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Schlechtes Wasser? Öffentliche Hygiene und Wasserversorgung in spätmittelalterlichen Städten

Title: Schlechtes Wasser? Öffentliche Hygiene und Wasserversorgung in spätmittelalterlichen Städten

Examination Thesis , 2011 , 97 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Daniel Sosna (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Die Arbeit beschäftigt sich mit der Versorgung mit Frischwasser und der Entsorgung von Abwasser in mittelalterlichen Städten, hauptsächlich zwischen 1300 und 1600 und vornehmlich in Zürich und Nürnberg.

Es stellt sich die Frage, wie es eine Stadt mit mehreren Tausend Einwohnern im hohen und späten Mittelalter (13. bis 16. Jahrhundert) realisierte, ihre menschlichen Abfälle oder gewerblichen Überreste beiseite zu schaffen. Wie konnte eine permanente und funktionierende Entsorgung über Jahrzehnte und Jahrhunderte aufrecht erhalten werden? Wer kümmerte sich darum? Waren die Möglichkeiten und Maßnahmen, die ergriffen wurden, ausreichend? Wurden die damals zur Verfügung stehenden Mittel in Anbetracht des seinerzeitigen naturwissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisstandes erschöpfend und energisch durchgeführt? Welche Alternativen gab es und warum konnten sie sich nicht durchsetzen? Die aufgeworfenen Fragen begleiten und leiten die gesamte Untersuchung, an deren Ende eine fundierte und durch Quellen abgesicherte Einschätzung der Gesamtsituation stehen wird.

Die Entsorgung von menschlichen wie tierischen Fäkalien, häuslichen und gewerblichen Abfällen sowie Dreck allerlei Art konnte in vielen Fällen nur mithilfe von Wasser realisiert werden. Jenes war aber die Lebensader einer Stadt, und ist es bis heute, was die Frage aufwirft, wie die urbanen Entsorgungspraktiken die Trinkwasserversorgung einer Stadt beeinträchtigten. Gab es Maßnahmen zur Reinhaltung der Gewässer mit dem Ziel, die Gesundheit der Einwohnerschaft zu erhalten? Wie sahen solche Maßnahmen aus und wer veranlasste bzw. überwachte sie?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das „finstere Mittelalter“? – Die Beurteilung der Ver- und Entsorgung mittelalterlicher Städte in Forschungsarbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts

3. Theoretische Schriften des 13. – 15. Jahrhunderts

3.1 Aegidius Romanus

3.2 Konrad von Megenberg

3.3 Leon Battista Alberti

4. Wasser als „Mädchen für alles“?

4.1 Quellen von Abfall

4.2 Die Entsorgung von Fäkalien, Abwässern und Müll

4.2.1 Fäkaliengruben

4.2.2 Danziger und Abtritterker

4.2.3 Ehgräben

4.3 Wasserversorgung und Gewässerschutz

5. Öffentliche Hygiene und Ratspolitik

5.1 Til Eulenspiegel und die Einstellung (des Rates) zu Schmutz, Fäkalien und Krankheiten

5.2 Von der Bürgervertretung zur Obrigkeit

6. Reflektierende Schlussbetrachtung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das hygienische Umfeld und die Ver- sowie Entsorgungspraxis mittelalterlicher Städte zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Ziel ist es, das in der Forschung des 19. und 20. Jahrhunderts geprägte Bild des „schmutzigen und gleichgültigen“ Mittelalters anhand von theoretischen Schriften und städtischen Ratsverordnungen zu kritisch zu hinterfragen und den mittelalterlichen Kenntnisstand sowie das tatsächliche Handeln der städtischen Obrigkeiten zu objektivieren.

  • Historische Forschungsperspektiven auf mittelalterliche Hygiene
  • Theoretisches Wissen mittelalterlicher Autoren zur Wasserqualität
  • Kommunale Entsorgungsmethoden (Fäkaliengruben, Abtritterker, Ehgräben)
  • Die Rolle des Wassers als Transportmedium für urbane Abfälle
  • Entwicklung obrigkeitlicher Ratspolitik zur Gesundheitsvorsorge

Auszug aus dem Buch

3.1 Aegidius Romanus

Aegidius Romanus gibt in seinem Fürstenspiegel (etwa 1277/79 – also etwa ein halbes Jahrhundert vor Konrad von Megenberg) Anweisungen zum Bau und zur Beschaffenheit von Wohnhäusern, wobei er besonderes Augenmerk auf die Versorgung mit Wasser legt. „Aqua enim est valde communis, & in multis deseruit ad necessaria vitae.” Gesundes Wasser müsse immer in ausreichender Menge vorhanden sein, damit die Bewohner des jeweiligen Ortes nicht krank würden: „[…] vt ei sit aquae salubris copia: ne habitatores eius ob infectionem aquae infirmitatem contrahant.” (S. 356). Aegidius beginnt daraufhin zu beschreiben, anhand welcher Eigenschaften aqua salubris zu erkennen sei. Dabei steht bei ihm die Erkenntnis voran, dass „aqua currens sanior est quam stans“ (S. 355); somit sei das Wasser aus Sümpfen, Morasten und Jauchegruben (paludes et lacunae) in den meisten Fällen nicht salubris. Die Herkunft des Nasses ist also von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus gibt Aegidius auch keine Empfehlung für Wasser aus tiefer Erde ab, da dies mit Metallen vergiftet sein könne. Drittens sei die Färbung des Wassers genau zu beobachten, da eine infectio coloris, aquae infectionem demonstrat.“ (S. 357). Zusätzlich zur Farbe dürfe reines Wasser auch nicht riechen oder schmecken, da dies untrügliche Anzeichen dafür wären, dass es von infizierten Orten (loca infecta) her stamme. Das Wasser dürfe auch keinen Schlamm enthalten, da dies gar nicht gesund sein könne: „Quintum est, ne aquis illis aliquis insideat limus. nam terra limosa & lutosa, eo quod infecta sit, sana esse non potest.“ (ebd.).

Aegidius stellt seinem Leser einen ganzen Katalog von Kriterien vor, der diesen in die Lage versetzen soll, gutes von schlechtem Wasser zu unterscheiden: „Haec ergo quinq; attenda sunt in salubritate aquarum.“ (ebd.). Die Aufstellung solcher Kriterien zeugt von einem breiten Erfahrungswissen, über das der Autor verfügte, welche Eigenschaften von Trinkwasser sich positiv oder negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt die zentralen Fragestellungen zur Umweltverschmutzung und Entsorgung im Mittelalter dar und ordnet das Thema in den Kontext der Geschichtswissenschaft ein.

2. Das „finstere Mittelalter“? – Die Beurteilung der Ver- und Entsorgung mittelalterlicher Städte in Forschungsarbeiten des 19. und 20. Jahrhunderts: Analysiert kritisch die älteren, meist abwertenden Urteile über das hygienische Verständnis im Mittelalter.

3. Theoretische Schriften des 13. – 15. Jahrhunderts: Untersucht die naturwissenschaftlichen und hygienischen Vorstellungen prominenter mittelalterlicher Autoren wie Aegidius Romanus, Konrad von Megenberg und Leon Battista Alberti.

4. Wasser als „Mädchen für alles“?: Beleuchtet die vielfältige Nutzung von Wasser als Ressource und Transportmedium für städtische Abfälle sowie die Problematik der Trinkwasserversorgung.

5. Öffentliche Hygiene und Ratspolitik: Diskutiert den Wandel der städtischen Verwaltung hin zu einer aktiven, obrigkeitlichen Regulierung hygienischer Standards.

6. Reflektierende Schlussbetrachtung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die mittelalterliche Entsorgungspraxis vor dem Hintergrund der damaligen Möglichkeiten.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Wasserversorgung, Abfallbeseitigung, Hygiene, Stadtgeschichte, Umweltschutz, Fäkalien, Ratspolitik, Abtritterker, Ehgräben, Trinkwasser, Seuchen, Stadtverwaltung, Ressourcenmanagement, Zivilisationsprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das hygienische Verständnis und die Alltagspraxis zur Ver- und Entsorgung in mittelalterlichen Städten, um das tradierte Bild des „schmutzigen und rückständigen“ Mittelalters zu hinterfragen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Hygienevorstellungen, der Rolle des Wassers für städtische Prozesse, konkreten Entsorgungsmechanismen und der Rolle der städtischen Obrigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine objektive Bewertung der städtischen Leistungen bei der Ver- und Entsorgung sowie der Nachweis, dass der mittelalterliche Mensch durchaus ein Bewusstsein für hygienische Probleme hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer intensiven Quellenanalyse, die zeitgenössische Traktate, Ratsverordnungen, Urkunden und archäologische Befunde einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben theoretischen Schriften verschiedene Entsorgungseinrichtungen wie Sickergruben, Abtritterker und Ehgräben sowie die städtische Brunnenversorgung analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Mittelalter, städtische Infrastruktur, öffentliche Hygiene, Wasserwirtschaft, Abfallentsorgung und das Verhältnis von Stadtverwaltung und Bürgern.

Warum galten manche Entsorgungspraktiken als „effektiv“?

Die Methoden galten als effektiv, weil sie unter den damaligen Möglichkeiten mit geringstem Aufwand und bei konstanter Nutzung von Fließgewässern eine schnelle Beseitigung von Abfällen ermöglichten, ohne dass das theoretische Bewusstsein für mikrobiologische Zusammenhänge vorhanden war.

Welche Rolle spielten die „Pappenheimer“?

Die Pappenheimer (auch Nachtkärner oder Nachtarbeiter genannt) waren in Städten wie Nürnberg für die beruflich organisierte, oftmals unangenehme und zeitlich restriktiv geregelte Räumung von Fäkaliengruben zuständig.

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Details

Title
Schlechtes Wasser? Öffentliche Hygiene und Wasserversorgung in spätmittelalterlichen Städten
College
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Course
Staatsexamen
Grade
1,0
Author
Daniel Sosna (Author)
Publication Year
2011
Pages
97
Catalog Number
V1557465
ISBN (PDF)
9783389107010
ISBN (Book)
9783389107027
Language
German
Tags
Wasserversorgung Hygiene Spätmittelalter Abwasser Nürnberg Zürich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Sosna (Author), 2011, Schlechtes Wasser? Öffentliche Hygiene und Wasserversorgung in spätmittelalterlichen Städten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1557465
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