Der Essay stellt die kognitive Metapherntheorie von Lakoff & Johnson (1980) anhand von psychischen Erkrankungen, mit dem Fokus auf Depression und Schizophrenie, dar. Er zeigt exemplarisch auf, welche konzeptuellen Metaphern bereits untersucht wurden und gibt ein Ausblick darauf, welche Möglichkeiten der Forschung in diesem Bereich noch offen liegen.
Dir fällt alles schwer, auch nur das Bett zu verlassen. Du bist niedergeschlagen. Du kannst gegen die Depression nicht ankämpfen. Du fällst in ein tiefes dunkles Loch und kommst da nicht mehr alleine heraus. Mit solchen Metaphern kann die psychische Krankheit Depression beschrieben werden. Sowohl der Duden als auch das DWDS verwenden bereits in ihrer Definition der Erkrankung das Wort Niedergeschlagenheit. Doch wer schlägt hier wen nieder? Kann die Depression den oder die Erkrankte physisch niederschlagen? In dieser Beschreibung wird die Depression als Gegner konzeptualisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die kognitive Metapherntheorie bei psychischen Erkrankungen
2.1 Depression und konzeptuelle Metaphern
2.2 Schizophrenie und konzeptuelle Metaphern
2.3 Vergleichende Analyse
3. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Dieses Essay untersucht die kognitive Metapherntheorie nach Lakoff & Johnson im Kontext psychischer Erkrankungen, insbesondere Depression und Schizophrenie. Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie konzeptuelle Metaphern unser Verständnis und den Umgang mit diesen Krankheiten prägen sowie existierende Parallelen und Unterschiede in der Metaphorik herauszuarbeiten.
- Grundlagen der konzeptuellen Metapherntheorie
- Metaphorische Konzeptualisierung von Depression als Gegner oder Loch
- Schizophrenie im Kontext von Abwärtsbewegungen und Tiefe
- Vergleich gemeinsamer Quelldomänen bei verschiedenen psychischen Erkrankungen
- Bedeutung von Metaphern für das Denken und Handeln im Heilungsprozess
Auszug aus dem Buch
Die konzeptuelle Metapher DEPRESSION IST EIN GEGNER
Wenn wir davon sprechen, dass uns die Depression ganz plötzlich und unerwartet überfällt und wir sie besiegen müssen, konzeptualisieren wir die Depression als Gegner (vgl. Kałasznik & Staniewski 2020: 198). DEPRESSION IST EIN GEGNER stellt dabei die konzeptuelle Metapher dar, während ein Satz, wie „Die Depression überfällt mich ganz plötzlich, unerwartet“ (ebd.) eine sprachlich codierte Metapher aus diesem Konzept ist.
In der konzeptuellen Metapher DEPRESSION IST EIN GEGNER werden bestimmte Eigenschaften des Konzepts GEGNER auf das Konzept DEPRESSION übertragen. Das ist zum Beispiel der Kampf zwischen zwei Gegner:innen und der Ausgang des Kampfes, also ein Sieg oder die Niederlage. Dieses Phänomen wird von Lakoff & Johnson (2011) Metaphorisierung (conceptual mapping) genannt.
Bei der Metaphorisierung werden Eigenschaften einer Quelldomäne auf eine Zieldomäne übertragen. In dem genannten Beispiel stellt der GEGNER die Quelldomäne und die DEPRESSION die Zieldomäne dar. Dabei werden nicht alle, sondern nur bestimmte Eigenschaften übertragen (vgl. Drewer 2003: 6). Das bringt mit sich, dass diese Eigenschaften in den Vordergrund treten, während andere verborgen werden. Dieses Prinzip wird von Lakoff & Johnson (2011: 18) beleuchten oder verbergen (highlight or hide) bezeichnet. In dem genannten Beispiel DEPRESSION IST EIN GEGNER wird der Kampfaspekt betont.
Ob diese Sichtweise auf die Depression sinnvoll für den Heilprozess ist, kann hinterfragt werden. Metaphern haben einen Einfluss darauf, wie Menschen denken und sogar, wie sie handeln. Deswegen ist es wichtig, sich bewusst zu werden, welche Metaphern gebraucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Metaphern für die Beschreibung psychischer Krankheiten ein und stellt die theoretische Grundlage nach Lakoff & Johnson dar.
2. Die kognitive Metapherntheorie bei psychischen Erkrankungen: Dieses Kapitel analysiert systematisch, wie psychische Erkrankungen durch konzeptuelle Metaphern wie den Gegner oder das Loch strukturiert werden.
3. Fazit und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und weist auf die Notwendigkeit weiterführender Forschung zu krankheitsspezifischen Metaphern hin.
Schlüsselwörter
Kognitive Metapherntheorie, Psychische Erkrankung, Depression, Schizophrenie, Konzeptuelle Metapher, Quelldomäne, Zieldomäne, Metaphorisierung, Orientierungsmetapher, Heilungsprozess, Systematische Metaphernanalyse, Psychotherapie, Sprachbilder, Mentaler Raum, Kognition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Kognitiven Metapherntheorie nach Lakoff & Johnson auf den Bereich psychischer Erkrankungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die sprachliche und konzeptuelle Darstellung von Depression und Schizophrenie durch Metaphern.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Metaphern psychische Zustände strukturieren und welche Gemeinsamkeiten in der metaphorischen Beschreibung unterschiedlicher Krankheiten existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische Metaphernanalyse theoretischer Literatur und bestehender Studien zu diesem Themenbereich durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Metaphern wie "DEPRESSION IST EIN GEGNER" oder "SCHIZOPHRENIE IST TIEFE" und vergleicht diese hinsichtlich ihrer Funktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kognitive Metapherntheorie, Depression, Schizophrenie, konzeptuelle Metaphern und Metaphernreflexivität.
Wie beeinflussen Metaphern den Heilungsprozess?
Metaphern beeinflussen, wie Betroffene ihre Krankheit wahrnehmen und darauf reagieren; eine Bewusstwerdung dieser Sprachbilder kann den therapeutischen Prozess unterstützen.
Warum wird die Depression häufig als "Loch" beschrieben?
Die Metapher des Lochs verdeutlicht die Orientierungsmetapher der Auf- und Abwärtsbewegung, wobei das Hineinfallen den Krankheitszustand und das Hinaussteigen den Heilungsweg symbolisiert.
Gibt es Unterschiede in der Metaphorik zwischen physischen und psychischen Krankheiten?
Die Arbeit stellt fest, dass sich Metaphern wie KAMPF oder KRIEG sowohl in der Beschreibung von Krebs als auch bei Depressionen finden lassen, was auf universelle Prinzipien der Krankheitsbewältigung hinweist.
Was bleibt für die zukünftige Forschung offen?
Es fehlt bislang eine umfassende, systematische Sammlung aller konzeptuellen Metaphern für das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen sowie eine detaillierte Erforschung krankheitsspezifischer Differenzierungen.
- Citation du texte
- Lia Greiberg (Auteur), 2023, Eine Darstellung der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson anhand von psychischen Erkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1555557