Fernando de Rojas - 'La Celestina'

Das Wirken der Fortuna, das pessimistische Weltbild Petrarcas und die Limpieza de sangre in der Celestina


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Entstehungsgeschichte
1.2. Kurzbiographie von Fernando de Rojas
1.3. Kurze Inhaltszusammenfassung

2. Das pessimistische Weltbild de Rojas´ mit Bezug auf Petrarca

3. Das Wirken der Fortuna in La Celestina

4. Limpieza de sangre und das Problem der Conversos in La Celestina
4.1. Vorgeschichte
4.2. Limpieza de sangre in der Celestina

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

"La Celestina ocuparía el primer lugar entre las obras de imaginación españolas si no existiese el Quijote."

Diese Worte stammen von Menéndez Pelayo, einem spanischen Gelehrten und Kritiker aus dem späten 19. Jahrhundert.[1] Sie beschreiben gut die Wichtigkeit des Werkes La Celestina von Fernando de Rojas für die spanische und die Weltliteratur. Bis heute gibt es Verfilmungen dieses Buches, was zeigt, dass es nach über 500 Jahren noch immer nicht an Faszination verloren hat. Auch der „Mythos“, der sich um die Autorschaft dieses Werkes rankt, trägt seinen Teil dazu bei.

In dieser Arbeit soll auf einige Aspekte näher eingegangen werden. Dazu gehören das Wirken der Fortuna in La Celestina, das pessimistische Weltbild mit Bezug auf Petrarca und das Problem der Conversos und der Limpieza de sangre im Spanien zur Zeit der Katholischen Könige und wie sich diese Themen im Buch widerspiegeln.

1.1. Entstehungsgeschichte

Bis heute ist nicht hundertprozentig bewiesen, wer der Verfasser dieses bedeutenden Werkes des Spätmittelalters war. Ein großes Problem diesbezüglich ist, dass die Erstausgabe der Celestina nicht überliefert wurde. Auch der heutige Titel La Celestina ist nicht der ursprüngliche. Er tauchte erstmals in italienischen Übersetzungen von 1519 auf, in Spanien sogar erst 1569.[2]

Die Publikationsgeschichte beginnt vermutlich im Jahre 1499 in Burgos. Die dort erschienene editio princeps umfasste 16 Akte und wurde anonym und ohne Titel veröffentlicht. 1500 und 1501 erschienen in Toledo und Sevilla zwei weitere Ausgaben, auch ohne Verfasserangabe, jedoch mit dem Titel Comedia de Calisto y Melibea. Der Text ist mit der ersten Edition identisch, enthält aber zusätzlich das Vorwort El Auctor a un su amigo, außerdem noch eine Abfolge von 11 Oktaven, in denen auch der Autor spricht, eine kurze Inhaltsangabe und nochmals einige Oktaven, allerdings vom Herausgeber Alonso de Proaza. Ein Jahr später gab es allein fünf weitere neue Auflagen, vier von ihnen mit dem neuen Titel Tragicomedia de Calisto y Melibea. Die fünfte hieß Libro de Calisto y Melibea y de la puta vieja Celestina (vgl. Titelbild). Doch auch der Text wurde erweitert. Zwischen dem 14. und 15. Akt wurde der Tratado de Centurio eingeschoben. Damit hat diese Fassung 22 Akte.[3] Die Tragicomedia erzielte einen gewaltigen Erfolg beim zeitgenössischen Publikum. Während von der Comedia nur drei Drucke überliefert sind, wurde die Tragicomedia bis 1634 etwa hundertmal neu aufgelegt und in viele Sprachen übersetzt.[4]

Eine weitere Besonderheit dieser Ausgabe stellen die einleitenden Oktaven El Auctor a un su amigo dar. Sie bilden, wie die abschließenden Verse von Alonso de Proaza enthüllen, ein Akrostichon dessen jeweils am Versanfang stehende Buchstaben folgenden Satz ergeben: EL BACHILLER FERNANDO DE ROJAS ACABO LA COMEDIA DE CALISTO Y MELIBEA Y FUE NASCIDO EN LA PUEBLA DE MONTALBAN.[5] Damit war der Autor gefunden.

1.2. Kurzbiographie von Fernando de Rojas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 1: Fernando de Rojas

Fernando de Rojas, 1465 in Puebla de Montalbán (Toledo) geboren, war getaufter Jude, also ein Converso. Seinen akademischen Titel (Bachiller) erwarb er sich durch ein Jurastudium an der Universität von Salamanca. Seit 1507 lebte er in Talavera de la Reina wo er 1538 Bürgermeister wurde. Dort lernte er auch seine zukünftige Frau Leonor Alvárez de Montalbán kennen, die ebenfalls aus einer konvertierten Familie stammte. Gemeinsam hatten sie sieben Kinder. Im Jahre 1541 starb er in Talavera. Als Schriftsteller ist von ihm nur La Celestina bekannt.[6]

Also wurde nun durch das Akrostichon Fernando de Rojas als Autor genannt, aber was bedeutet Fernando de Rojas „acabó la comedia“? Im Vorwort steht, er habe den ersten Akt der Celestina in Salamanca entdeckt und während eines Ferienaufenthalts zu Ende geschrieben. Er nennt an dieser Stelle auch die Namen dessen mögliche Verfasser: Juan de Mena und Rodrigo Cota.[7] Dass der erste Akt nicht von de Rojas stammt, gilt weitgehend als erwiesen, da er sich aus den anderen heraushebt, weil er viel länger ist als die übrigen 15 Akte. Moderne Untersuchungen haben zudem bestätigt, dass das Vokabular und die Sprachstrukturen des ersten Aktes vom Rest abweichen.[8] Sicher bleibt aber, dass Fernando de Rojas bei der Entstehung der Celestina auf jeden Fall eine zentrale Rolle gespielt hat.

1.3. Kurze Inhaltszusammenfassung

Der Jüngling Calisto verliebt sich in die schöne Jungfrau Melibea, diese geht jedoch nicht auf seine Annäherungsversuche ein. Aus Verzweiflung über ihre Ablehnung wendet sich Calisto im Vertrauen an seinen Diener Sempronio, der ihm rät, die stadtbekannte Kupplerin Celestina um Hilfe zu bitten. Von Calisto betraut, Melibeas Herz für ihn zu gewinnen, verschafft sich Celestina bald Zugang zu Melibea und kann sie dazu überreden, Calisto ein Treffen zu gewähren. Pármeno, ein anderer Diener Calistos, versucht seinen Herrn zunächst von diesem Vorhaben abzubringen, scheitert jedoch in seinem Bemühen. Durch magisches Garn, mit dem Celestina den Widerstand Melibeas bricht, werden Calisto und Melibea schließlich ein Liebespaar. In der Zwischenzeit erkauft sich Celestina Sempronios und Pármenos Loyalität, indem sie beiden Männern jeweils eine Geliebte zuspielt (Sempronio erhält Elicia und Pármeno Areúsa), woraufhin diese fortan versuchen, gemeinsam mit Celestina, materiellen Profit aus Calistos Liebe zu Melibea zu schlagen.

Als Celestina von Calisto ihre Entlohnung erhält, will sie nicht mit ihren Komplizen teilen, woraufhin sie von Sempronio erstochen wird.

Die beiden Diener versuchen zu fliehen, werden aber gefangen genommen und kurz darauf gehängt.[9]

Doch auch das Glück Melibeas und Calistos bleibt nicht beständig: Als Calisto bei einem nächtlichen Besuch im Garten seiner Geliebten von draußen ein Geräusch hört, will er nachsehen, ob sich seine neuen Diener, die für ihn Wache gestanden haben, in Schwierigkeiten befinden. Dabei stürzt er von einer Leiter und stirbt.

[...]


[1] Vgl. http://www.arsliber.com/bibliofilia/celestina/index.htm

[2] Vgl. Eberhard Leube: Die “Celestina”. München (1971), S.5f.

[3] Vgl. Eberhard Leube: Die “Celestina”. München (1971), S.7f.

[4] Vgl. Volker Roloff: Das spanische Theater vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Düsseldorf (1988), S.24f.

[5] Vgl. Fernando de Rojas/ Camilo José Cela: La Celestina. Barcelona (1979). S.13 – 16.

[6] Vgl. Eberhard Leube: Die “Celestina”. München (1971), S.8f.

[7] Juan de Mena (1411 – 1456) war ein spanischer Dichter. Er studierte an der Universität Salamanca, lernte in Rom die altklassische Literatur kennen und wurde nach seiner Rückkehr Sekretär und Chronist des Königs Johann II, Vater von Isabella der Katholischen. De Mena gilt als der Vater der spanischen Dichtkunst und wurde von Zeitgenossen sehr bewundert.

Über Rodrigo de Cota ist wenig bekannt. Man weiß nur, dass er ein Jude aus Toledo war und Ende des 15. Jahrhunderts lebte. Auch ihm wird der erste Akt der Celestina zugeschrieben.

Quelle: www.es.wikipedia.org

[8] Eberhard Leube: Die “Celestina”. München (1971), S.8f.

[9] An dieser Stelle ist in manchen Ausgaben der Tratado de Centurio eingefügt: Elicia und Areúsa wollen den Tod ihrer Liebhaber Sempronio und Pármeno rächen und beauftragen Centurio, Calisto zu töten.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Fernando de Rojas - 'La Celestina'
Untertitel
Das Wirken der Fortuna, das pessimistische Weltbild Petrarcas und die Limpieza de sangre in der Celestina
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Proseminar Geschichte und Kultur Spaniens zur Zeit der Katholischen Könige
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V155886
ISBN (eBook)
9783640688166
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
La Celestina, Fernando de Rojas, Conversos, Limpieza de Sangre, Petrarca, Fortuna
Arbeit zitieren
Magistra Artium Bettina Müller (Autor), 2007, Fernando de Rojas - 'La Celestina', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155886

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