Even ist eine tungusische agglutinierende Sprache. Diese Arbeit skizziert die Möglichkeiten der Sprache zum Ausdruck von Reziproken und des Soziativ und stellt sie in einen Vergleich zu anderen eng verwandten Sprachen: Evenki und Udihe. Es ergeben sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie eine Skala von Flexibel (Even) bis Unflexibel (Udihe) betreffend die morphologische Ausdrucksmöglichkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Etymologische Vorbemerkungen
1.2. Reziproke, Reflexive, Soziative
2. Even
2.1. morphologisch - Reziproksuffixe
2.2. syntaktisch - Pronomen
2.3. Soziativ
2.4. Fazit Even
3. Evenki
3.1. morphologische Reziproke
3.2. syntaktisch – Pronomen
3.3. Soziativ
3.4. Fazit Evenki
4. Udihe
4.1. morphologisches Reziprok
4.2. syntaktisch – Pronomen und Reduplikation
4.3. Soziativ
4.4. Fazit Udihe
5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
5.1. Das Suffix
5.2. Syntaktisches
5.3. Der Soziativ
6. Fazit
7. Referenzen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Ausdrucksmöglichkeiten für Reziproke und Soziative in den tungusischen Sprachen Even, Evenki und Udihe. Dabei wird das Ziel verfolgt, Gemeinsamkeiten und morphosyntaktische Unterschiede zwischen diesen eng verwandten Sprachen herauszuarbeiten und eine Skala der morphologischen Ausdrucksflexibilität zu erstellen.
- Vergleichende Analyse der Reziprokkonstruktionen in Even, Evenki und Udihe.
- Untersuchung morphologischer Suffixe und syntaktischer Pronominalkonstruktionen.
- Analyse des Soziativ-Markers und dessen Interaktion mit anderen grammatikalischen Strukturen.
- Identifikation von Gemeinsamkeiten und sprachspezifischen Restriktionen.
Auszug aus dem Buch
1.2. Reziproke, Reflexive, Soziative.
Was sind Reziproke überhaupt? Laut Bußmann (2002) kommt das Wort von reciprocus (zurückkehrend) und bedeutet eine wechselseitige Beziehung zwischen mindestens zwei Elementen, ausgedrückt durch spezielle Morpheme oder Pronomen (was periphrastisch wäre). Die Definition von Bulatova & Grenoble (1999: 28) lautet: Eine Aktion, die von mehreren Agens (gegenseitig! = wechselseitig) vollführt wird, die gleichzeitig auch Rezipienten sind.
Man muss das Reziprok von Reflexiven unterscheiden, bei denen der Agens allein steht und gleichzeitig Rezipient ist sowie vom Soziativ, der per Definition nach Bulatova & Grenoble (1999: 28) eine Aktion ist, die von mehreren Agens (zusammen!) ausgeführt wird, die (aber) auch gleichzeitig (semantischer) Patiens oder Rezipient sein können. Alle drei Formen scheinen also eng verwandt, weshalb es nicht überrascht, im folgenden Reziprok und Soziativ ineinander verschwimmend und häufig Reflexivpronomen bei der Nutzung des Reziprok vorzufinden.
Ein deutsches Beispiel: 'Die Männer schlagen sich (gegenseitig [Reziprok] oder zusammen [soziativ]).' Hierbei wird man die Verwendung des Reflexivpronomens und die Pluralmarkierung am Subjekt erkennen. Offenbar gibt es keine eigenständigen Verbmarkierungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die linguistische Relevanz tungusischer Reziprokformen und Definition der zentralen Fragestellung.
1.1. Etymologische Vorbemerkungen: Erläuterung der gemeinsamen etymologischen Basis der Suffixe in den tungusischen Sprachen.
1.2. Reziproke, Reflexive, Soziative: Theoretische Abgrenzung der drei grammatikalischen Konzepte anhand existierender Typologien.
2. Even: Detaillierte Darstellung des Systems im Ewenischen mit Fokus auf morphologische und syntaktische Ausdrucksformen.
2.1. morphologisch - Reziproksuffixe: Analyse des Suffixes -mat und der zugehörigen Diathesen.
2.2. syntaktisch - Pronomen: Untersuchung der pronominalen Strategien bei fehlender morphologischer Lösbarkeit.
2.3. Soziativ: Vorstellung des Soziativ-Markers -lda und dessen funktionaler Einordnung.
2.4. Fazit Even: Zusammenfassung der Flexibilität und Ausdrucksbreite im Ewenischen.
3. Evenki: Untersuchung der Schwestersprache Evenki und Vergleich mit den Befunden aus dem Even.
3.1. morphologische Reziproke: Analyse der restriktiveren Anwendung von Reziprokformen im Evenki.
3.2. syntaktisch – Pronomen: Beschreibung der Rolle von Pronomen und deren teilweise obligatorischer Nutzung.
3.3. Soziativ: Betrachtung des Markers -ldə und dessen Interaktion mit anderen Konstruktionen.
3.4. Fazit Evenki: Einschätzung des Evenki als eng verwandte, aber restriktivere Sprache.
4. Udihe: Analyse der Sprachstruktur des Udihe mit Fokus auf analytische Tendenzen.
4.1. morphologisches Reziprok: Vorstellung des Suffixes -masi und dessen produktiver Nutzung.
4.2. syntaktisch – Pronomen und Reduplikation: Erläuterung der für das Tungusische untypischen Reduplikationsstrategien.
4.3. Soziativ: Beschreibung der soziativen Ausdrucksweisen im Udihe.
4.4. Fazit Udihe: Einordnung des Udihe als analytisch flexiblere, aber morphologisch restriktivere Sprache.
5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Synthetischer Vergleich der drei Sprachen hinsichtlich Suffixe, Syntaktik und Soziativ.
5.1. Das Suffix: Vergleichende Betrachtung der prototungusischen Wurzeln und ihrer divergenten Entwicklung.
5.2. Syntaktisches: Gegenüberstellung der pronominalen Möglichkeiten und der Bedeutung von Reduplikation.
5.3. Der Soziativ: Zusammenfassung der verschiedenen Marker-Varianten und ihrer funktionalen Überlappung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur morphologischen und analytischen Flexibilität.
7. Referenzen: Auflistung der verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Tungusische Sprachen, Even, Evenki, Udihe, Reziprok, Soziativ, Diathese, Morphologie, Syntax, Agglutination, Vokalharmonie, Reduplikation, Sprachvergleich, Linguistische Typologie, Verbvalenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden linguistischen Analyse von Ausdrucksformen für Reziprozität (gegenseitige Handlungen) und Soziativität (gemeinsame Handlungen) in den drei eng verwandten tungusischen Sprachen Even, Evenki und Udihe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der morphologischen Markierung (Suffixe), der syntaktischen Verwendung von Pronomen sowie der Abgrenzung zu Reflexivkonstruktionen innerhalb der untersuchten Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der morphosyntaktischen Struktur aufzuzeigen und zu klären, wie flexibel die jeweilige Sprache bei der Bildung dieser Konstruktionen agiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Sprachanalyse auf Basis existierender linguistischer Fachliteratur und Dokumentationen der tungusischen Sprachen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die drei Sprachen Even, Evenki und Udihe einzeln in Bezug auf ihre morphologischen Suffixe, pronominalen Strategien und Soziativ-Bildungen vorgestellt, gefolgt von einer vergleichenden Zusammenfassung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind tungusische Sprachen, Reziprok, Soziativ, Morphologie, Syntax und Sprachvergleich.
Warum unterscheidet sich das Udihe in seinen Konstruktionen so stark von Even und Evenki?
Udihe weist stärkere analytische Tendenzen und eine besondere Neigung zur Reduplikation auf, was für tungusische Sprachen untypisch ist. Dies führt zu einer abweichenden morphologischen Ausdrucksweise im Vergleich zu den stärker suffixorientierten Schwestersprachen.
Welche Rolle spielt die Reduplikation im Udihe?
Im Udihe dient die Reduplikation dazu, Möglichkeiten auszudrücken, die in anderen tungusischen Sprachen durch andere morphologische oder adverbiale Mittel abgedeckt werden, etwa bei der Reziprokalisierung von Adjunkt-Argumenten.
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- Andre Schuchardt (Author), 2010, Vergleich der Reziproken des Ewenischen mit verwandten Sprachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155705