Wie lässt sich das grausame Ende der beiden Könige erklären? Wurde Kleomenes I. wirklich wahnsinnig und brachte sich, durch Selbstverstümmelung, selbst um wie es Herodot im sechsten Buch seiner Historien schreibt? Und ist der Medismos-Vorwurf gegen Pausanias gerechtfertigt? Kollaborierte er wirklich mit den Persern und plante die Heloten zu befreien, wie es Thukydides behauptet? Warum konnten sich die beiden Feldherren nicht besser in den spartanischen Kosmos integrieren, wie es laut Plutarch, Agesilaos II. so vorbildlich gelang?
In der vorliegenden Bachelorarbeit sollen die beiden militärischen Führer König Kleomenes I. und der Regent Pausanias miteinander verglichen werden. Ziel der Arbeit ist herauszufinden ob die Beschreibung der beiden Persönlichkeiten in den Quellen der historischen Wahrheit entspricht. Und, um die Worte des deutschen Historikers Leopold von Ranke (1795-1886) zu bemühen, zu „sagen, wie es eigentlich gewesen“ ist und ,,die Fakten, wie sie sind zu erkennen, zu durchdringen und darzustellen“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kleomenes I. bei Herodot
3. Die drei Einfälle des Kleomenes I. nach Attika
3. 1. Erster Zug des Kleomenes nach Attika 510 v. Chr.
3. 2. Zweiter Zug des Kleomenes nach Attika 508/507 n. Chr.
3. 3. Dritter Zug des Kleomenes nach Attika 507/6 v. Chr.
4. Kleomenes I., Damaratos und Kampf gegen die Polis Argos
5. Das mysteriöse Ende des Kleomenes
6. Pausanias bei Herodot
7. Pausanias bei Thukydides
8. Pausanias bei Pausanias „Periegetes“
9. Fazit
10. Chronologie
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die historischen Persönlichkeiten Kleomenes I. und Pausanias kritisch anhand der antiken Quellen zu analysieren und zu vergleichen. Im Mittelpunkt steht die Forschungsfrage, ob die literarische Darstellung dieser beiden Feldherren durch Herodot und Thukydides der historischen Wahrheit entspricht oder von externen Motiven und Vorurteilen geprägt ist.
- Analyse der Darstellung von Kleomenes I. und Pausanias in antiken Quellen.
- Untersuchung der politischen Hintergründe und Außenpolitik Spartas im Übergang zur Klassik.
- Kritische Reflexion der "Kleomenes-Doktrin" und ihrer Auswirkungen.
- Evaluation des Hegemoniewechsels von Sparta zu Athen durch den Aufstieg des Seebundes.
- Mentale und ideologische Prägung durch Historiographen wie Herodot und Thukydides.
Auszug aus dem Buch
3.2. Zweiter Zug des Kleomenes nach Attika 508/507 n. Chr.
Nachdem Isagoras gegen Kleisthenes unterlegen war rief dieser wiederum seinen Verbündeten Kleomens zur Hilfe. Dieser reagierte indem er, laut Herodot, einen Herold nach Athen schickte und von den Athenern die Verbannung der „fluchbeladenen“ Alkmaioniden und mit ihnen des Kleisthenes forderte. Vor der Zeit des Tyrannen Peisistratos hatten die Alkmaioniden nämlich den Olympiasieger Kylon ermordet, der ebenfalls nach der Alleinherrschaft gestrebt hatte. Sich nach dem Scheitern seiner Pläne aber unter das Kultbild der Göttin geflohen hatte und damit eine Art Tempelasyl erhalten hatte. Weil er daraufhin trotzdem getötet worden war bezeichnete Kleomenes die Alkmaioniden als „Fluchbeladene“.
Auf die Forderung des Kleomens hin verließ Kleisthenes tatsächlich heimlich die Stadt. Kleomenes erschien aber, im Zuge eines zweiten Einfalles 508/507, mit einem kleinen Aufgebot trotzdem in Athen und vertrieb, laut Herodot, auf Anweisung von Isagoras, siebenhundert fluchbeladene Familien, mit denen Isagoras in Konflikt stand. Als Kleomens versuchte den Rat der Athener aufzulösen und dreihundert Anhängern des Isagoras Regierungsämter in die Hand zu geben leistete dieser Widerstand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik anhand von Zitaten, die das Spannungsfeld zwischen antiker Moralvorstellung und historischer Realität beleuchten.
2. Kleomenes I. bei Herodot: Analyse der Rolle von Kleomenes als bedeutende Persönlichkeit Spartas und dessen Handeln im Kontext der persischen Expansion.
3. Die drei Einfälle des Kleomenes I. nach Attika: Detaillierte Betrachtung der militärischen Interventionen zur Durchsetzung spartanischer Interessen in Athen.
4. Kleomenes I., Damaratos und Kampf gegen die Polis Argos: Untersuchung der Konfliktlinien zwischen den spartanischen Königen sowie der aggressiven Außenpolitik gegenüber Argos.
5. Das mysteriöse Ende des Kleomenes: Kritische Hinterfragung des überlieferten Wahnsinns und die Vermutung einer gezielten Liquidierung durch politische Gegner.
6. Pausanias bei Herodot: Beurteilung der Führungsrolle des Pausanias in den Perserkriegen, insbesondere in der Schlacht von Plataiai.
7. Pausanias bei Thukydides: Diskussion der negativen Zeichnung des Pausanias als vermeintlicher Verräter und Machtstreber im Kontext des Hegemoniewechsels.
8. Pausanias bei Pausanias „Periegetes“: Auswertung von Andenken und Kulthandlungen in Sparta, die ein differenzierteres Bild des Pausanias zeichnen.
9. Fazit: Resümee über die Zuverlässigkeit der Quellen und die Vermutung, dass politische Falschinformationen das Bild der Feldherren maßgeblich prägten.
10. Chronologie: Einordnung der Ereignisse und Lebensdaten in einen größeren historischen Zeitstrahl von der Archaik bis zum Hellenismus.
Schlüsselwörter
Kleomenes I., Pausanias, Sparta, Herodot, Thukydides, Perserkriege, Hegemonie, Isagoras, Kleisthenes, Medismos, Plataiai, Ephoren, Damaratos, Delisch-Attischer Seebund, Orakel von Delphi.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert kritisch die literarische Darstellung der spartanischen Feldherren Kleomenes I. und Pausanias in den antiken Quellen, insbesondere bei Herodot und Thukydides.
Welche zentralen Themenbereiche werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die spartanische Außenpolitik, die Rolle der Könige im Doppelkönigtum, die Konflikte mit Athen sowie die methodische Hinterfragung antiker Geschichtsschreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob die Schilderungen der Quellen der historischen Realität entsprechen oder ob sie durch spätere politische Propaganda und Interpretationen verzerrt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse, die antike Texte unter Berücksichtigung moderner Forschungsergebnisse und historischer Kontextualisierung vergleicht.
Welcher Inhalt steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische und personenzentrierte Abschnitte, die das Handeln von Kleomenes und Pausanias detailliert auf Basis der Historien und des Peloponnesischen Krieges auswerten.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Spartanische Hegemonie, Quellenkritik, Antike Geschichtsschreibung, Perserkriege, Politische Intrige und Führungspersönlichkeit.
Wurde Kleomenes I. tatsächlich wahnsinnig?
Die Arbeit legt nahe, dass der überlieferte Wahnsinn ein Topos sein könnte, um ein mutmaßliches politisches Attentat auf Kleomenes zu verschleiern.
War der Medismos-Vorwurf gegen Pausanias gerechtfertigt?
Die Arbeit hinterfragt diesen Vorwurf kritisch und deutet ihn als Teil eines politischen Konflikts, in dem versucht wurde, das spartanische Ansehen durch Desinformationen zu beschädigen.
Welche Rolle spielt das Orakel von Delphi in der Arbeit?
Das Orakel wird als politisches Instrument analysiert, das sowohl von den Königen zur Legitimierung als auch von Gegnern zur Diskreditierung eingesetzt wurde.
- Arbeit zitieren
- Felix Ludewig (Autor:in), 2024, Kleomenes I. und Pausanias, der Regent. Analyse der literarischen Darstellung und politischen Hintergründe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1559966