Versöhnung und Vergebung im Christentum und Islam


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zentrale Fragestellung

3. Versöhnung und Vergebung im Islam
3.1 Der Gottesbegriff im Islam
3.2 Vergebung durch die Barmherzigkeit Allahs
3.3 Grenzen bezüglich Allahs Barmherzigkeit
3.4 Jesus im Koran

4. Versöhnung und Vergebung im Christentum im Vergleich zum Islam
4.1 Vergebung Gottes durch Jesus Christus im Christentum
4.2 Jesus Christus im Christentum

5. Eigene theologische Position

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Ich möchte in meiner Arbeit der Frage nachgehen, wie sich Versöhnung im Christentum und im Islam jeweils gestaltet. Ich werde dabei in Hinblick auf die Struktur meiner Arbeit so vorgehen, dass ich zu Beginn das Verständnis von Vergebung im Islam darstelle. Anschließend gehe ich erst auf den Versöhnungsgedanken im Christentum ein. Der Grund dafür, dass ich als Studentin der evangelischen Theologie nicht mit der Sichtweise des Christentum beginne, liegt darin, dass ich wirklich versuchen möchte, die Perspektive der Muslime bezüglich der Thematik „Versöhnung“ einzunehmen, deren Gedanken nachvollziehen zu können und dadurch so neutral wie möglich diese (möglichst auf der Basis von Koran-Textstellen) zu beschreiben. Erst in einem zweiten Schritt werde ich also den mir vertrauten Versöhnungsgedanken durch Jesus Christus im Christentum aufzeigen. Diese Vorgehensweise ist zum Einen etwas schwieriger, da man sich im Bereich der eigenen Glaubensinhalte genauer auskennt und natürlich auch in gewisser Weise davon geprägt ist. Zum anderen ist einem die „andere“ Religion (hier der Islam) und deren Sichtweise, noch etwas „fremd“ und man weiß leider viel zu wenig darüber. Aber gerade diese „Fremdheit“ sollte überwunden werden, so dass man sich der „anderen“ Religion annähert, auch wenn man das nur durch kleine Schritte tut. Da ich mir in meiner Hausarbeit intensiv über den Dialog zwischen Christen und Muslimen Gedanken mache, finde ich es wichtig, der „anderen“ Religion, einen gewissen „Vortritt“ einzuräumen.

2. Zentrale Fragestellung

Kann es einen christlich-muslimischen Dialog über Jesus geben? Wenn ja, wie könnte dieser aussehen?

3. Versöhnung und Vergebung im Islam

3.1 Der Gottesbegriff im Islam

Der Islam gehört zu den monotheistischen Religionen, d.h. der Glaube an einen Gott, an Allah, ist, im Gegensatz zum Polytheismus, der Vielgötterei, die vom Islam ganz deutlich abgelehnt wird, vorherrschend.[1] Im Koran wird die Einzigkeit Gottes betont:

„Sprich: ‘O ihr Menschen, ich bin für euch alle ein Gesandter Allahs, Dessen das Königreich der Himmel und der Erde ist. Es ist kein Gott außer Ihm. Er macht lebendig und läßt sterben. Darum glaubt an Allah und an Seinen Gesandten, den Propheten, der des Lesens und Schreibens unkundig ist, der an Allah und an Seine Worte glaubt; und folgt ihm, auf daß ihr rechtgeleitet werden möget.‘" (Sure 7,158)[2]

Überdies ist Gott der Schöpfer von Himmel und Erde. An seiner Tätigkeit als Schöpfer erkennt man als weitere Eigenschaft Allahs seine Allmächtigkeit und Allwissenheit:

„Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, Der die Engel, mit je zwei, drei und vier Flügeln, zu Boten gemacht hat. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Ihm gefällt; Allah hat wahrlich Macht über alle Dinge.“ (Sure 35,1)[3]

„Was Allah den Menschen an Barmherzigkeit gewährt, das kann keiner zurückhalten; und was Er zurückhält, das kann nach Ihm keiner freigeben; und Er ist der Allmächtige, der Allweise.“ (Sure 35,2)[4]

Aus der Allmächtigkeit, Allwissenheit und Einzigkeit Allahs resultiert eines der wichtigsten Merkmale Allahs, seine Barmherzigkeit den Menschen gegenüber:

„O ihr Menschen, gedenkt der Gnade Allahs gegen euch. Gibt es einen Schöpfer außer Allah, der euch vom Himmel und von der Erde her versorgt? Es ist kein Gott außer Ihm. Wie könnt ihr euch da (von Ihm) abwenden?“ (Sure 35,3)[5]

3.2 Vergebung durch die Barmherzigkeit Allahs

Die Barmherzigkeit Gottes (l-rahman, rahim = der Barmherzige) gilt also als eine der herausragenden Eigenschaften Gottes im Islam. Das lässt sich schon daran festmachen, dass die Eröffnung des Korans (Al-Fatiha), die gleichzeitig das Grundgebet des Islams darstellt, folgendermaßen aussieht:[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Sure 1)[7]

Der Mensch kann sich auf Gottes Barmherzigkeit verlassen, wenn er seine Fehler einsieht, umkehrt und sich bessert in Zukunft:

Euer Herr hat sich zur Barmherzigkeit verpflichtet. Wenn einer von euch in Ungewissheit Böses tut und dann später umkehrt und sich bessert findet er Gnade. Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ (Sure 6,54)[8]

Die Bedeutsamkeit der Barmherzigkeit Gottes im Koran ist daran erkennbar, dass alle 114 Suren (außer Sure 9) mit folgender Einleitung beginnen:

„Im Namen des gnädigen und barmherzigen Gottes [...].“[9]

Gottes Barmherzigkeit ist grenzenlos:

„[...] Meine Barmherzigkeit umfaßt alle Dinge [...].“ (Sure 7,156)[10]

Wenn ein Mensch gläubig ist und dennoch gesündigt hat und er aber hinterher seine Schuld einsieht und Gott um Vergebung bittet, vergibt ihm Gott und belohnt diese Einsicht, indem er ihm den Eintritt ins Paradies gewährt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Sure 9,104/105)[12]

Der Sünder soll Allah fürchten, an ihn glauben und Reue zeigen. Dann bekommt der Mensch einen großen Teil der Barmherzigkeit Gottes von ihm geschenkt, d.h. Allah vergibt dem Sünder und leitet ihn wieder richtig. Die Muslime sind also durchaus in der Lage die Gnade Gottes zu erhalten, denn dadurch, dass Allah allmächtig ist verfügt er allein über die Gnade und gibt sie, wem er will:[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Sure 57,28/29)[14]

3.3 Grenzen bezüglich Allahs Barmherzigkeit

Es gibt allerdings eine Ausnahme in Hinblick auf die Sündenvergebung Allahs, bei der der Sünder keine Vergebung erfährt: Es ist der Unglaube, der im Gericht Gottes keinesfalls vergeben, sondern hart bestraft wird:

„Diejenigen aber haben keine Vergebung zu erwarten, die schlechte Taten begehen, und die erst, wenn sie zum Sterben kommen, sagen: ‘Jetzt kehre ich um.‘ Auch diejenigen nicht, die als Ungläubige sterben. Für sie haben Wir eine schmerzhafte Strafe bereitet.“ (Sure 4,18)[15]

Diese Koran-Stelle zeigt zwei Ausnahmen auf, bei denen Gott dem Menschen keine Vergebung schenkt. Erstens wird den Ungläubigen, die sich mit ihrem Unglauben endgültig von Gott abwenden, nicht von Gott verziehen. Als Ungläubige gelten im Islam Menschen, die nicht an Gott glauben sowie Götzendiener, die mehrere Götter anbeten. Zweitens wird denjenigen nicht vergeben, die kurz vor dem Tod Angst vor dem Gericht Gottes und einer möglichen Strafe bekommen und die somit allein aus Berechnung Reue zeigen; eine Art der Reue, die gar nicht ehrlich gemeint ist, weil sie nicht von Herzen kommt. Überdies gibt es eine dritte Ausnahme, in der Gott sich nicht barmherzig und gnädig zeigt: Der Koran warnt davor, dass Allah absichtlich begangene Sünden nicht verzeiht, die Allah aufgrund seiner Allwissenheit und Weisheit sofort erkennt, da man Allah nichts vormachen kann:

„Nur diejenigen haben bei Allah Vergebung zu erwarten, die in Unwissenheit Böses tun und hierauf beizeiten umkehren. Diesen wendet Sich Allah wieder gnädig zu; und Allah weiß Bescheid und ist Allweise.“ (Sure 4,17)[16]

Auch wenn Gott dem Sünder schon Vergebung geschenkt hat, muss der Mensch seine Sünden wiedergutmachen. Gute Werke, die der Menschen tut (z.B. Beten oder Fasten) sind dazu nötig und werden von Gott belohnt und als sündenvergebend angesehen:[17]

[...]


[1] Vgl. Krötke, Wolf: Sind monotheistische Religionen besonders >>anfällig<< für Gewalt? In: Reinhard Hempelmann, Johannes Kandel (Hrsg.): Religionen und Gewalt. Konflikt- und Friedenspotentiale in den Weltreligionen. Band 51. Göttingen 2006. S. 47-62.

[2] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure007.html.

[3] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure035.html.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Vgl. http://www.al-sakina.de/inhalt/artikel/amg/bechm/bechm.html.

[7] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure001.html.

[8] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure006.html.

[9] http://www.islaminstitut.de/uploads/media/BusseundVergebung.pdf#.

[10] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure007.html.

[11] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure003.html.

[12] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure009.html.

[13] Vgl. http://www.islaminstitut.de/uploads/media/BusseundVergebung.pdf#.

[14] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure057.html.

[15] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure004.html.

[16] http://www.chj.de/Koran/Einzelsuren/Sure004.html.

[17] Vgl. http://www.islaminstitut.de/uploads/media/BusseundVergebung.pdf#.

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Details

Titel
Versöhnung und Vergebung im Christentum und Islam
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V155957
ISBN (eBook)
9783640696369
ISBN (Buch)
9783640696765
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versöhnung, Vergebung, Christentum, Islam
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Mona Marwan (Autor), 2008, Versöhnung und Vergebung im Christentum und Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155957

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