Kaum ein europäisches Satiremagazin hat sich so lange auf dem Markt behaupten können wie die englische Zeitschrift „Punch“. 161 Jahre lang verstand sich das Magazin als „the voice of the oppressed“ und als Kritiker der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Geschichte des „Punch“'s
2.Die Grundeinstellung des „Punch“'s
3. Das Charakteristische am „Punch“
3.1. Die Karikatur
3.2. Der Cartoon
4.Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der politischen Karikatur und des Cartoons im englischen Satiremagazin „Punch“ während des viktorianischen Zeitalters und analysiert, welche Faktoren den langanhaltenden Erfolg der Zeitschrift auf dem britischen Markt ermöglichten.
- Historische Entwicklung und Grundeinstellung des „Punch“
- Die prägende Rolle bekannter Karikaturisten
- Entwicklung und Transformation der politischen Karikatur
- Die „Erfindung“ und Etablierung des Cartoons
- Spiegelbild gesellschaftlicher und politischer Strömungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Cartoon
Der Ursprung des Cartoon in seiner heutigen Form ist auf John Leech und damit auf „Punch, or the London Charivari“ zurückzuführen.
John Leech war einer der ersten Karikaturisten des Satiremagazins. Er veröffentliche in seiner 23 jährigen Arbeitszeit beim „Punch“ über 3000 Beiträge (vgl.: C. Schulz-Hoffmann, S.31). 1834 schuf er in der 105. Ausgabe des Magazins mit einer speziellen politischen Karikatur, der er den Namen „Cartoon, No. 1“ (Anhang Nr.3) gab, ein neues Genre der graphisch dargestellten politischen Kritik (vgl.: R.Wagner, S.78). Die Zeichnung mit dem Untertitel „Substance and Shadow“ entstand auf Grund einer Ausstellung , die eröffnet wurde, um Gelder einzunehmen, um das House of Parliament, das bei einem Feuer 1834 komplett niedergebrannt worden war, zu finanzieren (vgl.: http://ww.punch.co.uk/CartoonHistory.html). Die Karikatur zeigt ein paar arme Menschen, die in einem Ausstellungssaal stehen und von Bildern von reichen , dicken Aristokraten und Politikern umringt sind (Anhang Nr.4). Leech zeigt mit diesem Bild auf seine kühl-kritische Weise die sozial-politischen Missstände des Landes auf. „Die Armen verlangen nach Brot, und die Staats-Philanthropen gewähren ihnen eine Ausstellung“ (R. Berger, S.128).
Mit dieser Zeichnung verdrängte er die „full-page satirical drawing“ (http://ww.punch.co.uk/CartoonHistory.html), die sogenannten „Pencillings“ und ersetzte sie durch die ironisch-betitelte „Cartoon“-Serie, die das Missverhältnis zwischen Staat und Bevölkerung zum Thema hatte (vgl.: ebd.). Damit gab er dem alten Wort „Cartoon“ eine neue Bedeutung. Es hatte jetzt nicht mehr den bloßen Charakter einer Karikatur, sondern wurde als eine Art politische Untergattung dieser verstanden. Der Cartoon informierte die Öffentlichkeit, setzte aber dafür ein gewisses Maß an politischen Grundkenntnissen voraus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Geschichte des „Punch“'s: Dieses Kapitel zeichnet die Gründung des Magazins im Jahr 1841 nach, thematisiert die anfänglichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie den Aufstieg zur nationalen Institution und beschreibt den schrittweisen Niedergang im 20. Jahrhundert.
2.Die Grundeinstellung des „Punch“'s: Hier wird die ursprüngliche Ausrichtung des Magazins als radikal-demokratisches Blatt erläutert, das sich im Laufe der Zeit zu einer gemäßigten, konservativen Haltung wandelte und sich primär als Spiegel der Mittelschicht verstand.
3. Das Charakteristische am „Punch“: Dieses Kapitel analysiert die Bedeutung der Karikaturisten für das Profil der Zeitschrift und untersucht, wie diese ihre politische und ästhetische Gesinnung in die graphische Gestaltung einfließen ließen.
3.1. Die Karikatur: Der Fokus liegt auf der Entwicklung des künstlerischen Stils, beginnend bei Richard Doyle über John Tenniel bis hin zu George du Maurier, und wie ihre Arbeiten das Image des Magazins zwischen gesellschaftlicher Kritik und ästhetischer Unterhaltung prägten.
3.2. Der Cartoon: Dieses Kapitel beleuchtet den Ursprung des Cartoons durch John Leech als neue politische Untergattung und beschreibt dessen Funktion als humorvolles Mittel zur Reflexion gesellschaftlicher Missstände.
4.Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst den Tendenzwandel des „Punch“ vom links-liberalen zum konservativen Blatt zusammen und konstatiert, dass der langfristige Markterfolg durch die kontinuierliche Anpassung an gesellschaftliche Strömungen und die gezielte Arbeit der Zeichner erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Punch, Satiremagazin, Karikatur, Cartoon, Viktorianisches Zeitalter, John Leech, John Tenniel, Richard Doyle, George du Maurier, Politische Satire, Gesellschaftskritik, Pressegeschichte, Illustrierte Zeitschrift, Sozialreform, Mittelschicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte und Entwicklung des englischen Satiremagazins „Punch“ im viktorianischen Zeitalter, mit besonderem Fokus auf den Wandel der politischen Karikatur und des Cartoons.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die journalistische Ausrichtung des Magazins, die prägende künstlerische Arbeit der Haus-Karikaturisten und die soziokulturelle Funktion der gezeigten Satire.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den stilistischen und inhaltlichen Wandel der Karikatur-Genres zu analysieren und zu erklären, wie es dem „Punch“ gelang, über 160 Jahre auf dem Markt zu bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur sowie die Untersuchung der Karikaturen und Cartoons des Magazins als primäre Quellen, ergänzt durch historische Hintergrundinformationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Geschichte und Grundhaltung des Magazins sowie eine detaillierte Betrachtung der Karikatur und des Cartoons als charakteristische Gattungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Satiremagazin, Karikatur, Cartoon, das viktorianische Zeitalter sowie spezifische Zeichner wie John Leech oder John Tenniel.
Warum wird Richard Doyle als „romantischer Tenor“ bezeichnet?
Diese Bezeichnung bezieht sich auf George du Maurier (nicht Doyle), der für seine ästhetisierenden, eleganten Darstellungen der feinen Gesellschaft bekannt war und damit einen Gegenentwurf zur groben Karikatur lieferte.
Welche Bedeutung hatte John Leech für die Entwicklung des Cartoons?
John Leech gilt als Schöpfer des modernen Cartoons, da er mit seiner „Cartoon“-Serie eine neue Form der politisch-satirischen Untergattung einführte, die ein gewisses Maß an politischem Vorwissen bei der Leserschaft voraussetzte.
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- Simone Gier (Author), 2004, Die politische Karikatur und der Cartoon im „Punch“ im viktorianischem Zeitalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155954