Chancen und Risiken bei Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus

Rechtliche Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf Schwarzarbeit


Diplomarbeit, 2010
107 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Arbeitsmarkt
2.1 Arbeitsmarkt - eine theoretische Betrachtung
2.2 Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland
2.2.1 Entwicklung der Selbstständigen in Deutschland ab 1995
2.2.2 Entwicklung von Existenzgründungen ab 1997
2.3 Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2000 bis Januar 2010
2.4 Eine kritische Betrachtung der Arbeitsmarktentwicklung
2.4.1 Entwicklung der Reallöhne und Kaufkraft
2.4.2 Lohndifferenz Ost- und Westdeutschland
2.4.3 Niedriglohnanteil
2.4.4 Zeitarbeit
2.5 Gewinner der Arbeitsmarktpolitik
2.6 Verlierer der Arbeitsmarktpolitik
2.6.1 Gesellschaft - Staatsverschuldung
2.6.2 Selbstständige und Verbraucher - Verlust an Kaufkraft
2.6.3 Selbstständige und Verbraucher - Insolvenzen
2.6.4 Familien - wegen Binnen- und Auswanderung
2.6.5 Familien - wachsendes Armutsrisiko
2.7 Öffentliche Wahrnehmung-Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit

3 Existenzgründungen
3.1 Vergütungen von Selbstständigen und GmbH-Geschäftsführern
3.2 Neuanmeldungen von Unternehmen nach Unternehmensgrößen
3.3 Aktuelle Rahmenbedingungen - Einstiegsgeld und Gründerzuschuss
3.3.1 Einstiegsgeld für Bezieher von Hartz IV - Leistungen
3.3.2 Gründungszuschuss für Arbeitslosengeldbezieher
3.3.3 Existenzgründung als Nebenerwerb - aus ALG I und Hartz IV
3.3.4 Risiken für Existenzgründer bei Einstiegsgeld und Gründerzuschuss..
3.4 Gründung von Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung
3.5 Chancen und Risiken bei Gründungen von Kleinunternehmen
3.5.1 Gründen im Direktvertrieb - Handelsvertreter und Makler
3.5.2 Gründen in Freien Berufen
3.5.3 Gründen im sozialen Bereich
3.5.4 Gründen im Einzelhandel
3.5.5 Gründen im Handwerk

4 Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft
4.1 Wann liegt nachweisbar Schwarzarbeit vor
4.1.1 Schwarzarbeit durch Arbeitnehmer
4.1.2 Schwarzarbeit durch Arbeitssuchende
4.1.3 Schwarzarbeit durch Unternehmer
4.2 Ursachen von Schwarzarbeit
4.3 Risiken für Existenzgründer und Unternehmen durch Schwarzarbeit

5 Fazit: Verbesserung von Rahmenbedingungen unaufschiebbar
5.1 Elementare Förderung von Existenz- bzw. Neugründungen
5.2 Folgen bei fehlendem politischen Handelns
5.3 Ergebnisse Online-Befragung - 100 Teilnehmer äußern sich

Anlagen

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 2: Nettolohn - und Gewinnquote Deutschland 2000 - 2008 / 1. Hj

Abbildung 2.2.2: Gründungen und Liquidationen von Unternehmen 1997-2008

Abbildung 2.4: Verhältnis Arbeitslose und Bestand gemeldete Stellen 2000-2008

Tabelle 2.4: Berechnung tatsächlicher Arbeitslosigkeit - Gesamt 2008

Abbildung 2.4: Deutschland in Ländern der EU 2008

Abbildung 2.4.2: Monatseinkommen Brutto in Ost- und Westdeutschland 2007

Abbildung 2.4.3: Anteil am Niedriglohnsektor nach Qualifikation 1995-2006

Abbildung 2.5: Entwicklung der Brutto-Unternehmensgewinne 1991-2007

Abbildung 2.6.4: Binnenwanderung Ost- Westdeutschland 1991-2006

Abbildung 3.1: Nettoeinkommen nach sozialer Stellung

Abbildung 3.1: Jahresgesamtbezüge GmbH-Geschäftsführer 2005 und 2009

Abbildung 3.1: Klassifizierung von Unternehmensgrößen nach EU-Standard

Abbildung 3.4: Berechnung monetärer Verfügungsrahmen Gründerzuschuss

Abbildung 3.4: Gründe für Kreditablehnungen

Abbildung 3.4: Defizite bei der Unternehmensgründung

Abbildung 3.5.1: CDH: Warenumsatz nach Wirtschaftsbereichen 2006 - 2007

Abbildung 4: Entwicklung der Schattenwirtschaft 1995 - 2009

Abbildung 4: Schattenwirtschaft nach Sektoren 2010

Abbildung 4.2: Wechselwirkung von ökonomische Faktoren

Abbildung 5: Gerechtere Verteilung von Einkommen und Arbeit

Abbildung 5.2: Rentenzahlbetrag in Ost- und Westdeutschland bis 2020

Abbildung 5.3: Ergebnis Online-Befragung zum Arbeitsmarkt

Abbildung 5.3: Ergebnis Online-Befragung zu Schattenwirtschaft in Deutschland53 Abbildung 5.3: Ergebnis Online-Befragung zu Existenzgründung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Hat Deutschland die cleversten Unternehmer oder die faulsten Arbeitslosen?

Verfolgte man in den ersten Tagen dieses Jahres aufmerksam die aktuellen Nach­richten, stieß man, abgesehen von den Beiträgen zu den Folgen und Ursachen der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise, unweigerlich auf weitere lebhaft diskutierte The­men und Schlagzeilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1 2 3 4 5

Deutschland ist in den Jahren von 2003 bis 2008, ohne eine Unterbrechung, Export­weltmeister gewesen, in 2008 weit über Eintausend-vierhundert Mrd. Dollar. Die Ge­winne der Unternehmen stiegen kontinuierlich in den letzten Jahren, 2008 wurde die höchste Rendite seit 1997 realisiert.

Wurden in Zeiten des industriellen Booms durch Investitionen in Betriebsstätten tau­sende von Arbeitsplätze geschaffen, verdreht sich dieser Faktor im Zeitalter des Wandels zur Dienstleistungsgesellschaft und des technologischen Fortschritts, wo im Vergleich zu den Investitionen nur noch wenige, dafür jedoch hochqualifizierte neue Arbeitsplätze entstehen. Letztendlich hat die industrielle Entwicklung mehr Arbeit­nehmer als Unternehmer hervorgebracht, die gegenwärtig in der Lage wären, ein adäquates Arbeitsplatzangebot anbieten zu können.

Problematisch dabei ist: Indem lediglich ein äußerst reduzierter Teil der tatsächlichen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wird, wird der Bevölkerung und den Wählern ein völ­lig verzerrtes Bild der tatsächlichen Arbeitsmarktsituation suggeriert. Zieht man in diesem Kontext die Gewinnentwicklung der Unternehmen und die positive Export­wirtschaft bis 2008 hinzu, entstand bei den Arbeitslosen der Eindruck: Nicht mehr lange, dann wird wieder alles besser, jeder partizipiert an der positiven Entwicklung, viele neue, gutbezahlte Jobs seien in Aussicht. Raffgier und Verantwortungslosigkeit von Banken und Spekulanten hat letzten Endes die Hoffnung auf ihren persönlichen Aufschwung von Millionen Menschen auf Jahre zerstört.

Laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI), der Hans-Böckler- Stiftung, erlebte Deutschland in den letzten Jahren dagegen eine anhaltende Vertei­lungsdramatik. Die Agenda 2010 kennt nur wenige Gewinner, die Verliererseite be­schreibt: Die selbe hohe Arbeitslosigkeit, anwachsender Niedriglohnsektor und Leih­arbeit, steigende Armut, Verlust an Kaufkraft, exorbitante Staatsverschuldung, per­manent leere Kassen der Kommunen - die Glaubwürdigkeit politischer Eliten wird nicht nur dieser Tage in Frage gestellt. Betrachtet man dabei die Entwicklung Deutschlands im europäischen Vergleich, darf und muss man sich die Frage stellen:

- Welche Chancen haben die Menschen, ganz speziell die über 5 Millionen tatsäch­lich von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen, in Deutschland dieser Tage?
- Gibt es zu viele Arbeitslose oder zu wenig Unternehmer?

2 Arbe its markt

Die politischen Entscheidungsträger verbuchten den bis vor kurzem andauernden konjunkturellen Aufschwung als ihren Erfolg. Während auf der einen Seite satteste Nettogewinne der Kapitalgesellschaften von 29,8 % in 1991 bis 2008 mit 35,8 % zu verzeichnen waren, haben sich die Gewinne der Selbstständigen eher moderat, die Nettolohnquote am gesamten volkswirtschaftlichen Einkommen sogar zu Lasten der Arbeitnehmer negativ entwickelt. Zu den Ursachen der negativen Nettolohnentwick­lung zählen die geringe Reallohnentwicklung im Kontext steigender Verbraucherprei­se, der massive Ausbau der Leiharbeit und des Niedriglohnsektors sowie eine anhal­tend hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland im letzten Jahrzehnt.1 (siehe Anlage 1: Entwicklung Verbraucherpreisindex 1992)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nettolohn - und Gewinnquote Deutschland 2000 - 2008 / 1. Hj.

2.1 Arbeitsmarkt - eine theoretische Betrachtung

Auf dem Arbeitsmarkt stellt sich, bei flexiblen Löhnen, nach der klassischen Volkswirtschaftslehre stets der Vollbeschäftigungs-Reallohnsatz und die gleichge­wichtige Arbeitsmenge ein.

Eine bedeutende Rolle wird dabei dem s.g. Lohnmechanismus beigemessen, wel­cher besagt, dass bei bestehender Arbeitslosigkeit, die Konkurrenz unter den Ar­beitslosen den Lohnsatz so lange sinken lässt, bis sich Vollbeschäftigung einstellt. Entgegengesetztes gilt, solange die Nachfrage nach Arbeitskräften anhält.2

Folgt man dieser Theorie, hätten nur wenige Anbieter von Arbeit ein Interesse daran, über dem was absolut notwendig ist, ein Mehr an Arbeitsplätzen anzubieten. Weni­ger Konkurrenz unter den Arbeitslosen würde steigende Löhne nach sich ziehen, was wiederum weniger Gewinn bedeuten würde.

Nach der Theorie des Lohnmechanismus kann man dem Problem einer verfestigten und hohen Arbeitslosigkeit, in der Löhne durch andauernde Konkurrenz zwischen den Arbeitssuchenden gegen Null gehen, nur dann wirksam entgegenwirken, wenn das Angebot an Arbeit gesteigert würde. Bleibt scheinbar als einziger Ausweg nur dieser, dass ein bestimmter Anteil von jenen, die bisher Arbeit nachgefragt haben, selbst zu Anbietern von Arbeit werden und somit die Nachfrage an Arbeitskräften steigt.

2.2 Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland

2.2.1 Entwicklung der Selbstständigen in Deutschland ab 1995

Selbstständige sind Personen, die einen Betrieb oder eine Arbeitsstätte gewerblicher oder landwirtschaftlicher Art leiten. Dazu gehören Handwerker, freiberufliche Tätig­keiten, Hausgewerbetreibende und durch die BA geförderte Selbstständige. (siehe Anla­ge 2: wichtige Definitionen Arbeitsmarkt)

Während der Anteil der Selbstständigen an allen zivilen Erwerbstätigen der Europäi­schen Union von 17,9% in 1995 auf 15,9% in 2007 abnahm, nahm in Deutschland der Anteil von 10,7% in 1995 auf 12,05% in 2007 kontinuierlich zu. Dennoch liegt die Selbstständigenquote in Deutschland rund 4%-Punkte niedriger als im europäischen Durchschnitt. (siehe Anlage 3: Ländervergleich Selbstständigenquote)

Gab es 1995 über 3.7 Mio. Selbstständige, so waren es im Jahr 2007 über 4.451 Mio. Selbstständige inklusive unbezahlter Familienangehörige. Dieser Trend setzte sich ebenfalls in 2008 fort. Hier wurden in Deutschland inklusive der Neuanmeldun- gen 4.465 Mio. Selbstständige registriert.3

2.2.2 Entwicklung von Existenzgründungen ab 1997

Im Jahr 2009 wurden insgesamt 538.200 Neugründungen registriert. Davon waren:

- Betriebe mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung 116.500 21,6 %

- Kleinunternehmen 222.400 41,4 %

- Nebenerwerbsbetriebe 199.200 37,0 %

Dem gegenüber mussten jedoch 428.200 Aufgaben registriert werden, was bereinigt einen Zuwachs von 110.000 Unternehmen ergibt, das entspricht 20,4 %. (siehe Anlage 4:

Neugründungen von Unternehmen und Aufgaben 2009)

Die Bundesregierung unterstützt seit Jahren mit wechselnden Programmen die Auf­nahme einer selbstständigen Tätigkeit für Arbeitslose. Dabei können Existenzgründer in der Vor- wie Nachgründungsphase verschiedene Gründerprogramme in Anspruch nehmen. Gefördert werden wirtschaftliche, finanzielle und organisatorische Inhalte die zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Das betrifft die gewerbliche Wirtschaft wie Handel, Handwerk, Industrie, Gast- und Fremdenverkehrsgewerbe, Handelsvertreter und -makler, sonstiges Dienstleistungsgewerbe, Verkehrsgewerbe und Angehörige der Freien Berufe.

Dennoch scheint es in Deutschland schwierig zu sein, ein neues Unternehmen nachhaltig am Markt zu etablieren. So haben laut Institut für Mittelstandforschung in den Jahren 1997 bis 2008 lediglich 790.000 Unternehmen von 5,766 Mio. Neugrün­dungen "überlebt".

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2.2: Gründungen und Liquidationen von Unternehmen 1997-2008

2.3 Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2000 bis Januar 2010

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat sich seit dem Jahr 2000 sehr wechsel­haft entwickelt. So waren im Jahr 2000 ca. 3,9 Mio., 2004 ca. 4,4 Mio. und im Jahr 2008 ca. 3,3 Mio. Personen offiziell als Arbeitslose registriert.4

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte für Januar 2010 folgende Arbeitsmarkt­kennzahlen:5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem gegenüber wurde ein Bestand an offenen Stellen gemeldet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bundesweit kamen somit 7 Bewerber auf einen offenen Arbeitsplatz.

2.4 Eine kritische Betrachtung der Arbeitsmarktentwicklung

Die Arbeitslosenquote errechnet sich aus dem Verhältnis: Anzahl Arbeitslose (Alter 15 bis 64 Jahre) bezogen auf das zivile Erwerbspersonenpotenzial (Abhängig Be­schäftigte + Selbstständige und mithelfenden Familienangehörigen abzüglich Solda­ten). Von diesem zivilen Erwerbspersonenpotenzial wird eine s. g. Stille Reserve, auch verdeckte Arbeitslosigkeit genannt, abduziert.

Zu der bereits vorhandenen "Stillen Reserve” werden seit Mai 2009 zusätzlich jene Personen aus der offiziellen Arbeitsmarktstatistik heraus gerechnet, die mittels Ver­mittlungsgutscheine über private Arbeitsvermittler in eine neue Beschäftigung vermit­telt werden sollen. Daraus ergibt sich für den Januar 2010 eine tatsächliche Arbeits­losigkeit von 5.161.373 Personen, die keiner Beschäftigung nachgehen können, mit derer sie ihre Existenz sichern. Die Arbeitslosenquote liegt demnach nicht bei 8,6 %, sondern bei schätzungsweise 13 %. Eine ausführliche Berechnung kann erst mit Vor­lage des abschließenden Arbeitsmarktberichtes 2009 der BA erfolgen.

Zu diesen rund 5,2 Mio. Arbeitslosen kommt noch jene nicht genau definierbare Gruppe hinzu, die arbeitsfähig ist aber nicht als Arbeitslose registriert sind bzw. die­jenigen, die die Arbeitsuche entmutigt aufgegeben haben, aber bei guter Arbeits­marktlage Arbeitsplätze nachfragen würden. Schätzungen zufolge liegt die tatsächli­che Arbeitslosenzahl um 5,5 Mio. Arbeitslose.

Zu den genannten 465.000 offenen Stellen sind der BA weitere 222.000 Stellenan­gebote aus der JOBBÖRSE und 137.000 aus dem Job-Roboter der privaten Arbeits­vermittlung bekannt, so dass den rund 5,2 Mio. Arbeitslosen 815.000 verfügbare Arbeitsplätze gegenüber stehen. Auf jedes Stellenangebot kommen somit im Januar 7 Bewerber und ein Mangel oder Minderangebot von rund 4,4 Mio. benötigten Ar­beitsplätzen! Betrachtet man die Arbeitsmarktsituation inklusive der verdeckten Ar­beitslosigkeit, so ergibt sich aus den Jahren 2000 - 2008 ein Mittelwert von 5.938.853 Mio. Arbeitslosen, denen gegenüber im Schnitt 475.000 offene Stellen standen, bun­desweit kamen somit 12,5 Bewerber auf eine offene Stelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4: Verhältnis Arbeitslose und Bestand offen gemeldete Stellen 2000 - 2008

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.4: Berechnung tatsächliche Arbeitslosigkeit - Gesamt 2008

Bewertet man die Stellung Deutschlands in Europa mit Bezug zur Arbeitslosenquote, Exportquote und Mindestlöhne, liegt Deutschland nur auf Rang 21 der Arbeitslosen­quote bei 1.465 Mrd. $ Exportvolumen - Ostdeutschland würde mit Abstand das Schlusslicht bilden!6 (siehe Anlage 5: Top 20 der Exportländer weltweit)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.4.1 Entwicklung der Reallöhne und Kaufkraft

Für Arbeitnehmer wie auch für Unternehmen ist der Reallohn entscheidend, da er ausschlaggebend für den Konsum ist. Heißt also, wie viele Güter bzw. Dienstleistun­gen können sich Erwerbspersonen von ihrem Lohn leisten, welcher letztendlich Ein- fluss auf die gesamte Kaufkraft und Binnennachfrage hat.7

Während im Zeitraum 2000 - 2008 z. B. in Österreich die Löhne um + 2,9 %, in Frankreich um + 9,6 % in Großbritannien um + 26,1 % gestiegen sind, hat sich die Lohnentwicklung in Deutschland um - 0,8 % negativ entwickelt. (siehe Anlage 6: Veränderung Reallöhne 2000 - 2008)

Bei der Reallohnentwicklung in Deutschland gehören seit 1990 Ärzte mit ca. - 50 % bis Wachleute mit - 19,2 % bzw. Grafiker und Designer mit + 86 % bzw. Kfz- Mechaniker mit + 19,8 % zu den Verlierern bzw. Gewinnern.

2.4.2 Lohndifferenz Ost- und Westdeutschland

Im Jahr 2007, Jahr 17 deutscher Einheit, besteht nach wie vor ein Lohnunterschied von monatlich - 530 € bis - 1.025 € bei einer geleisteten Arbeitszeit von + 1,5 Std. zum Nachteil der Arbeitnehmer in Ostdeutschland.8

Das sind Lohnunterschiede, die im Jahr - 6.360 € bis - 12.300 € pro Beschäftigten ausmachen. Produzierende Unternehmen mit 100 Beschäftigten in Ostdeutschland hätten im Jahr - 1.230.000 € bei einer Mehrarbeitszeit von + 1.800 Std. Personalkos­ten gegenüber anderen Regionen eingespart. Selbst diese massiven Unterschiede haben, mit wenigen Ausnahmen, nicht dazu beigetragen, dass sich in Ostdeutsch­land ausreichend neue Unternehmen aus den alten Bundesländern oder aber auch aus dem Ausland ansiedelten, um somit ein äquivalentes Arbeitsplatzangebot nach der De-Industrialisierung Ostdeutschlands seit den 1990er Jahren zu schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4.2: Monatseinkommen Brutto in Ost- und Westdeutschland Stand 2007

2.4.3 Niedriglohnanteil

Während 1995 alle EU-Staaten mit einer hohen anhaltenden Langzeitarbeitslosigkeit tiefgreifende Reformen der Sozialsysteme zu mehr Eigenverantwortung vorgenom­men haben, ist dieser Reformprozess an Deutschland und Griechenland seinerzeit partiell vorbei gegangen. Vor allem Finnland*, die Niederlande*, Großbritannien* und Dänemark* konnten ihre Langzeitarbeitslosen zum Teil drastisch reduzieren.9(* siehe Abbildung 2.4, S. 9)

In Deutschland wurden erst 2003 die mittlerweile umstrittenen Hartz-Gesetze einge­führt mit dem Ziel, bisherige Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger in einer Behörde zu vereinigen und somit allen eine aktive Arbeitsvermittlung zu gewährleisten und darüber den Sozialhilfeempfängern eine Rückkehr in den 1. Arbeitsmarkt zu ermögli­chen. Seither werden drei Arbeitsverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt unterschieden:

- Minijob (Bruttoverdienst bis 400 Euro/Monat)
- Niedriglohn-Job (Bruttoverdienst von 400,01 bis 800,00 Euro/Monat)
- reguläres Beschäftigungsverhältnis (Bruttoverdienst ab 800 Euro/Monat).

In Deutschland wurde ganz bewusst ein Niedriglohnsektor geschaffen, um ursprüng­lich geringqualifizierten Personen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Ge­genüber 1995 ist dann der Niedriglohnanteil in Deutschland um gut 43% gestiegen, 2006 wurden rund 6,5 Mil. Personen in diesem Bereich beschäftigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4.3: Anteil am Niedriglohnsektor nach Qualifikation 1995-2006

Bemerkenswert ist jedoch, dass im Jahr 2006 nur 26,4% geringqualifizierte Arbeits­kräfte beschäftigt waren aber der Anteil mit abgeschlossener/qualifizierter Berufs­ausbildung von 58,6% in 1995 auf 67,5% im Jahr 2006 deutlich angestiegen ist, so­gar Beschäftigte mit einem FH - / Uniabschluss haben einen Anteil von 6,1 bis 7,5 Prozent.10

Im Januar 2007 konnten 1.093.000 Arbeitnehmer trotz Vollzeitbeschäftigung nicht einmal mehr das Mindesteinkommen erzielen um ihre Existenzen zu sichern und mussten vom Staat zusätzlich Leistungen nach SGB II beziehen. Durchschnittlich lag das Brutto-Einkommen lediglich bei 617 Euro im Monat.11

2.4.4 Zeitarbeit

Bei der Zeitarbeit werden Arbeitnehmer von einem Zeitarbeitsunternehmen, bei dem sie angestellt sind, an ein anderes Unternehmen entliehen, welches vorübergehend Arbeit anbietet (auch Arbeitnehmerüberlassung, Leiharbeit, Personalleasing, Leihar­beit genannt) - die Arbeitnehmerüberlassung war bis 1971 verboten.

Dieses Verbot wurde mit den Hartz-Gesetzen 2003 aufgehoben, seither dürfen ge­liehene Beschäftigte zeitlich unbegrenzt eingesetzt werden und auch der Umfang, in dem Leiharbeit genutzt wird, ist jedem Unternehmen selbst überlassen! Während die Leiharbeit zunächst dafür gedacht war, in geringem Umfang Personalausfälle auszu­gleichen, wurde sie im weiteren Verlauf wegen ihrer flexiblen Beschäftigungsmög­lichkeit zu Lasten von gebräuchlicher Beschäftigung erheblich ausgeweidet.

Laut Hans-Böckler-Stiftung wird Leiharbeit mittlerweile verstärkt von Unternehmen im strategischen Sinne eingesetzt um Renditen zu stabilisieren. Rund 900.000 Men­schen waren laut IG-Metall 2008 bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Leiharbeiter ver­dienen bei gleicher Arbeit, gleicher Qualifikation bis zu - 40% weniger Lohn gegen- über festangestellten Mitarbeitern im selben Unternehmen.12

In Phasen des Konjunkturabschwungs ist die Situation von Leiharbeitnehmern be­sonders schwierig, sie sind die ersten, die in Krisen ihre Arbeitsplätze verlieren. So haben im Herbst 2008 430.000 Leiharbeitskräfte innerhalb der letzten 12 Monate ihren Job verloren. Jeder achte (12,4 %) Zeitarbeitnehmer in Deutschland verdient nach Angaben des DGB so wenig, dass er ergänzend Hartz IV-Leistungen erhält.

Der DGB geht davon aus, dass von den in 2006 556.202 Beschäftigten Leiharbeit- nehmern etwa 69.000 zusätzlich staatliche Unterstützung beziehen mussten.13

2.5 Gewinner der Arbeitsmarktpolitik

Die politischen Entscheidungsträger selbst können im wesentlichen keine Arbeits­plätze schaffen, das ist Aufgabe der Unternehmen. Politik kann bei Bedarf konjunktu­relle Maßnahmen einleiten, die durch die Vergabe von staatlichen Aufträgen an die Wirtschaft Einfluss auf die Konjunktur nehmen können. Ansonsten haben sie jedoch die Aufgabe, gesetzliche Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass nach Möglich­keit Einkommen und Arbeit gerecht verteilt wird. Dies geschieht im Wesentlichen durch die Lenkung mittels Steuer- und Abgabenregelungen bzw. mittels arbeits­marktpolitischer Gesetzgebung.

Anhand der Bruttogewinnentwicklung im Sinne der VGR ist zu erkennen, dass insbe­sondere Produktionsunternehmen sowie Banken und Versicherungen zu den unein­geschränkten Gewinnern zählen. Die Gewinne der Produktionsgesellschaften ma­chen laut Statistischem Bundesamt einen Anteil von 63% des gesamtvolkswirtschaft­lichen Gewinns in 2007 aus, Mitte der 1990er Jahre lag diese Quote noch unter 50 %! Die Umsatzrenditen stiegen seit 1997 auf das höchste Niveau, der Mittelzufluss einschließlich Außenfinanzierungen und Neuemissionen nahm um 34 % zu. Der Ge­winnanteil der Banken schwankt seit 1991 zwischen 12 % und 16 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5: Entwicklung der Brutto-Unternehmensgewinne 1991 - 2007

Im Jahr 2006 wurden lediglich 10 Prozent des Mittelzuflusses in Sachwerte investiert, 90 Prozent flossen in die Geldvermögensbildung der Unternehmen - unter normalen Umständen hätten eigentlich neue Arbeitsplätze entstehen können.14

2.6 Verlierer der Arbeitsmarktpolitik

Wissenschaft und Politik sind sich nicht einig darüber, ob der Niedriglohnsektor ge­wohnte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze eher verdrängt. Eines ist jedoch erwiesen, die Anzahl prekärer Arbeitsplätze hat in den letzten Jahren erheblich zu­genommen.

2.6.1 Gesellschaft - Staatsverschuldung

Zu den Verlierern gehören vor allem die Gesellschaft im Ganzen und folgende Gene­rationen dazu. Trotz permanent ansteigender Staatsverschuldung mit Stand von 1.720 Mrd. € Ende 2009, lassen es die politischen Entscheidungsträger weiterhin zu, dass Unternehmen, gesetzlich rechtmäßig, ihren Beschäftigten so niedrige Löhne zahlen können, dass die Gesellschaft aus Steuergeldern für deren Lebensunterhalt aufkommen muss und Unternehmen satteste Gewinne einstreichen.

2.6.2 Selbstständige und Verbraucher - Verlust an Kaufkraft

Der Gewinnanteil am volkswirtschaftlichen Gesamtgewinn von Selbstständigen und Einzelunternehmern im Bereich Private Haushalte, einschließlich Wohnungsvermie­tungen, ist im Zeitraum von 1997 von 38 % auf rund 22 % im Jahr 2007 gesunken. Darin liegt eine der Ursachen der hohen Anzahl von Geschäftsaufgaben und der da­raus resultierenden geringen Selbstständigenquote in Deutschland.15

Nicht nur, dass die Frage nach gerechten und fairen Löhnen und Arbeitsplatzschaf­fung grundsätzlich neu beantwortet werden muss, redliche Unternehmen mit fairen Löhnen können dem Lohndumping anderer Unternehmen nicht mehr beikommen, sie verlieren Aufträge auf Grund der Marktverzerrung, die Lohnspirale dreht sich weiter abwärts und Insolvenzen sind die Folge.

2.6.3 Selbstständige und Verbraucher - Insolvenzen

Auf Grund hoher und verfestigter Arbeitslosigkeit, Ausweitung des Niedriglohnsektors und Leiharbeit sowie sinkender Reallöhne der letzten Jahre, kann man eine dramati­sche Überschuldung von privaten Personen und Haushalten, wie auch Unternehmen beobachten. Wurden 1995 rund 28.700 Insolvenzen noch im Ganzen gemeldet, wa­ren es 2007 über 164.000 Insolvenzen, ein Zuwachs von 82,5 %! (siehe Anlage 7: Anzahl der Insolvenzen ab 1950)

2.6.4 Familien - wegen Binnen- und Auswanderung

Familien werden getrennt: Ursache der Abwanderung, von überwiegend jungen Menschen ganzer Regionen, sind wirtschaftlich nachteilige Verhältnisse.

Binnenwanderung: Ausdruck dieser Entwicklung ist letztendlich eine anhaltende Binnenwanderung von Ost- nach Westdeutschland: Bereits zwischen 1949 und dem Mauerbau 1961 sank die Einwohnerzahl der ehemaligen DDR kontinuierlich. Mangel an Demokratie und Freiheit, aber auch das ständig zunehmende West-Ost­Wohlstandsgefälle waren die wichtigsten Motive der Massenabwanderung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.6.4: Binnenwanderung Ost- Westdeutschland 1991 - 2006

Von 1990 bis 2006 (ab 1991: ohne Berlin) wanderten insgesamt rund 2,8 Millionen Personen in die alten Bundesländer aus, vor allem die Aussichten auf einen Ausbil- dungs- bzw. Arbeitsplatz waren dabei die Hauptmotive.16

Auswanderungen: Laut Statistischem Bundesamt haben im Jahr 1970 lediglich 50.000 Menschen Deutschland verlassen. In 2006 waren es über 155.300, die Deutschland den Rücken gekehrt haben, das ist die höchste Zahl deutscher Aus­wanderer seit dem Jahr 1954. Über 50 % davon sind Führungskräfte der Privatwirt- schaft und Wissenschaftler, das Durchschnittsalter lag bei 32,2 Jahren.17

Motive für die Abwanderungen sind mit 29,9 % die Einkommens- und Beschäftigten- situation, 26,6 % Berufs- und Einkommensperspektiven, 19,9 % Steuern und Abga­ben, 11,8 % höherer Lebensstandard und weiteres. (siehe Anlage 8: Hauptgründe der Abwanderun­gen aus Deutschland)

2.6.5 Familien - wachsendes Armutsrisiko

In Deutschland machen sich 85 % große Sorgen um Armut, am höchsten ist das Ar­mutsrisiko in den ostdeutschen Bundesländern. In Mecklenburg-Vorpommern war die Armutsgefährdungsquote 2007 mit 24,3 Prozent deutschlandweit am höchsten. Ge­mäß der Definition der Europäischen Union ist die Armutsgefährdungsquote der An­teil der Personen, die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen müssen. Wer in Deutschland weniger als 9.370 Euro (781 €/Monat) im Jahr verdient, gilt als armutsgefährdet. Weltweit ist Armut das größte Problem überhaupt, sagen 76 % der Deutschen.18

2.7 Öffentliche Wahrnehmung-Chancengleichheit und soziale Gerech­tigkeit

Der Staat versucht mit erheblich finanziellem Steueraufwand mit verschiedensten Bundesprogrammen, geregelt in den Sozialgesetzbüchern SGB II und III, wie Ein­stiegsgeld, Beschäftigungszuschüsse, Förderung der Berufsausbildung, Berufsvor­bereitende Bildungsmaßnahmen, Berufsausbildung Benachteiligter, Einstiegsqualifi­zierungen, Ausbildungsbonus etc. Unternehmen zu animieren zusätzliche Arbeits­plätze zu schaffen bzw. bestehende zu halten und Erwerbspersonen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen.

Andererseits wird in den Medien regelmäßig ein Leistungsmissbrauch von Hartz-IV- Empfängern beklagt, wir erleben ein nie dagewesenes und unüberschaubares Aus­maß an Steuerhinterziehung, Korruption, Verlust an parteilicher Glaubwürdigkeit und sinkenden Wahlbeteiligungen und seit Jahren einen rasenden Anstieg der Schwarz­arbeit von 241 Mrd. € in 1995 auf rund 360 Mrd. € in 2010.

Im Januar 2010 wurden 17.532 Gründungen geförderte, das ist die höchste Zahl an Zugängen durch den Gründungszuschuss seit seiner Einführung im Jahr 2006. In­wieweit es sich hierbei um Mitnahmeeffekte handelt um den Einstieg in Hartz-IV noch etwas zeitlich hinaus zu verzögern, bleibt abzuwarten.

Auch wenn kurzfristig die höchsten Zugänge von Gründerzuschüssen registriert wer­den, verzeichnet Deutschland in der Gesamtbetrachtung einen erheblichen Rück­gang des Gründungsgeschehens seit Jahren. Grund dafür sind die oft unüberschau­baren Risiken die Selbstständigkeit mit sich bringt. Missglückten Existenzgründern bleibt oft nur die Insolvenz und der Weg in erneute Arbeitslosigkeit oder Schwarzar­beit.

Welche Chancen sich Existenzgründern aus der Arbeitslosigkeit heraus tatsächlich bieten und welchen Risiken sie ausgesetzt sind bzw. ob die Programme Einstiegs­geld und Gründerzuschuss, unter Betrachtung geringerer Nachfrage und hoher Li­quidationsquoten noch Zeitgemäß sind, soll im weiteren evaluiert werden.

3 Existenzgründungen

Die Motive für die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit können unterschiedli­cher nicht sein. Einige Personen neigen zu selbstständiger Tätigkeit, um ihre Chan­cen am Markt zu testen und ihr Leben frei von fester und abhängiger Angestelltentä­tigkeit zu verwirklichen.

Möchte man Folgerungen aus der wirtschaftspolitischen Arbeitsmarktentwicklung der letzten 30 Jahre in Deutschland ziehen, so muss man zu dem Ergebnis gelangen, dass es für viele geschickte Menschen, die vergebens auf Arbeitssuche sind, es der­zeit nur einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit gibt, der Weg in die Selbstständigkeit.

3.1 Vergütungen von Selbstständigen und GmbH-Geschäftsführern

Im besten Fall führt Selbstständigkeit zu dauerhafter wirtschaftlicher Unabhängigkeit, was sich auch in den Einkommensverhältnissen widerspiegelt. Nach Abzug von Steuern, Sozialabgaben und existentiellen Kosten, wie Miete, Lebensmittel u.s.w., verbleibt nach dem Rheinisch Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung 2009 ein s.g. verfügbares Nettoeinkommen. So ergeben sich monatliche Nettoeinkommen von Personen im Kontext ihrer sozialer Stellung.(Anlage 9: Vergütung GmbH-GF und verfügbares Nettoeinkommen nach sozialer Stellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1: Nettoeinkommen nach sozialer Stellung

Bei Geschäftsführern von GmbHs und Unternehmergesellschaften, wo die Gehälter Betriebsausgaben sind und somit unmittelbar die Steuerlast der Gesellschaften verringern, ist die Höhe der Gehälter abhängig von der Unternehmensgröße. Geschäftsführer mit bis zu 10 Beschäftigten verdienten im Bezugsjahr 2009 im Median 83.000 €, bei Unternehmen mit 10 bis 50 Beschäftigten verdienten sie über 140.000 € und bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten verdienten die Geschäftsführer mehr als 256.000 € im Jahr.

Betrachtet man die Entwicklung der Geschäftsführervergütungen von Industrie bis Dienstleister aus den Erhebungsjahren 2005 und 2009, so haben sich die Bezüge der Geschäftsführer in diesem Zeitraum im Median um 22,3 % erhöht.

3.2 Neuanmeldungen von Unternehmen nach Unternehmensgrößen

Seit mehr als 10 Jahren werden Gründungen aus EU - Mitteln, dem Bund und den Ländern mittels regionaler Förderprogramme unterstützt. Auf diese Weise soll die wirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Regionen angekurbelt werden und Ar­beitssuchenden eine berufliche Neuorientierung ermöglicht werden.19

Die Europäische Kommission hat mit Wirkung ab 01.01.2005 Unternehmen nach ih­rer wirtschaftlichen Bedeutung gegliedert. Diese Empfehlung betrifft alle Politikberei- che der Gemeinschaft innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1.2: Klassifizierung von Unternehmensgrößen nach EU-Standard

Neuanmeldungen insgesamt: Im 1. - 3. Quartal 2009 haben sich von 538.200 Neu­gründungen nur 110.000 Unternehmen am Markt durchsetzen können, das sind ge­rade mal 20,4%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Saldo der Zugänge und Abgänge ergibt sich somit ein Unternehmenszuwachs in den einzelnen Kategorien: (Anlage 3: Neugründungen von Unternehmen und Aufgaben 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Betriebe mit größerer Wirtschaftlicher Bedeutung sind Unternehmen, die auf Grund ihrer Rechtsform und deren Beschäftigtenzahl auf eine größere wirtschaftliche Be­deutung schließen lassen. Der Anteil innovativer Gründungen, die gerade in wirt­schaftlich schwierigen Zeiten so wichtig sind, liegt lediglich bei knapp 15 %. Dazu zählen im wesentlichen Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern und einem Um­satz größer als 2 Mio. €/Jahr. Diese Art von Unternehmen werden überwiegend aus Universitäten und Hochschulen heraus gegründet bzw. sind es Ausgründungen aus bereits bestehenden Unternehmen.

Mit rund 116.000 Neuanmeldungen von Januar bis September 2009 ist das der ge­ringste Teil der Neuanmeldungen, was sicher auch auf einen erhöhten Kapitalbedarf zurück zu führen ist. Im Jahr 2009 wurden durch die KfW-Bank 27.000 Unternehmen mit einem Finanzierungsvolumen von 4,1 Mrd. € unterstützt, das ist eine durch­schnittliche Finanzierungssumme von über 151.000 € je Vorhaben.21

Kleinunternehmen: Das breite Gründergeschehen wird weiter von kleinen und kleins­ten Gründungsprojekten dominiert. Laut EU-Klassifizierung sind damit Betriebe ge­meint, die weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigen und weniger als 10 Mio./Jahr Um­satzvolumen aufweisen.

Im verarbeitenden Gewerbe machten sich lediglich 4 % der Gründer selbstständig. Drei von vier Gründern (72 %) hatten keine Mitarbeiter, der Bruttobeschäftigungsef­fekt je Neugründung betrug 1,6 vollzeitäquivalente Stellen. Mit 86 % Prozent ist der Dienstleistungssektor besonders ausgebildet, somit setzt sich die Umwandlung einer Industriegesellschaft in eine Dienstleistungsgesellschaft weiter fort.2 Dazu gehören im wesentlichen Einzelunternehmer, Freie Berufe, hauptberufliche Handelsvertreter im privaten und gewerblichen Bereich, Makler, Handwerksbetriebe, Einzelhandel, Einrichtungen der Gastronomie und kleine GmbHs.

Gerade Kleinunternehmen mit einer Zuwachsquote von - 3,6 % haben es offensicht­lich besonders schwer sich am Markt dauerhaft zu positionieren.

Nebenerwerbsbetriebe sind Betriebe, die neben einem bestehenden Arbeitsverhält­nis betrieben werden und weniger als 50 % des Gesamteinkommens ausmachen, wie z. B. landwirtschaftliche Familienbetriebe im Weinbau. Mehr Geld, Freude an der eigenen Arbeit, das Hobby zum Beruf machen aber auch Kurzarbeit, sinkende Ge­hälter oder Stundenreduzierungen sind die Hauptmotive für Gründungen neben der festen Arbeit.

[...]


1 Vgl. Zeit ONLINE 28.01.2010, http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-01/siemens-stellenabbau- deutschland

2 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (BA), http://statistik.arbeitsagentur.de/statistik/index.php

3 Vgl. Zeit-ONLINE 09.02.2010, http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-02/hartz-iv-urteil

4 Vgl. Wirtschaftswoche, Heft 4/2010 vom 25.01.2010, Seiten 22-24

5 Vgl. Welt Online, 18. Januar 2010, http://www.welt.de/wirtschaft/article5898107/Krise-treibt- Schattenwirtschaft-weiter-an.html

1 Vgl. Hans-Böckler-Stiftung, WSI-Verteilungsbericht 11+12/2008, S. 587-588

2 Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Stuttgart 2006, S. 299

3Vgl. Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch, Arbeitsmarktdaten 2009, Seiten 81

4 Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Jahresabschlussberichte 2000-2010, http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/interim/arbeitsmarktberichte/jahresamb. shtml

5Vgl. Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht Januar 2010, http://www.pub.arbeitsagentur.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf

6Vgl. BA für Arbeit, Arbeitsmarktbericht 2008, Seite 197

7Vgl. DGB, http://www.mindestlohn.de/meldung/wsi-mindestloehne-in-europa, 01.03.2010

8Vgl. http://www.wirtschaftslexikon24.net/cl/preisinclex/preisinclex.htm

9 Vgl. Hans-Böckler-Stiftung, WSI Mitteilungen 11+12/2008, S. 590-591

10Vgl. Baßeler/Heinrich/Utecht Grundlagen und Probleme der Volkswirtschaft, Stuttgart 2006, S. 789

11 Vgl. Forschungsergebnisse aus dem Institut Arbeit und Qualifikation 2008-01, Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf, Universität Duisburg

12 Vgl. Monitor Arbeitsmarktpolitik, Erwerbstätige im SGB II-Leistungsbezug, Oktober

2007, S. 5

13 Vgl. Hajo Holst: Disziplinierung durch Leiharbeit? Neue Nutzungsstrategien von Leiharbeit und ihre arbeitspolitischen Folgen, in: WSI-Mitteilungen 3/2000

14 Vgl. http://www.dgb.de/presse/pressemeldungen/pmdb/pressemeldung_single?pmid=2953

15Vgl. Hans-Böckler-Stiftung, WSI-Verteilungsbericht 2008, S. 588-589

16 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: http://www.bib demographie.de/nn_750732/DE/ DatenundBefunde/Wanderungen/binnenwanderung.html sowie ARD Tageschau, www.tagesschau.de/binnenwanderung100.html, 03.10.2009

17 Vgl. http://www.bib-demografie.de/cln_099/nn_749852/DE/DatenundBefunde/Wanderungen/ deutsche_ wanderer.html#mitte,-text

18 Vgl. Statistisches Bundesamt, Armut in Deutschland, http://de.statista.com/themen/120/armut-in- deutschland

19 Vgl. Haufe-Verlag, Index 710213, Studie BBE media GmbH "Welche Vergütungen GmbH- Geschäftsführer erhalten", 2005 und 2009

20 Vgl. http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/factsfigureanalysis/sme%20definition/index_en.htm

21 Vgl.KfW Gründungsmonitor,http://www.kfw.de/DE_Home/Presse/Pressearchiv/2009/20090604.jsp

Ende der Leseprobe aus 107 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken bei Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus
Untertitel
Rechtliche Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf Schwarzarbeit
Hochschule
Technische Akademie Wuppertal e.V.
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
107
Katalognummer
V155880
ISBN (eBook)
9783640687251
ISBN (Buch)
9783640711475
Dateigröße
3558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Existenzgründung, Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit, ALG I, ALG II, Gründerzuschuss, Einstiegsgeld, Gründen im Handwerk, Gründen im Einzelhandel, Arbeitsmarkt, Gründen im Direktvertrieb, Gründen im sozialen Bereich, Gründen in Freie Berufe
Arbeit zitieren
Mathias Tretschog (Autor), 2010, Chancen und Risiken bei Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155880

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