Autismus ist eine Entwicklungsstörung von medizinischem Krankheitswert, die mit
zunehmendem Interesse verfolgt wird. Zahlreiche Publikationen verdeutlichen
dies.
Die Notwendigkeit, weitere Aspekte dieser fremdartig erscheinenden psychischen
Störung zu erfahren, ist auch der steigenden Zahl Erkrankter zuzuschreiben
(Aarons und Gittens, 13). Die Betroffenen werden auf Grund dieser tiefgreifenden
Störung an einem konfliktfreien Zugang zur menschlichen Gesellschaft gehindert.
Auch die Eltern und Angehörigen der an Autismus erkrankten Kindern und
Jugendlichen sowie die Menschen, die in den Einrichtungen mit autistischen
Menschen arbeiten, sind einer erheblichen Belastung ausgesetzt.
Die Integration in den Kindereinrichtungen (Kindergarten, Schule) erfordert unter
anderem von den Pädagogen Interesse, sich umfassendes Wissen anzueignen,
um sich mit gelebter Professionalität den autistischen Menschen anzunehmen.
Die Arbeit und der Umgang mit autistischen Kindern in unseren Einrichtungen und
die damit verbundenen Anforderungen an das ganze Pädagogenteam haben den
Impuls zur Wahl dieser Thematik für unsere Arbeit gegeben. Eine gute Qualität in
der praktischen Arbeit bei der Integration autistischer Menschen in die
Gesellschaft und das Schulsystem kann nur auf der Grundlage der theoretischen
Auseinandersetzung mit diesem Thema erfolgreich stattfinden. Die theoretischen
Erkenntnisse ermöglichen uns ein Verstehen der Ängste, Wünsche und
Hoffnungen der Betroffenen. Dies wiederum trägt in hohem Maß zum Verständnis
für die Andersartigkeit der Erkrankten sowie zur Offenheit und Toleranz im
Umgang mit diesen bei und kann bei der täglichen Arbeit mit autistischen KindernDie Auseinandersetzung mit diesen und anderen Fragestellungen zur Problematik
des Autismus ist Inhalt unserer Arbeit und soll einen zukunftsbezogenen Beitrag
für unsere pädagogische Arbeit mit autistischen Kindern leisten. Die Bearbeitung
der Fragestellungen stützt sich auf Basisliteratur zu Autismus und Integration
sowie auf Internetquellen und Befragungen zum Thema.
Als Einstieg in diese Thematik werden wir nach einem historischen Abriss im
Hauptteil umfassende Erläuterungen zu dem Krankheitsbild Autismus geben. Das
theoretische Basiswissen zum Thema Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
umfasst im Anschluss daran den Begriff und die Klassifikation des Autismus als
tiefgreifende Entwicklungsstörung...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellung (Koppe) 1
2 Autismus im Kontext der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (Koppe) 3
2.1 Historische Hintergründe (Koppe) 3
2.2 Zum Begriff des Autismus und Klassifikation (Koppe) 6
2.2.1 Begriffsklärung 9
2.2.2 Autismus-Spektrum-Störungen 10
2.3 Symptomatik (Rau) 14
2.4 Ätiologie (Koppe) 26
2.4.1 Genetik 26
2.4.2 Neurobiologie 28
2.4.3 Neuropsychologie 31
2.5 Diagnostik, Differentialdiagnostik und Komorbidität (Koppe) 33
2.5.1 Diagnostik 33
2.5.2 Differentialdiagnostik 35
2.5.3 Komorbidität 36
2.6 Epidemiologie (Koppe) 37
3 Professionelle Entwicklungshilfen und Fördermöglichkeiten (Koppe/Rau) 40
3.1 Lovas (Rau) 40
3.2 TEACCH (Rau) 44
3.3 Integration 49
3.3.1 Begriffsbestimmung (Koppe/Rau) 49
3.3.2 Rechtliche Grundlagen (Rau) 50
3.3.3 Ziele und Aufgaben (Koppe/Rau) 53
3.3.4 Rahmenbedingungen (Koppe) 56
3.3.5 Integrierende Begleitung (Koppe/Rau) 59
4 Befragung von Professionellen und Eltern zum Veränderungserleben des TEACCH-Ansatzes (Koppe/Rau) 61
4.1 Ziel der Methode 61
4.2 Beschreibung des Vorgehens 62
4.3 Beschreibung der Methode 63
4.4 Ergebnisse 64
4.5 Zusammenfassende Bewertung der Fragebogenergebnisse 74
5 Zusammenfassung und Ausblick (Koppe/Rau) 79
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Autismus-Spektrum-Störungen, beleuchtet theoretische Hintergründe sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten und evaluiert mittels einer Befragung das Veränderungserleben beim Einsatz des TEACCH-Ansatzes in einer spezifischen Einrichtung.
- Historische Entwicklung und medizinische Klassifikationssysteme von Autismus
- Neuropsychologische und ätiologische Grundlagen der Störung
- Methoden der professionellen Förderung, insbesondere Lovaas und TEACCH
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen der schulischen Integration
- Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit des TEACCH-Ansatzes aus professioneller Sicht
Auszug aus dem Buch
2.1 Historische Hintergründe
Eine erstmalige Erwähnung des Begriffs Autismus in der Fachliteratur ist nach Walters (2007, 18f) und Böltes (2009, 21) Ausführungen auf Bleuler zurückzuführen. Er prägte im Jahr 1911 diesen Begriff, welcher in den griechischen Wörtern „autos“ (deutsch: selbst) und „ismos“ (deutsch: Orientierung, Zustand) seinen Ursprung hat. Es bedeutet, das Individuum zieht sich in sich selbst zurück, die Realität wird vom Innenleben dominiert.
Allerdings führen Walter (2007, 18) und Bölte (2009, 23) Dokumentationen von Itard aus dem Jahr 1799 an, die Verhaltensweisen eines aufgegriffenen verwilderten Jungen beschreiben. Hier verweist der zuerst genannte Autor auf Wing 1971 und Bettelheim 1977, wonach in Fachkreisen diese merkwürdigen Handlungsweisen Meinungen über autistische Verhaltensweisen aufkommen ließen.
Ende des 18. Jahrhunderts publizierte unter anderem Kraeplin erste Fallbeschreibungen über psychische Erkrankungen im Kindesalter vor dem zehnten Lebensjahr, so Walter (2007, 18).
Auch Kusch und Petermann (2001, 11) diskutieren diese oben genannten Fallbeschreibungen von Störungen des Kleinkindalters, welche von geistiger Behinderung und Abweichungen im Entwicklungsprozess berichten. Der Entwicklungsaspekt rückte nach 1911 in den Hintergrund. Oft wurden Erkenntnisse aus der Erwachsenenpsychiatrie für Krankheitserscheinungen in der Kindheit angewandt. Dabei berücksichtigten erst Potter (1933) und später Lutz (1937) das Alter bei Beginn der Krankheit nach Berichten der Autoren als Entwicklungsaspekt, welche eine diagnostische Unterscheidung der Psychosen des frühen vom späten Kindesalter interessant werden ließ. Kusch und Petermann (2001, 11) verweisen in diesem Zusammenhang auch auf Arbeiten von Kreaplin, welche die schweren Störungen im Kindesalter als frühe Formen der Erwachsenenschizophrenie abhandelten.
Ein wichtiger Schritt gelang Kanner 1943, so die übereinstimmenden Dokumentationen von Walter (2007, 20f), Kusch und Petermann (2001, 11) sowie Bölte (2009, 22). Er erfasste den Autismus bei Kindern als eigenständiges Krankheitsbild, welches sich von der Kindheitsschizophrenie unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Fragestellung (Koppe): Einführung in die Relevanz des Themas Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung und Definition der zentralen Forschungsfragen für die Bachelorarbeit.
2 Autismus im Kontext der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (Koppe): Umfassender theoretischer Abriss zur Historie, Klassifikation, Ätiologie, Diagnostik und Epidemiologie des Autismus-Spektrums.
3 Professionelle Entwicklungshilfen und Fördermöglichkeiten (Koppe/Rau): Darstellung verschiedener therapeutischer und pädagogischer Förderkonzepte wie Lovaas und TEACCH sowie rechtliche Grundlagen und Anforderungen an die schulische Integration.
4 Befragung von Professionellen und Eltern zum Veränderungserleben des TEACCH-Ansatzes (Koppe/Rau): Dokumentation und Analyse einer empirischen Befragung, die das Wirken des TEACCH-Ansatzes in einer Einrichtung für Menschen mit schweren autistischen Symptomen bewertet.
5 Zusammenfassung und Ausblick (Koppe/Rau): Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Reflexion über die zukünftige Bedeutung ganzheitlicher Fördermaßnahmen und eines gesellschaftlichen Umdenkens in der Integrationspädagogik.
Schlüsselwörter
Autismus, Entwicklungsstörung, TEACCH, Integration, Förderung, Pädagogik, Diagnostik, Symptomatik, Schulbegleitung, Inklusion, Verhaltensauffälligkeit, Therapie, Komorbidität, Selbstständigkeit, Forschungsarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Störungsbild Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung und untersucht, welche professionellen Konsequenzen sich daraus für die pädagogische Förderung und Integration ergeben.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen (Historie, Klassifikation, Ätiologie), verschiedene Förderkonzepte wie Lovaas und TEACCH sowie die praktische Umsetzung der Integration in schulischen Umfeldern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, Voraussetzungen für die Integration autistischer Kinder zu klären, den Umgang mit TEACCH-Materialien zu beleuchten und den Einfluss dieser Methoden auf die Fähigkeitsentwicklung zu analysieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Neben einer umfangreichen Literaturrecherche zu den Grundlagen des Autismus wurde eine empirische Befragung bei Fachpersonal einer spezifischen Einrichtung zum Veränderungserleben durch den TEACCH-Ansatz durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte theoretische Auseinandersetzung mit den autistischen Spektrumstörungen, eine Analyse professioneller Fördermaßnahmen und die Auswertung der durchgeführten Fragebogenuntersuchung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Autismus, TEACCH-Ansatz, schulische Integration, Förderung, professionelle Konsequenzen und tiefgreifende Entwicklungsstörungen.
Wie bewerten die befragten Fachkräfte den TEACCH-Ansatz?
Die Mehrheit der befragten Mitarbeiter berichtet von positiven Veränderungen bei der Unterstützung und Förderung autistischer Kinder, insbesondere in Bereichen wie Tagesstrukturierung und Kompetenzentwicklung.
Welche Rolle spielt die Elternbeteiligung in der Untersuchung?
Die Elternbeteiligung war als Teil der Studie geplant, konnte jedoch aufgrund einer fehlenden Rücklaufquote bei den Elternfragebögen nicht in die Auswertung einfließen.
- Quote paper
- Andrea Koppe (Author), Sylvia Rau (Author), 2010, Autismus - Skizzen einer Entwicklungsstörung und professionelle Konsequenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155687