Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader)


Seminararbeit, 2010

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader)

1. Einleitung

2. Die prähistorische und vordynastische Zeit

3. Die frühdynastische Zeit

4. Das Reich von Akkade

5. Der Übergang, die Gutäer und Gudea

6. Der letzte sumerische Höhepunkt: Ur III

7. Isin und das Ende der Sumerer

8. Literatur

1. Einleitung.

Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick über die Geschichte der Sumerer (und damit zwangsweise verbunden auch der Akkader) geben.

Die Sumerer lebten um ca. 4000 v. Chr. bereits in Mesopotamien, dem heutigen Iraq und dort vor allem an den beiden großen Flüssen Euphrat und Tigris in Meeresnähe. Die Sumerer gelten als Ursprung der menschlichen Zivilisation vor allem deshalb, weil sie als erstes Volk eine Schrift hatten – zumindest eine, von der wir wissen. Gegen 2000 v. Chr. aber ging ihre Sprache langsam unter, da ihr Volk sich mit den semitischen Akkadern vermischte, welche danach die dominierende Ethnie bis zu den Eroberungen von Persern und Griechen bildeten.

Die Arbeit wird die Geschichte zwischen 5000 und etwa 2000 v. Chr. erzählen, soweit sie bekannt ist. Das größte Problem hierbei sind die meist nicht genau festlegbaren Daten, zu denen ein Ereignis stattgefunden hat. Es gibt unterschiedliche Systeme die Zeit dieser Geschichte einzuteilen, von Versuchen zu genauen Jahren über etwas weniger genaue Angaben hin zu besonders groben; absolut (z.B. anhand von gemeldeten Sonnenfinsternissen) bis relativ (in Schätzungen von z.B. Generationen von einem Punkt an zurückgehend). Aufgrund der Quellen dieser Arbeit (vor allem Edzard und Selz) orientieren sich zeitliche Angaben an diesen, also der mittleren Variante. Hin und wieder kann sich aber auch eine kurze, also „genaue“ Angabe einschleichen. Allgemein sei gewarnt, dass solche Zeitangaben lieber mit Vorsicht zu genießen sind.

Die Arbeit wird sich vor allem auf politische Geschichte konzentrieren, nur wenig von Archäologie, Literatur, Wirtschaft und Sozialsystem erwähnen.

Solange sich für eine Zeit keine erzählenden Texte finden lassen, ist die wichtigste Quelle meist die Archäologie. Das bedeutet, dass man sich nur an Funden und selten Bildern orientieren kann, bei denen man kaum genau zu sagen vermag, was sie bedeuten, ohne eventuell falsch zu liegen. Wirkliche Texte kamen erst spät auf und von diesen betreffen die meisten nur die herrschenden Oberschichten. Hierzu sei gesagt, dass Selz interessante neue Ansichten betreffend die Bevölkerung hat, die hier auch erwähnt werden sollen[1].

Neben Archäologie, Bildern und Texten ist eine weitere wichtige Quelle noch die sogenannte sumerische Königsliste. Die jüngere wurde erstellt nachdem die Sumerer als Volk bereits verschwunden waren, eine ältere noch zu ihren Zeiten. Diese beginnt aber auch erst irgendwann in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends[2] und ist besonders für die Anfangszeit sehr ungenau. Sie erzählt von legendären Herrschern, die vor der Flut regierten, und dann schon eher fassbaren nach der Flut. Sie suggeriert eine fortlaufende Herrschaft über ganz Sumer, die unter unterschiedlichen Königen in unterschiedlichen Städten saß. In Wirklichkeit zeigt sie damit aber nur einzelne Herrscherdynastien, die besonders wichtig erschienen, während gleichzeitig noch andere Stadtstaaten und Königreiche existierten[3].

Wichtig ist vielleicht noch der Hinweis, dass das Land zwischen den Flüssen vor mehreren tausend Jahren noch nicht so arg unwirtlich war wie heutzutage. Zunächst einmal begann auf der Erde vor etwa 6.000 Jahren wieder langsam eine kühlere Periode, während der die Menschen möglicherweise wärmere Breiten aufsuchten. Zweitens lagen die Flüsse damals anders und damit womöglich optimaler für die Vegetation. Drittens fing der Mensch erst zu dieser Zeit an, die Natur auszunutzen, was später z.B. zum Verschwinden der Wälder in Zagros und Libanon führte. Viertens kann man wohl auch sagen, dass es aufgrund fehlender angepasster Kältekleidung einfach angenehmer war, im Warmen zu leben. Auch gibt es wohl noch einige andere Gründe.

2. Die prähistorische und vordynastische Zeit.

Wann die Sumerer nach Mesopotamien kamen, ist unklar. Gut möglich, dass sie schon seit der Menschenwanderung dort lebten. Verwandtschaft mit anderen Völkern lässt sich daher auch nicht mehr feststellen.

Um 10.000 befand sich die Region noch in der Steinzeit. Revolutionäre Fortschritte erzielte man etwa zwischen 9.500 und 8.700, als sich die Architektur von rund zu eckig wandelte, man anfing Feuersteinklingen zu benutzen und auch schon Getreide anbaute[4]. Bis 7.700 entstand ein Totenkult, was bedeutet, dass man begann den Tod als Übergang zu etwas anderem zu betrachten und gleichzeitig sich seiner Vorfahren erinnerte[5].

Einen gewaltigen Sprung machte die Menschheit dann, als man in den nächsten etwa 200 Jahren anfing gebrannten Ton zu benutzen. Das bedeutet dreierlei: Erstens heißt es, dass man mehr Werkzeuge und Geschirr benutzte. Zweitens lassen sich über entsprechende Überreste mehr über die damaligen Menschen herausfinden und anhand der Einheitlichkeit materieller Kultur und ihrer Verbreitung in der Welt nun „Kulturhorizonte“ definieren, was heißt, dass diese Menschen mindestens Kontakte zueinander unterhielten. Auch lässt sich durch gleiche Kultur nun in der Archäologie genauer feststellen, was zeitlich zusammengehört[6]. Drittens aber vor allem begann damals die Entwicklung der Schrift: In der Wirtschaft fing man an zu inventarisieren und dafür mit Tonmarkern (Tokens) zu zählen. Diese wiederum sammelte man in Tonkugeln (Tonbullen). Später erhielten diese knappe Markierungen, aus denen sich dann wohl die Schriftzeichen entwickelten[7].

Um 5.000 ging die Steinzeit über in die Kupfersteinzeit und die Nutzung von Kupfer begann. Viele Fundstücke aus der Zeit gibt es in Tell Ḥalaf (welches die Stadt Gozan war, zeitweise im Reich Mitanni). In der später heiligen sumerischen Stadt Eridu, der womöglich ältesten sumerischen Stadt, fand sich bereits ein Tempel für den Weisheitsgott Enki.[8] Dieser Tempel wurde auf einer Lehmterrasse als Schutz vor Hochwasser gebaut, woraus sich später die bekannten Zikkurrat, die Stufentempel, entwickelten[9].

Bis etwa maximal 3.500 befand sich die Menschheit in der sogenannten Zeit von Tell 'Obēd (antiker Name unklar, aber unfern von Eridu), womit die Bronzezeit begann. Sie definiert sich über die verwendete Keramik, welche in Eridu begann und bis zur Zeit von Uruk reicht. Ihre Ausbreitung war außer Mesopotamien noch Elam (West-Iran) und Tilmun (Bahrain). Damit war bereits ein hohes Kulturniveau erreicht, nur die Schrift fehlte noch. In der Wirtschaft kannte man schon Bewässerung, Viehzucht, und Töpferei, es gab Leder und Textilien, man im- und exportierte. Es lässt sich für die Zeit bereits eine Urbanisierung und langsame Landflucht feststellen, wobei Eridu[10] (sumerisch: Nun bzw. Eridug) und Uruk (sumerisch: Unug, biblisch: Erech) wohl schon uralt waren. Möglicherweise siedelten sich auch mehr Menschen aus kälteren Erdgebieten an. Es entstanden Monumentalbauten, vor allem Tempel und als älteste Städte lassen sich fassen: Eridu (bereits gegen 2.000 verlassen, aber noch Jahrhunderte als Heiligtum genutzt), Uruk (bewohnt bis etwa 700 n. Chr.), Ur (sumerisch Urim und biblisch Ur Kesdam, bewohnt bis etwa 500 v. Chr.), Larsa (sumerisch Larag, biblisch Ellasar), Girsu (sumerisch Ngirsu, bewohnt bis etwa 0 Chr.), Lagaš[11] (bewohnt bis vielleicht 100 n. Chr.), Umma, Nippur (bewohnt bis knapp 700 n. Chr.), Kiš (bewohnt bis etwa 0 Chr.), Sippar (sumerisch Zimbir) und weniger bedeutende. Als zusätzliche Quellen lassen sich Steinbilder und Rollsiegel finden[12]. Die Völker damals waren die Sumerer in Süd-Mesopotamien, die Elamer im Hochgebirge im Osten und Semiten (Akkader, Amurriter) an den Rändern Mesopotamiens, vielleicht sogar schon im Norden[13].

Etwa 3.900 bis 3.400 war die frühe und mittlere Uruk -Zeit mit Uruk als Zentrum der Kultur. Uruk war die wohl am längsten besiedelte Stadt Mesopotamiens (neben Nippur) und gilt als Zentrum der Schriftentwicklung. Zunächst nutzte man die Schrift für die immer gewaltiger werdende Wirtschaft in Form einfacher Buchungslisten, die später mit bestimmten Personengruppen verbunden wurden. Weiterhin setzte man bereits Verträge auf und begann auch den Listenwahn, bei der die Welt in Listen kategorisiert wird[14], teils auch als Übersetzungslisten.

Etwa 3.400 bis 2.900 ist die Zeit des späten Uruk und von Ğemdet Naşr (historischer Name unbekannt, aber unfern Babylon und Kiš). In Uruk finden sich immer mehr Texte, so nun auch Verwaltungstexte und -listen und Schriften der Tempelverwaltung[15]. Die Bevölkerung Uruks verzehnfachte sich auf 25.000 bis 50.000 bei einer Fläche von gut 440 Hektar (= etwa 4,4 km²)[16]. Die Stadt und dort vor allem der Tempel wurden zu einem Zentrum, das Erträge sammelte und wieder verteilte, während es im kleinen Rahmen auch Privatwirtschaft gab[17]. Die Nahrung wurde zentral gesammelt und dann durch sogenannte Glockentöpfe wieder ausgegeben, wodurch Risiken für die Bevölkerung gemindert wurden. Die bekannte Uruk-Vase zeigt den EN (ein Titel), der damals laut Selz in die kultischen Bereiche des Wirtschaftskreislaufes eingebunden war und wohl die Nahrung verwaltete. Auch bekannt sind die Großplastik über Löwenjagd und die Maske einer Frau[18]. Das Individuum war damals noch unwichtig, dessen Funktion wichtiger. Die meisten Menschen waren Arbeiter und bei gewaltigen Bauten wie dem Tempel Eanna mussten teils mindestens 1500 Menschen 5 Jahre lang bauen. Die Städte und vor allem die Zikkurrats, die Tempeltürme, stifteten eine bindende Einheit der Menschen als Symbol der Gesellschaft, weshalb auch Städte vergöttlicht wurden[19]. Auch muss es schon Institutionen gegeben haben, die Konflikte regelten[20].

In Ğemdet Naşr fand man weitere archaische Texte: Verwaltungstexte und Wirtschaftsabrechnungen, über die man von Titeln wie sanga (Tempelverwalter) und ugula é-gal (Vorsteher des großen Hauses – Tempel oder Palast?)erfährt. Die Frage hierbei ist, ob dort ebenfalls sumerisch gesprochen wurde, oder bereits Akkadisch, denn das nahe Kiš ist bekannt als einer der ältesten Orte in denen Akkader lebten.[21] Es lässt sich damit die Frage stellen, ob im Süden (um Uruk) die Sumerer und im Norden (um Kiš) die Akkader lebten[22].

Am Ende dieser Zeit beginnen auch langsam die Texte in Städten die zwischen Uruk und Ğemdet Naşr liegen, so wie Ur, Lagaš, Kiš und Umma[23].

Die Königsliste nennt für diese Zeit schon Namen, die man aber nicht belegen kann: In Eridu: Alulim, Alalngar; in Bad-tibira: En-men-lu-ana, En-men-gal-ana, Dumuzid: in Larag (Larsa): En-sipad-zid-ana: in Zimbir (Sippar): En-men-dur-ana; in Šuruppak: Ubara-Tutu[24]. Der letzte König von Šuruppak baute dann laut Legende die Arche um seine Leute zu retten vor der Flut.

Tatsächlich wurde Šuruppak (heute al-Fāra) zu dieser Zeit vernichtet, weshalb sehr viele Texttafeln aus dieser Zeit erhalten sind. Die Inhalte betreffen Verwaltung (Strukturen unbekannt), Privatverträge (mit Bestandteilen, wie Käufer, Verkäufer, Zeugen), Literatur (v.a. Beschwörungen), Götterlisten (gesamtsumerisch: An, Sohn Enlil Hauptgott, dann Inanna, Enki, Nanna, Utu. Sowohl Hierarchie und Verwandtschaft, als auch lexikalisch-etymologisch)[25]. Interessant ist hierbei, dass viele Tafeln in Privathäusern gefunden wurden, also nicht zentral, weshalb sich fragen lässt, ob es Privatwirtschaft gab, von der man kaum etwas weiß[26].

Auch in Abu Şalābīḫ bei Nippur finden sich aus dieser Zeit Tafeln. Diese sind lexikalisch, literarisch (Zyklen, Hymnen) und sogar schon ein akkadischer Text stammt aus diesem süd-sumerischen Ort[27].

Mit dieser Flut endete dann auch die vorgeschichtliche Zeit und wir betreten die eigentlich Historie.

[...]


[1] Vgl. Selz, S. 22f.

[2] Anmerkung: Fortan wird die Angabe „v. Chr.“ weggelassen. Bei Angaben von Jahrtausenden und Jahrzehnten muss man beachten, 'umgekehrt' zu denken. Die Zweite Hälfte des 5. Jahrtausends ist also die Zeit zwischen 4500 und 4000 v. Chr.

[3] Vgl. Edzard, S. 38ff.

[4] Vgl. ebd., S. 17f.

[5] Vgl. ebd., S. 19.

[6] Vgl. ebd., S. 18.

[7] Vgl. ebd., S. 26f.

[8] Vgl. ebd., S. 22.

[9] Vgl. ebd., S. 38.

[10] Trotz Kenntnis der sumerischen Namen nennt man die Städte für gewöhnlich bei ihren besser bekannten akkadischen Namen.

[11] Anmerkung zur Aussprache: š=sch, ansonsten am Deutschen orientieren. Vokale mit Längenstrich werden lang gesprochen. Bei arabischen Wörtern im Folgenden ist Ğ=dsch.

[12] Vgl. Edzard, S. 29f.

[13] Vgl. ebd., S. 34.

[14] Vgl. ebd., S. 33f. und Selz, S. 25.

[15] Vgl. Selz, S. 26f.

[16] Vgl. ebd., S. 31.

[17] Vgl. ebd., S. 32.

[18] Vgl. ebd., S. 37f.

[19] Vgl. ebd., S. 33f.

[20] Vgl. ebd., S. 31f.

[21] Vgl. ebd., S. 43f.

[22] Vgl. Selz, S. 44.

[23] Vgl. ebd., S. 43.

[24] Vgl. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Sumerian_King_List&oldid=371690664

[25] Vgl. Edzard, S. 48ff.

[26] Vgl. Selz, S. 48.

[27] Vgl. Edzard, S. 50f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader)
Hochschule
Universität Leipzig  (Altorientalistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V155903
ISBN (eBook)
9783640695850
ISBN (Buch)
9783640696079
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Geschichte, Sumerer, Akkader), akkad, akkadisch, sumerisch, altorientalistik, frühgeschichte, bronzezeit, steinzeit, irak, iraq, iran, mesopotamien, uruk, ur, gilgamesh, gilgamesch, politik, politische geschichte, larsa, an, sin, sargon, tigris, euphrat, griechen, perser, ur-nansche, ur-namma, gudea, gutäer, semiten, semitisch
Arbeit zitieren
Andre Schuchardt (Autor:in), 2010, Eine kurze Geschichte der Sumerer (und Akkader), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155903

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