Die Geschichte der Menschheit ist geprägt vom Streben des Menschen, über seine Grenzen hinauszuwachsen. Hatte man sich zu Anbeginn der Menschheit / in früheren Zeiten hauptsächlich um Wachstum im Sinne einer Vergrößerung der eigenen Familie gekümmert, strebte man zu Zeiten der sesshaft gewordenen Menschen schon eher eine Vergrößerung der bewirtschafteten Ackerflächen an, um Vorräte anlegen zu können oder um Überschüsse für Tauschhandel zur Verfügung zu haben. Übertragen in die moderne Wirtschaftswelt haben sich diese beiden menschlichen Eigenschaften bis in die heutige Zeit gehalten zum einen das Streben nach Mehr und zum anderen das Vergrößern des eigenen Macht beziehungsweise Einflussbereiches. Heutzutage trägt der Mensch, seines Zeichens Unternehmer, diesen Dingen in der Wirtschaftswelt durch Merger und Akquisitionen Rechnung.
So ist es kaum verwunderlich, dass diese Art des Unternehmenswachstums im Laufe der letzten Jahre immer mehr Zuspruch gefunden hat. Zu erkennen ist dies sehr eindrucksvoll an der Entwicklung des weltweiten M&AVolumens. Dass dieser Trend offensichtlich weiterhin anhält, bestätigt auch eine der aktuellsten Umfragen der Boston Consulting Group (Kronimus et al., 2009), laut der jedes fünfte Unternehmen in Europa trotz der nach wie vor herrschenden Wirtschaftskrise für das Jahr 2010 eine Akquisition plant.
Diese Zahlen wirken beeindruckend, liest man sich jedoch tiefer in das Thema ein, stellt man folgendes fest: fast 70% dieser durchgeführten Zusammenschlüsse erreichen nicht die anvisierten Ziele (Palmer, n.d.) oder werden gar komplett als gescheitert betrachtet (Habeck et al., 2000). Bemerkenswert daran ist, dass sich darunter auch gescheiterte Fusionen von als finanziell kerngesund bewerteten Unternehmen finden. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Erfolg einer Fusion oder eines Aufkaufes nicht allein von der finanziellen Bewertung der beteiligten Organisationen abhängt – vielmehr müssen dort noch andere Einflüsse eine maßgebliche Rolle spielen. Diese anderen Einflüsse sollen in dieser Arbeit aufgezeigt und deren Bedeutung kritisch diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Klassifizierung und Begriffsdefinition
2.1 Merger
2.2 Acquisition
2.3 Ökonomische Relevanz internationaler M&A
2.4 Erwarteter vs. Realisierter Benefit
3 Kritische Erfolgsfaktoren von M&As
3.1 Grundüberlegungen und gewählte Herangehensweise
3.2 Management und Leadership in internationalen M&As
3.3 Anforderungen an die Kommunikation
3.4 Kultur, Menschen und Veränderung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kritischen Erfolgsfaktoren bei internationalen Mergers & Acquisitions (M&A) und verdeutlicht, dass der Erfolg dieser Transaktionen nicht allein von der finanziellen Bewertung abhängt, sondern maßgeblich durch Aspekte wie Management, Führung, Unternehmenskultur und Kommunikation beeinflusst wird.
- Klassifizierung und Definition von Merger- und Akquisitionsprozessen
- Ökonomische Relevanz und strategische Beweggründe für M&A
- Die zentrale Rolle von Führung und Management in Veränderungsprozessen
- Kommunikationsanforderungen bei der Integration von Unternehmen
- Einfluss von Unternehmenskulturen und dem Faktor Mensch auf den Integrationserfolg
Auszug aus dem Buch
3.2 Management und Leadership in internationalen M&As
Eines der vordringlichsten Ziele noch vor Abschluss eines M&As ist die Definition der Führungspositionen (Fontaine, 2007). Dies hilft den Fokus auf den Geschäftsbetrieb zu richten und den Übergang zu vereinfachen. Ein Führungs-Vakuum gilt es auf alle Fälle zu vermeiden, da dies zu Gerüchten und Unsicherheit unter den Arbeitnehmern führt. In einer solchen Situation tendieren gut qualifizierte Mitarbeiter dazu, das Unternehmen zu verlassen und Kunden beginnen, sich umzuorientieren (Habeck et al., 2000). Verhindert werden kann das durch eine effektive Führung, die Antworten gibt auf Fragen wie „Wohin gehen wir?“ und „Warum gehen wir dorthin?“ (Jackson et al., 2008). Dies ist insbesondere deshalb wichtig, weil Führungskräfte bei zunehmender Unsicherheit in der Organisation tendenziell an Einfluss gewinnen und somit speziell bei M&A eine maßgebliche Rolle spielen (Nahavandi & Malekzadeh, 1993). Dies gilt allerdings auch umgekehrt: Führungskräfte können bspw. durch Rückwärts-Gewandtheit Veränderungsprozesse blockieren oder verhindern, dass diese in radikaler Konsequenz umgesetzt werden (Studt, 2008). M&As erfordern daher besondere Leadership- und Managementkompetenzen, welche über die Fähigkeiten zur Führung eines Unternehmens unter normalen Umständen hinausgehen (Berndt, 2003).
Weiterhin hat der von den Führungskräften gelebte Führungsstil Einfluss auf die Mitarbeiter. So verstärkt ein partizipativer Führungsstil eine individuelle positive Annahme von Veränderungen durch die Mitarbeiter und kann so den Verlauf eines M&A erheblich beeinflussen (Studt, 2008). Nationale Unterschiede wirken sich dabei auch auf den Führungsstil aus, was bei internationalen M&A zu unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Aufgaben eines Vorgesetzten und wie er diese wahrzunehmen hat, führen kann (Wirtz, 2003). Dies wiederum kann den Verlauf erheblich negativ beeinflussen.
Vor allem bedeutet Führung in Veränderungsprozessen jedoch immer auch Kommunikation (Studt, 2008), welche im nächsten Kapitel erläutert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung des Unternehmenswachstums durch Fusionen und Übernahmen und zeigt deren zunehmende Bedeutung sowie die hohe Misserfolgsquote trotz finanziell positiver Erwartungen auf.
2 Klassifizierung und Begriffsdefinition: In diesem Kapitel werden die Fachbegriffe Merger, Acquisition, Kooperation und Joint Venture voneinander abgegrenzt und die ökonomische Relevanz sowie die Diskrepanz zwischen erwarteten und realisierten Benefits bei M&A-Transaktionen analysiert.
3 Kritische Erfolgsfaktoren von M&As: Dieser Hauptteil identifiziert zentrale Erfolgsfaktoren, wobei insbesondere die Rolle von Führung, effektiver Kommunikation zur Vermeidung von Unsicherheiten sowie die Bedeutung der Unternehmenskultur für eine erfolgreiche Integration hervorgehoben werden.
4 Fazit: Das Fazit resümiert, dass M&A zwar unverzichtbare Instrumente der Weltwirtschaft sind, der Erfolg jedoch zwingend eine stärkere Einbeziehung des Faktors Mensch und eine proaktive Gestaltung der Führung und Kommunikation erfordert.
Schlüsselwörter
Mergers & Acquisitions, Akquisition, Integration, Erfolgsfaktoren, Unternehmenswachstum, Führung, Leadership, Unternehmenskultur, Kommunikation, Veränderungsmanagement, Due Diligence, Integrationsbarrieren, Stakeholder, Strategie, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Erfolgsfaktoren von internationalen Fusionen und Übernahmen und analysiert, warum viele M&A-Vorhaben trotz finanziell gesundem Hintergrund an sogenannten „weichen“ Faktoren scheitern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Klassifizierung von M&A-Typen, die strategische Relevanz von Unternehmenszusammenschlüssen sowie die kritische Untersuchung von Management, Führung, Kommunikation und Unternehmenskultur während der Integrationsphase.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Erfolg von Fusionen und Übernahmen nicht allein durch finanzielle Kennzahlen bestimmt wird, sondern maßgeblich von der Gestaltung des Veränderungsprozesses und dem Umgang mit dem Faktor Mensch abhängt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse aktueller Studien und Fachliteratur und verknüpft diese mit praktischen Erkenntnissen aus der persönlichen Erfahrung des Autors bei IT-Dienstleistungsunternehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Führungskräfte den Übergang gestalten können, warum Kommunikation das wichtigste Integrationswerkzeug darstellt und welchen Einfluss unterschiedliche Unternehmenskulturen auf den Erfolg oder Misserfolg von Akquisitionen haben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Mergers & Acquisitions, Integrationserfolg, Führung, Unternehmenskultur und Veränderungsmanagement charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der Ansatz zur Integration von M&A bei der Praxisbeobachtung des Autors?
Der Autor stellt fest, dass in seinem Unternehmen bei der initialen Fusion kulturelle Aspekte und eine klare Organisationsstruktur fehlten, was zu Demotivation führte, während bei späteren Akquisitionen durch eine neue Roadmap und Kommunikationsstrategie ein Lernprozess erkennbar wurde.
Welche Bedeutung misst der Autor der Due Diligence im Kontext der Unternehmenskultur bei?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine sorgfältige Due Diligence zwingend eine Evaluierung der beteiligten (Firmen-)kulturen beinhalten muss, um auf organisatorische Unterschiede vorbereitet zu sein und spätere Integrationsbarrieren zu vermeiden.
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- Eduard Fuchs (Author), 2010, Erfolgsfaktoren internationaler Mergers und Acquisitions, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155688