Die Rolle der IGOs am Beispiel des Internationalen Währungsfonds


Essay, 2010
7 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Dass die Nationalstaaten seit Beginn der Globalisierung1 an Bedeutung verloren haben zeigt sich schon an globalen Krisen wie der Weltwirtschaftskrise 1929, bei der ein lokaler Börsencrash schließlich globale Folgen hatte. Im Zuge dieser Entwicklung drängte sich bereits damals der Wunsch nach global governance2 also einer weltweit operierenden Form von staatlicher Kontrolle auf. Seither sind die Bestrebungen durch intergovernmental organisations - zwischenstaatliche oder internationale Organisationen -, die Kontrolle über die Teilbereiche des Regierens, die durch Globalisierung nicht mehr einzelnen Staaten zukommt, zurück zu gewinnen vielfältig.

Doch zunächst die Definition an der sich diese Arbeit orientiert:

„Unter internationalen Organisationen verstehen wir [͙΁ sowohl problemfeldbezogene als auch problemfeldübergreifende zwischenstaatliche Institutionen, die gegenüber ihrer Umwelt aufgrund ihrer organschaftlichen Struktur als Akteure auftreten können und die intern durch auf zwischenstaatliche vereinbarte Normen und Regeln basierende Verhaltensmuster charakterisiert sind, welche Verhaltenserwartungen einander angleichen.“3

Bei internationalen Organisationen wird außerdem zwischen INGOs (nicht-staatlichen Organisationen) oder IGOs (zwischenstaatlichen Organisationen) unterschieden:

Ist „die Gründung einer internationalen Organisation weder auf eine[n] völkerrechtlichen Vertrag noch auf einen Beschluss einer bestehenden zwischenstaatlichen internationalen Organisation zurück zu führen4

Anhand der hier genannten Kriterien - Problemfeldbezogenheit, Zwischenstaatlichkeit, Auftreten als Akteur, auf Normen und Regeln basierende Verhaltensmuster und schließlich Gründung auf einem völkerrechtlichen Vertrag oder auf Beschluss einer bestehenden zwischenstaatlichen internationalen Organisation - soll der Internationale Währungsfond untersucht werden, um so abschließend zu einer

Einordnung der Rolle von IGOs vor dem Hintergrund der global governance zu kommen.

Inwiefern ist der IWF also problemfeldbezogen? Dazu muss festgehalten werden, dass sowohl die ursprünglichen Ziele des IWF als auch die aktuellen, die sich nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems herauskristallisierten, ausschließlich finanz- und geldpolitischer Natur - und damit problemfeldbezogen - sind.5

Die Anzahl der Mitgliedsländer wächst seit der Gründung des IWF und beträgt im Jahr 2010 187 Nationen.6 So sind beinahe alle Staaten der Erde im Fond vertreten und die Organisation gilt nicht nur als zwischenstaatlich sondern sogar als nahezu universell.7

Aus der Definition geht hervor, dass internationale Organisationen als Akteure Handeln müssen. Dies bedeutet im Einzelnen, dass sie in ihren Aufgaben keine reinen Instrumente der Staaten bleiben die sie vertreten, sondern in ihrem Tätigkeitsbereich als selbständig handelnde Akteure auftreten.8

Ein Gegenargument zu diesem Kriterium ist beispielsweise, schon auf allgemeiner Ebene, dass die Entscheidungsgewalt über Konzepte und Vorgehensweise der Organisation bei der Mehrheit der Mitgliedstaaten verbleibt.9 Dies trifft auch auf den IWF zu:

„Bei der Beurteilung, ob ein einzelnes Mitglied seinen Verpflichtungen gegenüber dem Fonds nachkommt, oder bei der Ausarbeitung einer Kreditvereinbarung mit einem Mitglied, handelt der Fonds somit nicht eigenmächtig, sondern als Mittler zwischen dem Willen der Mehrheit der Mitglieder und dem einzelnen Mitgliedstaat.“10

Der Wille der Mitgliedstaaten wird dabei im Gouverneursrat zum Ausdruck gebracht. In dieser Versammlung treten die Vertreter der Mitglieder als Bevollmächtigte ihres Landes auf und bestimmen die Grundsätze nach denen der Fond handelt. Der Rat trifft sich jedoch in der Regel nur einmal im Jahr und ist deshalb nicht ausführendes Organ

[...]


1 Mit dem Zeitpunkt des „Beginns der Globalisierung“ ist in dieser rbeit der Beginn der ersten Globalisierungsphase gemeint, die Peter E. Fäßler in seinem Buch Globalisierung, ein historische Kompendium, Köln 2007 beschreibt.

2 Zur genauen Klärung des Begriffs: Dingewerth, Klaus/ Pattberg, Philipp, Was ist Global Governance?, in: Leviathan. Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft, Bd. 3 (2006), S. 377-399.

3 Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard, Internationale Organisationen. Politik und Geschichte, Wiesbaden 2005, S.25.

4 Ebd. S.27.

5 Vgl. Kühne, Torsten, Positionen zum IWF: Die Vereinigten Staaten, Deutschland und die Rolle der Europäischen Union in der Reformdebatte, Erlangen 2009, S.21.

6 Vgl. Internationaler Währungsfond: About the IMF: http://www.imf.org/external/about.htm (Zugriff am 05.07 um 01:10 Uhr).

7 Vgl. [Kühne, Positionen], S.20.

8 Vgl. [Rittberger, Organisationen], S.24.

9 Ebd., S.24.

10 David, Driscoll D., Der internationale Währungsfond, Washington D.C. 1989, S. 7. 2

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der IGOs am Beispiel des Internationalen Währungsfonds
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
7
Katalognummer
V155739
ISBN (eBook)
9783668330405
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IGO, IWF, IMF
Arbeit zitieren
Johannes Gruber (Autor), 2010, Die Rolle der IGOs am Beispiel des Internationalen Währungsfonds, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155739

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