Einsatz von Filmsequenzen im DaF-Unterricht in der Oberschule


Bachelorarbeit, 2008
46 Seiten, Note: 2

Leseprobe

DAS INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Der Film und seine Geschichte
1.1 Filme im Unterricht
1.2 Kino als Lieblingsort der Freizeitgestaltung von Jugendlichen
1.3 Altersunabhangiges Interesse am Film

2. Charakterisierung der Zielgruppe unter dem psychologisch-sozialen Aspekt...

3. Seh-Verstehen als Fertigkeit
3.1 Die Wahrnehmung
3.2 Sehen fordert das Lernen
3.2.1 Arten der Aufmerksamkeit
3.3 Emotionen beim Filmeinsatz

4. Einsatz von Filmsequenzen im Fremdspracheunterricht
4.1 Vorgehensweisen beim Filmeinsatz
4.1.1 Blockverfahren
4.1.2 Intervallverfahren
4.1.3 S andwi chverfahren
4.1.4 Mischformen
4.2 Aufgaben bei dem Filmeinsatz
4.2.1 Aufgaben vor dem Filmeinsatz
4.2.2 Aufgaben wahrend des Filmeinsatzes
4.2.3 Aufgaben nach dem Filmeinsatz
4.3 Rechtliche Aspekte und technische Voraussetzungen

5. Praktischer Teil der Arbeit - Stundenentwurfe
Stundenentwurf 1
Stundenentwurf 2
Stundenentwurf 3

6. Bewertung des Unterrichtmediums ,,Filmsequenzen“
6.1 Vorteile
6.2 Nachteile

Schlussfolgerungen

Einleitung

Ohne Informationsmedien hatte es zwischen den Menschen keine Fortentwicklung gegeben. Was ware unsere Gesellschaft ohne Information? Das Wissen kann durch Bucher, Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Internet sowie Fernsehen weitergegeben werden.

Wir lernen aus Medien, umso wichtiger ist es, Medien im Fremdsprachenunterricht einzusetzen. In der Fremdsprachendidaktik versteht man unter Medien alle Lehr- und Lernmittel wie: Bilder, Fotos, Filme, Overheadfolien, Musikkassetten, Computer - aber auch das Lehrbuch und vor allem das Charakteristikum fur ein Klassenzimmer: die Tafel. Diese Medien vermitteln und speichern Informationen fur die Lernenden. Da der Bereich „Medien“ sehr umfangreich ist, dementsprechend groB sind auch die Unterschiede in den Wirkungsweisen der verschiedenen Medien.

Der Gegenstand dieser Arbeit ist es zu zeigen, auf welche praktische Art und Weise man die Filmsequenzen im DaF-Unterricht fur Fortgeschrittene einsetzen kann. Sehend lernen ist fur viele Jungendliche heutzutage ein Traum, der mit Hilfe von interessanten Ubungsformen leicht in Erfuhlung gehen kann. Die Arbeit betont die Bedeutung des Seh-Horverstehens, das oft als die funfte Fertigkeit genannt wird. Anhand dieser Arbeit werden unterschiedliche Vorgehensweisen und Darbietungsformen der Arbeit mit Hilfe von Filmsequenzen prasentiert. Die Ergebnisse meiner Uberlegung werden am Ende in Stichpunkten und Schlussfolgerungen zusammengefasst, die auf der Basis der ganzen Arbeit auf die Vorteile und Nachteile eines filmunterstutzten Unterrichts hinweisen.

1. Der Film und seine Geschichte

Der Film ist eine Kunstform, die ihren Ausdruck in der Produktion bewegter Bilder findet. In der Regel werden die Bilder mit einem Filmprojektor auf eine Leinwand projiziert oder auf einem Bildschirm erzeugt. Das sind meist farbige Bilder die vertont und musikalisch untermalt werden.

Die Vorgeschichte der Filmkunst begann schon im 17. Jahrhundert mit dem Projektionsgerat das Laterna magica[1] hieB. Dieses Gerat konnte eine Reihe von Bildern an die Wand werfen, musste aber manuell bewegt werden. Erst im Jahre 1832 haben der Deutschosterreicher Simon Stampfer und der Belgier Joseph Plateau das Phenakistiskop[2] entwickelt. Das war ein Vorlaufer des heutigen Filmprojektors, der den stroboskopischen Effekt verwendet hat. Der richtige Ursprung des Films liegt in einem Trick, dem kinematografischen Trickfilm. Der Trick beruht auf im schnellen Tempo bewegten Bildern. Deswegen spielt in der Filmgeschichte die Entwicklung der Fotografie eine sehr groBe Rolle. Louis Daguerre machte im Jahre 1837 den Entwicklungsschritt mit seiner Daguerreotypie [3]. Damit war es endlich moglich, die Natur sich selbst abbilden zu lassen und nicht, wie es fruher war, nur durch selbstandige Handarbeit.

Bis zur einer flieBenden Filmaufnahme musste aber noch viel gemacht werden. Vor allem die Belichtungszeit fur ein Einzelbild war noch zu lang, um eine Bilderfolge zu erstellen. Erst im Jahre 1872 gelang dies dem Fotografen Eadweard Muybridge, der die ersten Serienfotografien erstellte. Einige Zeit spater hat er ein Vorfuhrgerat fur seine Fotografien erfunden, es hieB das Zoopraxiskop[4]. Ernst Kohlrausch ist einer der ersten Deutschen, die aus der Erfindung von Eadweard Muybridge nutzte und ab dem Jahr 1890 selber in Reihen mit einem selber gebauten Chronofotografen[5] fotografierte.

In derselben Zeit entwickelte der Franzose Louis Le Prince die erste Filmkamera mit nur einem Objektiv. 1888 drehte er damit die ersten bewegten Bilder, die man aus heutiger Sicht als Film bezeichnen kann.

Unabhangig von Le Prince entwickelte im Jahre 1891 William K.L. Dickson den Kinematographen[6] und das Kinestoskop, die die Filmbetrachtung uberhaupt ermoglichten.

Danach kam die Stummfilmzeit. Die ersten Stummfilme waren in Theatern vorgefuhrt, spater in Wanderkinos bei Volksfesten. Mit Anstieg des Popularitatsgrades des Films entstanden auch erste ortsfeste Kinos. Sehr beliebt beim Publikum waren Komodien, deren bekanntester Vertreter, Charlie Chaplin, schon um 1910 mit kurzen Sketchen groBen Erfolg hatte. Der erste Weltkrieg hat aber die Entwicklung der Filmindustrie verlangsamt. Ausschlaggebend dafur war der Bedarf nach Rohstoffen, die auch zur Filmherstellung notwendig waren.

Die Epoche des Tonfilms wurde 1927 in den USA mit den Jazzsanger eingeleitet. Eine gute Synchronisation war bei den ersten Tonfilmen aus technischen Grunden noch nicht moglich. Der Tonfilm unterstutzte in den 1930er Jahren die Entwicklung neuer Filmarten, wie z.B.: Musicals, Gangsterfilme, Horrorfilme, Komodien.

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs hat die europaische Filmindustrie ihre Position verloren. Die massive Emigration von deutschsprachigen und judischen Filmschaffenden ins Ausland, vor allem nach Amerika, war nicht zu stoppen. Rund 800 von 2000 Tausend Emigranten gelangten nach Hollywood, wo sich, wie wir aus der heutigen Sicht wissen, das Zentrum der weltweiten Filmindustrie entwickelt hat.

Typisch fur Hollywood waren die unbegrenzten Moglichkeiten, z.B. das Bild von Gluck und Hoffnung ein Merkmal dafur ist das obligatorische ,,Happy End’’, das als eine Ablenkung von dem grauen Alltag gedient hat. Die amerikanische Industrie befand sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in einer Krise. Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg wurde ein GroBteil der amerikanischen Filmproduktion auf Propaganda umgestellt. Charlie Chaplin und Walt Disney beteiligten sich auch an der Anti-Nazi-Propaganda.

In Deutschland hat der expressionistische Film in den 1930er Jahren eine wichtige Rolle gespielt. ,,Der blaue Engel’’ lieB Marlene Dietrich zum Star werden. Wahrend des Zweiten Weltkrieges hielt die deutsche Filmproduktion an, nur Propagandafilmen wurden gedreht.

Damit hat sich eine beruhmte deutsche Regisseurin, Anhangerin von Adolf Hitler, Leni Riefenstahl beschaftigt.

Die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg waren sehr schwer fur die europaische Filmindustrie, weil sie neu anfangen musste. Die ersten europaischen Nachkriegsfilme entstanden in Italien. Sie behandelten das Leben der kleinen Burger. In Deutschland haben sich die Regisseure mit Trummerfilmen beschaftigt, um der Gesellschaft zu zeigen, welche Schaden nach einem Krieg entstanden. Es sollte eine Lehre fur die Menschheit sein. In Amerika dagegen hat man Science-Fiction-Filme produziert. Sie handelten meist von Invasionen AuBerirdischer und dienten als eine Allegorie der Angst von dem Kommunismus.

Die weltweite Verbreitung des Fernsehens in den 60er Jahren hat sich zu einer ernsthaften Konkurrenz fur das Kino entwickelt. Um konkurrenzfahig zu bleiben, musste das Kino sein Publikum mit technischen Neuerungen anziehen. Zu solchen Innovationen gehorten: Breitbildformat, Stereofon und Farbe. All diese Neuerungen konnten allerdings nicht verhindern, dass das Kino an einer jahrelangen Rezession leiden musste. Eine besondere neue Vermarktungsstrategie waren Filme fur das jugendliche Publikum. Das waren vor allem Musikfilme, die wegen ihrer einfachen Fabel die Jugend anlockten.

Die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts waren Zeiten des Niedergangs der Goldenen Ara Hollywoods. Den Grund dafur sollte man bei den Besitzern der groBten Studios suchen. Die Produzenten haben seit der Stummfilmzeit ihre Posten bekleidet und deshalb haben sie den Kontakt zu der gesellschaftlichen Realitat verloren. Sie waren zu alt und wollten das Kino nicht mehr reformieren. In Deutschland wurde die Filmbranche revolutioniert. Junge deutsche Filmemacher haben stilistische und inhaltliche Neuerungen in den Film eingefuhrt. Die Filme haben oft politisch brisante Themen behandelt. Zu den einflussreichsten Regisseuren des Neuen Deutschen Films gehorten: Werner Herzog, Volker Schlondorff und Reiner Werner Fassbinder. Der amerikanische Film folgte dieser Renovierung des Films mit dem New-Hollywood-Kino. Das amerikanische Kino wird politischer, gesellschaftskritischer und beschaftigt sich mit solchen Themen wie Sex und Gewalt.

In den 90er Jahren steigen die Budgets der Hollywood-Filmen in schwindelnde Hohen. Die neuen Moglichkeiten im Bereich der Technik machen die Filme feiner fur das Auge. Besonders teuer produzierte Filme wie ,,Titanic’’, ,,Armageddon’’ und ,,Jurassic Park’’ sind zu den Kassenschlagern des Jahrzehnts geworden. Wahrend dieser Entwicklung hat der Begriff Blockbuster[7] an der Popularitat gewonnen.

Als eine Alternative fur Blockbusters werden Independentfilme[8] genannt. Das sind Produktionen mit niedrigem Budget und hoherem kunstlerischen Anspruch. Viele Independentfilme waren zwar keine Markterfolge, wurden aber im Laufe der Zeit zu Kultfilmen. Zu den bekanntesten Regisseuren der Independentfilme gehoren: Quentin Tarantino, Terry Gilliam und die Coen-Bruders, die im Jahre 2008 vier Oscarpreise fur den Film unter dem Titel „No Country for Old Men“ bekommen haben.

Neue Entwicklung der 90er Jahre ist der computeranimierte Trickfilm. „Toy Story“ von Pixar war der erste Kinolangfilm, der nur am Computer bearbeitet wurde. Diese Art von Filmen wird durch einen ironischen Humor gekennzeichnet. Die Trickfilme eignen sich nicht nur fur das junge Publikum, sondern auch fur Erwachsene.

Heutzutage haben wir mit drei Bedeutungen des Films zu tun: der Film als Massenmedium, der Film und seine wirtschaftliche Bedeutung und der Film als Kunstgattung. Die Filmindustrie hat einen enormen Einfluss auf den Menschen. Mit Hilfe eines Films kann man heutzutage die Gesellschaft steuern, Gefuhle vermitteln von denen der Zuschauer keine Ahnung hatte, dass er sie besitzt.

1.1 Filme im Unterricht

Ende der siebziger Jahre wurde der Spielfilm als Textsorte fur den fremdsprachlichen Unterricht entdeckt. Damals war der Zugang zu Filmen schwer, jetzt ist es anders: Video- und Bibliotheken verleihen entsprechende Kassetten, im Handel konnen Originalversionen kauflich erworben werden, auslandische TV-Stationen mit Filmausstrahlungen sind uber Satellit zu empfangen. Die Spielfilme spielen heutzutage immer noch eine geringe Rolle im Fremdsprachenunterricht. Oft werden sie noch als ein Luckenfuller zum Ferienbeginn eingesetzt oder eine Literaturverfilmung wird als Belohnung angesehen. Es ist allgemein bekannt, dass Film und Fernsehen ein wichtiger Bestandteil der heutigen Jugendkultur sind. Das Freizeitverhalten von Jugendlichenzeigt deutlich, dass sie Filme bevorzugen. Dennoch werden in der Schule weiterhin geschriebene Texte vorgezogen. Filme werden viel zu selten als eigenstandige Kunstwerke behandelt. Es ist notwendig nicht nur die Bedeutung eines Filmes zu verstehen, sondern auch seine asthetischen Besonderheiten. Das Zusammenspiel von visuellen und akustischen Reizen kann als eine Verstarkung dienen. Viele Fremdsprachenlehrer sind leider noch sehr konservativ und verfugen uber keine methodische Schulung beim Einsatz von Videosequenzen, deswegen werden die Filme im Unterricht immer noch selten behandelt.

1.2 Kino als Lieblingsort der Freizeitgestaltung von Jugendlichen

Das typische Kinopublikum ist jung: 1999 waren 71% aller Kinoganger 14 bis 29 Jahre alt (Baacke 1999). Mehrere Studien belegen, dass die Attraktivitat des Kinos fur Jugendliche und junge Erwachsene nicht nur auf die dort gezeigten Filme zuruckzufuhren ist. Das Kino wird als ein „sozialer Erlebnisort" bezeichnet (Baacke 1999). Man kann sich dort mit Freunden treffen und neue Kontakte knupfen. Fur den Unterricht folgt daraus, dass man zwar mit erhohter Aufmerksamkeit bei Schulern und Schulerinnen rechnen darf sobald ein Film eingesetzt wird. Man muss aber als Lehrer dessen bewusst sein, dass Filme von den Jugendlichen als langweilig wahrgenommen werden. Ein weiteres Untersuchungsergebnis ist in diesem Zusammenhang bedeutsam. Die meisten jungen Zuschauer sprechen offenbar nach dem Kinobesuch noch miteinander uber den Film, viele denken noch daruber nach (Baacke 1999). Bei Gymnasiasten der Oberstufe stehen im Mittelpunkt solcher Unterhaltungen vor allem: Gags und lustige Szenen, die Musik, die Aussage des Films, die Figuren, die Schauspieler und die Gefuhle, die der Film geweckt hat (Baacke 1999). Von daher stehen die Chancen fur ein intensives Rezeptionsgesprach im Unterricht wahrscheinlich nicht schlecht.

1.3 Altersunabhangiges Interesse am Film

Wenn soeben gesagt wurde, dass der Kinofilm im wesentlichen das bevorzugte Medium junger Leute ist, dann muss hinzugefugt werden, dass das Interesse an Filmen eine allgemeine, altersunabhangige Erscheinung ist. Dies zeigt sich vor allem beim Fernsehen, das ja heute der eigentliche Hauptanbieter von Filmen ist: Mehr als 90% der Bevolkerung schauen sich regelmaBig dort ausgestrahlte Spielfilme an (Frank/Maletzke/Muller-Sachse 1991:315). Mit der Benutzung von Spielfilmen im fremdsprachlichen Unterricht wird also der Tatsache Rechnung getragen, dass der Film in der Gegenwartskultur eine fuhrende Rolle spielt und fur den Einsatz im Unterricht bereits geeignet ist. Die Filme sind also nicht nur in der Schule gerechtfertigt, sondern auch in Fremdsprachenkursen in der Erwachsenenbildung.

2. Charakterisierung der Zielgruppe unter dem psychologisch-sozialen Aspekt

Das Jugendalter ist eine Phase des Lebens, die durch das Zusammenspiel biologischer, intellektueller und sozialer Veranderungen zur Quelle vielfaltiger Erfahrungen wird. Fur manche ist das ein positiver Lebensabschnitt, fur andere ist das eine Zeit im Leben, die mit personlichen, familiaren und auBerfamiliaren Problemen verbunden ist. Global betrachtet ist das eine Ubergangsperiode zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter. Die Jugendlichen wollen nicht mehr Kinder und noch keine richtigen Erwachsenen sein. Sie verfugen uber Privilegien der Kindheit sowie den Status eines Erwachsenen, deswegen gilt das Jugendalter als eines der wichtigsten Entwicklungsstadien und hat eine groBe Auswirkung auf ihr weiteres Leben.

Garnville Stanley Hall gilt als ein Begrunder der Psychologie des Jugendalters. Nach Halls Auffassung ist die Adoleszenz eine Sturm und Drang Periode, eine Zeit extremer Auspragungen des Erlebens und Verhaltens, die von innerpsychischen Spannungen und interpersonellen Konflikten begleitet ist.

Den Beginn des Jugendalters markiert das Eintreten der Geschlechtsreife (Pubertat), dies gilt gleichzeitig als Kriterium der Abgrenzung zwischen der Kindheit und Jugend. In der Literatur kommt oft der Terminus Adoleszenz im Kontext der Veranderungen im Jugendalter vor. Die Adoleszenz erstreckt sich insgesamt uber ca. ein Jahrzehnt.. Es werden drei Phasen der Adoleszenz unterschieden (Steinberg, 1993):

- Fruhere Adoleszenz -> zwischen 11 und 14 Jahren
- Mittlere Adoleszenz -> zwischen 15 und 17 Jahren
- Spate Adoleszenz -> zwischen 18 und 21 Jahren

Die Abgrenzung zwischen der Jugend und dem fruheren Erwachsenalter erfolgt nicht uber die Altersgrenze, sondern vor allem durch Aufnahme beruflicher Tatigkeiten, durch die Rollenubertragung und die soziale Reife.

Die Adoleszenz ist sehr eng mit der Wirkung der umgebenden Kultur auf die Gestaltung des Ubergangs vom Kind zum Erwachsenen verbunden. Die zentrale Frage betrifft die Grundlagen der Identitat. Heutzutage verstehen die Jungendlichen unter dem Terminus ,,Identitat’’ eine Bindung an kulturelle Werte, Orientierung an Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft innerhalb einer Gesellschaft. Beim Prozess der Selbstfindung eigner Identitat sollen sich die Jugendlichen weiter entwickeln.

Die Physische Reifung, gesellschaftliche Erwartungen und individuelle Zielsetzungen sollen ihnen in der Zukunft helfen, selbstandiger zu werden. Die Jugend muss langsam selber Entscheidungen treffen daruber, was sie im Leben machen mochte, und die eigene Identitat zu finden, ist der erste Schritt dazu.

3. Seh-Verstehen als Fertigkeit

Die Aussagen aus der Kognitionsforschung[9] betonen die These, dass das Hor- Sehverstehen, die ubersehene funfte Fertigkeit, (Schwerdfeger, 1989) nicht nur als Bonbon am Ende einer Lerneinheit oder am Ende des Schuljahres, sondern regelmaBig ins Klassenzimmer zu holen ist.

Eine mehrkanalige Aufnahme von Informationen ist fur den Menschen typisch. Ein eindeutiger Schwerpunkt ist der visuelle Kanal. Wir nehmen mit dem Auge 70-80% unserer Informationen auf und nur 13% durch das Ohr (Harms, S. 247).

3.1 Die Wahrnehmung

Die Wahrnehmung bezeichnet den Ablauf der bewussten Aufnahme von Informationen eines Lebewesens uber seine Sinne. Die Fahigkeit zur Sinneswahrnehmung (Perzeption) kann bewusst durch die Aufmerksamkeit gesteigert werden.

Beim Filmeinsatz benutzen die Lernenden zwei von ihren Sinnen, dazu gehoren:

- Das Sehen: Visuelle Wahrnehmung ist die Wahrnehmung von Objekten auf Grund der Reizung durch Lichtstrahlen, die von den Objekten ausgesandt, gebeugt oder reflektiert werden. Das zustandige Sinnesorgan ist das Auge. Besonders in kunstlerischem Kontext bezeichnet man ein wahrgenommenes Bild oder eine Szene als Sehereignis.
- Das Horen: Das Horen wird als auditive Wahrnehmung oder akustische Wahrnehmung bezeichnet und dient der Wahrnehmung von Gerauschen, Tonen und Klangen. Das zustandige Sinnesorgan ist in erster Linie das Ohr. Sehr laute Klange konnen jedoch auch mit dem ganzen Korper, insbesondere durch den Tastsinn wahrgenommen werden.

3.2 Sehen fordert das Lernen

Noch nie in der Geschichte waren die Menschen durch so viele Bilder uberflutet wie heute. Das Kino, das Fernsehen, Werbeplakate und das Internet sind die Hauptvermittler dieser Bilderflut. Unser Gehirn ist somit standig damit beschaftigt, diese Bilder zu sortieren und zu selektieren. Unsere Wahrnehmung passt sich an diese Veranderung der Vermittlung von Information und Wissen an: ,,Wir leben in einer Zeit des Umbruchs von einer sprach- zu einer bildzentrierten Kultur. So haben Jugendliche heute eine 30% hohere visuelle und akustische Wahrnehmungsgeschwindigkeit als vor zwanzig Jahren." (Ballstaedt, 2004)

Diese Rezeption heiBt aber lange nicht, dass ein langer intensiver Lernprozess eingesetzt wird. Bei massiver ,,Bombardierung’’ des Gehirns mit Reizen, die uns gleichgultig vorkommen, werden die neuen Informationen in Kurztzeitgedachtnis gespeichert. Damit spielt ja beispielsweise die Werbung, die stets neue Geschichten erzahlt und ungewohnliche Bild-Satz-Montagen wahlt, um die Zuschauer fur den Kauf des beworbenen Produktes zu gewinnen.

Auch im Unterricht gewinnen wir durch eine interessante Unterrichtsgestaltung die Aufmerksamkeit der Lernenden, denn „nur was wir mit den Augen fixieren oder mit den Ohren fokussieren, hat eine Chance konzeptuell und bewusst zu Wissen verarbeitet zu werden.’’ (Assmann in: Ballstaed, S. 4)

3.2.1 Arten der Aufmerksamkeit

Das Filmmaterial eignet sich besonders dazu, die Aufmerksamkeit zu initiieren. Die Forschung unterscheidet zwei Arten von Aufmerksamkeit: die unwillkurliche und die willkurliche.

Unwillkurliche Aufmerksamkeit ist die automalische Zuwendung zu unerwarteten Reizen, also das, was uns im Alltag standig auffallt: Wir sehen eine bunte Leuchtreklame und schauen unwillkurlich dorthin, auch wenn uns die Inhalte nur wenig interessieren.

Willkurliche Aufmerksamkeit ist die ,,intentionale Zuwendung zu bestimmten Inhalten, sie ist das ausfuhrende Organ der Interessen (...) jeder pickt sich aus deinem Angebot heraus, was ihn speziell interessiert" (Ballstaedt, S.4)

Da auch die willkurliche Aufmerksamkeit schnell nachlasst, ist es umso wichtiger, ungewohnliche und/oder mit dem eigenen Leben verknupfte Inhalte zu zeigen; auch hier ist Film ein sehr brauchbares Medium. Wichtig ist daruber hinaus, dass die Lerner das Arbeiten mit Film mit dem passiven Fernsehkonsum in der Freizeit nicht verwechseln. (Harms. S. 251)

Man muss die Kompetenzen der Lernenden so entwickeln, dass sie auch Hintergrunde, zusatzliche Bedeutungen, Details, im Stande sind zu dekodieren. Wahlen wir interessantes visuelles Material fur den Unterricht aus und bearbeiten die Lernenden dies mit spezifischen Arbeitsauftragen und Beobachtungsaufgaben, so wird die willkurliche Aufmerksamkeit gesteigert. Die Lerner konzentrieren sich auf einen klar definierten Fokus und ein Irrtum wird gemieden. (Harms. S. 251)

[...]


[1] Laterna magica - Projektionsgerat.

[2] Phenakistiskop - Vorlaufer der heutigen Filmprojektoren.

[3] Daguerreotypie - Eine Art von Bilderaufnahme genannt nach dem franzosischen Maler Louis Daguerre.

[4] Zoopraxiskop - Projektionsgerat fur chronofotografisch erzeugte Bilder.

[5] Chronofotografie - Hochgeschwindigkeitsfotografie

[6] Kinematograph - die erste funktionierende Filmkamera der Welt

[7] Blockbuster - kommerziell sehr erfolgreiche Produkte, meist Kinoproduktionen.

[8] Independentfilm - „kleine“ Filme, die mit geringem Geldeinsatz und unter hohem Zeitdruck hergestellt werden.

[9] Kognitionsforschung - beschaftigt sich damit, dass die Menschen verschieden die Welt wahrnehmen. Kognition sucht nach geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Wahrnehmung der Welt.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Einsatz von Filmsequenzen im DaF-Unterricht in der Oberschule
Hochschule
Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
46
Katalognummer
V155713
ISBN (eBook)
9783640687152
ISBN (Buch)
9783640687336
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medien, Film, Unterricht, Neue Medien
Arbeit zitieren
Michael Melerowicz (Autor), 2008, Einsatz von Filmsequenzen im DaF-Unterricht in der Oberschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155713

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