Wie bewertet der Autor die historische Genauigkeit des Films?
Unterstützt durch Expertenmeinungen wird der Film als historisch authentisch in Bezug auf die Atmosphäre, aber dramaturgisch überhöht hinsichtlich der gezeigten Gewalt und der Abläufe der Schlachten bewertet.
Welche Rolle spielt die Armee als "Masse"?
Die Armee wird als hierarchisch organisierte, durch gesetzliche Regeln strukturierte Masse dargestellt, die als Gegenpol zum chaotischen und weniger strukturierten Mob fungiert.
- Arbeit zitieren
- Holger Pinnow-Locnikar (Autor:in), 2006, Gangs of New York - Eine filmanalytische Betrachtung unter Berücksichtigung historischer und sozialpsychologischer Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155424