Erzähltheoretische Analyse von Uwe Timms "Kerbels Flucht" und Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"


Hausarbeit, 2003
16 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Analyse des Romans „Kerbels Flucht“ von Uwe Timm
2.1 Zeit
2.1.1 Erzählzeit und erzählte Zeit
2.1.2 Ordnung
2.1.3 Dauer
2.1.4 Frequenz
2.2 Modus
2.2.1 Distanz
2.2.2 Fokalisierung
2.3 Stimme
2.3.1 Zeitpunkt des Erzählens
2.3.2 Ort des Erzählens
2.3.3 Stellung des Erzählers zum Geschehen
2.3.4 Subjekt und Adressat des Erzählens

3. Analyse der Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ von Heinrich von Kleist
3.1 Zeit
3.1.1 Erzählzeit und erzählte Zeit
3.1.2 Ordnung
3.1.3 Dauer
3.1.4 Frequenz
3.2 Modus
3.2.1 Distanz
3.2.2 Fokalisierung
3.3 Stimme
3.3.1 Zeitpunkt des Erzählens
3.3.2 Ort des Erzählens
3.3.3 Stellung des Erzählers zum Geschehen
3.3.4 Subjekt und Adressat des Erzählens

4. „Kerbels Flucht“ und „Die Verlobung in St. Domingo“ im kurzen Vergleich

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit werde ich Textauszüge[1] aus Uwe Timms Roman „Kerbels Flucht“ und Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ in den Kategorien Zeit, Modus und Stimme analysieren. Grundlage für diese Analyse werden Matias Martinez‘ und Michael Scheffels theoretische Überlegungen zur literarischen Erzählung sein, die sie in ihrem Buch „Einführung in die Erzähltheorie“[2] veröffentlicht haben. Abschließend werden diese beiden Textausschnitte noch einem kurzen Vergleich in formaler sowie erzähltheoretischer Hinsicht unterzogen.

2. Analyse des Romans „Kerbels Flucht“ von Uwe Timm

2.1 Zeit

2.1.1 Erzählzeit und erzählte Zeit

Die Erzählzeit des Romans ist nicht genauer bemessen. Sie erstreckt sich in der Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch von 1991[3] über 183 Seiten, von denen hier drei Seiten behandelt werden. Die erzählte Zeit des Textabschnittes hingegen lässt sich genau bemessen, da es sich bei Timms Roman um einen Tagebuchroman handelt und die Einträge genau datiert sind – die erzählte Zeit umfasst also einen Zeitraum von ungefähr vier Tagen.

2.1.2 Ordnung

Die Erzählung beginnt mit der Einleitung eines fiktiven Erzählers, in der kurz die Abreise von Karin, der Freundin des Protagonisten Kerbel, thematisiert wird.

Innerhalb der Tagebucheintäge des ehemaligen Germanistikstudenten Kerbel, der sich als Taxifahrer durchschlägt, finden immer wieder Analepsen statt. Dabei wird ein Ereignis nachträglich dargestellt, das zu einem früheren Zeitpunkt stattgefunden hat als dem, den die Erzählung bereits erreicht hat:

In ihrem Zimmer sieht es aus wie nach einer Explosion. [...] Sie hat ihre Wäsche einfach aus dem Schrank gezerrt und in den Koffer gesteckt.[4]

Hier erzählt die Figur Kerbel, wie es in ihrem Zimmer aussieht, nachdem er sie zum Flughafen gefahren hat. In Form einer Analepse von unbestimmter Reichweite und Umfang erzählt er im nächsten Absatz von dem Geschehen, das sich vor der Abfahrt ereignete, also einem Ereignis, das zu einem früheren Zeitpunkt stattfand:

Als ich ihr anbot, sie zum Flughafen zu fahren, nahm sie sofort an.[5]

Hierauf folgt eine weitere Analepse mit der Reichweite von einer Woche und einem nicht exakt bemessenen Umfang:

Noch vor einer Woche hatte sie mir mit ihren Klamotten eine Modenschau vorgeführt.[6]

Es handelt sich hierbei um eine partielle Analepse, da der Einschub nicht lückenlos bis an die Erzählgegenwart heran führt. Des Weiteren ist dies eine externe Analepse: die eingeschobene Erzählung der Modenschau gehört nicht zu dem, von der Hauptgeschichte umfassten, Zeitabschnitt.

[...]


[1] Wenn im Folgenden die Rede von der Erzählung ist, beziehe ich mich nur auf die behandelten Textauszüge, nicht auf den gesamten Text.

2 Martinez, Matias/Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. 3. Auflage. München: C.H. Beck 2002.

[3] Timm, Uwe: Kerbels Flucht. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1991.

[4] Timm, Uwe: Kerbels Flucht. S. 8.

[5] Ebd. S. 8.

[6] Ebd. S. 8.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Erzähltheoretische Analyse von Uwe Timms "Kerbels Flucht" und Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Note
1-
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V15598
ISBN (eBook)
9783638206624
ISBN (Buch)
9783656555261
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Vergleich, Verlobung, Domingo, Literaturwissenschaft, Erzähltheorie, Erzählwerkanalyse, Uwe Timm, Heinrich Kleist, Matinez Scheffel, Kerbels Flucht, Die Verlobung in St. Domingo, Heinrich von Kleist
Arbeit zitieren
Katrin Reichwein (Autor), 2003, Erzähltheoretische Analyse von Uwe Timms "Kerbels Flucht" und Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15598

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