Das "Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - für Frieden und Menschenrechte" von Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1.Vorwort

2. Die Schaffung eines offentlichen Gedachtnisses

3. Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte - das Gerz'sche Gegenmonument
3.1 Konzept versus Ausfuhrung
3.2 Der Dialog mit der Offentlichkeit
3.3 Gegen-Monument

4. Das Phanomen des Verschwindens

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Abbildungsverzeichnis
6.3 Abbildungen

1. Vorwort

Das Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte in Hamburg-Harburg (1986-1993) von Jochen Gerz entstand in Zusammenarbeit mit seiner damaligen Frau, der Bildhauerin Esther Shalev-Gerz. Der deutsche Kunstler Jochen Gerz, dessen Interesse der Literatur gilt, arbeitet seit den 1967er Jahren im Bereich der Visuellen Poesie. Seine haufig im offentlichen Raum entstehenden Arbeiten suchen eine Verbindung zwischen Bild und Wort. Seit der Installation EXIT - Material. Zum Dachau-Projekt von 1972-74 wendet sich Gerz verstarkt in seinen Arbeiten den Themen des Gedenkens zu und zur Diagnose einer Kultur, fur die alle verantwortlich sind. Diesem Schlusselwerk folgen viele weitere Arbeiten zu diesen Themen. In dieser Reihe gliedert sich auch das Mahnmal gegen Faschismus ein, das eine mehrjahrige Arbeit im offentlichen Raum darstellt und in dem sich die Thematik des Gedenkens mit dem Prinzip der Interaktion verbindet. Die Idee fur das Mahnmal war von der Hoffnung der Kunstler getragen „die Burde der Erinnerung an diejenigen zuruckzugeben, die spater danach suchen wurdens1. Dabei missachtet es eine ganz Reihe von konventionellen Merkmalen von Mahnmalen.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz. Ich beginne einfuhrend mit einigen Uberlegungen zur Herausbildung eines ..offentlichen Gedachtnisses" und der Einordung des Mahnmals in seinen zeitlichen Entstehungskontext. Anschlieftend ruckt das Mahnmal selbst ins Zentrum. Dabei wende ich mich zuerst der Idee des Mahnmals und seiner Entstehungsgeschichte zu. In einem zweiten Schritt untersuche ich den Aspekt der Offentlichkeit, da die Offentlichkeit beziehungsweise die offentliche Auseinandersetzung ein wesentliches Material des Kunstwerkes darstellt - insbesondere die Rolle der Signatur soll hier hinterfragt werden. In einem weiteren Schritt nahere ich mich dem Gerz’schen Mahnmal von der Entwicklung des traditionellen Denkmals her und grenzt es davon ab. Ein Mahnmal, das als Reagenzglas angelegt ist, ist das noch ein Mahnmal? Woran wird gemahnt? Diesen Fragen folgend, wende ich mich im Anschluss dem Thema de Ephemeren zu. Geht das Konzept von Gerz auf, dass durch das Verschwinden des Mahnmals - wenn uns also die Sichtbarkeit genommen wird - uns ebenfalls die Moglichkeit zu verdrangen entzogen wird? Mit anderen Worten gesagt, gelingt es, dass das verschwindende Mahnmal von Hamburg-Harburg zu ,,einem Messer in einer offenen Wunde“ wird? Abschlieftend sollen die erzielten Erkenntnisse noch einmal zusammengefasst werden.

2. Die Schaffung eines offentlichen Gedachtnisses

Am Anfang der 1980er Jahre beginnt sich eine offentliche Erinnerungskultur herauszubilden. Dabei ist in Deutschland, aber auch in Osterreich und in einigen anderen Landern, der Begriff Erinnerungskultur im Wesentlichen ein Synonym fur die Erinnerung an den Holocaust. Offentliche Erinnerungskultur findet ihren Ausdruck in zahlreichen Initiativen und Projekten zur Dokumentation, Aufarbeitung und Archivierung der NS-Vergangenheit, ebenso in Gedenkstatten, an Gedenktagen und Denkmalern.

Die Erinnerung ist eine der altesten Bewegrunde fur Kunst. Die Denkmal2 - Tradition erlebte nach 1945 einen Bruch, ebenso wie die moderne Kunst, die nicht vorbereitet war auf die ungeheure Aufgabe der Erinnerung nach dem Nationalsozialismus.3 Zu der ,Krise im Gedachtnis der deutschen Nachkriegsgesellschaft‘4 gesellte sich in Bezug auf die offentliche Kunst im Allgemeinen und zum Mahn- und Denkmal im Besonderen die Frage, ob es uberhaupt noch Moglichkeiten einer authentischen Kunst der Erinnerung geben konne5. Bis in die 1970er Jahre gab es so gut wie keine kunstlerischen Arbeiten in Ost- und Westdeutschland zum Thema Erinnerungen an die Vergangenheit6, ob bewusst oder unbewusst verdrangt. Unterschwellig zumeist als politisch aufgeladene Chiffre war der Holocaust jedoch bereits in der kunstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kalten Krieg prasent. Ebenso konnten sich in der Abwesenheit von Representation Spuren von Anwesenheit finden.7 Ein erster grundsatzlicher Wandel im Umgang mit den Themen Krieg, Gewalt und Faschismus war in den 1960er und 1970er Jahren zu verorten, in der Folge der Proteste gegen den Vietnam-Krieg und der Politisierung durch die Studentenbewegung.8 In Werken der Malerei setzten sich in der Bundesrepublik Kunstler wie Georg Baselitz, Eugen Schonebeck, Markus Lupertz, Gerhard Richter und Anselm Kiefer mit den realen Geschichten des Holocaust und ihren Auswirkungen auseinander, dabei nahmen sie die NS-Bilderwelt in kritischer Absicht auf, jedoch fehlte der Holocaust in ihren Arbeiten. In der DDR befasste sich die Leipziger Schule seit Mitte der 60er Jahre mit Deutschlands gebrochenen intellektuellen Traditionen und wandte sich in ihren Arbeiten den Gespenstern der Vergangenheit zu.9 Eine direkte politische Intervention durch bildende Kunstler war aber selten.

Der Wandel in der Erinnerung zu Beginn der 80er Jahre ging einher mit einem Generationenwechsel10. Die eigenen, hypervermittelten Erfahrungen einer Generation, die sich nicht an das erinnert, was geschehen ist, sondern an das, was sie durch zahllose Erzahlungen, Geschichten und Gedichte erfahren hat, spiegelten sich in verschiedenen kunstlerischen Auseinandersetzungen wider. Die Generation von Jochen Gerz ist uber die Erfahrungen der Elterngeneration unweigerlich mit dem Holocaust verbunden, dabei wird fur sie der Holocaust eine Erinnerung aus zweiter Hand. Es ist eine Erinnerung an die Erinnerung.11 Wir haben es bei dem Kunstlerpaar Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz mit zwei Kunstler zu tun, die sich bewusst sind, „daft historische Tatsachen niemals fur sich selbst stehen, sondern ihre Gestalt den Grunden verdanken, aus denen wir sie in Erinnerung rufen“ 12.

Bei der Auseinandersetzung mit Erinnerung, und damit auch mit Vergessen - als Begriffspaar zu sehen13 - stellt sich die einfache und dabei hochkomplexe Frage, was erinnern leisten kann. Besteht der groftte Erfolg, wie Andreas Huyssen postuliert, in einem Holocaust-Denkmal, das eine mimetische Annaherung in Gang setzt?14 Unser Erinnern heute ist eingespannt „zwischen kontrollierender Memorialpolitik, wiederholendem Gedachtnisritual und der technologischen Groftmaschinerie der digitalisierten, in ihren Wirkungszusammenhangen noch nicht wahrhaft durchschauten, weltweit operierenden Kommunikations- wirtschaft. Deutlich wird dies einmal mehr, wenn man die Tatsache betrachtet, dass in den verschiedenen Landern, die durchaus gleichen Fakten uberaus unterschiedliche Darstellungen und Formen der Erinnerung an den Holocaust hervorgebracht haben.15 Stehen in Deutschland die traumatischen Belastungen des nationalen Selbstverstandnisses an erster Stelle in Verbindung mit dem Holocaust, gewann er in Israel zentrale Bedeutung fur die Staatsgrundung und das amerikanische Holocaust-Bewusstsein wiederum konzentriert sich auf die Rolle Amerikas als Zufluchtsort und Befreier - um einige Beispiele zu nennen. Diese vielfachen Brechungen der Erinnerung an den Holocaust sind auch in der Errichtung von Gedenkorten festzustellen und zeugen, wie Andreas Huyssen bereits vermeintlich richtig bemerkt hat, von einer nicht erstarrten Erinnerung zu einem einzigen traumatischen Bild.16

Mit initiiert durch Film und Fernsehen uber Literatur von Zeitzeugen, die das Thema NS-Vergangenheit, in dessen Zentrum der Auseinandersetzung der Holocaust stand, wurde die Problematik einem Massenpublikum zuganglich gemacht und Erinnerungen an den Holocaust fanden sich in vielen Bereichen des offentlichen und kulturellen Lebens wider. In diesem Zusammenhang wird oftmals von einer geradezu .Obsession mit Erinnerungen1 gesprochen. Mit Rekurs auf Arbeiten von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz, Horst Hoheisel, Alfred Hrdlicka und Norbert Radermacher, die James Young unter dem Begriff countermonument (Mahnmal Oder wortlich „Gegenmonument“) zusammengefasst hat, kann dies als diskursiver Hintergrund fur diese Entwicklung gesehen werden.17 Inwieweit speziell das Gerz'sche Mahnmal gegen Faschismus als countermonument zu verstehen ist, soll zu einem spateren Zeitpunkt (Punkt 3.3) erortert we]rden.18 In Arbeiten im offentlichen Raum war zu diesem Zeitpunkt die Beschaftigung mit der deutschen Vergangenheit sehr prasent, daneben vergleichsweise gering in den traditionellen Gattungen der bildenden Kunste wie Malerei und Zeichnung, auf die hier aber nicht naher eingegangen werden kann. Das Mahnmal gegen Faschismus, Krieg und Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz tragt in vielen Konsequenzen diesen Hintergrund in sich und muss eingebettet in seine Zeit und den .Zeitgeist gesehen werden19. Mit dem Mahnmal uben die beiden Kunstler Kritik, „indem sie die .Praxis offentlicher Erinnerung und damit die Fremdbestimmung des offentlichen Raumes insgesamt reflektieren und scheinbare Freiraume einer individuellen Selbstbestimmung schaffen20. Amerikanische Kunstler wie Art Spiegelman, David Levinthal und Shimon Attie gehen in ihren kunstlerischen Arbeiten ebenfalls auf den Aspekt des Erinnerns ein, jedoch wenden sie sich der Frage zu, auf welche Art und Weise sie von dem Holocaust gehort haben und wie er sie gepragt hat.21 Mit ihrem Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte haben Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz auch in der Folge von Theodor W. Adorno und Saul Friedlander gehandelt. Das verschwindende Mahnmal tragt in sich die moralische Verpflichtung zur Erinnerung und verweist zugleich auf die Unmoglichkeit.22

3. Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte - das Gerz‘sche Gegenmonument

3.1 Konzept versus Ausfuhrung

Das Mahnmal gegen Faschismus von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz wurde am 10. Oktober 1986 der Offentlichkeit ubergeben. (Abb. 1) Die Initiative fur diese Arbeit im offentlichen Raum kam von der Bezirksversammlung Hamburg-Harburg, die nach vierjahriger Diskussion 1983 den Beschluss fasste, als vordringliches Projekt im offentlichen Raum ein Monument gegen Faschismus, Krieg, Gewalt, fur Frieden und Menschenrechte in Harburg errichten zu lassen23. In der folgenden eingeschrankten Ausschreibung, in der funf von den sechs eingeladenen Kunstlern24 ihre Vorschlage einreichten, wurde sich schlieftlich nach Diskussion und offentlicher Anhorung fur das Projekt von Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz entschieden25. Um die Umstande zu verstehen, die zu dem Mahnmal gegen Faschismus gefuhrt haben, bedarf es einiger Worte zu der Idee der beiden Kunstler und zu den Grundgedanken der Auftraggeber, deren Einstellung uberraschte: ,,Sie wollten nichts Pflegeleichtes."26 In der aufkommenden Diskussion beim Hearing, an dem die Burgerschaft von Hamburg-Harburg, Vertreter der politischen Parteien, aufterdem Beamte und Leute aus dem Bereich der zeitgenossischen Kunst teilnahmen, kristallisierte sich der Wunsch heraus, nicht einen „sterbenden Hirschen" haben zu wollen, sondern ein „aktives, auf das Heute ausgerichtete[s] Mahnmal".27 ' Die Diskussion machte Gerz betroffen, gleichzeitig uberraschte ihn der sehr spezielle Auftrag positiv und lieft den Kunstler seine erste Arbeit im offentlichen Raum im staatlichen Auftrag annehmen.

Die eingereichte Idee des Kunstlerpaares bestand aus der Errichtung eines Pfeilers von 12 m Hohe, dessen Korper aus verzinktem Stahl und einer Verkleidung aus Feinblei bestehen soll, mit einem Grundmaft von 1 x 1 m und einem Gewicht von zirka 7 t. An dem Pfeiler sollen vier Stahlstifte angebracht werden, mit denen die Passanten auf der Bleioberflache durch ihre Unterschrift ihre Unterstutzung dieses Mahnmals signalisieren konnen. Die beschriftbare Oberflache von 48 m2 bietet Platz fur etwa 60 000 Unterschriften. Das Konzept der beiden Kunstler sah vor, den Pfeiler in acht Schritten in funf bis sieben Jahren abzusenken, analog zum Grad seiner Nutzung, bis die Oberseite mit dem Boden abschlieftt, die ebenfalls beschriftet werden kann28.

[...]


1 Achim Konneke: Interview mit Esther und Jochen Gerz, 1993, in: Jochen Gerz. Gegenwart der Kunst - Interviews (1970 - 1995). Regensburg 1995, S. 166-177, hier S. 172

2 Denkmaler, der Prototyp offentlicher Kunst, dienten lange Zeit als bildnerische Mnemotechnik im offentlichen Raum.

3 Vgl. Manfred Schneckenburger: Denken-Gedenken-Mahnmaler heute, in: Kunst-Raum-Perspektiven. Ansichten zur Kunst in offentlichen Raumen. Hrsg. v. Anne-Kathrin Kriegsmann; Manfred Schneckenburger. Jena 1997, S. 10-17, hier S. 11f.

4 Vgl. Ebd.

5 So vertritt der Historiker Martin Broszat die Ansicht, dass ,,Monumente die Geschichte eher verdunkeln als erhellen“. James E. Young geht noch einen Schritt weiter und wirft die Frage auf, ,,ob Monumente, indem sie Erinnerungsarbeit auf ihre Schultern nehmen, den Betrachter von seiner eigenen Erinnerungslast befreien. Denkmaler als Vehikel der VergeRlichkeit oder kollektiver Ersatz - ein mentaler Entsorgungsakt?“ Viele weitere sowohl kunsthistorisch wie sozialpsychologisch fundierte Einwande gegen das Denk- und Mahnmal lieRen sich aufzahlen. Vgl. Manfred Schneckenburger: Denken-Gedenken-Mahnmaler heute, S. 13ff.

6 Ausnahmen stellen die objet trouves-Assemblagen „Auschwitz-Scheinwerfer“ von 1958, „Deutscher Ausblick“ von 1958/59 und „Treblinka“ von dem Kunstler Wolf Vostells dar, der sich in seinen kunstlerischen Produktionen mit den Holocaust-Opfern auseinandersetzt. Vgl. Andreas Huyssen: Gedachtnisfiguren im Laufe der Zeit, in: Kunst und Kalter Krieg. Deutsche Positionen 1945-89. Hrsg. v. Stephanie Barron und Sabine Eckmann. New York 2009, S. 224-239, hier S. 231.

7 Vgl. Andreas Huyssen: Gedachtnisfiguren im Laufe der Zeit, S. 231.

8 Vgl. Annegret Jurgens-Kirchhoff: Schreckensbilder. Krieg und Kunst im 20. Jahrhundert. Berlin 1993, S. 319.

9 Vgl. Andreas Huyssen: Gedachtnisfiguren im Laufe der Zeit, S. 234f.

10 Mit der Unterscheidung Jan Assmanns konnte man sagen, „da8> wir derzeit einen Ubergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedachtnis des Holocaust erleben.“ Dabei besteht nach Jan Assmann das kommunikative Gedachtnis aus einem „durch personlich verburgte und kommunizierte Erfahrung gebildete(n) Erinnerungsraum“, wahrend das kulturelle Gedachtnis, das „mitfesten Objektivationen sprachlicher und nichtsprachlicherArt“ arbeitet, Vergangenheit ,,zu symbolischen Figuren [gerinnt], an die sich die Erinnerung heftet“. Jan Assmann: Das kulturelle Gedachtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identitat in fruhen Hochkulturen. Munchen 1992, S. 50ff. Diese Definition ist nicht unproblematisch, da sie suggeriert, dass das kommunikative Gedachtnis authentischer als das medial vermittelte kulturelle Gedachtnis. In diesem Kontext aber fur die Beschreibung von Gerz' Konzeption von Holocaust-Mahnmalen hilfreich. Jochen Gerz Au&erung zu seinem Beitrag zum Berliner Wettbewerb gibt Aufschluss uberseine Herangehensweise: „So kann Autorenschaft heute, als personlicher Akt von Verantwortung und als Zeugnis einer wachsenden Zahl lebendiger Menschen im Denk- und MahnmalprozeB, zur Basis fur ein gemeinsames Weitergehen werden. Das Denk- und Mahnmal ist nur vorstellbar als ein Ort, der zu schaffen bleibt: der Besucher wird Mahnmal. [...]“ Der Denkmalstreit - das Denkmal?: die Debatte um das Denkmal fur die ermordeten Juden Europas , eine Dokumentation. Hrsg. v. Ute Heimord, Gunter Schlusche, Horst Seferens. Berlin 1999, S. 884.

11 Vgl. James E. Young: Nach-Bilder des Holocaust in zeitgenossischer Kunst und Architektur. Hamburg 2002, S. 7f.

12 James E. Young: Nach-Bilder des Holocaust in zeitgenossischer Kunst und Architektur. Hamburg 2002, S. 7.

13 Die heutige Geschichtswissenschaft sieht vier Faktoren, die dazu fuhren, dass wir Geschichte als das Produkt eines Zusammenwirkens von Erinnern und Vergessen begreifen mussen: 1. die unabwendbare Selektivitat der Geschichte, 2. die anthropologische Begrenztheit jeder Erfahrung, 3. die narrative Struktur jeder Geschichte, 4. die temporale Einheit von Vergangenheit und Gegenwart. Vgl. Lucian Holscher: Erinnern und Vergessen - Vom richtigen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, in: Orte der Erinnerung. Denkmal, Gedenkstatte, Museum. Hrsg. v. Ulrich Borsdorf; Heinrich Theodor Grutter. Frankfurt, New York 1999, S. 111-127, hier S. 121ff.

14 „Alles was erinnern leisten kann, ist namlich: Leben in Wissen zu uberfuhren und ihm damit unweigerlich Evidenz und Lebendigkeit zu nehmen.“ Hans Ulrich Reck: Totales Erinnern und Vergessensphobie- Aktueller Gedachtniskult und digitale Speichereuphorie, in: Kunstforum international. Ressource Aufmerksamkeit. Asthetik in der Informationsgesellschaft. Bd. 148. Hrsg. v. Florian Rotzer. S. 46-51, hier S. 46.

15 Ebd.

16 Vgl. Andreas Huyssen: Denkmal und Erinnerung im Zeitalter der Postmoderne, in: James E. Young: Mahnmale des Holocaust. Motive, Rituale und Statten des Gedenkens. Munchen 1994, S. 9-17, hier S. 15.

17 Andreas Huyssen: Gedachtnisfiguren im Laufe der Zeit, S. 238.

18 In verschiedenen Aspekten des Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - fur Frieden und Menschenrechte spiegelt sich die Idee eines Anti-Denkmals/Gegenmonuments wider. Unter dem Aspekt des Etiketts Mahnmal, ist das Harburger-Mahnmal in verschiedener Hinsicht absolut atypisch. Vgl. Achim Konneke: Interview mit Esther und Jochen Gerz, 1993, S. 169.

19 „Die Gedachtniskunst von Jochen Gerz ist vielschichtig. Ausgehend von einer Kritik an den Entfremdungszustanden der spat-industriellen Gesellschaft, wie er sie in den 70er Jahren in Foto- Text-Tafeln, Aktionen und Videotapes zum Ausdruck brachte, formuliert er in seinen zahlreichen Werken der ars memorativa eine fundamentale Skepsis gegenuber Inhalt und Vermittlungsform der Gedachtnisarbeit im einzelnen und gesellschaftlicher Kommunikation im ganzen.“ Deep Storage. Arsenale der Erinnerung. Sammeln, Speichern, Archivieren in der Kunst. Hrsg. v. Ingrid Schaffner und Matthias Winzen. Munchen; New York 1997, S. 142.

20 Ebd., S. 144.

21 Vgl. James E. Young: Nach-Bilder des Holocaust in zeitgenossischer Kunst und Architektur, S. 9.

22 Vgl. Ebd., S. 13.

23 Vgl. Ulrich Krempel: Sieben Anmerkungen zum Harburger Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt von Esther und Jochen Gerz, in: Kunst im offentlichen Raum. Ansto&e der 80er Jahre. Hrsg. v. Volker Plagemann. Koln 1989, S. 177-184, hier S. 177.

24 Eingeladen waren die Kunstler: Lothar Baumgarten, Jochen Gerz, Jochen Hiltmann, Siegfried Neuenhausen, H.D. Schrader und Timm Ulrichs. Vgl. Stephan Schmidt-Wulffen: „Duell mit der Verdrangung. Ein Gesprach mit Esther und Jochen Gerz“, in: Kunstforum international, Bd. 87 (Jan./Febr.), Koln 1987, S. 318-321, S. 318.

25 Vgl. Jochen Gerz: Performances, Installationen und Arbeiten im offentlichen Raum 1968-1999. Werkverzeichnis Band I. Hrsg. v. Volker Rattemeyer, Renate Petzinger. Nurnberg 1999, S. 90.

26 Jochen und Esther Gerz: Das Harburger Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, in: Kunst und Holocaust. Bildliche Zeugen vom Ende der westlichen Kultur. Hrsg. v. Detlef Hoffmann. Rehburg- Loccum 1990, S. 201-218, hier S. 204.

27 Vgl. Achim Konneke: Interview mit Esther und Jochen Gerz, 1993, S. 166.

28 Vgl. Ulrich Krempel: Sieben Anmerkungen zum Harburger Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt von Esther und Jochen Gerz, S. 177.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Das "Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - für Frieden und Menschenrechte" von Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Kunstgeschichtliches Institut)
Veranstaltung
Kunst und Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V155528
ISBN (eBook)
9783640816262
ISBN (Buch)
9783640815890
Dateigröße
2164 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jochen Gerz, Kunst im öffentlichen Raum, Gedächtniskunst, Denkmal
Arbeit zitieren
Jana Seipelt (Autor), 2010, Das "Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt - für Frieden und Menschenrechte" von Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155528

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