Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung im 'Reinhart Fuchs' von Heinrich der Glîchezâre


Hausarbeit, 2005

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klärung des Begriffs “Anthropomorphisierung”

3. Die Formen der Anthropomorphisierung
3.1. Reinhart Fuchs und Rabe Diezelin
3.2. Aaleverzehr und Wolfstonsur
3.3. Der Fuchs als Arzt

4. Die Funktionen der Anthropomorphisierung
4.1. Unterhaltende Funktionen
4.2. Belehrende Funktionen

5. Schluss

Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung im Reinhart Fuchs von Heinrich der Glîchezâre

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich näher auf die Frage eingehen, welche Formen der Anthropomorphisierung Heinrich der Glîchezâre in seinem Tierepos “Reinhart Fuchs” verwendet und welche Funktion diese haben. Zunächst kläre ich den Begriff “Anthropomorphisierung” und zeige verschiedene Ausprägungen auf. Anschließend prüfe ich, ob Textintention und Formen der Anthropomorphisierung in direktem Zusammenhang stehen.

Da der Komposition das Konzept der Steigerung zugrunde liegt, analysiere ich zuerst die Szenen “Reinhart Fuchs und Rabe Diezelin”, dann “Aalverzehr und Wolfstonsur” und schließlich “Der Fuchs als Arzt”. Die Funktionen untersuche ich etwas allgemeiner auf ihre unterhaltenden und belehrenden Komponenten, da es sonst den Rahmen einer Seminararbeit sprengen würde.

2. Klärung des Begriffs “Anthropomorphisierung”

Folgende Definition findet sich im Fremdwörterbuch des Dudens:

anthropomorphisieren: vermenschlichen, menschliche Eigenschaften
und Verhaltensweisen auf Nichtmenschliches übertragen
Anthropomorphismusder;-,...men: Übertragung menschlicher Eigenschaften
und Verhaltensweisen auf nicht menschliche Dinge oder Wesen[1]

Der Mensch, der bestrebt ist, seine Umwelt, das ihm Bekannte wie Unbekannte, zu erklären und einzuordnen, kann sich wohl niemals ganz aus seiner subjektiven Perspektive befreien. Er überträgt menschliche Eigenschaften auf Götter, Tiere und Pflanzen, um sie besser zu verstehen. Auch die Tierdichtung ist ohne Anthropomorphisierung nicht zu denken. Wie Jacob Grimm konstatierte:

fehlte den thieren der fabel der menschliche beigeschmack, so würden sie albern,
fehlte ihnen der thierische, langweilig sein.[2]

Das besondere Merkmal der Tierdichtung ist also die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen physischer und psychischer Art auf Tiere. Diese stehen als Handlungsträger im Zentrum des Geschehens.

Zu den bekanntesten Protagonisten in der Tierdichtung zählen Fuchs, Wolf, Bär und Löwe. Da der Rezipient mit diesen Tieren bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen assoziiert, scheinen sie besonders geeignet. So werden zum Beispiel mit dem Fuchs Eigenschaften wie listig und schlau, mit dem Wolf stark und gierig sowie mit dem Löwen mächtig und majestätisch verbunden.

Durch das Zusammenspiel von anthropomorphisiertem Verhalten und tierischer Natur der Akteure in einer nachgebildeten menschlichen Umgebung wird eine reizvolle Spannung erzeugt. Es gilt zu klären, inwieweit gezielt menschliche Eigenschaften auf das Tier übertragen werden um der Tierdichtung eine bestimmte Funktion zu geben.

3. Die Formen der Anthropomorphisierung

Anthropomorphisierungen in der Dichtung können in sehr unterschiedlichen Formen auftreten. Zum einen versteht die Forschung darunter die Beschreibung eines Tieres nach menschlichen Gesichtspunkten. Zum anderen können die Zuschreibungen der tierischen Verhaltensweisen über deren natürliche Fähigkeiten hinausgehen. Es ist interessant, die Reinhart-Fuchs-Dichtung nach Anthropomorphisierungs-Stufen zu überprüfen um daraus Aussagen über den Text und die Funktion zu treffen.

Die Akteure verfügen über eine Doppelnatur. Sie besitzen menschliche und tierische Fähigkeiten. Beide Komponenten verschmelzen miteinander und bedingen sich gegenseitig.

Die Bekanntheit der Tiere spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Einheimische Tiere werden in der Dichtung bevorzugt, da der Rezipient eine Vorstellung mit ihnen verbindet. Das Geschehen wird dadurch anschaulicher.

Dass diese Popularität besonders bei Fuchs, Wolf und Löwe gegeben ist, beschreibt Birgit Kehne ausführlicher. Sie verweist auf “... ihr häufiges Auftreten in der abendländischen Literatur...“ und besonders der Fuchs nimmt in der “... indischen, chinesischen und japanischen Literatur einen Platz ein.”[3]

Ausgehend von der Bekanntheit der Tierfiguren findet eine Individualisierung mit Hilfe der Anthropomorphisierung statt. Diese kann aber innerhalb des Handlungsablaufs wie auch im Verhältnis der Tiere zueinander verschiedene Formen annehmen. Da uns die Akteure in einer vermenschlichten Umgebung geschildert werden, ausgestattet mit der Fähigkeit zu sprechen, zu denken und sich zu erinnern, ist der Anthropomorphisierungsgrad niemals auf dem Nullpunkt. Eine Unterteilung kann höchstens in naturnahes oder stark vermenschlichtes Verhalten vorgenommen werden.

Im folgenden möchte ich anhand von verschiedenen Szenen aus “Reinhart Fuchs” zwei Fragen untersuchen:

- Inwieweit stehen Anthropomorphisierungsgrad und Textintention in Beziehung?
- Unterliegt der Fuchs besonders ausgeprägter Anthropomorphisierung?

Die Dichtung, die man in drei Abschnitte unterteilen kann - ”Der Fuchs und die kleinen Tiere”, “Fuchs und Wolf”, “Fuchs und Löwe” - erfährt aufgrund ihrer Komposition eine Steigerung. Welche Rolle dabei die Anthropomorphisierung spielt, möchte ich zunächst an der Episode zwischen dem Fuchs und dem Raben Diezelin, der exemplarisch für die kleinen Tiere steht, beschreiben.

[...]


[1]Duden. Das Fremdwörterbuch. Bd.5, Mannheim 2001, S. 71.

[2]Grimm, Jacob: Reinhart Fuchs. Berlin 1834. Einleitung S. VIII.

[3]Kehne, Birgit: Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung in der deutschen Tierdichtung. Untersucht an drei Beispielen aus der Reineke Fuchs-Dichtung. Frankfurt am Main, New York 1992. S. 76.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung im 'Reinhart Fuchs' von Heinrich der Glîchezâre
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Germanistische Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Der "Reinhart Fuchs" des Elsässers Heinrich
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V155643
ISBN (eBook)
9783640684137
ISBN (Buch)
9783640684519
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reinhart Fuchs, Elsässer Heinrich, Anthropomorphisierung, Mediävistik
Arbeit zitieren
M.A. Josephine Rittenbach (Autor), 2005, Formen und Funktionen der Anthropomorphisierung im 'Reinhart Fuchs' von Heinrich der Glîchezâre , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155643

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