Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Konsequenzen für den Schulunterricht


Examensarbeit, 2009
77 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt
2.1 Der Arbeitsmarkt
2.2 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Arbeitsmarkts
2.3 Freie Berufswahl versus geschlechterdominierte Berufsordnungen
2.4 Geschlechterverhältnisse auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt
2.5 Geschlechterverhältnisse an den Hochschulen
2.6 Geschlechterverhältnisse im Wissenschaftsbetrieb
2.7 Die Erwerbssituation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt
2.7.1 Entwicklung der Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland
2.7.2 Institutionelle Voraussetzungen zur Teilnahme von Frauen am Arbeitsmarkt
2.7.3 Frauenerwerbstätigkeit in Industrienationen
2.8 Geschlechterspezifische Arbeitsmarktsegregation
2.8.1 Der Begriff Segregation
2.8.2 Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt: Theoretische Ansätze
2.8.2.1 Arbeitsangebotsseitige Theorien der Berufswahl
2.8.2.2 Arbeitsnachfrageseitige Theorien der Berufswahl
2.8.3 Vertikale Segregation
2.8.4 Horizontale Segregation
2.8.5 Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern

3. Die Dimension Gender in der Schule
3.1 Notwendigkeit der Förderung eines gendersensiblen Berufswahlverhaltens in der Schule
3.2 Der Ist-Zustand an deutschen Schulen
3.2.1 Geschlechterverhältnisse von Lehrkräften
3.2.2 Geschlechterverhältnisse in den verschiedenen Schultypen
3.2.3 Schulleistungen der Schülerinnen und deren Auswirkungen auf die Berufswahl
3.2.4 Begabung und Schulerfolg von Mädchen und Jungen
3.2.5 Mögliche Ursachen für Leistungsdifferenzen zwischen den Geschlechtern
3.2.6 Einfluss von Gender auf die Bewertung von Schulleistungen

4. Genderbewusste Strategien für den Schulunterricht
4.1 Notwendigkeit der Entwicklung von Genderbewusstsein im Schulunterricht
4.2 Kriterien eines geschlechtergerechten Unterrichts
4.3 Dimensionen eines geschlechtergerechten Unterrichts
4.4 Rituale in schulischen Geschlechterverhältnissen
4.4.1 Schulische Missachtungsrituale
4.4.2 Schulische Anerkennungsrituale
4.4.3 Selbstreflexion der pädagogischen Fachkraft
4.4.4 Sensibilität für eine gleichberechtigte Sprache
4.5 Girls´ Day

5. Schluss

Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Weiblich dominierte Berufsordnungen

Tabelle 2: Männlich dominierte Berufsordnungen

Tabelle 3: Frauenanteile in den einzelnen Studienfächern an Universitäten im Zeitraum von 1993 bis 200422

Tabelle 4: Frauenanteile in den einzelnen Studienfächern an Fachhochschulen im Zeitraum von 1993 bis 2004

Tabelle 5: Erwerbsbeteiligung der 15- bis 64-jährigen zwischen 1991 und 200430

Tabelle 6: Selected Population and Labor Force Characteristics of Women in The United States 1994

Tabelle 7: Anzahl der weiblichen und männlichen Lehrkräfte in Vollzeit und Teilzeit

Tabelle 8: Geschlechterverteilung an niedersächsischen allgemeinbildenden Schulen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Top 10 der am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufe von Frauen 2008

Abbildung 2: Top 10 der am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufe von Männern 2008

Abbildung 3: Promotionen im Jahr 2000

Abbildung 4: Anteil der Lehrerinnen und Lehrer an allen hauptberuflichen Lehrkräften im Schuljahr 2001/ 2002

Abbildung 5: Zentrale Rubriken eines geschlechtergerechten Unterrichts

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als für mich der Zeitpunkt meiner wissenschaftlichen Hausarbeit näher rückte, habe ich mir Gedanken gemacht, welchen Situationen ich mich in meinem späteren Berufsalltag als Lehrer gegenüber sehen werde. Speziell als Studierender des Faches Wirtschaftslehre sehe ich es als meine Aufgabe, die Lernenden nicht nur auf ihre Zukunft im Erwerbsleben möglichst gut vorzubereiten, sondern ihnen auch vielfältige Möglichkeiten aufzuzeigen, welche die Arbeitswelt bietet. In meinen bisherigen Praktika hatte ich den Eindruck, dass viele Schülerinnen und Schüler schon eine recht genaue Vorstellung ihres Wunschberufes hatten. Hierbei wurden oftmals gängige Stereotypen[1]für die Zuordnung bzw. Wahl eines Berufes durch das jeweilige Geschlecht bestätigt. Schülerinnen gaben als Wunschberuf oftmals Berufsordnungen an die allgemeinhin als weiblich dominiert gelten. Schüler gaben meist vermeintlich männlich dominierte Berufsordnungen an.

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, Formen von Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt aufzuzeigen und Konsequenzen aus diesen zu ziehen, um einer möglichen Benachteiligung eines Geschlechts vorzubeugen.

Meine Arbeit ist in zwei große Segmente aufgeteilt. Der erste Teil beschäftigt sich mit „Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt“. Hier versuche ich den Arbeitsmarkt unter geschlechterspezifischen Gesichtspunkten zu beleuchten und die Situation von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt darzustellen. Sowohl die Geschlechterverhältnisse auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt als auch die Erwerbssituation von Frauen werden an dieser Stelle thematisiert. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Segment ist das Geschlechterverhältnis an Hochschulen und im Wissenschaftsbetrieb.

Das zweite Segment beschäftigt sich mit der Dimension „Gender“ in der Schule und soll einerseits die Ist-Situation an deutschen Schulen darstellen und andererseits die Notwendigkeit eines geschlechtergerechten Schulunterrichts aufzeigen. Der Teil, welcher sich mit dem geschlechtergerechten Schulunterricht beschäftigt ist besonders interessant für mich, da mir das erworbene Wissen in meiner späteren Tätigkeit sicherlich sehr dienlich sein wird. In der Schule werde ich in meiner späteren Laufbahn als Lehrer auf heterogene Lerngruppen treffen, welche sich nicht nur durch Leistungsfähigkeit, Alter, Nationalität sondern auch durch das Geschlecht unterscheiden. Folglich ist der Erwerb einer Sensibilität im Umgang mit dem jeweiligen Geschlecht für eine pädagogische Fachkraft unabdingbar.

2. Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt

2.1 Der Arbeitsmarkt

In der Ökonomie wird der Arbeitsmarkt als ein Teil des Wirtschaftssystems definiert, in dem Verfügungsrechte über die Arbeitskraft des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin gegen ein Arbeitsentgelt[2]des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin getauscht werden.[3]

Grundsätzlich ist der Markt der ökonomische Ort des Tausches, an dem sich durch Angebot und Nachfrage die Preisbildung vollzieht.[4]Die Begriffe Angebot und Nachfrage beziehen sich hierbei auf das Verhalten der Menschen bei ihrem Zusammenspiel auf den Märkten. Der Markt besteht folglich aus Gruppen potenzieller Käuferinnen und Käufern und Verkäuferinnen und Verkäufer einer bestimmten Ware bzw. Dienstleistung.[5]Was den Arbeitsmarkt vom Gütermarkt unterscheidet ist, dass nicht ein Gut, sondern Arbeitskraft nachgefragt, angeboten und getauscht wird. Menschen verkaufen hier gegen Arbeitsentgelt ihre Arbeitskraft zur Verrichtung konkreter Tätigkeiten an einen Arbeitgeber, für die sie bestimmte Produkte herstellen oder Dienstleistungen ausführen. Die notwendigen Rohstoffe und Arbeitsmittel werden dem Arbeitnehmer[6]vom Arbeitgeber[7]überlassen.[8]

Beim Arbeitsmarkt handelt es sich zudem um einen unvollkommenen Markt.[9]Dies ist durch die Inhomogenität der Arbeitsleistungen zu begründen, da der Arbeitsleistung z.T. durchaus eine mangelnde Mobilität zugesprochen wird.[10]Das Angebot von Arbeit hängt von weiteren Faktoren, wie beispielsweise der Bevölkerungsgröße, Altersstruktur der Bevölkerung, Höhe des Arbeitslohnes und den Preisen wichtiger Güter ab. Demgegenüber steht die Nachfrage nach Arbeit, welche ebenso vom Lohn, von den Preisen substitutiver Produktionsfaktoren und der Güternachfrage abhängt.[11]

Der Arbeitsmarkt ist jedoch kein Markt wie jeder andere. Der Marktmechanismus koordiniert zwar auch Angebot und Nachfrage, allerdings existieren zusätzliche Regulationsmechanismen, wie beispielsweise die Arbeitsmarktpolitik.[12]Tauschobjekt des Arbeitsmarktes ist die Arbeit, welche völlig anders geartet ist als die Tauschobjekte auf anderen Märkten. Auf dem Arbeitsmarkt werden nicht Arbeitskräfte angeboten bzw. nachgefragt, sondern menschliche Arbeitsleistung, welche logischerweise untrennbar mit ihrem Besitzer verbunden ist.[13]

Eine Unterscheidung findet zwischen dem Arbeitsmarkt und dem staatlich geförderten Arbeitsmarkt statt. Der Arbeitsmarkt führt den betriebswirtschaftlich begründeten Bedarf nach Arbeitskräften von Unternehmen mit einer Nachfrage geeigneter freier Arbeitskräfte zusammen.[14] Der staatlich geförderte Arbeitsmarkt hingegen schafft es, über arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, zusätzliche Anreize für die Arbeitgeber zu schaffen. Dies bedeutet in der Praxis nichts anderes als ein Angebot von Arbeitsplätzen, welche einen Marktausgleich von Angebot und Nachfrage herbeiführen.[15]Die in der öffentlichen Diskussion wichtigste Kennzahl des Arbeitsmarktes ist die Arbeitslosenquote[16]. Natürlich gibt es weitere Kennzahlen nach denen der Arbeitsmarkt analysiert werden kann, wie zum Beispiel:

- nach den Produkten und Dienstleistungen (Wirtschaftszweige),
- nach dem Arbeitsinhalt (Berufe, Tätigkeiten),
- nach der Stellung im Arbeits- und Verwertungsprozess (Eigentümer = Unternehmer oder nur Kapitalgeber, Manager=Entscheider, aber nicht Eigentümer, Beschäftigter=Ausführender),
- nach dem Technisierungsniveau der Arbeit,
- nach dem Alter der Beteiligten,
- nach dem Geschlecht der Beteiligten[17].

Meine Arbeit wird sich im Folgenden besonders mit der Dimension Geschlecht und deren Determinanten auf dem Arbeitsmarkt beschäftigen.

Unter soziologischen Gesichtspunkten geschieht auf dem Arbeitsmarkt indes mehr. Der Arbeitsmarkt ist hier die zentrale Instanz zur Zuteilung von sozialen Positionen, gesellschaftlichem Status und Lebenschancen[18]. Folglich hat eine Nichtteilnahme an diesem Arbeitsmarkt sowohl einen Verlust von gesellschaftlichem Status als auch niedrigere Lebenschancen zur Folge. Martin Abraham und Thomas Hinz gehen in ihrem Werk „Theorien des Arbeitsmarktes“, aus dem Jahre 2005, sogar soweit, den Arbeitsmarkt als eine „Maschine der Ungleichheitsproduktion“ zu bezeichnen[19].

2.2 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Arbeitsmarktes

Um den Arbeitsmarkt und dessen statistische Erfassung verständlich zu machen, sind an dieser Stelle noch elementare Begriffe zu klären. Grundsätzlich unterscheidet die volkswirtschaftliche Statistik der Bundesrepublik zwischen so genannten Erwerbspersonen und Arbeitnehmern als Dienstleistungserbringer. Erwerbspersonen sind erwerbstätige Personen die eine Arbeit ausüben oder suchen. Zu dieser Gruppe zählen auch die Selbständigen. Der Arbeitnehmer als Dienstleistungserbringer zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er fast kein eigenes Sachkapital, sondern lediglich seine Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringt. Das notwendige Sachkapital wird vom Unternehmer gestellt.[20]

Laut statistischem Bundesamt hat die Bundesrepublik im ersten Quartal 2009 82 Millionen Einwohner, davon sind 39 858 000 Erwerbstätige. Diese unterteilen sich nochmals in Arbeitnehmer (35 435 000) und Selbstständige (4 423 000). Als Erwerbslose werden im ersten Quartal des Jahres 3 378 000 Menschen erfasst.[21]

2.3 Freie Berufswahl (Dreistufentheorie) versus geschlechterdominierte Berufsordnungen

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet in Art. 12 Abs. 1GG „allen Deutschen das Recht, den Beruf und die Ausbildungsstätte frei zu wählen“.[22] Der Staat darf keine zwangsweise Berufslenkung vornehmen, er kann lediglich Hilfen in Form von Empfehlungen (z.B. Berufsberatungsstellen) zur Verfügung stellen. Allerdings kann nach Art. 12 Abs. 1 S. 2 GG die Berufsausübung durch das Gesetz geregelt werden. Hierbei muss vom Gesetzgeber jedoch diejenige Form des Eingriffs gewählt werden, welche das Grundrecht am wenigsten beschränkt.[23] Hierzu hat das Bundesverfassungsgericht eine Dreistufentheorie entwickelt, welche auf der ersten Stufe Regelungen enthält, die rein die Berufsausübung beschreiben. Dieser Stufe sind beispielsweise Anordnungen über die Sauberkeit in Lebensmittelläden oder über den Feuerschutz in Kinos und Theatern zuzuordnen.[24] Stufe Zwei setzt sich mit Regelungen auseinander, welche die Berufsausübung von subjektiven Zulassungsvoraussetzungen abhängig macht. Hierzu zählen Hochschulabschlüsse, beispielsweise muss ein Anwalt zwei bestandene Staatsexamina nachweisen, um seinen Beruf ausüben zu können. Die dritte Stufe beinhaltet Regelungen, welche die Berufsausübung von objektiven Zulassungsvoraussetzungen abhängig macht. An dieser Stelle ist der zentrale Begriff die Bedürfnisprüfung. Hierbei wird die Prüfung der Frage verstanden, ob für die Zulassung eines weiteren Berufsanwärters ein gesellschaftliches Bedürfnis vorhanden ist oder nicht.[25]

Hier stellt sich nun die Frage, ob es Berufsordnungen gibt, die männlich dominiert sind und diesen gegenüber weitere Berufsordnungen, die weiblich dominiert sind?[26] Nachdem die gesetzliche Seite beleuchtet wurde, welche uns aufgezeigt hat, dass der Gesetzgeber jedem Bundesbürger die freie Wahl des Berufes zuspricht, soll ein Blick auf die „zehn am stärksten weiblich bzw. männlich dominierten Berufsordnungen“ einen besseren Überblick schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Binder (2007: S. 153) nach Berechnungen des SOEP (2003)

Die tabellarische Auflistung zeigt, dass es trotz der Möglichkeit der freien Berufswahl durchaus männlich wie auch weiblich dominierte Berufsordnungen gibt.

Die Tabelle macht deutlich, dass sich Männer- und Frauenberufe[27] zumeist deutlich in ihrer Tätigkeit unterscheiden.[28] Haushaltsnahe Tätigkeiten, soziale Berufe, Berufe in denen von feinmotorisch ausgeprägten Fähigkeiten profitiert wird und solche, die eine helfende bzw. assistierende Funktion haben, werden häufig von Frauen ausgeübt.[29]

In allen Gesellschaften findet sich die Verteilung von Aufgaben und Berufen in dem binären Gegensatz von weiblicher und männlicher Domäne.[30] Allerdings wird dies erst seit Beginn der 1980er Jahre hinterfragt.[31]

2.4 Geschlechterverhältnisse auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarktmarkt

Das Statistische Bundesamt ermittelte im Jahr 2003, dass die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in 5 von 87 Berufsgruppen arbeitet[32]. Die Spitzenposition nehmen in dieser Erhebung Büroberufe bzw. Kaufmännische Angestellte ein, 19,9% der erwerbstätigen Frauen arbeiten in dieser Berufsgruppe. In Gesundheitsdienstberufen arbeiten 10,3 %, dicht gefolgt vom Verkaufspersonal mit 8%. Soziale Berufe (6,8%) und Reinigungs- und Entsorgungsberufe (5,8%) folgen auf den Plätzen vier und fünf[33]. Zum gleichen Zeitpunkt lernt die Hälfte der weiblichen Auszubildenden in zehn von 360 Berufen. Die beliebtesten Ausbildungsberufe sind hierbei wiederum Bürokauffrau (7,4%), Kauffrau im Einzelhandel (6,7%) und Arzthelferin (6,4%).[34] Folglich legen sich Frauen auf eine geringe Anzahl von Berufen fest.

Laut einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2008, der aktuelle Zahlen für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt liefert, haben Mädchen und junge Frauen ein vergleichsweise eingeschränktes Berufswahlspektrum.[35]. Dies wird unter Anderem dadurch deutlich, dass 39 Prozent der männlichen Altersgenossen einen Beruf der zehn am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufe wählen, wohingegen es bei den jungen Frauen 55 Prozent sind.[36] Grundsätzlich kann deshalb von einem deutlichen geschlechterspezifischen Berufswahlverhalten gesprochen werden.[37] Junge Mädchen wählen Berufe, bei denen der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht, wie beispielsweise Kauffrau im Einzelhandel, Medizinische Fachangestellte oder Friseurin. Ebenso streben sie kaufmännische Bürotätigkeiten an, wie zum Beispiel Bürokauffrau oder Industriekauffrau.[38] Demgegenüber haben junge Männer ihre Präferenzen eher im technischen Bereich (Industriemechaniker, Kraftfahrzeugmechatroniker) und in handwerklichen Berufen (Tischler, Maler und Lackierer).[39]

Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit legte im Januar 2009 eine Analyse der Arbeitsmarktsituation für Frauen in den Bundesländern Berlin und Brandenburg vor. Hierbei wird deutlich betont, dass es bestimmte Auffälligkeiten bei der Verteilung der Auszubildenden auf die verschiedenen Ausbildungsberufe gibt: Männer und Frauen konzentrieren sich vielfach auf vom eigenen Geschlecht dominierte Arbeitsfelder[40]. Des Weiteren interessieren sich Frauen häufig für Berufe, die nicht im dualen Ausbildungssystem, sondern als vollzeitschulische Ausbildungen absolviert werden.[41] Diese Berufe (beispielsweise Gesundheitsdienst-, Pflege-, sowie Assistenzberufe im medizinischen und kaufmännischen Bereich) werden zumeist an Berufsfachschulen oder in Schulen des Gesundheitswesens vermittelt.[42] Weiterhin wird bemerkt, dass die Mehrzahl, der bei Frauen beliebten Ausbildungsberufe solche sind, die nach Abschluss der Ausbildung nur geringe Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienste ermöglichen.[43] Obwohl die Analyse für Berlin und Brandenburg durchgeführt wurde, ist sie repräsentativ, da die Fokussierung auf wenige Ausbildungsberufe kein ostdeutsches Phänomen ist und diese auch in westdeutschen Bundesländern beobachtet werden kann.[44]

Ähnliches wird von Prof. Dr. Blossfeld in „Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt“ festgestellt, welcher verdeutlicht, dass männliche Jugendliche in der dualen Ausbildung in der Mehrzahl sind. Diese Feststellung wird damit begründet, dass die Berufe, welche im Rahmen einer dualen Ausbildung erlernt werden können, sich den Interessen, Erwartungen und Berufswünschen der jungen Männer besser decken als mit denen junger Frauen.[45]

Vollzeitschulische Ausbildungen, in denen der Anteil junger Frauen sehr hoch ist, setzen meist eine höhere Allgemeinbildung voraus, sind jedoch auf dem Arbeitsmarkt weniger gut verwertbar.[46] Als Beispiel hierfür ist der Physiotherapeut genannt, dessen Tätigkeitsfeld, im Vergleich zum Industriemechaniker, relativ stark eingeschränkt ist.[47]

Hannelore Faulstich-Wieland bezeichnet in ihrer Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung, Berufe, die in beruflichen Vollzeitschulen erlernt werden als so genannte „Sackgassenberufe“, welche nur wenige Karrieremöglichkeiten bieten.[48] Ebenso haben diese Berufe kaum Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten und schaffen eine starke Konkurrenz auf dem Bewerbermarkt, welche zu einem schweren Übergang in das Berufsleben führen kann.[49]

Phillipe Alonzo und Olivier Liaroutzos benennen Sekretariate nicht nur als reinen Frauenbereich, in dem eine anscheinend unaufhebbare Trennung von Männern und Frauen innerhalb der Arbeitnehmerschaft vorherrschend ist, sondern den Beruf der Sekretärin auch als einen Sack-Gassenberuf.[50] Die Chancen für einen raschen Aufstieg in höhere Positionen innerhalb dieses Berufes werden als gering eingestuft.[51]

In den folgenden Tabellen werden die jeweils zehn meistgenannten Berufswünsche junger Menschen im Berufsberatungsjahr 2007/2008 aufgezeigt:

Abb. 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung (2008): Situation von Frauen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt – Lage und Entwicklung, S. 13.

Abb. 2:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung (2008): Situation von Frauen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt – Lage und Entwicklung, S. 13.

Die Übersicht verdeutlicht, dass sich unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen junger Frauen, mit Ausnahme der Friseurin und der Floristin, nur dienstleistende oder verwaltende Berufe wiederfinden.[52] . Industrie und Handel bilden den Schwerpunkt bei den jungen Frauen.[53] Junge Männer hingegen nutzen ein deutlich breiteres Berufsspektrum.[54] In dem engen Berufswahlspektrum junger Frauen sind technisch orientierte- und IT-Berufe in der Minderheit, so betrug bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zum Fachinformatiker/ Fachinformatikerin im Jahr 2006 der Anteil der jungen Damen lediglich sechs Prozent, beim Mechatroniker/ Mechatronikerin sogar nur fünf Prozent.[55]

[...]


[1] Der Begriff Stereotyp bezeichnet etwas Feststehendes, Unveränderliches und starre, festgelegte Vorstellungen in Bezug auf soziale Objekte. Unter sozialen Objekten sind u.a. Einzelpersonen und Personengruppen zu verstehen (Vgl.: Köck, Peter (Hg.) (2008): Wörterbuch für Erziehung und Unterricht, Augsburg: Brigg Pädagogik Verlag GmbH, S. 480).

[2] Unter dem Begriff Arbeitsentgelt sind alle laufenden oder einmaligen Einnahmen aus einer Beschäftigung zu verstehen. Vgl.: Haufe- WirtschaftsLexikon kompakt: alle wichtigen Begriffe aus Wirtschaft, Steuern, Recht. 3. Aufl., Freiburg i. Br.: Haufe, S. 21.

[3] Vgl.: Dressel, Kathrin/ Susanne Wanger (2008): Erwerbsarbeit: Zur Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. In: Becker, Ruth/ Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch der Frauen- und Geschlechterforschung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwisenschaften, S. 481.

[4] Vgl.: Wirtschafts-Lexikon (1967): 7. Auflage, Wiesbaden: Verlag Dr. Th. Gabler, S. 217.

[5] Vgl.: Mankiw, Gregory (2004): Grundzüge der Volswirtschaftslehre, 3., überarbeitete Auflage, Stuttgart: Schaeffer-Poeschel, S. 67.

[6] Arbeitnehmer ist nach dem Arbeitsrecht, eine Person, welche aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages oder eines ihm gleichgestellten Rechtsverhältnisses im Dienst eines anderen zur Arbeit verpflichtet ist. (Vgl.: Haufe- WirtschaftsLexikon kompakt: alle wichtigen Begriffe aus Wirtschaft, Steuern, Recht. 3. Aufl., Freiburg i. Br.: Haufe, S. 19.)

[7] Arbeitgeber ist, wer mindestens einen Arbeitnehmer beschäftigt. Die Rechtsform des Arbeitgebers ist unerheblich. Er ist Gläubiger des Anspruchs auf Arbeitsleistung und zugleich Schuldner des Arbeitsentgelts gegenüber dem Arbeitnehmer. (Vgl.: Haufe- WirtschaftsLexikon kompakt,a.a.O., S. 18.)

[8] Vgl.: Arbeitsagentur (2009): Arbeitsmarkt. Online (12.04.2009): http://www.arbeitsagentur.net/Arbeitsmarkt/arbeitsmarkt.html.

[9] Vgl.: Gablers Wirtschafts-Lexikon (1967),a.a.O., S.242.

[10] Vgl.: Gablers Wirtschafts-Lexikon , a.a.O., S.242.

[11] Vgl.: Gablers Wirtschafts-Lexikon, a.a.O., S.242.

[12] Vgl.: Schmid, Alfons (2005): Arbeitsmarktpolitik. In: May, Hermann (Hg.): Handbuch zur ökonomischen Bildung, München: Oldenbourg Verlag, S. 203

[13] Vgl.: Schmid, a.a.O., S. 203

[14] Vgl.: Arbeitsagentur (2009), a.a.O.

[15] Vgl.: Arbeitsagentur (2009), a.a.O.

[16] Die Arbeitslosenquote wird in der Bundesrepublik durch das Meldeverfahren ermittelt. Zu den Arbeitslosen in der Statistik der Bundesagentur zählen alle Personen, die das 15., aber noch nicht das 65. Lebensjahr vollendet haben, die beschäftigungslos sind oder nur eine kurzzeitige Beschäftigung ausüben und ein versicherungspflichtiges, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassendes Beschäftigungsverhältnis von mehr als 7 Kalendertagen suchen. Sie müssen sich persönlich beim zuständigen Arbeitsamt gemeldet haben, der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen und dürfen nicht arbeitsunfähig erkrankt sein (May, Hermann (2008): Lexikon der ökonomischen Bildung, München: Oldenbourg Verlag, S. 184).

[17] Vgl.: Arbeitsagentur (2009), a.a.O.

[18] Vgl.: Dressel, Kathrin/ Susanne Wanger (2008), a.a.O., S. 481.

[19] Vgl.: Dressel, Kathrin/ Susanne Wanger (2008), a.a.O., S. 481.

[20] Vgl.: Arbeitsagentur (2009), a.a.O.

[21] Vgl.: Statistisches Bundesamt (2009): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Online (12.04.2009)

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Content100/vgr910a,templateId=renderPrint.psml.

[22] Juristischer Informationsdienst (2009): Grundgesetz. Art. 12.1 GG. Online (15.05.2009):dejure.org/gesetze/GG/12.html.

[23] Vgl.: Rüßmann, Helmut (2009): Freie Berufswahl. Online (12.04.2009): http://ruessmann.jura.uni-sb.de/rw20/wiwieinf/wvic4d.htm#10.

[24] Vgl.: Rüßmann, a.a.O.

[25] Vgl.: Rüßmann, a.a.O.

[27] „Ein Beruf ist dann ein Frauen- bzw. Männerberuf, wenn das in dem Beruf vorherrschende Frauen-Männer-Verhältnis größer ist, als das Frauen-Männer-Verhältnis auf dem gesamten Arbeitsmarkt“ (Wiepcke, Claudia (2009): Berufsorientierung aus der Geschlechterperspektive. In: Seeber, Günther (Hg.): Ökonomische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, Schwalbach/Ts., S. 3).

[28] Vgl.: Binder, Nicole (2007): Zwischen Selbstselektion und Diskriminierung. Eine empirische Analyse von Frauenbenachteiligungen am deutschen Arbeitsmarkt anhand alternativer Indikatoren unter besonderer Berücksichtigung der Berufswahl, Dissertation, Berlin: Duncker & Humblot, S. 154

[29] Vgl.: Binder, a.a.O., S. 154.

[30] Vgl.: Cacoualt, Marlaine (2001): Einführung: Variationen über Frauen- und Männerberufe. In: Krais, Beate/ Margaret Maruani (Hg.): Frauenarbeit-Männerarbeit, Frankfurt.: Campus Verlag, S. 29.

[31] Vgl.: Cacoualt, a.a.O., S.29.

[32] Vgl.: Nungeßer, Karin (2007): Der Gender Pay Gap. In: Frauenrat 2/ 2007, S.9.

[33] Vgl.: Nungeßer, a.a.O., S. 9.

[34] Vgl.: Nungeßer, a.a.O., S. 9.

[35] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung (2008): Situation von Frauen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt – Lage und Entwicklung 2000-2008, Nürnberg, S. 4.

[36] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung, a.a.O., S. 4.

[37] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung, a.a.O., S. 12.

[38] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung, a.a.O., S. 12.

[39] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktberichterstattung, a.a.O., S. 12.

[40] Vgl.: Bogai, Dieter et. al. (2009): Die Arbeitsmarktsituation für Frauen in Berlin-Brandenburg. In: IAB Regional 01/ 2009, S. 17.

[41] Vgl.: Bogai, a.a.O., S. 17.

[42] Vgl.: Bogai, a.a.O., S. 17.

[43] Vgl.: Bogai, a.a.O., S. 17.

[44] Vgl.: Bogai, a.a.O., S. 17.

[45] Vgl.: Blossfeld, Hans-Peter et. al. (2009): Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem, 1. Aufl., Wiesbden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 111.

[46] Vgl.: Blossfeld, a.a.O.(2009), S. 111.

[47] Vgl.: Blossfeld, a.a.O.(2009), S. 111.

[48] Vgl.: Faulstich-Wieland (2004): Geschlechteraspekte in der Bildung. Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung. In: Bundesministerium für politische Bildung. Online (15.05.2009): http://www.bpb.de/files/55B5YQ.pdf, S. 2.

[49] Vgl.: Blossfeld (2009), a.a.O., S. 115.

[50] Vgl.: Alonzo, Phillipe/ Olivier Liaroutzos (2001): Die Sekretärin – ein Sackgassen-Beruf. In: Krais, Beate/ Margaret Maruani (Hg.): Frauenarbeit-Männerarbeit, Frankfurt.: Campus Verlag, S. 88.

[51] Vgl.: Alonzo, a.a.O., S. 89.

[52] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit (2008), a.a.O., S. 13.

[53] Vgl.: Faulstich-Wieland (2004), a.a.O., S. 2.

[54] Vgl.: Bundesagentur für Arbeit (2008), a.a.O., S. 13.

[55] Vgl.: Blossfeld (2009), a.a.O., S. 115.

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Konsequenzen für den Schulunterricht
Hochschule
Pädagogische Hochschule in Schwäbisch Gmünd
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
77
Katalognummer
V155868
ISBN (eBook)
9783640680856
ISBN (Buch)
9783640680467
Dateigröße
834 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschlechterdifferenzen, Arbeitsmarkt, Konsequenzen, Schulunterricht
Arbeit zitieren
Marc Bläse (Autor), 2009, Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Konsequenzen für den Schulunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155868

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Geschlechterdifferenzen auf dem Arbeitsmarkt und ihre Konsequenzen für den Schulunterricht


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden