Das Remake. Finale Zerstörung der Aura oder konsekutiver Transkriptionskreislauf?


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Der Begriff der Aura in der Terminologie Walter Benjamins

Uber den Transkriptionskreislauf.

Zur Definition des Remakes

Shichinin no samurai / The Magnificient Seven

Alles hat ein Ende, nur das Remake hat keins

Literaturverzeichnis:

Filmmaterial:

Einleitung

Fast jeder hat innerhalb seines Lebens schon die Erfahrung eines deja vu[1] machen konnen. Falls dies innerhalb einer Filmrezeption geschah, ist schnell eine weitere Benennung fur dieses Phanomen zur Hand, um die kausalen Grunde zu offenbaren: Es konnte sich um ein Remake (eine Hommage, eine Kopie.. etc.[2]) handeln! Und wenn es innerhalb filmtheoretischer Uberlegungen ein Thema gibt an dem sich die Geister scheiden, dann ist dies die Bewertung, sowie die Klassifizierung des Remakes[3]. Denn wahrend einerseits bei einer Betrachtung cineastischen Materials oftmals die ,Kopie’ schlechter sein soll als das Original, gibt es anscheinend auch eine arbitrare Meinung daruber. Doch zuvor muss man sich vor Augen fuhren, was denn uberhaupt ein Remake ausmacht. AuBerdem ist es wichtig sich zu vergewissern, in welchem Verhaltnis Kopie und Original stehen und inwiefern ,kopiert’ wird[4]. Weiterhin mochte ich in dieser Arbeit diese Punkte durch Walter Benjamins Schrift ,Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduktion’ erweitern und erganzen, da er schon Mitte der 30er Jahre die Entwicklung des Films prognostiziert hatte, sowie dem interessanten Begriff der ,Aura’ in seiner Terminologie Platz einraumte. Grundsatzlich zeigt sich wie bei vielerlei kulturellen Vorgangen (auch bei Uberlegungen zu dem Medium Film) eine pragnant gegensatzliche, doch manchmal sich uberlappende Denkstruktur: Zum einen das (scheinbar?) progressiv-lineare Weltbild (eingefuhrt durch das Christentum, fortgefuhrt durch die Aufklarung[5]) und zum anderen das antik-zyklische Weltbild[6]. Diese Weltbilder korrespondieren mit der Idee der Aura[7], sowie mit dem Theorem Prof. Jagers vom Transkriptionskreislauf[8] (auf den ich spater eingehen werde). Was den literarischen Forschungsstand anbetrifft, so ist „eine adaquate wissenschaftliche Wurdigung des Themas Remake [...] bislang erst in Ansatzen vorhanden“[9]oder um es unter Umstanden treffender zu formulieren: „Little has been written about film remakes“[10]. Eine Herausstellung der okonomischen Funktion filmischer Remakes liefert der Soziologe Straschek: „[...] strukturale Bestimmung des Films ist die Serie[11]. Hierbei ist Serie nicht als asthetische Kategorie allein zu verstehen, als das Genre Serie (Zorro, Batman, etc.), sondern als Syndrom von Produktionsbedingungen“[12]. Zu einer zusammenfassenden Stellungnahme kommt Wolfgang Ahrend in seiner Monographie ,Auf der Jagd nach Hexen und Zuschauern’, wenn er beschreibt, dass es zwei Definitionstypen fur den Begriff des Remakes gibt[13]. Der pragmatisch- enge Definitionstypus beschrankt sich in der enzyklopadischen Aufzahlung einer Vielzahl von Remakes, ohne sich eingehend theoretisch damit auseinander zu setzen (dies findet sich in Filmenzyklopadien, -lexika, und -kompendien[14]); wahrend der eher weite Definitionstypus das Phanomen Remake in einem groBeren, intertextuell- theoretischen Bezugsrahmen diskutiert, der nicht nur auf das Medium des Films beschrankt bleibt. Innerhalb meiner Anstrengungen dem Phanomen Remake naherzukommen, fokussiere ich meine Betrachtung auch auf eine Gegenuberstellung des Jidai-Geki[15],Shichinin no Samurai’(D: Die sieben Samurai) von Akira Kurasawa mit John Sturges Western ,The Magnificent Seven’(D: Die glorreichen Sieben). Dies hat mehrere Grunde: Erstens kommt es durch dieses Remake zu einer Ubertragung eines Stoffes in einen anderen Kulturkreis[16] und da groBe Stellen beider Filme analog verlaufen, kommen umso deutlicher Unterschiede zur Geltung. (Wobei der Stoff in sich schon historische Reflexion und Gegenwartsbezuge {nicht nur soziologischer Couleur} vereinigen konnte). Zweitens fallen diese beiden Filme in eine historische Ubergangsperiode des Films: Denn wahrend 1954 Kurasawa's Film noch in monochromer Darstellung gedreht wird, erfreut sich der Western 1960 seiner Farben. Im nun folgenden Hauptteil widme ich mich dem Darstellen der theoretischen Axiome, um daraufhin deduktiv auf die beiden Filme Bezug zu nehmen.

Der Begriff der Aura in der Terminologie Walter Benjamins

In kaum einer wissenschaftlichen oder popularliterarischen Veroffentlichung, die sich mit dem Werke Benjamins auseinandersetzt, fehlt diese definitorische Zitation:

Die Aura „[...] definieren wir als einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“[17]. Doch um Reaktionen wie die Bertolt Brechts[18], der in seinem Arbeitsjournal Walter Benjamin Mystifizierung vorwarf, vorzubeugen, versuche ich dieses Wort im Zusammenhang mit Benjamins Vorstellungen uber den Film und die Filmentwicklung, zu erlautern. Dies mochte ich jedoch nicht nur durch eine Fixierung auf den Begriff der Aura erreichen, sondern auch durch die Einbeziehung desselben in den kontextualen Zusammenhang seiner Schrift ,Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit’. Dabei werde ich textimmanent- chronologisch vorgehen.

[...]


[1] Wen solch eine Thematik interessiert, der sei an dieser Stelle auf Schacter, Daniel L.: Searching for Memory- the brain, the mind, and the past. New York Basic Books 1996. verwiesen

[2]wobei klarzustellen ist, dass dies keine Synonyme sind!

[3]vgl. Arend, Wolfgang: Auf der Jagd nach Hexen und Zuschauern. Mediensoziologische Bausteine zu einer Theorie des Remakes am Beispiel von Hexenfilmen. In: Filmforschung Band 1. Mainz 2002, S. 1-2. bzw. Manderbach, Jochen: Das Remake- Studien zu seiner Theorie und Praxis. hrsg. vom Forschungsschwerpunkt Massenmedien und Kommunikation an der Universitat-Gesamthochschule- Siegen. Siegen 1988, S. 4-27. oder Garncarz, Joseph: Filmfassungen. Eine Theorie signifikanter Filmvariation. In: Studien zum Theater, Film und Fernsehen. hrsg. von Renate Mohrmann. Band 16. Frankfurt 1992, Vorwort + S. 9-10.

[4]Dies umschlieBt auch die Fragestellung, was als kopierter Gegenstand im Film rekonstruiert werden kann.

[5]Wahrend das Christentum das Bewusstsein besitzt in der Endzeit zu leben und einem Reich Gottes entgegenstrebt, hat seit der Aufklarung der Begriff der Revolution seine Erweiterung darin erfahren als Motor des Fortschritts gesehen zu werden.

[6] Dem H. Heine vorwarf, es wurde aufgrund seiner Indifferenz zu einer trugerischen Tatenlosigkeit fuhren.

[7] Vgl. Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. o.O. 1936, S. 14-17.

[8] Jager, Ludwig: Transkriptive Verhaltnisse. Zur Logik intra- und intermedialer Bezugnahmen in asthetischen Diskursen. In: Transkription und Fassung. Bericht des Kolloquiums. hrsg. von Gabriele Buschmeier, Ulrich Konrad, Albrecht Riethmuller. Mainz 2004.

[9] Arend, Wolfgang: Auf der Jagd nach Hexen und Zuschauern. Mediensoziologische Bausteine zu einer Theorie des Remakes am Beispiel von Hexenfilmen. In: Filmforschung Band 1. Mainz 2002, S.50.

[10]Druxman, Michael B.: Make It Again, Sam. A Survey of Movie Remakes. New York 1975, S. 9. Das Manko der Arbeit Druxmans konnte darin liegen, dass sie sich nur auf den inneramerikanischen Filmmarkt fokussiert.

[11] fur eine weitere Betrachtung dieses Gesichtpunktes empfiehlt sich Eco, Umberto: Serialitat im Universum der Kunst und der Massenmedien. In: Umberto Eco. Im Labyrinth der Vernunft. Texte uber Kunst und Zeichen. hrsg. von Michael Franz, Stefan Richter. Leipzig 1995, S. 301-324.

[12]Straschek, Gunter P.: Handbuch wider das Kino. Frankfurt 1995, S. 30.

[13]Vgl. Arend, Wolfgang: Auf der Jagd nach Hexen und Zuschauern. Mediensoziologische Bausteine zu einer Theorie des Remakes am Beispiel von Hexenfilmen. In: Filmforschung Band 1. Mainz 2002, S. 55.

[14]z. B. Hobsch, Manfred: Mach's noch einmal!. Das grosse Buch der Remakes- Uber 1300 Filme in einem Band. Berlin 2002.

[15]Der Jidai-Geki stellt gewissermaBen eine Form von Historienfilm dar, dessen Wurzeln im No­Theater und im Kabuki (wobei das Kabuki eine eher volkstumlichere Variante darstellt) liegen. In diesem popularen Genre spielen alle Filme dieser Gattung in den Jahren zwischen 1603 und 1867, in der Togukawa- und Edo- Ara. Zu dieser Zeit hatte sich Japan noch nicht den westlichen Einflussen geoffnet. Oft wird Bezug genommen auf die Geschichte der Samurais, ausgeschmuckt mit teilweise realistischen, blutrunstigen Details. Vgl. Manderbach, Jochen: Das Remake- Studien zu seiner Theorie und Praxis. hrsg. vom Forschungsschwerpunkt Massenmedien und Kommunikation an der Universitat-Gesamthochschule-Siegen. Siegen 1988, S. 28.

[16]Dessen Unterschiede wohl nach Barthes fiktiv konstruierten Japanbegriff nicht groBer sein konnten: „[...]in Japan- in dem Land, das ich Japan nenne- liegt die Sexualitat im Sex und nicht anderswo; in den Vereinigten Staaten ist es umgekehrt: der Sex ist uberall, nur nicht in der Sexualitat.“ Siehe Barthes, Roland: Das Reich der Zeichen. Frankfurt 1981, S.46. AOriginalausgabe: L’empire des signes

[17]Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. o.O. 1936, S. 18.

[18]„[Benjamin] geht von etwas aus, was er Aura nennt [...]. Diese soll in letzter Zeit im Zerfall sein, zusammen mit dem Kultischen. Benjamin hat das bei der Analyse des Films entdeckt, wo Aura zerfallt durch die Reproduzierbarkeit von Kunstwerken. Alles Mystik, bei einer Haltung gegen Mystik. [...] Es ist ziemlich grauenhaft.“ Brecht, Bertolt: ,Journale I 1913 - 1941’. In: Grofie kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. hrsg. von Werner Hecht u.a.. Bd. 26. Berlin/Weimar/Frankfurt/M. 1994, S. 315. zitiert nach: Schwering, Gregor: Walter Benjamin und Walter Serner: Optisch-Unbewusstes und Schaulust. In: Sprache und Literatur 2004, 35/1, S. 14­24. [an sich pflegten aber Benjamin und Brecht einen gepflegten und freundschaftlichen Umgang miteinander->siehe ,Briefwechsel zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht’ In: Zur Aktualitat Walter Benjamins. hrsg. von Siegfried Unseld. Frankfurt/Main 1972, S. 31-44.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Remake. Finale Zerstörung der Aura oder konsekutiver Transkriptionskreislauf?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
"Kopien brauchen Originale" - Sprach- und medientheoretische Zugänge
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V155676
ISBN (eBook)
9783640694426
ISBN (Buch)
9783640695560
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinematographie;, Ästhethik;, Kulturwissenschaft;
Arbeit zitieren
Thomas Zejewski (Autor), 2005, Das Remake. Finale Zerstörung der Aura oder konsekutiver Transkriptionskreislauf?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155676

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