Was eine Theorie der Wahrnehmung spannend macht, ist, dass die Wahrnehmung eine so grundlegende Form ist, über die unser Geist in Beziehung zur Welt steht. In einer Intentionalitätstheorie bietet die Wahrnehmungstheorie den Ausgangspunkt und die Voraussetzung für andere Formen von Intentionalität, sowie die der Handlung und bei Searle bis zur sprachlichen Bedeutung. Das heißt, wenn man sich mit der Intentionalität der Wahrnehmung auseinandersetzt, dann hat man einen wichtig Schritt dahin getan, sich selbst, seinem geistigen Innenleben und dem Platz dieses Lebens in der physischen Welt, bewusst zu werden. Wenn Searle die begrifflichen Eigenschaften der Wahrnehmung schildert, dann ist das der Versuch, die Grundlagen der Struktur unseres psychischen oder mentalen Lebens nachzuzeichnen.
Für John Searle ist das Problem der Wahrnehmung eines von dem er sagt:“...,daß nur wenige Probleme in der Geschichte der Philosophie mehr Ärger gemacht haben...“. In Searles Bestreben, der Wahrnehmung in einer Intentionalitätstheorie einen ihr gebührenden Platz zu verschaffen, steckt vieles, mit dem er sich von der traditionellen Philosophie verabschieden möchte. Ich möchte vor allem erläutern, wie er das tut und dann versuchen zu schauen, inwiefern es ihm gelungen ist. Ich hätte Searles Denkmuster, die eher seine Position in der Philosophie des Geistes im Großen und Ganzen beschreiben, gerne vollständig vorangeschickt. Somit wäre der Rahmen geklärt, in dem dann Searles Betrachtung der Wahrnehmung als intentionalen Erlebens im Besonderen erklärt werden könnte. Doch so grundlegend die Wahrnehmung für eine Theorie über das wichtigste Merkmal des Bewusstseins ist, soviele weitreichende Implikationen werden hier und dort unvermeidlich wieder auftauchen. Somit teilt sich meine Hausarbeit in sieben Teile, einmal der Rahmen, den ich unter dem Kapitel „Voraussetzungen“ beschreibe. Dann geht es um die Bedingungen, die die Wahrnehmung erfüllen muss um als intentionaler Zustand a la Searle gelten zu können und wie Searle sie in seine Theorie der Intentionalität integriert. Hierauf folgen dann Einwände und Probleme, denen Searls Theorie sich stellen muss.Letztendlich hat mich meine Auseinandersetzung mit Searles Denken zu einer Kritik gebracht, die am Ende dargelegt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen
3. Die Wahrnehmung als intentionales Phänomen
3.1 Die Bedingungen
3.2 Die Integration
3.3 Kausalität und Skepsis
3.4 Eine Verteidigung des naiven Wahrnehmungsrealismus
3.5 Das Partikularitätsproblem – eine Veteidigung des Internalismus
4. Kritik
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Theorie der Wahrnehmung im Rahmen von John R. Searles Intentionalitätskonzept. Das primäre Ziel ist es, Searles Ansatz zur Integration der Wahrnehmung in eine Intentionalitätstheorie zu erläutern und kritisch zu hinterfragen, inwiefern seine internalistische Perspektive den Anforderungen an eine objektive Wahrnehmungstheorie gerecht wird.
- Struktur intentionaler Zustände und Wahrnehmung als primäres Phänomen.
- Analyse des Kausalitätsbegriffs und der Erfüllungsbedingungen bei Searle.
- Untersuchung des naiven Wahrnehmungsrealismus im Kontrast zum Repräsentationismus.
- Diskussion des Partikularitätsproblems unter Verwendung der Indexikalität.
- Kritische Würdigung der internalistischen Konzeption und der Rolle propositionaler Gehalte.
Auszug aus dem Buch
3. Die Wahrnehmung als intentionales Phänomen
Die Wahrnehmung wird eingeführt als das primäre, ursprüngliche intentionale Phänomen. Von der Beschreibung dieser Basis aus sollen sich höherstöckige intentionale Zustände erschließen lassen. Es geht Searle darum, die formale Struktur des intentionalen Zustandes zu beschreiben, welches eine Vorrausetzung für ihn darstellt zu verstehen, wie Intentionalität funktioniert. Die Begriffe, die Searl verwendet, sollen dabei als ontologisch neutral betrachtet werden, es geht ihm um die logischen Eigenschaften.
Wenn Wahrnehmungsprozesse Intentionalität aufweisen, dann sind sie auf etwas gerichtet, sie handeln von etwas, in dem Sinne, in dem jeder intentionaler Zustand einen Gehalt hat, von dem er handelt oder auf den er sich bezieht. Das intentionale Phänomen der Wahrnehmung muss also einen Gehalt haben, der in einem psychischen Modus unter bestimmten Aspekten repräsentiert wird. So ähnlich, wie es meiner Absicht, diesen Absatz zu schreiben, intern ist, dass sie aus dieser Proposition besteht oder der Überzeugung, dies zu schaffen. Die Überzeugung bildet dabei keinen Zustand ab, sie ist ein intentionaler Zustand dem diese Repräsentation intern ist und ihm zu dem macht, was er ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Wahrnehmung als grundlegende Form der Intentionalität ein und umreißt das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Voraussetzungen: Hier werden die philosophischen Grundlagen Searles, insbesondere sein biologischer Naturalismus und sein Verständnis von Kausalität, als Basis für die Wahrnehmungstheorie dargelegt.
3. Die Wahrnehmung als intentionales Phänomen: Dieses Kapitel expliziert die Struktur der Wahrnehmung als intentionaler Zustand, diskutiert Erfüllungsbedingungen und behandelt spezifische Probleme wie Halluzinationen und die indexikalische Natur intentionaler Gehalte.
3.1 Die Bedingungen: Es wird erläutert, wie Wahrnehmung als primäres intentionales Phänomen mit Gehalt und psychischem Modus strukturiert ist.
3.2 Die Integration: Hier wird untersucht, wie Searle das Wahrnehmungserlebnis durch kausale Selbstbezüglichkeit in seine Intentionalitätskonzeption integriert.
3.3 Kausalität und Skepsis: Dieses Kapitel entkräftet skeptische Einwände bezüglich der Repräsentation der Welt durch intentionale Zustände.
3.4 Eine Verteidigung des naiven Wahrnehmungsrealismus: Searle wird hier als Verteidiger eines direkten Realismus positioniert, der sich von Repräsentationstheorien und Phänomenalismus abgrenzt.
3.5 Das Partikularitätsproblem – eine Veteidigung des Internalismus: Hier wird diskutiert, wie Searle das Problem der Identifikation spezifischer Gegenstände mittels Indexikalität innerhalb eines internalistischen Rahmens löst.
4. Kritik: Der letzte Teil reflektiert kritisch über Searles internalistische Position und hinterfragt die Plausibilität seiner Ausführungen zur Rolle propositionaler Gehalte und der sozialen Konstitution von Bedeutung.
Schlüsselwörter
Intentionalität, Wahrnehmung, John R. Searle, Philosophie des Geistes, Kausalität, Erfüllungsbedingungen, Internalismus, Indexikalität, Wahrnehmungsrealismus, Propositionen, Phänomenologie, Repräsentation, Biologischer Naturalismus, Bewusstsein, Intentionaler Gehalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Theorie der Intentionalität der Wahrnehmung bei John R. Searle und prüft deren philosophische Konsistenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kerngebieten zählen die Struktur intentionaler Zustände, die Abgrenzung zum Externalismus sowie die Frage, wie subjektive Wahrnehmungserlebnisse als objektive Repräsentationen der Welt fungieren können.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Searles Verständnis von Wahrnehmung als primäres, intentionales Phänomen kritisch darzustellen und die Tragfähigkeit seines internalistischen Ansatzes zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die begrifflich-philosophische Analyse von Searles primär-philosophischen Schriften, insbesondere seines Werkes "Intentionalität".
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Voraussetzungen, die logische Struktur der Wahrnehmung, den Realismusbegriff und die Problematik der Partikularität von Wahrnehmungsinhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Intentionalität, Wahrnehmung, Erfüllungsbedingungen, Kausalität und der internalistische Gehalt mentaler Zustände.
Wie löst Searle laut der Arbeit das Problem der Halluzination?
Searle unterscheidet begrifflich zwischen dem Sehen und dem Wahrnehmungserlebnis, wobei Halluzinationen als Erlebnisse ohne erfüllte Bedingungen definiert werden.
Warum übt der Verfasser Kritik an der "Inflation der Propositionen"?
Der Verfasser argumentiert, dass die Notwendigkeit zahlreicher propositionaler Gehalte zur Beschreibung mentaler Zustände das System zu komplex und unplausibel macht.
Inwiefern spielt der "Hintergrund" bei Searle eine Rolle?
Der Hintergrund fungiert als ein Netz vorintentionaler Fähigkeiten und Dispositionen, die notwendig sind, damit überhaupt eine intentionale Bezugnahme zur Welt stattfinden kann.
Was wird an Searles Umgang mit dem Solipsismus bemängelt?
Der Autor kritisiert, dass Searles Abgrenzung zum Solipsismus auf zu einfachen Beispielen beruht und die soziale Komponente der Wahrnehmung im internalistischen Rahmen zu kurz kommt.
- Quote paper
- Julian Habermann (Author), 2008, Über die Intentionalität der Wahrnehmung in John R. Searles „Intentionalität. Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155808