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Flugschriftenautorinnen der Reformation und ihre Rechtfertigungslehre

Title: Flugschriftenautorinnen der Reformation und ihre Rechtfertigungslehre

Term Paper , 2003 , 30 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Henning Radermacher (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Nicht nur Theologen äusserten sich zur Reformation, immer wieder waren es auch
Laien, welche mit Flugschriften auf sich aufmerksam machten. Darunter Vertreter
verschiedenster Gesellschaftsschichten und Berufe, auch einige Frauen waren unter
den Laienautoren zu finden.
Eine Elementare Gemeinsamkeit der Flugschriftenautorinnen ist die Rechtfertigungslehre,
die Legitimation ihres öffentlichen Auftretens, ihr Selbstverständnis. Meist mit
Bibelzitaten argumentierend, versuchten sie die Zweifel an ihrem Recht, sich in die
theologische Diskussion einzumischen, zu zerstreuen.
Anhand je eines Werkes der drei bekanntesten Verfasserinnen von Flugschriften der
frühen Reformation soll in dieser Arbeit aufgezeigt werden, was sie bewegte an die
Öffentlichkeit zu treten, mit was für Schwierigkeiten sie als Frau und Laie zu kämpfen
hatten, welche Themen sie beschäftigten, und vor allem wie sie ihr Auftreten rechtfertigten. Argula von Grumbach
Nicht nur reformatorische Zeitgenossen wie Günzburg, Hubmaier, Lotzer, Osiander1
und natürlich Luther selbst2 äusserten sich wohlwollend über Argula, auch in historischen
Werken fand sie im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Beachtung. Doch es
waren vorerst fast ausschliesslich Pietisten, welche sich ihrer erinnerten. Im 1572 erschienen
‚Historien der Martyrer’3 wird Argula von Grumbach viel Platz eingeräumt.
Dadurch, dass sie mit ihren Publikationen ihr Leben riskiert habe, gebühre ihr ein
Platz unter Gottes Zeugen und Märtyrern, vor allem auch aufgrund ihres Trostes und
der Ermutigung für das weibliche Geschlecht.4 So auch 1688 bei Seckendorff5, und
1730 bei Salig, welcher sie als grosse Liebhaberin der Wahrheit und der Lehre Luthers
bezeichnet und von ihrem tiefen Glauben beeindruckt ist.6 [...]

1 MATHESON, PETER, Argula von Grumbach : A woman’s voice in the reformation, Edinburgh 1995, S. 47
2 Es gibt allerdings keinen Beweis, dass Luther je eine Flugschrift Argulas gelesen hat.
3 RABUS, LUDOVICUS, Historien der Martyrer. Ander Theil, Strassburg 1572, S. 348-383
4 ebd. S. 375, vgl. auch MATHESON, Argula, S. 47
5 SECKENDORFF, VEIT LUDWIG VON, Commentarius historicus et apologeticus de Lutheranismo, Frankfurt/
Leipzig 1688, S. 320
6 SALIG, CHRISTIAN, Historie der Augspurgischen Confession, Halle 1730, S. 263

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 FORSCHUNGSSTAND

3 LAIENFLUGSCHRIFTEN DER FRÜHEN REFORMATION

4 FRAUEN IN DER REFORMATION

4.1 Die Bedeutung der Reformation für Frauen

4.2 Publizierende Frauen der Reformationszeit

5 ARGULA VON GRUMBACH

5.1 Biographie

5.2 „Wie eyn Christliche / fraw des adels...“

6 KATHARINA ZELL

6.1 Biographie

6.2 „Entschuldigung Katharina Schützin / für M. Matthes Zellen...“

7 URSULA WEIDA

7.1 Biographie

7.2 „Wyder das unchristliche schreyben...“

8 RECHTFERTIGUNGSLEHRE – DAS SELBSTVERSTÄNDNIS DER REFORMATORISCHEN FLUGSCHRIFTENAUTORINNEN

8.1 „Kain man sehe / der reden will / noch darff“: Der Schritt an die Öffentlichkeit als Notlösung

8.2 „Ich würd ausgiessen von meinem geyst über alles fleisch vnd euwer sün vnd döchter werden weißsagen“: Joels Geistverheissung

8.3 „Christum müssen wir ie alle bekennen wider welt vnd teuffel“: Gebot Jesu zum Bekenntnis

8.4 „Alle lere solt alleyn durch das selbig gottes wort geurteilt werden“: Das „Sola Scriptura“-Prinzip

8.5 „Ja Christus selbs hat sich nit geschempt / sunder gepredigt Marie Magdalene“: Biblische und kirchengeschichtliche Beispiele

8.6 „Jn Christo ist weder man nach weyb“: Argumente gegen Paulus

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das Wirken und Selbstverständnis von drei bedeutenden Flugschriftenautorinnen der Reformationszeit – Argula von Grumbach, Katharina Zell und Ursula Weida – und analysiert, wie diese Frauen ihr öffentliches Auftreten trotz gesellschaftlicher Widerstände theologisch legitimierten.

  • Die Rolle von Laien und Frauen in der reformatorischen Publizistik.
  • Die Bedeutung der Rechtfertigungslehre für die Legitimation des öffentlichen Schreibens.
  • Biographische Kontexte und individuelle Hintergründe der Autorinnen.
  • Die Verwendung biblischer Argumentationsmuster zur Überwindung des Schweigegebots.
  • Die Funktion von Flugschriften als Mittel der Meinungsbildung im 16. Jahrhundert.

Auszug aus dem Buch

5.2 „Wie eyn Christliche / fraw des adels...“

In ihrer ersten und bekanntesten Flugschrift wendet sich Argula von Grumbach an den Rektor der Universität in Ingolstadt. Von Osiander ermutigt, nimmt sie den Fall Seehofer zum Anlass, sich in die theologische Diskussion einzumischen. Als sich am 20. September 1523, dreizehn Tage nach der Verurteilung Seehofers immer noch niemand für ihn eingesetzt hat, wird sie aktiv, denn es forderten „die ordnung tzucht und eher, das weyber schweygen, wenn die menner reden: wenn aber keyn man predigt, ßo werß von noetten, das die weyber predigeten." In dem Brief ergreift sie vehement Partei für den jungen Magister, bezieht aber auch Stellung zum reformatorischen Glauben überhaupt.

Schon nach kürzester Zeit kursieren handschriftliche Kopien der Schrift, am 27. Oktober lässt der kursächsische Rat Hans von Planitz Friedrich dem Weisen zukommen, am 31. Oktober erhält der kursächsische Landesherr auch eine Zusammenstellung der von Seehofer widerrufenen Artikel. Der erste Druck – mit einem Vorwort von dem Nürnberger Reformatoren Andreas Osiander – erscheint Anfang November, innerhalb von zwei Monaten wird die Flugschrift dreizehn mal nachgedruckt, zwei weitere Nachdrucke erscheinen 1524 und 1557. Das Schreiben hat sogleich „hochpolitische Bedeutung“, das publizistische Wirken einer Frau von Adel war eine Sensation.

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Laien und insbesondere Frauen als Akteure in der Reformationsbewegung heraus und benennt das Ziel der Arbeit, deren Motive und Rechtfertigungen für das öffentliche Auftreten zu analysieren.

2 FORSCHUNGSSTAND: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Rezeption der drei Autorinnen durch die Jahrhunderte, von ersten pietistischen Würdigungen bis zur modernen Forschung.

3 LAIENFLUGSCHRIFTEN DER FRÜHEN REFORMATION: Hier wird der historische Kontext der Flugschriftenwelle von 1520 bis 1525 erläutert und die Gattung „Flugschrift“ als modernes Massenmedium definiert.

4 FRAUEN IN DER REFORMATION: Das Kapitel beleuchtet die ambivalente Rolle der Frau in der Reformationszeit und zeigt auf, wie neue religiöse Impulse zwar individuelle Freiräume boten, aber auch alte Vorurteile fortbestanden.

5 ARGULA VON GRUMBACH: Es wird die Biographie und das publizistische Erstlingswerk der prominenten Reformatorin im Kontext ihres Einsatzes für den Magister Arcasius Seehofer dargestellt.

6 KATHARINA ZELL: Das Kapitel widmet sich dem Leben der Straßburger Pfarrfrau Katharina Zell und ihrer theologischen Verteidigung ihrer Ehe sowie ihrer Auseinandersetzung mit dem Zölibat.

7 URSULA WEIDA: Hier werden die wenigen bekannten biografischen Daten und die kritische Auseinandersetzung von Ursula Weida mit dem Mönchsstand und dem altgläubigen Klerus zusammengefasst.

8 RECHTFERTIGUNGSLEHRE – DAS SELBSTVERSTÄNDNIS DER REFORMATORISCHEN FLUGSCHRIFTENAUTORINNEN: Dies ist der Hauptteil, der detailliert die verschiedenen biblischen Argumentationslinien (wie Joels Geistverheissung, Sola Scriptura und das Bekenntnisgebot) analysiert, mit denen die Autorinnen ihr Schreiben legitimierten.

Schlüsselwörter

Reformation, Flugschriften, Argula von Grumbach, Katharina Zell, Ursula Weida, Rechtfertigungslehre, Sola Scriptura, Frauenrolle, Theologie, Laienautoren, Priestertum, 16. Jahrhundert, Konfessionsgeschichte, Kirchengeschichte, Publizistik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Frauen als Autorinnen von Flugschriften während der frühen Reformationszeit und untersucht deren Selbstverständnis sowie ihre Argumentationsweise.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Legitimation des öffentlichen Auftretens von Frauen durch biblische Argumente, die Bedeutung der Reformation für das Leben der Frau und die historische Einordnung der Flugschriften als publizistische Medien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, aus welchen Motiven und mit welchen Schwierigkeiten Argula von Grumbach, Katharina Zell und Ursula Weida an die Öffentlichkeit traten und wie sie ihr Recht, theologisch Stellung zu beziehen, gegenüber einer männlich dominierten Gelehrtenwelt rechtfertigten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Auswertung zeitgenössischer Flugschriften sowie den Vergleich biographischer und kirchengeschichtlicher Quellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil (Kapitel 8) werden die zentralen Argumentationsmuster analysiert: Die Berufung auf Joels Geistverheissung, das Prinzip „Sola Scriptura“, die Verpflichtung zum Bekenntnis Jesu sowie die Auseinandersetzung mit paulinischen Verboten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Reformation, Flugschriften, Rechtfertigungslehre, Sola Scriptura und das öffentliche Engagement von Frauen.

Warum galt Argula von Grumbachs Wirken als Sensation?

Als adelige Frau mischte sie sich ohne universitäre Bildung direkt in theologische Streitfragen ein und forderte akademische Professoren auf der Basis der Bibel zu einer öffentlichen Disputation heraus.

Inwiefern nutzte Katharina Zell die Bibel als Kampfmittel?

Katharina Zell verwendete biblische Zitate nicht nur als geistliche Stütze, sondern aktiv, um gegen polemische Angriffe auf ihre Person und ihren Ehemann sowie gegen das Zölibat zu argumentieren.

Gibt es Anzeichen für eine Zusammenarbeit zwischen den drei Frauen?

Obwohl eine gegenseitige inhaltliche Beeinflussung, insbesondere durch Argula von Grumbach auf Zell und Weida, sehr wahrscheinlich ist, lässt sich kein direkter persönlicher Kontakt oder eine explizite Erwähnung der anderen Autorinnen in deren Schriften nachweisen.

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Details

Title
Flugschriftenautorinnen der Reformation und ihre Rechtfertigungslehre
College
University of Bern  (Historisches Institut)
Course
Laienflugschriften der Reformation
Grade
sehr gut
Author
Henning Radermacher (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V15590
ISBN (eBook)
9783638206549
Language
German
Tags
Flugschriftenautorinnen Reformation Rechtfertigungslehre Laienflugschriften Reformation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henning Radermacher (Author), 2003, Flugschriftenautorinnen der Reformation und ihre Rechtfertigungslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15590
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