Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und, auch wenn in den ersten Regierungsjahren noch nicht deutlich, kam es zu einer Wende in der deutschen Außenpolitik.
Die nationalsozialistische Außenpolitik hatte das Ziel, den Lebensraum des deutschen Volkes zu vergrößern. Speziell für Hitler trug sie die Bedeutung, die Niederlage, welche im Vertrag von Versailles fixiert war, wieder gut zumachen.
Diese Arbeit wird sich vorrangig mit der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes im Jahre 1936 auseinandersetzen und die Vorraussetzungen, die Hintergründe sowie die Folgen der Besetzung erläutern.
Die Darstellung der programmatischen Ziele der Außenpolitik Hitlers im ersten Kapitel beschränkt sich auf einen kompakten Überblick, welcher aber als notwendig betrachtet werden muss, um die Zusammenhänge sowie die Folgen der Rheinlandbesetzung nachvollziehen zu können. Anhand konkreter Beispiele der damaligen außenpolitischen Geschehnisse werden auch die Reaktionen der Westmächte kurz dargelegt.
Im nachfolgenden Kapitel, welches sich mit der Rheinlandbesetzung beschäftigen wird, soll zunächst der sowjetisch-französische Beistandspakt erwähnt werden. Diese Erwähnung ist äußerst bedeutsam für das Gesamtverständnis der damaligen Ereignisse, da Hitler den Pakt als Grund für die Rheinlandbesetzung anführte.
Die Arbeit verfolgt insbesondere das Ziel, die These zu beantworten, dass Hitler bei gewichtigen außenpolitischen Schritten stets ähnliche Strategien anwandte und die Rheinlandbesetzung als bedeutendstes Exampel dafür fungiert. Für Hitlers Ziele waren unter anderem auch die propagandistischen Darstellungen der Inkonsequenz der Siegermächte des 1. Weltkrieges, insbesondere Frankreichs, nützlich. Des Weiteren wird im dritten Kapitel die Vorgeschichte des Rheinlandes kurz präsentiert, die Vorbereitungen und der Beschluss zum Einmarsch erläutert und der Verlauf der Besetzung detailliert dargestellt. Im darauffolgenden Kapitel werden die Reaktionen auf die Rheinlandbesetzung und das Versagen des Völkerbundes vorgestellt.
Im fünften Kapitel erfolgt ein Blick auf die Konsequenzen und Folgen der Besetzung im nationalsozialistischen Deutschland.
Als Grundlage dieser Arbeit dienen vor allem die Quellen aus dem Werk von Max Domarus: Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945 und die Dokumentensammlung: Quellen zur deutschen Aussenpolitik 1933- 1939, herausgegeben von Friedrich Kiessling im Jahr 2000.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Programmatische Ziele der Außenpolitik Hitlers
3. Die Rheinland-Besetzung
3.1. sowjetisch-französischer Beistandspakt
3.2. Der 7. März 1936
3.2.1. Die Vorgeschichte des Rheinlandes
3.2.2. Der Beschluss zur Besetzung
3.2.3. Der Tag des Einmarsches
4. Reaktionen des Völkerbundes
5. Konsequenzen und Folgen der Besetzung im nationalsozialistischen Deutschland
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes am 7. März 1936 als zentrales Exempel für Hitlers außenpolitische Strategie der bewussten Vertragsbrüche und taktischen Beschwichtigungsmanöver. Dabei wird untersucht, inwieweit die Passivität der Westmächte und das Versagen des Völkerbundes Hitler die Möglichkeit eröffneten, den Versailler Vertrag zu revidieren und Deutschlands Position in Europa massiv zu stärken.
- Programmatische Grundzüge der NS-Außenpolitik
- Die diplomatische Rolle des sowjetisch-französischen Beistandspaktes
- Entscheidungsprozesse und Verlauf der militärischen Besetzung
- Reaktionen der internationalen Staatengemeinschaft und des Völkerbundes
- Innen- und außenpolitische Auswirkungen der Besetzung auf das Deutsche Reich
Auszug aus dem Buch
3.2.3. Der Tag des Einmarsches
Am Vormittag des 7. März 1936 marschierten drei deutsche Wehrmachtsbataillone, ca. 3000 Soldaten über die Hohenzollernbrücke in Köln in das entmilitarisierte Rheinland ein, sie wurden mit fröhlichem Beifall von den wartenden Reportern und dem deutschen Volk empfangen. Auch auf den Straßen standen Tausende von Menschen, warfen den Soldaten Blumen vor die Füße und jubelten den einmarschierenden Soldaten zu. Katholische Priester segneten die ca. 3000 Soldaten. Goebbels hatte zuvor medienwirksam ausgesuchte Journalisten nach Köln fliegen lassen, um von dem Einzug der Wehrmacht berichten zu lassen. Ursprünglich sollten neunzehn Bataillone und dreizehn Artillerieabteilungen das Rheinland besetzen, aber Hitler beabsichtigte Frankreich augenblicklich nicht mehr provozieren und entschied somit auch weiterhin, dass sich die Soldaten zurückziehen sollen, falls französische Truppen zum Kampf aufrüsten. Die drei Bataillone rückten vor bis in die Städte Trier, Saarbrücken und Aachen. Die restlichen Soldaten nahmen Stellung hinter dem östlichen Rheinufer, da die militärische Stärke der Wehrmacht noch nicht ausreichte, um eine bewaffnete Auseinadersetzung zu überstehen und die Bataillone sich somit schnellstmöglichst zurückziehen könnten. Hitler war sich des großen Risikos bewusst, dass ein Eingreifen Frankreichs aus der Besetzung ein großes Fiasko hätte machen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Zielsetzung, den Versailler Vertrag sowie die These, dass Hitler bei außenpolitischen Schritten stets ähnliche Strategien der Täuschung anwandte.
2. Programmatische Ziele der Außenpolitik Hitlers: Dieses Kapitel gibt einen kompakten Überblick über die Beschwichtigungspolitik Hitlers gegenüber dem Ausland und seine tatsächlichen, in "Mein Kampf" niedergelegten Expansionspläne.
3. Die Rheinland-Besetzung: Dieser Hauptteil analysiert die Vorgeschichte, den Pakt von Locarno, den sowjetisch-französischen Beistandspakt als Vorwand sowie den detaillierten Verlauf des Einmarsches am 7. März 1936.
4. Reaktionen des Völkerbundes: Hier werden die diplomatischen und militärischen Reaktionen Frankreichs, Englands und des Völkerbundes beleuchtet, die letztlich trotz der Vertragsverletzung ausblieben.
5. Konsequenzen und Folgen der Besetzung im nationalsozialistischen Deutschland: Das Kapitel betrachtet den massiven Prestigegewinn Hitlers im Inland, die Stärkung des Regimes durch Scheinwahlen und die militärische sowie wirtschaftliche Festigung durch die Besetzung.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das Ausbleiben konsequenter Reaktionen den Grundstein für weitere Aggressionen legte und das kollektive Sicherheitssystem in Europa zerstörte.
7. Literatur: Auflistung der verwendeten Primärquellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Rheinlandbesetzung, Adolf Hitler, Versailler Vertrag, Völkerbund, Außenpolitik, Nationalsozialismus, Locarno-Pakt, Remilitarisierung, Frankreich, Großbritannien, Friedensbeteuerungen, Aggressionspolitik, Souveränität, Stresa-Front, Wehrmacht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Seminararbeit behandelt die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes durch das nationalsozialistische Deutschland am 7. März 1936 und untersucht die diplomatischen sowie politischen Hintergründe dieses Ereignisses.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu belegen, dass Hitler bei seinen außenpolitischen Aggressionen einer konstanten Strategie der Täuschung und des Zeitgewinns folgte, während die Siegermächte durch ihre Passivität eine wirksame Gegenreaktion verpassten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Neben der militärischen Besetzung selbst werden die Ziele der NS-Außenpolitik, die Rolle des Völkerbundes, die innenpolitische Inszenierung des Erfolgs sowie die Reaktionen der europäischen Mächte, insbesondere Frankreichs und Englands, thematisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Primärquellen wie Reden, Dokumentensammlungen und Tagebuchaufzeichnungen der damaligen Akteure basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der außenpolitischen Ziele Hitlers, eine detaillierte Rekonstruktion der Besetzung vom 7. März 1936 inklusive ihrer diplomatischen Vorbereitung sowie eine Untersuchung der internationalen Reaktionen darauf.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Rheinlandbesetzung, Versailler Vertrag, Appeasement-Politik (bzw. Beschwichtigung), Souveränitätswiederherstellung und die Schwächung der europäischen Sicherheitsarchitektur.
Warum war das Datum 7. März 1936 ein gezielt gewählter Zeitpunkt für den Einmarsch?
Hitler wählte das Wochenende, in der Hoffnung, dass die Regierungen in London und Paris aufgrund der bürokratischen und politischen Abläufe während dieser Tage langsamer reagieren und sich so "vollendete Tatsachen" schaffen ließen.
Welche Rolle spielte der sowjetisch-französische Beistandspakt für Hitler?
Hitler nutzte diesen Pakt propagandistisch als Rechtfertigungsgrund, um behaupten zu können, der Pakt von Locarno sei durch das neue französische Bündnis mit der Sowjetunion hinfällig geworden und damit Deutschland außenpolitisch bedroht.
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- Franziska Dedow (Author), 2008, Die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes am 7. März 1936, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155914