Ist es ein Mädchen oder ein Junge? Überlegungen zur Intersexualität auf der Grundlage von 'XXOXY ungelöst' von Ulrike Klöppel


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Umgang mit Intersexualität

2 Intersexualitätsbehandlung als Normalisierungspraxis

3 Theorie über gesellschaftliche Hintergründe der Geschlechterordnung

4 „Erfolg“ der Intersexualitätsbehandlungspraxis

Fazit und Ausblick

Literatur

Einleitung

Aus der Perspektive des poststrukturalistischen Feminismus ist das Beharren auf einer bipolaren Einteilung der Menschheit in die beiden klar voneinander abgegrenzten Kategorien „Mann“ und „Frau“ nicht länger haltbar. Ausgehend von verschiedenen Ansätzen wird argumentiert, daß es dafür weder eine naturgegebene Grundlage noch eine gesellschaftliche Notwendigkeit gebe; einer dieser Ansätze ist der der Potsdamer Psychologin und Dozentin Ulrike Klöppel, was sie vorrangig anhand der Gruppe der sogenannten „Intersexuellen“ herausgearbeitet hat[1].

„Zwitter“, „Hermaphroditen“, „Intersexuelle“ – Menschen, die mit Merkmalen beider Geschlechtsgruppen geboren werden oder diese im Laufe ihres Lebens ausbilden, und die dadurch nicht eindeutig in die bestehende Ordnung eingeteilt werden können, sind Sprengstoff für dieses binäre Modell; an ihnen wird „die normierende Zurichtung der Menschheit in zwei Geschlechter [...] in aller Schärfe exerziert[2], wie Klöppel es formuliert.

Anhand ihres Aufsatzes „XXOXY ungelöst. Störungsszenarien in der Dramaturgie der zweigeschlechtlichen Ordnung“[3] und verschiedenen thematisch verwandten Veröffentlichungen werde ich versuchen, einen Überblick über die Problematik zu schaffen und dabei die Fragen zu erörtern, wie die Gesellschaft in Deutschland und anderen westlichen Ländern mit „Intersexuellen“ umgeht und historisch umging, woraus dies Verhalten jeweils resultiert, wie es legitimiert wird und welche Folgen und Forderungen daraus im Hinblick auf die binäre Geschlechterordnung entstehen.

1 Der Umgang mit Intersexualität –

Die Gruppe der Intersexuellen und ihre Einteilung in die Geschlechtskategorien

Innerhalb der deutschen Medizin und der anderer westlicher Länder ist es gegenwärtig gängige Methode, Neugeborene, die bei ihrer Geburt nicht eindeutig einer der beiden Geschlechtskategorien „Mann“ oder „Frau“ zugeordnet werden können, möglichst bald an eines dieser Muster „anzupassen“. Laut verschiedenen Quellen werden in Deutschland zwischen 0,5 (Bundesregierung, Zeit) und 3 (GeoWissen) von 1000 zur Welt gekommenen Kindern als „intersexuell“ diagnostiziert. Für sie stellt sich nicht die Perspektive, als „Intersexuelle(r)“ aufzuwachsen; neben der gesellschaftlichen Problematik fehlt hierfür auch die rechtliche Grundlage – im deutschen Personenstandsgesetz ist verankert, daß „die Eintragung ‚Zwitter’ [in die Geburtsurkunde, U.Z.] als unzulässig angesehen [wird], weil dieser Begriff dem deutschen Recht unbekannt ist[4]. Es gilt also gemeinhin, möglichst schnell mit Hilfe chirurgischer, psychotherapeutischer und eventuell medikamentöser Behandlung ein eindeutiges Geschlecht für das „Zwischenwesen“ festzulegen.

Die Praxis der Einteilung ist aber nicht nur ein Phänomen im gegenwärtigen Umgang mit Intersexuellen; es sind lediglich die Kriterien, nach denen die Kinder eingeteilt werden, die im Laufe der Zeit einem Wandel unterlagen, wobei dieser Wandel sicherlich auch stark vom jeweils aktuellen Stand der Wissenschaft, deren Erkenntnis und Möglichkeiten, sowie den politischen und moralischen Anschauungen der Gesellschaft geprägt ist:

[...]


[1] Klöppel, Ulrike: XX0XY ungelöst. Störungsszenarien in der Dramaturgie der zweigeschlechtlichen Ordnung. In: polymorph (Hrsg.): (K)ein Geschlecht oder viele? Transgender in politischer Perspektive. Berlin 2002.

[2] Klöppel, Ulrike: Inhaltsüberlick zum Hauptseminar Intersexualität und Konstruktion von Geschlechtsunterschieden. http://www.uni-goettingen.de (09.12.2002)

[3] Klöppel, Ulrike: XX0XY ungelöst. ebd.

[4] Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Abg. Christina Schenk und der Fraktion der PDS BT-DRS.14/5425 betr.: Intersexualität im Spannungsfeld zwischen tatsächlicher Existenz und rechtlicher Unmöglichkeit. Von: http://www.lsvd.de/thema/1405627.html (07.12.2002). Antwort auf Frage 34

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ist es ein Mädchen oder ein Junge? Überlegungen zur Intersexualität auf der Grundlage von 'XXOXY ungelöst' von Ulrike Klöppel
Hochschule
Universität Lüneburg  (Kulturtheorie)
Veranstaltung
Geschlechterbinarität - Geschlechterdifferenz
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V15597
ISBN (eBook)
9783638206617
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mädchen, Junge, Intersexualität, Grundlage, XXOXY, Ulrike, Klöppel, Geschlechterbinarität, Geschlechterdifferenz
Arbeit zitieren
Ursula Zipperer (Autor), 2003, Ist es ein Mädchen oder ein Junge? Überlegungen zur Intersexualität auf der Grundlage von 'XXOXY ungelöst' von Ulrike Klöppel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15597

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ist es ein Mädchen oder ein Junge? Überlegungen zur Intersexualität auf der Grundlage von 'XXOXY ungelöst' von Ulrike Klöppel



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden