Gesellschaftlich sind die tiergestützte Pädagogik und Therapie anerkannt. Soziale Netzwerke, visuelle und auditive Medien, aber auch Fachinformationen beleuchten hauptsächlich die positiven Aspekte der Arbeit. Kritische Nachfragen oder tierwohlbezogene Analysen zur pädagogischen Arbeit mit Tieren finden nur wenig statt oder werden nicht weiterverfolgt. Ob und wie Tiere in die Arbeit einer Frühförderung integriert werden können, wird dargestellt. Die Mensch-Tier-Beziehung ist ein tragender Wirkungsfaktor der tiergestützten Arbeit. Die Besonderheiten, die durch das besondere Arbeitsumfeld, auf die Frühförderinnen einwirken und die gesetzlichen Bestimmungen müssen aufeinander abgestimmt sein, um wirkungsvoll mit dem Kind arbeiten zu können und dem Tier durch die Arbeit keinen Schaden zuzufügen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Beispiele tiergestützter Arbeit
2.1 Delphine
2.2 Hunde
2.3 Pferde
2.4 Meerschweinchen
3 Gesetzliche Grundlagen
3.1 Artikel 20a Grundgesetz
3.2 § 2 Tierschutzgesetz (TierschG)
3.3 § 11 Tierschutzgesetz (TierschG)
4 Tier als pädagogisches Mittel
4.1 Haustier des Kindes / der Familie
4.2 Haustier der pädagogischen Fachkraft
4.3 Haustier der Kindertageseinrichtung
5 Heilpädagogische Frühförder- und Beratungsstelle (FFB)
5.1 Tagesstruktur einer Frühförderin
5.1.1 Frühfördereinheit (FFE) in der Kindertageseinrichtung
5.1.2 Frühfördereinheit (FFE) in der Häuslichkeit des Kindes
6 Kritische Sichtweisen auf mögliche Integration von Tieren in die FFB
6.1.1 Meerschweinchen
6.1.2 Hunde
6.1.3 Haustier des Kindes / Familie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für die Integration tiergestützter Maßnahmen in den Arbeitsalltag der ambulanten heilpädagogischen Frühförderung, unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen und tierethischer Aspekte.
- Analyse praktischer Beispiele tiergestützter Interventionen
- Darstellung der gesetzlichen und tierschutzrechtlichen Grundlagen
- Untersuchung der verschiedenen Einbindungsmöglichkeiten von Tieren als pädagogisches Mittel
- Einblick in die Arbeitsstruktur und die Herausforderungen einer Frühförder- und Beratungsstelle (FFB)
- Kritische Reflexion der Integration von Tieren im ambulanten Setting
Auszug aus dem Buch
4.1 Haustier des Kindes / der Familie
Haustiere können in der sozialen Arbeit eine wichtige Rolle einnehmen. Hier muss die pädagogische Fachkraft auf die besonderen Lebenslagen eingehen können (vgl. Wesenberg 2020: S. 169). Die individuellen Bedürfnisse der Familie und des Tieres müssen dabei Berücksichtigung finden. Das Haustier kann nur als Ressource angesehen werden, wenn zum einen, das Kind keine Ängste vor dem Tier hat, zum anderen muss der Pädagoge in der Lage sein, einzuschätzen, ob er das Tier mit einbeziehen kann. Das bedeutet er muss Kenntnisse über Eigenarten zur Gattung oder der Rasse besitzen, muss die tierrechtlichen Aspekte des Tierschutzes und Tierwohl kennen und die individuellen Eigenarten oder Charakterzüge des jeweiligen Tieres kennen und damit umgehen können (vgl. Wesenberg 2020: S. 101 - 108).
Familien mit Haustieren haben in einer Umfrage angegeben, dass Ihre Kinder wie folgt Veränderungen der Entwicklung zeigen. Die Umfrage wurde an 30 Familien, in denen ein Haustier mit in der Familie lebt, ausgegeben. 15 Familien mit 20 Kindern reichten Angaben zur Entwicklung ihrer Kinder ein, wobei nicht zu jedem Kind alle Angaben getroffen wurden.
Besonders hervorzuheben ist, dass keine der Familien angab, dass sich die Entwicklung der Kinder verschlechtert hat. Was darauf schließen lässt, dass Tiere nicht negativ auf die Entwicklung von Kindern wirken. Es gab keine Angaben zu negativ empfundenen Situationen mit Tieren beispielsweise Bisse durch Tiere oder Tot des Tieres. Alle aufgeführten Entwicklungsbausteine wurden gleichbleibend oder verbessert beschrieben. Verhalten zu Mitmenschen, Rücksichtnahme und Empathie zu den Eltern sind vorwiegend als gleichbleibend eingeordnet worden. Hier hat das Haustier, in der Wahrnehmung der Eltern, keinen Einfluss auf die kindliche Entwicklung. Im Gegensatz dazu gaben die Eltern an, dass sich die Ausdauer, das Verantwortungsgefühl, die aktive Sprache aber auch das Verhalten in Konfliktsituationen und der Umgang mit Tieren verbessert haben. Hier ist einzuschätzen, dass die Eltern das Tier als positiv einfließenden Faktor auf die kindliche Entwicklung wahrnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Integration tiergestützter Mittel in die Frühförderung ein und umreißt die gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie das angestrebte Ziel der Analyse.
2 Beispiele tiergestützter Arbeit: Es werden verschiedene Tierarten wie Delphine, Hunde, Pferde und Meerschweinchen hinsichtlich ihres Einsatzes in Therapie und Pädagogik anhand von Fallbeispielen dargestellt.
3 Gesetzliche Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die relevanten rechtlichen Parameter, insbesondere das Grundgesetz und das Tierschutzgesetz, die für die Arbeit mit Tieren in pädagogischen Kontexten entscheidend sind.
4 Tier als pädagogisches Mittel: Hier wird untersucht, in welcher Form Haustiere (eigene, fremde oder einrichtungsgebundene) als pädagogische Ressource in der sozialen Arbeit genutzt werden können.
5 Heilpädagogische Frühförder- und Beratungsstelle (FFB): Die Arbeitsweise und Tagesstruktur von Frühförderinnen im ambulanten Setting, sowohl in Kitas als auch in der Häuslichkeit, wird detailliert betrachtet.
6 Kritische Sichtweisen auf mögliche Integration von Tieren in die FFB: Das Kapitel bietet eine kritische Auseinandersetzung mit der praktischen und ethischen Machbarkeit von Tierintegrationen im unsteten ambulanten Arbeitsumfeld der Frühförderung.
Schlüsselwörter
Heilpädagogische Frühförderung, Tiergestützte Pädagogik, Tierschutzgesetz, Haustiere, Kindesentwicklung, Frühfördereinheit, Ambulante Förderung, Mensch-Tier-Beziehung, Tierwohl, Frühförder- und Beratungsstelle, Sozialpädagogik, Interdisziplinäre Förderung, Pädagogische Fachkraft, Inklusion, Projektarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen und praktischen Möglichkeiten, tiergestützte Mittel in den Alltag der ambulanten heilpädagogischen Frühförderung zu integrieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen rechtliche Grundlagen des Tierschutzes, Fallbeispiele aus der Praxis mit verschiedenen Tierarten sowie eine Reflexion der pädagogischen Arbeit in der Frühförderung.
Was ist die primäre Zielsetzung der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Handlungsspielräume für heilpädagogische Fachkräfte aufzuzeigen, wie sie Tiere unter Berücksichtigung des Tierwohls professionell in ihre Förderarbeit einbinden können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Kombination aus Literaturanalyse und explorativer Datenerhebung durch Interviews sowie eine kleine Elternbefragung zur kindlichen Entwicklung durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Rahmenbedingungen, die Rolle des Tieres als pädagogisches Mittel und eine spezifische Analyse der Arbeitsabläufe in der Frühfördereinheit (FFE) inklusive kritischer Reflexion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Frühförderung, tiergestützte Pädagogik, Tierschutz, ambulante Arbeit und Förderung der kindlichen Entwicklung.
Warum ist das ambulante Setting der FFB eine besondere Herausforderung für die Tierintegration?
Aufgrund der wechselnden Einsatzorte und Kitas existieren unterschiedliche Konzepte. Zudem müssen Transportzeiten und Ruhemöglichkeiten für Tiere beachtet werden, die sich im ambulanten Kontext schwer gewährleisten lassen.
Welche Ergebnisse lieferte die Elternbefragung?
Die Mehrheit der befragten Eltern berichtete, dass die Ausdauer, das Verantwortungsgefühl und der Umgang mit Tieren bei ihren Kindern zunahmen, während keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung festgestellt wurden.
- Quote paper
- Martin Metzkow (Author), 2023, Ambulant heilpädagogische Frühförderung und tiergestützte Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1558704