"Let burn" – Feuer als verheerende Naturkatastrophe?


Examensarbeit, 2009

82 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsklarung

2. Ursachen fur das Auftreten von Wald- und Vegetationsbranden
2.1. Naturliche Ursachen
2.2. Anthropogen verursachte Feuer
2.2.1. Kontrollierte Feuer
2.2.2. Unkontrollierte Feuer
2.3. Einflussfaktoren
2.4. Katalysator Mensch
2.5. Der Einfluss des El Nino

3. Auswirkungen
3.1. Feuer in ausgewahlten Okozonen der Erde
3.1.1. Feuer im tropischen Regenwald
3.1.2. Feuer in der Savanne
3.1.3. Feuer in den mediterranen und mediterran-ahnlichen Zonen
3.1.4. Feuer in borealen Waldern
3.2. Anpassung der Vegetation
3.2.1. Feuerangepasste Borke
3.2.2. Uberdauern der Samen
3.2.3. Stockausschlag
3.3. Anpassung der Tierwelt
3.4. Effekte auf den Boden
3.5. Emissionen
3.6. Vegetationsbrande und Klimawandel
3.7. GroGe Feuerereignisse
3.7.1. Australien 2001/2002, 2002/2003 und 2008/2009
3.7.2. Griechenland und Italien 2007
3.7.3. Kalifornien 2008

4. Handlungsmoglichkeiten
4.1. Brandbekampfung
4.1.1. Loschmittel
4.1.2. Mobiles Equipment/Einsatzgerate und -maschinen
4.1.3. Brandschneisen und Wundstreifen
4.1.4. Vor- und Gegenfeuer
4.2. Kunstliches Auslosen von Regenfallen
4.3. Information der Bevolkerung
4.4. Gesetzliche Grundlagen
4.5. Wachturme
4.6. Satellitenuberwachung
4.7. Global Fire Monitoring Center
4.8. Integriertes Feuermanagement - Let burn!

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

„Wohltatig ist des Feuers Macht,
wenn sie der Mensch bezahmt, bewacht."

So dichtete Friedrich von Schiller in der „Glocke". Schon seit 1,5 Millionen Jahren versucht der Mensch diese Naturkraft zu zahmen und nutzt die Eigenschaften des Feuers - sein Licht, seine Warme und seine Brennkraft. Jedoch brachten die Flammen auch oft Unheil, wenn sie die Zivilisation gefahrdeten oder schadigten. Ein negativer und bedrohlicher Aspekt haftet der Naturkraft noch heute an - sie wird als zerstorerisch empfunden und muss unter allen Umstanden kontrolliert werden.

Doch ist Feuer tatsachlich eine derart gefahrliche und destruktive Kraft, die Mensch und Natur schadet?

In der vorliegenden Arbeit soll dies untersucht werden. Negative sowie positive Aspekte dieser vermeintlichen Naturkatastrophe sollen dargestellt und erlautert werden, um ein differenziertes Bild des Faktors „Feuer" im Zusammenhang mit naturlichen und anthropogenen Einflussen zu schaffen.

1. Begriffsklarung

Der Begriff Feuer, bzw. Brand beschreibt einen „okologischen Faktor, der einen nicht zu unterschatzenden Einfluss auf Boden, Vegetation, Tierwelt und nicht zuletzt den Menschen in seinem Lebensraum ausubt." (Meusburger 2002b, 378)

Tritt ein Schadfeuer in einem Trockengebiet auf, wird der Begriff Buschfeuer verwendet (Brockhaus 2006, 360).

Es konnen folgende Brandformen in der Natur unterschieden werden (vgl. Konig 2007b, 50ff u. Bay. Landesamt fur Brand- u. Katastrophenschutz 1988, 5f):

- Boden- und Lauffeuer (Abbildung 1):

Unmittelbar im Bodenbelag oder -bewuchs entzundet, dehnt sich ein Boden- oder Lauffeuer zunachst auf alle Seiten hin aus, um sich schlieGlich zu der dem Wind hingewandten Seite, der Luv, elliptisch auszubreiten, da dort die Sauerstoffzufuhr am hochsten ist. In Hanglagen bewegt sich das Feuer hangaufwarts rascher fort, in steilen Bereichen ist eine Ausbreitung auch bergab durch Steinschlag moglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bodenfeuer

Die Flammen bleiben aufgrund der geringen Brandlast der Bodenvegetation verhaltnismaGig niedrig (selten ubersteigen sie die 2 m- Grenze) und auch der Feuersaum erreicht mit 70 - 200 cm keine groGe Tiefe. Die Laufgeschwindigkeiten konnen 10 - 1200 m/h betragen, ublicherweise liegen sie allerdings nicht uber 500 m/h.

Das Brennmaterial bedingt eine helle Rauchfarbung, was die Identifikation eines Bodenbrandes auch aus der Ferne erlaubt.

In Deutschland sind durchschnittlich 75% aller Waldbrande Bodenfeuer.

- Vollfeuer/Totalfeuer (Abbildung 2):

Ein Bodenfeuer kann sich im Wald zu einem Vollfeuer entwickeln. Entzunden die am Boden brennenden Flammen die Borke und die unteren, trockenen Aste der Baume, konnen sie sich bis in den Kronenbereich ausbreiten, wo das Brennmaterial gruner und harzreicher ist. Dies zieht eine Veranderung des Rauches nach sich: er farbt sich dunkelgrau bis schwarz - ein eindeutiges Erkennungsmerkmal eines Totalbrandes.

Durch den enormen Sauerstoffverbrauch entwickelt ein Vollbrand eine eigene Thermik: ein vertikal und nach allen Seiten hin wirkender Luftsog. Dieser ist derart stark, dass Windgeschwindigkeiten unter 10 m/s die Laufrichtung des Brandes nicht beeinflussen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vollfeuer in Russland

Ist die Windstarke hoher, besteht die Moglichkeit, dass sich das Feuer in den Wipfeln der Baume schneller ausbreitet als das darunter brennende Bodenfeuer. Solche Wipfel-, Kronen- oder Flugfeuer konnen durch
herabfallende Glut- oder brennende Ast- bzw. Borkenstucke selbst neue Brande entzunden.

Totalbrande konnen stark qualmende, lange Feuerfronten bilden, die ab einer GroGe von uber 50 ha Laufgeschwindigkeiten von 100 ha/h oder annahernd 2 ha/min erreichen konnen.

Vollbrande werden in Deutschland immer seltener, da die Fruherkennung und Bekampfung von Branden standig weiterentwickelt wurde und wird (siehe 4.1 bis 4.6).

- Erdfeuer (Abbildung 3):

Diese eher selten auftretende Brandform tritt uberwiegend in Moorgebieten auf. Material unter der Bodendecke glimmt meist nur mit schwacher Rauchentwicklung vor sich hin; zudem tritt der Rauch und Wasserdampf meist nicht senkrecht uber dem Brandherd aus, so dass sich eine prazise Ortung dessen auGerst schwierig gestalten kann. Teilweise bestehen derartige Brande sogar unbemerkt uber Monate hinweg.

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdfeuern ist sehr gering: 100 m bis 1 000 m/24h konnen erreicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Brennende Kohleflöze in Ost-Kalimantan

Die Bekampfung gestaltet sich Kostenaufwand problematisch; ein konzentrierter und intensiver Einsatz von groGen Mengen Loschwasser ist nur selten durchfuhrbar. Zudem ist ein Loscheinsatz uber Erdfeuern lebensgefahrlich: ausgebrannte Hohlraume bergen die Gefahr beim Betreten einzusturzen.

Aus diesen Grunden erfordern diese Brande lang anhaltende und kontinuierliche Kontrolle - auch nach ihrem Erloschen.

- Stammfeuer:

Auch diese Brandform tritt sehr selten auf. Ausloser ist Blitzschlag, betroffen sind einzelne, meist alte Baume. Wird ein hohler Baumstamm entzundet, brennt er im Inneren und ist zumeist einfach zu loschen. Besonders Kiefern mit alten Harzungslachen brennen aufgrund ihres hohen Kiengehaltes nach einem Blitzeinschlag lichterloh.

Stammfeuer konnen sich zu Bodenfeuern weiterentwickeln.

Da der Anteil der anthropogen verursachten Wald- und Vegetationsbrande weltweit bei uber 90% liegt (Goldammer 2001, 211) und diese erst durch die Verknupfung mit der gesellschaftlichen Verfassung eines Raumes zur Katastrophe werden, konnen Brandereignisse zumeist als „man-made hazards" bezeichnet werden (Geipel 1992, 186).

2. Ursachen fur das Auftreten von Wald- und Vegetationsbranden

2.1. Naturliche Ursachen

Blitzschlag wird haufig als einziger naturlicher Ausloser fur Waldbrande betrachtet. Die Schatzungen uber dessen Beitrag als Brandursache schwanken zwischen 10% (Goldammer 2001,211) und 15% (Niedek u. Frater 2003, 165). Laut Plate (2001, 220) ist Blitzschlag in den Industrielandern der Nordhemisphare zu 2-3% und in den Mittelmeerlander gar nur zu 1% Brandausloser.

In borealen Waldern dagegen kann der Anteil an Blitzschlag als Ausloser von Waldbranden die 80%-Marke ubersteigen, was durch die geringe Besiedlungsdichte zu erklaren ist (Meusburger 2002a, 378).

Blitzschlag war wohl auch in vergangenen erdgeschichtlichen Zeitraumen Ausloser grower Brande, wie fossile Baumstamme z.B. aus dem Miozan (23-5,5 Millionen Jahre vor heute) vermuten lassen, in denen Blitzschlagrinnen nachweisbar sind.

Weitere naturliche Zundquellen konnen ferner aktive Vulkane sein, die mit ihren heiGen Aus- wurfprodukten (siehe Abbildung 4) die Vegetation in Brand setzen, wie es 1991 auf Sulawesi geschah. In der Folge von starken Eruptionen und der dadurch begunstigte Gewitter- bildung kann es zudem wiederum zu zusatzlichen Blitzschlagen kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Vulkanische Bombe auf Hawaii

Auch Funkenschlag von Feuersteinen, der unter Umstanden bei Steinschlagereignissen auftritt, kann Ausloser eines Vegetationsbrandes sein. Durch Hangrutschungen, leichte ErdstoGe geloste oder durch Tiere losgetretene Steine, die beim Herabfallen Funken bildeten, wurden im sudlichen Afrika und im indischen Himalaya beobachtet. In der sudafrikanischen Cedarberg-Region konnte in einer Untersuchung zwischen 1958 und 1974 bei uber 25% der Brande Funkenbildung bei Steinschlag als Ausloser ausgemacht werden.

Als eine weitere naturliche Brandursache kommt die Spontanentzundung in Frage. Verrottende, komprimierte Pflanzenreste konnen beim Zersetzungs- prozess derartig hohe Temperaturen erzeugen, dass es zur Selbstentzundung kommen kann. GroGe Feuerereignisse im Karbon (355 - 290 Millionen Jahre vor heute) werden auf diese Brandursache zuruckgefuhrt und auch heute kommt es in Braunkohlelagerstatten noch zu Spontanentzundungen. (Goldammer 1993, 6f)

2.2. Anthropogen verursachte Feuer

2.2.1. Kontrollierte Feuer

In den Tropen und Subtropen wird Feuer traditionell kontrolliert zur Landnutzungsanderung eingesetzt, um wirtschaftlich nutzbare Flachen zu schaffen. Wertvolle, vermarktungsfahige Baumarten der Primarvegetation werden vor dem Kahlschlag abgeholzt, woraufhin schlieGlich das Rodungsfeuer gelegt wird (siehe Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Brandrodung zur Landnutzungs-änderung

Sind Sekundarwalder ohne verwendbare Holzer vorhanden, wird die gesamte Vegetation durch das Feuer vernichtet (Plate 2001, 214). Der Terminus „slash and burn", der synonym fur den Wanderfeld- bau verwendet wird, verdeutlicht das schonungslose Vorgehen (Goldammer 1993, 9).

Diese ..shifting agriculture" Oder ..shifting cultivation" zeichnet sich durch eine verhaltnismaGig kurze Periode dauerhafter Kultivierung aus, auf welche eine relativ langfristige, mindestens doppelt so lange Bracheperiode folgt. Werden semi-permanente Oder stationare Kulturen angebaut und verkurzt sich somit die Bracheperiode, wird von einer reinen landwirtschaftlichen Nutzung gesprochen (Goldammer 1993, 9).

Auch eine Umwandlung von Flachen in Bauland kann Motiv fur eine legale Oder illegale Brandrodung sein. Speziell in Tourismusgebieten des mediterranen Raums ist es fur viele Landbesitzer im Gegensatz zur forst- Oder landwirtschaftlichen Nutzung rentabler, ihren Grund kostengunstig durch einen Brand baulich nutzbar zu machen. (Hirschberger 2007, 12f)

In Sudostasien dagegen werden auf dem verbrannten Grund zumeist Plantagen errichtet. 1997/98 wurden dort 60-80% der Brande gelegt, um Flache fur Olpalmen- oder Holzkulturen zu schaffen.

Beweidung stellt besonders im Bereich des Amazonasregenwalds eine Nutzung der mit Feuer gerodeten Flachen dar. 70% der Flachen, auf denen ehemals Regenwald gedieh, wird zur Viehzucht verwendet. Den zweiten groGen Wirtschaftsfaktor in diesem Gebiet stellt der Sojaanbau dar. Die geplante, legale oder oftmals illegale Brandrodung lasst sich durch die Auswertung von Satellitendaten (siehe Abschnitt 4.6) belegen: ein deutlicher Anstieg von Hotspots bzw. Brandherden in Amazonasgebiet ist wahrend der Trockenzeit von Juni bis November zu verzeichnen. (Hirschberger 2007, 12ff)

In den laubabwerfenden Trockenwaldern des indischen Subkontinents wird Feuer auf eine weitere Art genutzt: einerseits zum Ausrauchern von Waldbereichen beim Honigsammeln, andererseits um das Sammeln von Waldprodukten und die Jagd wahrend der Trockenzeit zu erleichtern. Wahrend dieser Periode ist die abgeworfene, trockene Laubschicht am Boden hinderlich beim Durchkammen der Walder nach Fruchten, Bluten und Beutetieren, so dass die Bodenauflage groGflachig abgebrannt wird. (Goldammer 1993, 13) Feuer wird traditionell auch in der Weidewirtschaft der Tropen und Subtropen eingesetzt, um die Vegetation zum frischen Austrieb zu stimulieren. Wahrend der Vegetationsruhe in der Trockenzeit, in der dem Weidevieh wenig Futter zur Verfugung steht, werden gezielt Feuer gelegt, um abgestorbene, nicht nutzbare Pflanzenreste zu vernichten und den Aufwuchs frischer Triebe mit hohem Nahrwert anzuregen. Einher gehen eine Verhinderung der Uberalterung vorhandener Vegetation, eine Verdrangung von unerwunschten Pflanzenarten und ein verlangsamter, verbissgerechter Hohenwuchs von Strauchern und Baumen. (Goldammer 1993, 11f)

Der wachstumsstimulierende Effekt von Feuer auf Pflanzen wird auch bei der Tabakproduktion genutzt. Durch das Zuruckbrennen von jungen Baumen schlagen die Stocke anschlieGend neu aus und die Ernte von Blattern von hoher Qualitat ist gesichert. Dieses Verfahren ist freilich viel gunstiger als ein manuelles oder mechanisches Zurucksetzen der Pflanzen. (Goldammer 1993, 13)

Auch das planmaGige Verbrennen der Streuauflage von Kiefernbestanden in Hanglage ist beispielsweise in den submontanen Bereichen des Himalaya eine ubliche Vorgehensweise. Die langen Kiefernnadeln bilden nach der Nadelschutte einen rutschigen Untergrund fur das Vieh, der beseitigt werden muss, um Verletzungen und Absturze der Tiere zu verhindern. (Goldammer 1993, 12 zit.n. Goldammer 1988)

Ein weiterer Aspekt anthropogen verursachter, kontrollierter Feuer ist die Anwendung derer als Pflegefeuer. Durch uberwachte Zundungen (siehe Abbildung 6) soil gezielt leicht entflammbare Vegetation vernichtet werden um so das Risiko von unkontrollierbaren Grol3>branden zu verringern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Entzunden eines Pflegefeuers aus der Luft

Zudem werden durch das Auslichten optimale Wachstumsbedingungen fur die heimische Vegetation geschaffen, tierische und pflanzliche Schadlinge vernichtet (California Department of Forestry and Fire Protection 2004, 1f). Auf diesen Aspekt soil in Abschnitt 4.8 noch ausfuhrlicher eingegangen werden.

2.2.2. Unkontrollierte Feuer

Neben auGer Kontrolle geratenen Rodungsfeuern konnen sowohl absichtliche Brandstiftung als auch Fahrlassigkeit Ursachen unkontrollierter Vegetations- brande sein. Die Glut einer achtlos weggeworfenen Zigarette, eine heiGe Auspuffanlage oder ein Lagerfeuer konnen die vorhandene Vegetation entzunden und das Feuer kann sich derail ausbreiten, dass professionelle Feuerbekampfung von Noten wird. (Hirschberger 2007,11)

Dass Glasscherben durch einen Brennglaseffekt Vegetation entzunden konnen, ist allerdings ein Irrglaube. (Wittich, K.-P., Lex, P. 2005, 625)

Die in Tabelle 1 dargestellte Systematik wurde 1971 in der ehemaligen DDR eingefuhrt und fuhrt im Wesentlichen alle anthropogenen und auch die naturliche Brandursache „Blitzschlag" auf. (Konig 2007b, 55)

Tabelle 1: Waldbrandursachen (verandert nach Konig 2007b, 56)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fur das Jahr 2003 wurde in Deutschland Brandstiftung als Ursache fur uber ein Funftel der insgesamt 2.500 Waldbrande ermittelt (siehe Tabelle 2), wobei zu beachten ist, dass bei uber 1.200 Feuerereignissen keine eindeutige Ursache zugeschrieben werden konnte. Uber 600 Brande (etwa ein Viertel) entstanden durch fahrlassiges Verhalten. (Konig 2007a, o.S.)

Tabelle 2: Waldbrandursachen in Deutschland 2003 (verandert nach Konig 2007a, o.S.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Einflussfaktoren

Den groGten Einfluss auf die Haufigkeit und die Intensitat von Vegetationsbranden haben Klima und Witterung. Niederschlagsmangel und hohe Temperaturen verursachen optimale Brandbedingungen, auch die Zeit vor dem Einsetzen der neuen Vegetationsperiode ist brandgefahrlich. (Konig 2007b, 45)

Offensichtlich wird dies in der Waldbrandstatistik Deutschlands: die extrem hohen Temperaturen und geringen Niederschlagsmengen des „Jahrhundertsommers“ 2003 schlagen sich deutlich in den Werten nieder; in diesem Jahr traten etwa viermal mehr Brande auf (siehe Tabelle 3, Seite 12).

Im Jahresverlauf betrachtet, steigt die Vegetationsbrandwahrscheinlichkeit an Wochenenden und Feiertagen deutlich an; in Deutschland entstehen gar 50% der Waldbrande an diesen Tagen.

Tabelle 3: Waldbrande in Deutschland von 2001 bis 2005 (verandert nach Konig 2007b)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieses Phanomen lasst sich durch die erholungssuchende Bevolkerung erklaren, die ihre Freizeit in der Natur verbringen will und dort selbst - sei es absichtlich oder unabsichtlich - zum Verursacher von Branden werden kann. (Konig 2007b, 47)

Auch lokale Winde konnen zu einer hoheren Brandgefahrdung fuhren, wie es zum Beispiel in Kalifornien der Fall ist. Der Santa-Ana-Wind, ein fohnartiger Fallwind aus der Wuste, kann die Temperaturen im Becken von Los Angeles auf uber 40°C ansteigen und die Luftfeuchtigkeit auf bis zu 2% fallen lassen, so dass die Landschaft regelrecht ausgedorrt wird. Feuer konnen sich so extrem schnell ausweiten und katastrophenartige AusmaGe annehmen - deswegen wird dieser Wind auch Satanswind genannt. (Jacob 1995, 108)

2.4. Katalysator Mensch

Der Mensch kann im Zusammenhang mit Wildfeuern als Tater und Opfer zugleich betrachtet werden.

Das AusmaG und die Zerstorungskraft von Branden werden durch den anthropogenen Eingriff in die Natur um ein Vielfaches erhoht, so dass okosysteme nachhaltig Schaden nehmen. Gleichzeitig ist der Mensch oft selbst von der destruktiven Kraft des Feuers betroffen wenn er in brandgefahrdeten Gebieten siedelt oder wirtschaftet und dort im schlimmsten Fall Haus und Hof den Flammen zum Opfer fallen.

Somit kann der Mensch als Katalysator bezeichnet werden, der durch sein Eindringen in den Naturraum Feuer erst zur Naturkatastrophe macht.

Das Bedurfnis, der Natur so nah wie moglich zu sein fuhrt dazu, dass mogliche Gefahren bewusst in Kauf genommen werden. Aber auch die Urbanisierung und der wachsende Siedlungsdruck in einigen Regionen der Erde, z.B. Australien, zwingt die Bevolkerung in feuerexponierte Bereiche vorzudringen, so dass uberlappende Konfliktzonen zwischen Vegetation und Siedlungen, die „Wildland urban interfaces", entstehen. Goldammer druckt es im Interview folgendermaGen aus: „Der Mensch siedelt dort, wo das Feuer wohnt." (Brotz 2003, 8)

Ein kotrolliertes Abbrennen von Vegetation zur Verminderung von Brennmaterial ist dann nicht mehr moglich, so dass sich groGe Mengen trockenen Unterholzes und Laub ansammeln. (Jacob 1995, 107)

Zudem wird die Gefahr erhoht, indem leicht brennbare Materialien verbaut werden. Ein Holzhaus mag zwar mancherorts ins Landschaftsbild passen, jedoch unterliegt Holz, aber auch andere organische Baustoffe wie Ried, Gras oder Bambus, dem gleichen Austrocknungsrhythmus wie die umgebende Vegetation. So steigt naturlich die Brandgefahr immens und bricht tatsachlich ein Feuer aus, ist es meist fast unmoglich, die Siedlungen zu retten. (Goldammer 1993, 15)

Auch die in vielen Landern vonstatten gehende Landflucht kann Einfluss auf Wildfeuer haben. Besonders im Mittelmeerraum wird dies deutlich: Maccien- und Kiefernwaldflachen werden nicht mehr gepflegt oder traditionell bewirtschaftet, das Totholz wird nicht mehr als Brennholz eingesammelt und hauft sich an. Wahrend die Landwirtschaft den Ruckzug antritt, steigt das Touristenaufkommen. Die erholungssuchenden Urlauber stromen in die Natur und werden oft aus Leichtsinn oder Unwissenheit zum Brandstifter in einem Gebiet, das schon lange auf das nachste Feuer „wartet". (Heilemann 2005, 7) Ein weiterer Aspekt ist die Veranderung und Storung der Vegetationszusammensetzung zur Ausubung von Land- oder Forstwirtschaft in Gebieten, in denen Feuer haufig auftreten. Die Aufforstung mit Eukalyptus oder Kiefer in Reinbestanden, wie es beispielsweise in Portugal betrieben wird, erhoht durch deren leichte Entflammbarkeit die GroGbrandgefahr enorm. Werden diese Kulturen nicht richtig bewirtschaftet und verbleiben Totholz, Rindenreste und Laub am Boden, steigt das Energiepotential und schwer zu kontrollierende Brande konnen sich entwickeln. (Heilemann 2005, 7)

Es ist zudem nicht von der Hand zu weisen, dass auch der anthropogen verursachte Klimawandel einen Einfluss auf das Feuergeschehen auf der Erde hat und auch weiter haben wird. Auf diesen Aspekt soll jedoch in Abschnitt 3.6 naher eingegangen werden.

2.5. Der Einfluss des El Nino

Das Klimaphanomen El Nino entsteht durch ein verandertes Stromungsmuster der Warmwassermassen des Pazifiks. Verursacht wird dieses durch eine Abschwachung der sogenannten „Druckwippe“, der Luftdruckgegensatze zwischen der sudostpazifischen Hochdruck- und der nordaustralisch- indonesischen Tiefdruckzone. Bei normalen klimatischen Verhaltnissen stromt warmes Meereswasser, „angeschoben" von dem durch den Druckunterschied hervorgerufenen Ostpassat, in den Westpazifik. Im Bereich vor der sudamerikanischen Kuste stromt ausgleichend kaltes Tiefenwasser nach. Beim Zusammentreffen des Ostpassats mit den Westwinden und dem darauf folgendem Aufsteigen der Luftmassen kommt es bei Indonesien zu Niederschlagen; anschlieGend stromen die Luftmassen nach Osten zuruck und sinken uber dem Zentral- und Ostpazifik wieder ab.

Umgekehrt zu diesem normalen Verlauf stromt in El Nino-Jahren aufgrund einer Abschwachung (oder sogar des volligen Zusammenbruchs) des Passatsystems warmes Wasser aus dem West- in den Ostpazifik. Dies hat zur Folge, dass die warmen Wassermassen ostlich von Sudostasien und Australien nach Osten zuruckflieGen, die Temperatur im Westpazifik so sinken und im Ostpazifik ansteigen. Vor Sudamerika steigt die erwarmte, feuchte Luft auf und es kommt zu vermehrten Niederschlagen an dieser Kuste. (vgl. Hammann 2008, o.S. u. Goldammer 1993, 34f)

Diese Storung der Southern Oscillation kann des Weiteren zu ernsthaften Niederschlagsdefiziten und durch die Austrocknung der Vegetation zu erhohter Brandgefahr in Nordbrasilien, Sudostafrika, Sudostasien, Indonesien sowie Australien fuhren (Hammann 2008, o.S.), wie Abbildung 7 veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Von El Nino betroffene Gebiete (Monatsanfangsbuchstaben zur besseren zeitlichen Einordnung)

Den deutlichen Unterschied zwischen den Niederschlagsmengen wahrend eines El Nino-Ereignisses und den normalen Monatsdurchschnittswerten fuhren Diagramme von Klimastationen Ostkalimatans aus den Jahren 1982/83 vor Augen (siehe Abbildung 8, Seite 16).

Untersuchungen nach konnten zwischen 1830 und 1953 93% aller in Indonesien aufgetretenen Durreperioden in direkten Zusammenhang mit dem ENSO-Komplex (El Nino-Southern Oscillation) gebracht werden. (Goldammer 1993, 35 zit. n. Berlage 1957). Die schlimmsten derartigen Durreperioden in Indonesien ereigneten sich 1941/42, 1972, 1982/83 und ebenso 1997/98, als neben Indonesien (siehe 3.5) auch in Brasilien ca. 1,2 Millionen Hektar Regenwald durch Brande vernichtet wurden. (vgl. Goldammer 1993, 35 u. Niedek u. Frater 2003, 166 u. Hirschberger 2007,17ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Monatlicher Niederschlag in Ostkalimantan wahrend der ENSO-Trocknis 1982/83 (schwarze Saulen) und der langjahrigen Durchschnittswerte (punktierte Saulen) (verandert nach Goldammer 1993, 36)

3. Auswirkungen

Wie in Abschnitt 2 deutlich wurde, sind die Ursachen fur das Auftreten von (Schad-)Feuer weltweit vielfaltig und es gibt vielerlei Faktoren, durch welche Brande beeinflusst werden konnen.

Genauso vielfaltig sind die Auswirkungen des Naturereignisses, welche in den verschiedenen Okozonen der Welt Flora, Fauna, Boden, Klima und nicht zuletzt auch den Menschen insbesondere in der Zivilisation betreffen.

Im Folgenden Teilabschnitt soll ein Uberblick uber diese Effekte dargeboten werden, abschlieGend folgen ausgewahlte Beispiele grower Brandereignisse.

3.1. Feuer in ausgewahlten Okozonen der Erde

Weltweit sind etwa 46% aller Okosysteme an Feuer angepasst oder sogar von regelmaGigen Brandereignissen abhangig. „Typische Feuerlandschaften sind die Taiga, die afrikanischen Savannen, die Monsun- und Trockenwalder Sudasiens, die Eukalyptuswalder Australiens, die Nadelwalder Kaliforniens, die Mittelmeerregion und alle Kiefernwalder von der Taiga bis in die Subtropen.“(HiRSCHBERGER 2007, 8) Jedoch tritt in diesen Okosystemen das Feuer nicht uberall mit gleicher Intensitat auf: Graslandschaften und Savannen brennen haufiger als Walder, in diesen wuten die Flammen aber mit groGerer Intensitat. Diese Brande sind naturliche Ereignisse, auf die Flora und Fauna eingestellt sind und die der Natur keinen langfristigen Schaden zufugen. Durch anthropogenen Einfluss jedoch wird das Gleichgewicht zwischen Feuer und Regeneration gestort, so dass vor allem feuerempfindliche Okosysteme degradieren. Besonders deutlich wird das im tropischen Regenwald. (Hirschberger 2007, 9)

[...]

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
"Let burn" – Feuer als verheerende Naturkatastrophe?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Department für Geo- und Naturwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
82
Katalognummer
V155732
ISBN (eBook)
9783640687176
ISBN (Buch)
9783640687329
Dateigröße
4220 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feuer, Waldbrand, Naturkatastrophe, Ökozonen, Klimawandel, Feuermanagement
Arbeit zitieren
Eva-Maria Greulich (Autor), 2009, "Let burn" – Feuer als verheerende Naturkatastrophe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155732

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