Arten, Ursachen und Auswirkungen der Inflation


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 84 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Zielsetzung

2. Die Inflation
2.1. Definition Inflation
2.2. Messung
2.3. Abgrenzung zur Deflation

3. Erscheinungsformen der Inflation
3.1. Offene und verdeckte Inflation
3.2. Schleichende, trabende, galoppierende und Hyperinflation
3.3. Temporare und permanente Inflation

4. Ursachen der Inflation
4.1. Angebotsinflation
4.1.1. Gewinninflation
4.1.2. Kosteninflation
4.1.3. Steuerinflation
4.2. Nachfrageinfl ation
4.2.1. Binnennachfrageinflation
4.2.2. AuBennachfrageinflation
4.2.3. Geldmengeninflation

5. Auswirkungen auf andere wirtschaftliche Grofien
5.1. Einkommen und Vermogen
5.2. Konsum und Sparen
5.3. Investitionen und Unternehmensgewinne
5.4. Wachstum und Beschaftigung
5.5. Steuern und offentliche Ausgaben

6. Schlussfolgerungen
6.1. Fazit
6.2. Beispiel: Die Inflation in den USA nach dem Olpreisschock von 1973

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Problemstellung und Zielsetzung

„... Inflation, das heifit Enteignung ohne Gesetz und Grenzen...“

„Der Staatsbankrott ist ein einmaliger chirurgischer Eingriff, die Inflation ist permanente Blutvergiftung.“

Felix Somary (Bankier, Nationalokonom und politischer Analytiker)

Das Thema der Seminararbeit lautet „Arten, Ursachen und Wirkungen der Inflation“. Wahrend Arten und Ursachen der Inflation in der Literatur umfangreich behandelt werden, spielen die Auswirkungen eine eher untergeordnete Rolle. Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, Wissen uber die Auswirkungen auf andere wirtschaftliche GroBen zusammenzutragen.

Es werden die verschiedenen Erscheinungsformen der Inflation und die unter- schiedlichen Ansatze und Hypothesen, was die Ursache fur eine Inflation sein konnen, behandelt. Die Wirkung der Inflation wird oft nur damit beschrieben, dass man weniger Gutereinheiten je Geldeinheit erhalt. Die Wirkung der Inflation nur durch den Geldentwertungsprozess zu beschreiben ist unzureichend, denn die Inflation hat auch Auswirkungen auf andere wirtschaftliche GroBen. Der Schwerpunkt dieser Seminararbeit soll die Auswirkungen der Inflation auf andere wirtschaftliche GroBen aufzeigen. Diesbezuglich wurde die Auswirkung auf „Einkommen und Vermogen“, „Konsum und Sparen“, „Investitionen und Unternehmensgewinne“, „Wachstum und Beschaftigung“ und „Steuern und offentliche Ausgaben“ erarbeitet. Zur Einfuhrung in das Thema wird zu Beginn erklart, was unter Inflation zu verstehen ist, wie sie gemessen wird und wie sich Deflation von ihr unterscheidet. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit und die erarbeiteten Kenntnisse werden am Beispiel der Inflation in den USA nach dem Olpreisschock von 1973 angewandt.

2. Die Inflation

2.1. Definition Inflation

Das Wort Inflation kommt vom lateinischen „inflare“ (aufblahen, aufblasen) und wurde erstmals im amerikanischen Burgerkrieg (1861-1865) verwendet (vgl. Bergold, 2006, S. 38). Unter Inflation versteht man ein anhaltendes und dauerhaftes Steigen des Preisniveaus. Man erhalt weniger Gutereinheiten je Geldeinheit. Dieser Geld­entwertungsprozess entsteht, wenn sich die Geldmenge starker ausdehnt als die Gutermenge. Wenn bei einzelnen Gutern hin und wieder die Preise steigen, liegt noch keine Inflation vor. Im Winter steigen beispielsweise die Preise fur Obst, weil - bei gleichbleibender Nachfrage - das Angebot abnimmt (vgl. Hartmann, 2007, S. 541). Diese Steigerung von Einzelpreisen gehort fur eine Marktwirtschaft zu den normalen Vorgangen und ubernimmt fur den Marktmechanismus die Lenkungsfunktion. Damit vorubergehende Effekte die Inflation nicht verzerren, wird auch die Kerninflation ermittelt. Die Inflationsrate wird um Guter mit einer hohen Volatilitat (Energie) oder saisonalen Schwankungen (Lebensmitteln) bereinigt (vgl. Altmann, 2007, S. 138). Im Falle eines anhaltenden Preisniveauanstiegs kann verfolgt werden, dass sich bei den Wirtschaftsteilnehmern Erwartungen und Angste auf weitergehende KaufkrafteinbuBen herausbilden. Das Geld wird in seiner Funktion als Zahlungsmittel beeintrachtigt und die Wirtschaftssubjekte verlieren ihr Vertrauen in die Wahrung. Inflation entsteht aus einem bestimmten Ursachenkomplex in einem wirtschaftlichen System und wirkt wieder auf dieses zuruck (vgl. o.A., 2000, S. 1511).

Die Inflation wird auch mit der „Quantitatsgleichung“ (Fisher, 1911) dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

M bezeichnet die nominale Geldmenge, V die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, Y die reale Produktion und P das Preisniveau. Man geht davon aus, dass die Umlauf­geschwindigkeit kurzfristig konstant und das Wachstum der Realproduktion gegeben ist. Es besteht ein proportionaler Zusammenhang zwischen der Hohe der Geldmenge und der Hohe des Preisniveaus. Die Inflationsrate ist stets gleich dem Geldmengenwachstum abzuglich der Wachstumsrate der Realproduktion (vgl. Wildmann, 2007, S. 89).

2.2. Messung

In Deutschland wird die Preisveranderung der Konsumguter, die sich auf die privaten Haushalte auswirken mit Hilfe eines Preisindex ermittelt. Der „Verbraucherpreisindex fur die Bundesrepublik Deutschland“ wurde vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden entwickelt und erfasst die Preisanderungen von rund 750 Gruppen von Sachgutern und Dienstleistungen, die von einem durchschnittlichen privaten Haushalt gekauft werden. Die verschiedenen Waren und Dienstleistungen werden unterschiedlich gewichtet, auch andert sich die Verbrauchsstruktur von Zeit zu Zeit. So gab z.B. der durchschnittliche private Haushalt 1970 noch 33,3% seines Einkommens fur Nahrungs- und Genussmittel aus. Im Jahr 2000 betrug dieser Anteil nur noch 14 % (vgl. Hartmann, 2007, S. 538). Schwierigkeiten bei der Messung ergeben sich aus Veranderungen der Guter- und Verbrauchsstruktur, Qualitatssteigerungen, der Auswahl der relevanten Guterpreise (Listen- und Sonderpreise, Brutto- oder Nettopreise, Berucksichtigung von Steuern) und Effekte, bei denen es angeraten ist, sie nicht als inflationare Tendenz zu werten, obwohl sie zu einem Ansteigen des Preisindex fuhren, wie etwa steigende Umweltkosten (vgl. o.A., 2000, S. 1512).

Der Verbraucherpreisindex entwickelt sich wie folgt (Basisjahr 2005):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt, mehrere Jahrgange

Zusatzlich fur europaische Zwecke berechnet das Statistische Bundesamt den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) fur Deutschland (siehe Grafik 1 im Anhang). Die wichtigste Zielsetzung des HVPI ist der Vergleich der Preis- veranderungsraten zwischen den Mitgliedstaaten der Europaischen Union (EU). Erforderlich ist die Berechnung des HVPI, da sich die nationalen Verbraucher- preisindizes in vielfaltiger Weise unterscheiden. Diese Unterschiede sind zum Teil historisch bedingt, resultieren aber auch aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oder abweichenden Strukturen des statistischen Systems. Fur die Europaische Zentralbank ist die Verwendung des Verbraucherpreisindex fur die Europaische Wahrungsunion (VPI-EWU), der aus den nationalen HVPI der Mitglieder der Euro-Zone berechnet wird, MaBstab fur die Geldwertstabilitat des Euro (vgl. o.A., 2010, S.1). Der HVPI und die Kerninflation entwickeln sich unterschiedlich (siehe Grafik 2 im Anhang).

2.3. Abgrenzung zur Deflation

Die Deflation im traditionellen Sinne ist das „Gegenteil“ der Inflation. Man versteht darunter ein anhaltendes Sinken des Preisniveaus. Die Unternehmen und privaten Haushalte erwarten weiter sinkende Preise und halten sich mit Kaufen und Investitionen zuruck. Wenn eine Deflation lange anhalt, sparen die Wirtschaftssubjekte, Arbeitsplatze gehen verloren, die Einkommen sinken, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft. Eine Deflation im traditionellen Sinne ist heute nicht mehr so wahrscheinlich wie fruher, weil stabilisierende Faktoren wie zum Beispiel Mindestlohne, einkommens- und gewinnunabhangige Steuern, langfristige Miet- und Liefervertrage und gesetzlich festgelegte Staatsausgaben ein drastisches Sinken des Preisniveaus verhindern. Nachfrageruckgange bewirken deshalb vor allem den Ruckgang der Beschaftigung (vgl. Hartmann, 2007, S. 545). Das es auch heute noch zu einer langwierigen Deflation kommen kann, zeigt das Beispiel Japan.

3. Erscheinungsformen der Inflation

Je nach den Erscheinungsformen unterscheidet man verschiedene Arten der Inflation.

3.1. Offene und verdeckte Inflation

Eine Unterscheidung nach ihrer Wahrnehmbarkeit fuhrt zur Differenzierung zwischen offener und verdeckter Inflation. Eine offene Inflation liegt vor, wenn sich der Anstieg des Preisniveaus ungehindert vollzieht und sich in der Statistik niederschlagt. Der Staat schreibt weder Hochst- noch Festpreise vor. Das Preisniveau steigt „offen“ gemaB den Marktbedingungen. Bei der verdeckten Inflation gibt der Staat Hochst- oder Festpreise vor, ohne die inflationaren Antriebskrafte zu beseitigen. Das Preisniveau wird, gemessen an den administrativen Preisen, verhaltnismaBig stabil gehalten. Die Menschen konnen mit ihrem Geld wenig anfangen, weil das Guterangebot zu gering ist. Vor den Geschaften bilden sich Schlangen, der Staat muss rationieren bzw. es stehen keine Guter zur Verfugung und Schwarzmarkte entstehen (vgl. Lachmann, 2006, S. 260).

3.2. Schleichende, trabende, galoppierende und Hyperinflation

Die Inflation kann auch nach der Geschwindigkeit, mit dem sich der Preisniveauanstieg vollzieht unterschieden werden. Eine schleichende Inflation bezeichnet eine geringe, aber stetige Geldentwertung. Die jahrliche Inflationsrate bleibt unter 5 % und wird von den Marktteilnehmern gar nicht wahrgenommen. Wenn diese Schwelle uberschritten wird spuren die Wirtschaftssubjekte den Kaufkraftschwund. Steigt die Inflationsrate auf bis zu 10 % pro Jahr, spricht man von einer trabenden Inflation. Eine monatliche Preissteigerungsrate, die groBer als 50 % ist, bezeichnet eine galoppierende Inflation. Wenn die Druckereien mit dem Drucken neuer Banknoten nicht mehr nachkommen, taglich Gehalter gezahlt werden mussen und wenn jedermann versucht das erhaltene Geld sofort wieder in Sachwerte umzusetzen befindet man sich in einer Hyperinflation, wie es in Deutschland 1923 der Fall war (vgl. Lachmann, 2006, S. 259). Eine genaue Abgrenzung zwischen diesen Erscheinungsformen gibt es nicht. In der Literatur gibt es unterschiedliche Prozentangaben zu den jeweiligen Inflationsarten.

3.3. Temporare und permanente Inflation

Eine Analyse der Inflation nach der Dauer des Inflationsprozesses hat zu der Unterscheidung in temporare und permanente Inflation gefuhrt. Eine temporare Inflation bezeichnet eine Erhohung des Preisniveaus, die durch ein Absinken der Preise im weiteren Verlauf wieder ruckgangig gemacht wird. Von einer permanenten Inflation spricht man, wie der Name schon sagt, wenn ein Preisniveauanstieg permanent zu beobachten ist. Eine permanente Inflation liegt dann vor, wenn der Anstieg des Preisniveaus nicht zum Stillstand kommt (vgl. Lachmann, 2006, S. 259).

4. Ursachen der Inflation

Die Ursachen der Inflation liegen in der Veranderung des Angebots- und N achfrageverhalten.

4.1. Angebotsinflation

Eine Angebotsinflation liegt vor, wenn die PreissteigerungsanstoBe von der Guterangebotsseite ausgehen. Hier wird zwischen Gewinn-, Kosten- und Steuerinflation unterschieden.

4.1.1. Gewinninflation

Der Erklarungsansatz der Gewinninflation geht davon aus, dass die Unternehmen aufgrund ihrer Marktmacht in der Lage sind, den Gewinn zum Bestimmungsgrund ihrer Preise werden zu lassen. Dies setzt ein Angebotsmonopol oder Angebotsoligopol, sowie eine hohe Markteintrittsbarriere voraus. Konnen die Unternehmen ihre Gewinne ausdehnen und so ihren Anteil am Volkseinkommen erhohen, entsteht Inflation (vgl. o.A., 2000, S. 1515).

4.1.2. Kosteninflation

Wenn es zu Preiserhohungen kommt, folgt oft eine Welle von Lohnerhohungen und umgekehrt (Preis-Lohn-Preis-Spirale). Demnach sind die Gewerkschaften in der Lage, Lohnsteigerungen durchzusetzen, die seitens der Unternehmen nicht durch Gewinnkompressionen oder durch Produktivitatssteigerungen aufgefangen werden konnen. Der wachsende Kostendruck fuhrt bei den Unternehmen zu Preissteigerungen, die aufgrund der Marktmacht auch durchgesetzt werden konnen. Der einsetzende Verteilungskampf zwischen Gewerkschaften und Unternehmen verursacht eine fortschreitende Inflation. Die Anspruche der Wirtschaftssubjekte wachsen schneller als das Handelsvolumen (Angebot), deshalb spricht man von einer Anspruchsinflation (vgl. Hartmann, 2007, S. 543). Naturlich erfasst die Kosteninflation auch andere Kosten wie zum Beispiel gestiegene Rohstoff- und Kreditkosten.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Arten, Ursachen und Auswirkungen der Inflation
Note
84 Punkte
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V155973
ISBN (eBook)
9783640695867
ISBN (Buch)
9783640696086
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arten, Ursachen, Auswirkungen, Inflation, Punkte
Arbeit zitieren
Markus Schröter (Autor), 2010, Arten, Ursachen und Auswirkungen der Inflation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155973

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