Diese Arbeit behandelt die Souveränität der Polis Milet in Kleinasien während der Phasen persischer Eroberung, Herrschaft und Vertreibung in Kleinasien. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob Milet für seine Souveränität in der Zeit als Bündner Persiens selbst verantwortlich ist oder, ob Persien Milet lediglich aus anderen Gründen verschont hat.
Das Jahr 334 vor Christus markierte, grob 200 Jahre nach der ersten Tuchfühlung Milets mit den Achämeniden, noch ein letztes Mal einen Höhepunkt in der griechisch-persischen Auseinandersetzung um die Behauptung der Westküste Kleinasiens mit ihrer klimatisch günstigen Lage und ihrem ausgeprägten Städtereichtum - insbesondere in der Region Ionien, die, so der griechische Geschichtsschreiber Herodot von Halikarnassos, schon zu frühester Zeit, also seit der einstigen Besiedlung durch die Minoer und der weitergehenden Einflussnahme durch griechische Mykener und Achaier, über mindestens Städte verfügt habe. Denn im Mai des Jahres 334 war es Alexander, Sohn des makedonischen Königs Philipp II., gelungen die Perser am Fluss Granikos zu besiegen, sodass der Weg nach Süden und Westen frei war. Der Eroberer ließ sich zunächst im phrygischen, später sagenumwobenen Gordion und im ionischen Ephesos nieder, bevor er samt Heer strammen Schrittes nach Milet marschierte, wo eine neuerliche persische Konzentration verhindert werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Milet im Schatten des frühen achämenidischen Kleinasiens
II.I. Kyros II. und die Unterwerfung Ioniens
II.II. Kambyses II., Polykrates und Oroites
II.III. Dareios I. und der Beginn der Ionischen Revolte
III. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politische Entwicklung Milets im 6. Jahrhundert v. Chr. unter der wachsenden Einflussnahme des achämenidischen Perserreiches. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, inwieweit Milet als eigenständig handelnde Polis agieren konnte oder ob die Stadt durchgängig unter Zwang und äußeren Abhängigkeiten litt und somit von einer autonomen Gemeinschaft zu einer persisch kontrollierten Tyrannis erodierte.
- Die diplomatische Strategie Milets im Kontext der Eroberungen durch Kyros II.
- Die Auswirkungen der machtpolitischen Ambitionen des samischen Herrschers Polykrates auf die milesische Autonomie.
- Die Rolle persischer Statthalter (Satrapen) bei der Etablierung von Abhängigkeitsverhältnissen.
- Die Ursachen und die Dynamik der Ionischen Revolte unter Histiaios und Aristagoras.
- Das Verhältnis zwischen den lokalen Tyrannenherrschaften und der übergeordneten persischen Großmacht.
Auszug aus dem Buch
II.I. Kyros II. und die Unterwerfung Ioniens
Als Kyros etwa 540 v.Chr. im Krieg mit den Lydern gelegen hatte, die den westlichsten Teil Kleinasiens beherrschten, bat er die Ionier vom Lyderkönig Kroisos abzufallen und sich ihm selbst zu unterwerfen, was die Ionier, so Herodot, jedoch bis auf die Stadt Milet ablehnten. Milet aber habe mit der neuen Macht, den Persern, zu denselben Bedingungen wie mit den Lydern ein Bündnis geschlossen und daher nach der vollständigen Unterwerfung Lydiens keine Befürchtungen gehabt von Kyros unterworfen zu werden. Erstaunlicherweise berichtet Herodot in seinen Beschreibungen des früheren milesischen Krieges gegen die Lyder inhaltlich nicht über den Friedensvertrag und das Bündnis als solche, sondern nur über die Umstände, unter denen die Beschlüsse erwirkt wurden:
„Gegen Ephesos also zog er [Kroisos] zuerst, dann aber nacheinander gegen alle ionischen und aiolischen Städte. […]. Und nachdem er die Städte auf dem Festland unterworfen und zinsbar gemacht hatte, fiel es ihm ein, Schiffe zu bauen und auch die Inseln anzugreifen.“
Zunächst einmal muss hier denke ich berücksichtigt werden, dass Milet in der Archaik von einer anderen Natur umgeben wurde als heute – so war nämlich das Mäandertal weitestgehend überflutet, war sogar an die Ägäis angeschlossen, und Milet lag am Zipfel einer Halbinsel. Daher schließt Herodot Milet wohl nicht in die durch Kroisos unterworfenen Städte ein, sondern gibt ihm eine Art Inselstatus – andernfalls, also im Falle einer Unterwerfung Milets, wäre bei Kyros‘ Auftreten nicht von einem vorherigen Bündnis der Milesier mit den Lydern die Rede gewesen. Des Weiteren habe Kroisos nach einiger Beratung mit Bias von Priene davon abgelassen eine Flotte zu bauen, weil man die Inselstädte zwar auf dem Festland hätte schlagen können, diese jedoch die Entscheidung auf dem Wasser suchen würden und daher eine Pattsituation vorgeherrscht habe, durch die aber letztendlich ein Bündnis der vorherigen Konfliktparteien zustande gekommen sei.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Dieses Kapitel legt den historischen Kontext der Stadt Milet im frühen achämenidischen Reich dar und führt in die Fragestellung zur politischen Autonomie der Stadt ein.
II. Milet im Schatten des frühen achämenidischen Kleinasiens: Hier werden die Herrschaftszeiten der Perserkönige Kyros II., Kambyses II. und Dareios I. chronologisch analysiert und deren direkter Einfluss auf die politische Lage Milets untersucht.
II.I. Kyros II. und die Unterwerfung Ioniens: Der Fokus liegt auf dem Bündnisschluss Milets mit Kyros II. während des Niedergangs der Lydermacht und der daraus resultierenden vorläufigen Wahrung der Souveränität.
II.II. Kambyses II., Polykrates und Oroites: Dieses Kapitel behandelt den Machtverlust Milets infolge der Expansion des samischen Tyrannen Polykrates und die anschließende Verschiebung der Machtverhältnisse unter den persischen Statthaltern.
II.III. Dareios I. und der Beginn der Ionischen Revolte: Der Abschluss des Hauptteils betrachtet die Rolle Milets unter Dareios I. sowie die Hintergründe der aufrührerischen Entwicklungen durch Aristagoras und Histiaios.
III. Fazit: Eine abschließende Synthese, die die langfristige Eingliederung Milets in den persischen Machtbereich zusammenfasst und die historische Bedeutung der Stadt unterstreicht.
Schlüsselwörter
Milet, Achämenidenreich, Ionische Revolte, Persien, Kyros II., Dareios I., Polykrates von Samos, Histiaios, Aristagoras, Tyrannis, Autonomie, Kleinasien, Antike, Herodot, Satrapien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation der griechischen Stadt Milet von einer autonomen Polis hin zu einem von den Persern kontrollierten Territorium im 6. Jahrhundert v. Chr.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Aspekte sind der diplomatische Spielraum der Stadt, der Einfluss samischer Machtpolitik auf Ionien, die Rolle lokaler Tyrannen und die stufenweise Eingliederung Milets in die persische Herrschaftsstruktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit analysiert, ob Milet in der Zeit der achämenidischen Expansion autonom entscheidungsfähig blieb oder ob die politischen Geschicke der Stadt primär durch Zwang und äußere Notlagen der Großmacht Persien bestimmt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine historische Quellenanalyse durch, gestützt auf die Schriften Herodots sowie moderne geschichtswissenschaftliche Sekundärliteratur zu den persisch-griechischen Beziehungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Herrschaftsperioden von Kyros II., Kambyses II. und Dareios I., wobei insbesondere der Bündnisschluss mit den Persern, der Konflikt mit Samos und der Ausbruch der Ionischen Revolte beleuchtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Die Begriffe Milet, Autonomie, Tyrannis, Achämeniden, Ionische Revolte und persische Herrschaft stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Tyrannen Histiaios?
Der Autor argumentiert, dass Histiaios weniger als ideeller Anführer einer Befreiungsbewegung zu sehen sei, sondern vielmehr als ein Akteur, der versuchte, seine persönliche Machtbasis durch Opportunismus zwischen den Interessenssphären des persischen Hofes und seiner Heimatstadt zu sichern.
Warum konnte Milet seine Autonomie laut dem Verfasser nicht dauerhaft halten?
Der Autor führt an, dass Milet nach dem Verlust seiner Verteidigungsfähigkeit und insbesondere nach der Eingliederung der Phönizier in das Achämenidenreich strategisch gegenüber Persien an Gewicht verlor und somit handlungsunfähig im Sinne einer echten Souveränität wurde.
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- Tom-Leonard Haselhorst (Author), 2022, Milet. Von der persischen Unterwerfung Ioniens bis zum Beginn der Ionischen Revolte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1555821