Die Phänomenologie, eine der wichtigsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, wurde von Husserl geprägt und Derrida gehört zu den wesentlichen Vertretern dieser philosophischen Strömung. Die Analyse von Begriffen ist ein wichtiges Kennzeichen der Phänomenologie, die das Subjekt als ein Sein betrachtet, das sozial und kulturell in der Welt eingebettet ist. Somit steht die Phänomenologie mit den Human- und Sozialwissenschaften in Verbindung. Ebenfalls spielt der Skeptizismus eine Rolle.
Husserl beschäftigten eine Reihe erkenntnis- und wissenschaftstheoretischer Grundlagenprobleme; seine Überlegungen zu diesen Problemen führen zu seinem ersten Hauptwerk, den logischen Untersuchungen, die 1900-1901 erschienen sind. Die Analyse der ersten fünf Kapitel von deren ersten Teil soll Grundlage dieser Arbeit sein.
Die erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Fragen betreffen die kognitive Natur des Wahrnehmens, Glaubens, Urteilens und Erkennens; das alles sind psychische Phänomene. In diesem Fall kann man die Psychologie als theoretische Grundlegung der Logik betrachten. Das kann dadurch gezeigt werden, dass die Seele bei Husserl ein wichtiger Bestandteil in seinen Argumentationen ist, da sie den Menschen das reflektieren lässt, was zu seinem Erkenntnisgewinn führt und woraus bedeutende Folgerungen gezogen werden. Die Psychologie ist eine Erfahrungswissenschaft, die die faktische Natur des Bewusstseins erforscht; die Logik hingegen erforscht ideale Strukturen und Gesetze, sie ist also von Gewissheit und Exaktheit geprägt. Husserl sucht den Weg über eine Theorie der Erfahrung, die am „unmittelbaren Bewusstseinserleben“ ansetzt. Dabei ist die möglichst genaue Beschreibung des Tatbestandes für ihn von Bedeutung. Hussels radikale Fragerichtung stellt nicht die Welt in ihrer Existenz in Frage, sondern die Aussagen über sie. Dass auch hier wieder die Phänomenologie zum Vorschein kommt, wird durch folgendes Zitat von Jean-F. Lyotard gezeigt: [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die wesentlichen Unterscheidungen von Ausdruck, Bedeutung, Zeichen und Anzeichen bei Husserl (logische Untersuchungen, erster Teil, § 1-5)
1.1 Warum die Termini Ausdruck und Zeichen nicht gleichzusetzen sind
1.2 Das Verhältnis von Anzeige, Anzeichen und Bedeutung
1.3 Die Rolle der Assoziation
2. Die kritische Auseinandersetzung Derridas mit dem ersten Teil der logischen Untersuchungen von Husserl § 1-5
2.1 Erstes Kapitel: Das Zeichen und die Zeichen
2.2 Zweites Kapitel: Die Reduktion des Anzeichens
2.3 Drittes Kapitel: Das Bedeuten als Selbstgespräch (Teil A)
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die phänomenologischen Begriffsbestimmungen von Ausdruck, Bedeutung und Zeichen bei Edmund Husserl, insbesondere im Kontext seiner "Logischen Untersuchungen", und analysiert kritisch die Dekonstruktion dieser Ansätze durch Jacques Derrida. Das primäre Ziel ist es, die funktionale Differenzierung zwischen anzeigenden und bedeutsamen Zeichen herauszuarbeiten und zu prüfen, wie Derrida Husserls Argumentationen sowohl unterstützt als auch ironisch hinterfragt.
- Phänomenologische Analyse der Begriffe Ausdruck, Bedeutung, Zeichen und Anzeichen.
- Untersuchung der Rolle der Assoziation bei der Entstehung von Anzeigen.
- Derridas Auseinandersetzung mit der Übersetzung und Interpretation zentraler Husserlscher Termini.
- Analyse der "unangetasteten Reinheit des Ausdrucks" im einsamen Seelenleben.
- Reflexion über das Verhältnis von intentionalem Erleben und Sprache.
Auszug aus dem Buch
2.1 Erstes Kapitel: Das Zeichen und die Zeichen
Gleich im ersten Satz geht Derrida auf das Hauptthema des ersten Kapitels ein: Seine Grundlage ist die Klage von Husserl über die allgemeine Gleichsetzung des Wortes Zeichen. Er fasst die Kernaussage zusammen: Ein Zeichen (signe) als Anzeichen (indice) ist sinn- und bedeutungslos, ein Ausdruck hingegen, drückt etwas aus und enthält somit einen gewissen Sinn. Ein sinnloses Zeichen ist aber nicht ohne signification. Laut Derrida gibt es kein Zeichen ohne Signifikation und keinen Signifikanten ohne Signifikat geben. Da also alle Zeichen eine signification haben, aber nicht unbedingt eine Bedeutung, lehnt er ab, Bedeutung mit signification zu übersetzen. Damit zeigt Derrida eine gewisse Zustimmung in der Problematik, die Husserl anspricht.
Die Übersetzung von Bedeutung mit signification lehnt Derrida auch deshalb ab, weil er dadurch den Text von Husserl derartig verwirren (brouiller) und umständlich machen würde, dass man die wesentlichen Unterscheidungen (les distinctions essentielles), die von Husserl erörtert werden, nicht begreifen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die wesentlichen Unterscheidungen von Ausdruck, Bedeutung, Zeichen und Anzeichen bei Husserl (logische Untersuchungen, erster Teil, § 1-5): Dieses Kapitel legt die husserlsche Differenzierung zwischen verschiedenen Zeichenarten, insbesondere zwischen anzeigenden Zeichen und Ausdrücken, dar und erläutert die Funktion der Assoziation.
2. Die kritische Auseinandersetzung Derridas mit dem ersten Teil der logischen Untersuchungen von Husserl § 1-5: Hier wird Derridas dekonstruktive Lesart der Husserlschen Texte untersucht, wobei er Husserls Argumente teilweise rekonstruiert, kritisiert oder ironisch kommentiert.
Schlüsselwörter
Phänomenologie, Husserl, Derrida, Ausdruck, Bedeutung, Zeichen, Anzeichen, Assoziation, Dekonstruktivismus, Intentionalität, Logische Untersuchungen, Sprache, Sinn, Sprechen, Mitteilung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert philosophische Begriffsbestimmungen von Zeichen bei Edmund Husserl und Jacques Derridas kritische Auseinandersetzung damit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Abgrenzung von Ausdruck und Anzeichen, das Problem der intentionalen Bedeutung sowie die Sprachphilosophie innerhalb der Phänomenologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, wie Derrida Husserls Überlegungen aus den ersten fünf Paragraphen der "Logischen Untersuchungen" interpretiert und wo er diese hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative und textanalytische Methode, um Husserls Schriften mit Derridas "Die Stimme und das Phänomen" in Beziehung zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Husserlschen Unterscheidungen und eine detaillierte Analyse der von Derrida kommentierten drei Kapitel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Phänomenologie, Ausdruck, Zeichen, Bedeutung, Anzeichen, Intentionalität und Dekonstruktion.
Warum lehnt Derrida die Übersetzung von "Bedeutung" mit "signification" ab?
Er befürchtet eine begriffliche Verwirrung im Text, die das Verständnis der essentiellen husserlschen Unterscheidungen erschweren würde.
Welche Rolle spielt das "einsame Seelenleben" bei Husserl?
Es dient als Ort der reinen Bedeutung, an dem der Ausdruck ohne notwendige äußere Kommunikation stattfindet.
- Arbeit zitieren
- Sarah Marcus (Autor:in), 2010, Ausdruck, Bedeutung und Zeichen bei Husserl und Derrida , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155828