Ein Beitrag über das Verhältnis der Begrifflichkeiten Kopie und Original, der pars pro toto zwei cineastische Beispiele hinzuzieht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Begriff der Aura in der Terminologie Walter Benjamins
Über den Transkriptionskreislauf
Zur Definition des Remakes
Shichinin no samurai / The Magnificient Seven
Alles hat ein Ende, nur das Remake hat keins…
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Film-Remakes durch die theoretische Linse von Walter Benjamins „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Ziel ist es, die interdependente Beziehung zwischen Original und Kopie kritisch zu beleuchten und anhand des Vergleichs von Akira Kurasawas „Shichinin no Samurai“ und John Sturges’ „The Magnificent Seven“ zu klären, ob ein Remake tatsächlich die finale Zerstörung der ursprünglichen Aura bedeutet oder Teil eines fortlaufenden Transkriptionsprozesses ist.
- Die Analyse des Begriffs der Aura im filmtheoretischen Kontext nach Walter Benjamin.
- Die Erarbeitung einer Definition des Remakes innerhalb eines theoretischen Bezugsrahmens.
- Die Untersuchung der kulturübergreifenden Übertragung filmischer Stoffe.
- Die Auseinandersetzung mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Funktionen von Filmvariation.
Auszug aus dem Buch
Alles hat ein Ende, nur das Remake hat keins…
Wenn die Beschäftigung mit den Transkriptionskreisläufen (innerhalb des Films), eines deutlich vor Augen führt, so ist dies, dass von einer generalisierenden Verdammung der Remakes abzusehen ist. Sicherlich ließe sich das Remake als ökonomische Profitmaximierung nach dem ‚MiniMax-Prinzip’ brandmarken; jedoch würde dies die Bedeutung und Funktion des Remakes verkennen! Denn aufgrund der Aktualisierung des Originals wird man gezwungenermaßen an dessen Aura erinnert, die unwiederbringlich liquidiert worden ist. Durch die Kopie mit ihrem teilweise neu hinzugekommenen Absatzmarkt/Publikum, welcher/es unter Umständen nur rudimentäre Kenntnis über das Original besitzt, konstituiert sich durch die Zurschaustellung (Ausstellungswert) des Remakes zugleich auch der Kultwert des Originals.
Weiterhin machte Benjamin darauf aufmerksam, dass der Wert der technischen Reproduktion auch darin besteht, über die Wahrnehmungsgewohnheiten der aktuellen Gesellschaft Klarheit zu gewinnen. Das heißt: Innerhalb einer Betrachtung des Transkriptionskreislaufs könnte die Variation zwischen Original und Kopie durchaus Indikator für gesellschaftliche Bedingungen sein. Um an den Titel der Arbeit anzuknüpfen, halte ich fest, dass eine interdependente Abhängigkeit zwischen Original und Kopie herrscht, die eine Beschreibung der Vorgänge als ‚konsekutiven Transkriptionskreislauf’ nahe legen; bei der Beurteilung einer finalen Zerstörung der Aura von Filmen durch Remakes, müsste ich differenzieren, denn Remakes produzieren eine Aura synchron mit der Zerstörung einer anderen. Insofern kann man von keiner finalen, jedoch von einer Zerstörung der Aura sprechen. Eine Ausnahme stellt jedoch der fetischisierende Kinoliebhaber dar, da er sich oft der Aura des Remakes (aufgrund seines pathos) verschließt und sich so die Aura ‚seines Originals’ erhält.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bewertung und Klassifizierung von Remakes ein und verknüpft die Fragestellung mit Walter Benjamins kunsttheoretischen Überlegungen.
Der Begriff der Aura in der Terminologie Walter Benjamins: Dieses Kapitel erläutert Benjamins Aura-Begriff im Kontext der technischen Reproduzierbarkeit und der damit einhergehenden Veränderung der gesellschaftlichen Rezeption von Kunstwerken.
Über den Transkriptionskreislauf: Hier wird die Transkriptionstheorie nach Prof. Dr. Jäger eingeführt, um den Prozess der Genese von Kopien und die damit verbundene Re-Addressierung zu formalisieren.
Zur Definition des Remakes: Das Kapitel nähert sich einer präzisen Definition des Begriffs Remake an und grenzt diesen mittels existierender medienwissenschaftlicher Konzepte ab.
Shichinin no samurai / The Magnificient Seven: Diese Fallstudie vergleicht das japanische Original von Kurasawa mit dem Western-Remake von Sturges, um Unterschiede in der kulturellen Adaption und der filmischen Inszenierung aufzuzeigen.
Alles hat ein Ende, nur das Remake hat keins…: Das Fazit stellt die Unzulänglichkeit einer generalisierten Abwertung von Remakes fest und betont die wechselseitige Abhängigkeit von Original und Kopie in einem konsekutiven Kreislauf.
Schlüsselwörter
Remake, Aura, Walter Benjamin, Transkriptionskreislauf, Filmtheorie, Shichinin no Samurai, The Magnificent Seven, Original, Kopie, technische Reproduzierbarkeit, Kultwert, Ausstellungswert, Jidai-Geki, Transkription, Mediensoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Film-Remakes und prüft, inwiefern dieses die ursprüngliche „Aura“ eines Werkes zerstört oder lediglich in einen neuen, produktiven Kreislauf überführt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Filmtheorie, die Medialität von Kopien und Originalen sowie den kulturvergleichenden Aspekt der Stofftransformation.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Textes?
Die Autorin untersucht, ob ein Remake eine „finale Zerstörung der Aura“ bewirkt oder ob es sich um einen „konsekutiven Transkriptionskreislauf“ handelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine deduktive Herleitung verwendet, die Walter Benjamins kulturtheoretische Axiome nutzt, um die Phänomene „Original“ und „Kopie“ zu klassifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Benjamin und Jäger sowie eine detaillierte Gegenüberstellung von Kurasawas „Die sieben Samurai“ und Sturges’ „Die glorreichen Sieben“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlüsselbegriffen gehören Aura, technische Reproduzierbarkeit, Transkriptionskreislauf und der Prozess der Re-Addressierung.
Welche besondere Bedeutung hat das „Hier und Jetzt“ bei Benjamin für das Remake?
Benjamin verbindet das „Hier und Jetzt“ mit der Einzigartigkeit des Originals; das Remake verliert diese ursprüngliche Echtheit, schafft jedoch durch den „Ausstellungswert“ einen neuen Kontext.
Warum wird der Vergleich zwischen dem „Jidai-Geki“ und dem Western gewählt?
Der Vergleich verdeutlicht, wie ein Stoff durch den Wechsel des Kulturkreises und der filmischen Zeitperiode transformiert wird, ohne die dramaturgische Grundstruktur vollständig aufzugeben.
Was versteht die Autorin unter dem „fetischisierenden Kinoliebhaber“?
Damit ist das Publikum gemeint, das die Aura des Remakes aus Prinzip ablehnt, um die Aura des geliebten Originals künstlich zu konservieren.
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- Thomas Zejewski (Author), 2005, Das Remake. Finale Zerstörung der Aura oder konsekutiver Transkriptionskreislauf?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155676