Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Dritten Reich von 1933-1936


Magisterarbeit, 2000
91 Seiten, Note: 1,8 (gut)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Problemhintergrund und Forschungstendenzen
1.2. Fragestellungen und Vorgehensweise

2. Die globale Wirtschaftskrise und Ansätze zu ihrer Überwindung
2.1. Die Weltwirtschaftskrise 1929 und ihre Auswirkungen auf Deutschland
2.2. Arbeitsbeschaffungsprogramme aus der Zeit der Weimarer Republik
2.2.1. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter der Regierung Brüning
2.2.2. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung Papen
2.2.3. Das "Sofort-Programm" der Regierung Schleicher

3. Die wirtschaftspolitische Programmatik der Nationalsozialisten vor dem Machtantritt
3.1. Hitlers Einstellung zu wirtschaftspolitischen Fragen vor 1933
3.2. Das "Wirtschaftliche Sofortprogramm" der NSDAP

4. Die zivilen Arbeitsbeschaffungsprogramme unter der
4.1. Unmittelbare Arbeitsbeschaffung
4.1.1. Das „Reinhardt-Programm“
4.1.2. Reichsautobahnbau – Die Bewerkstelligung des Baus der
4.1.3. Sonderprogramme
4.2. Mittelbare Arbeitsbeschaffung
4.2.1. Steuervergünstigungen als Investitionsanreiz
4.2.2. Das Ehestandsdarlehen
4.2.3. Das Gebäude-Instandsetzungs-Gesetz (GIG)
4.2.4. Maßnahmen zum Abzug von Arbeitskräften aus dem Arbeitsprozeß

5. Die Organisation der Arbeitsbeschaffung
5.1. Aufgaben der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (RAA)
5.2. Die Rolle der "Deutschen Arbeitsfront" (DAF)

6. Die Auswirkungen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
6.1. Konjunktur- und Wirtschaftsentwicklung in den Jahren 1933-1936
6.2. Entspannung des Arbeitsmarktes
6.3. Wertung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik

7. Die Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
7.1. Spende zur Förderung der nationalen Arbeit
7.2. Die Vorfinanzierung der Staatsaufträge
7.3. Auswirkungen auf den Reichshaushalt

8. Schlußbetrachtungen

9. Quellen- und Literaturverzeichnis
9.1. Quellenverzeichnis
9.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemhintergrund und Forschungstendenzen

Zur Zeit der nationalsozialistischen "Machtergreifung" im Januar 1933 umfaßte die Arbeitslosigkeit in Deutschland ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung, die industrielle Produktionskapazität lag fast zur Hälfte brach. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und wirtschaftspolitische Zurückhaltung der Regierungen Brüning, Schleicher und Papen schufen eine Rekordarbeitslosigkeit von über 6 Millionen Menschen. Nach der nationalsozialistischen "Machtergreifung" im Januar 1933 setzte die Regierung Hitler ein Arbeitsbeschaffungsprogramm in Kraft, durch welches mit den verschiedensten Maßnahmen zur Beeinflußung des Arbeitsmarktes innerhalb von 4 Jahren Vollbeschäftigung erreicht werden konnte.[1]

Von der Wirtschaftspolitik des "Dritten Reiches" sind im kollektiven Gedächtnis im wesentlichen ihre spektakulären Seiten haften geblieben: der Bau der Autobahnen, das Versprechen von Massenwohlstand, der Auftrieb der deutschen Wirtschaft und natürlich die Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Neben dem Interesse am Aufstieg der NSDAP, ihrer Machtpolitik und Deutschlands Rolle im 2. Weltkrieg, fragt sich die Geschichtswissenschaft verstärkt nach der Strategie des Regimes zum schnellen Aufschwung der deutschen Wirtschaft und dem Weg zur Vollbeschäftigung. Die Beurteilung dieser Aspekte unterlagen meist unterschiedlicher Ansatzpunkte und Sichtweisen. Eine Hauptfrage beschäftigte sich hierbei vor allem damit: Welches Gewicht hatten solche "zivilen" Projekte beim Abbau der Massenarbeitslosigkeit gegenüber denen, die klar der Aufrüstung dienten? Daß dies zweifelsfrei vom Beginn der "Machtergreifung" an nur selten zu trennen ist, wird die Arbeit versuchen darzu-stellen.

Die Beschäftigung mit der Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus seitens der wirtschaftshistorischen Literatur besteht seit den 30er Jahren. Dabei ist meist eine bewundernde Meinung der ausländischen Wirtschaftshistoriker festzustellen, die meinten, daß die Nationalsozialisten die globale Wirtschaftskrise für Deutschland am schnellsten lösen konnten. Für deutsche Historiker in der Zeit des National-sozialismus trifft meist die Beurteilung zu, daß sie, verblendet durch Propaganda oder kontrolliert durch Zensur, den Wirtschaftsaufschwung in den höchsten Tönen lobten.[2] Die Forschung nach dem 2. Weltkrieg stützte sich zuerst auf die Ergebnisse des United States Strategic Bomb Survey, welches eingesetzt wurde, um die Auswirkungen der alliierten Luftangriffe auf Deutschland auszuwerten. Diese Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, daß sich die Westmächte ein falsches Bild von der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands machten. Vertreten durch u.a. Kaldor oder Klein[3] konnten sie feststellen, daß die Vorstellung von einem hochgerüsteten Deutschland, welches auf eine lange Kriegsführung vorbereitet war, nicht mit der Realität übereinstimmte.[4]

Das Ausmaß an Quellen zur Geschichte des National-sozialismus in Deutschland macht eine weitreichende Forschung zu allen Themen-bereichen möglich. Durch Luftangriffe, aber auch Vernichtungsmaßnahmen seitens der Beamten und Funktionäre, gingen jedoch auch wichtige Quellen verloren. Deshalb ist vielfach ein Rückgriff auf Sekundärliteratur nötig, wenn primäre Zeugnisse fehlen. Einsicht in die Arbeit der Ministerien, welche bei der Umsetzung der Arbeitsbeschaffungs-programme von großer Bedeutung waren, bieten die Akten des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes.[5] Akten aus dem Reichsfinanz-, Reichswehr- und Reichswirtschaftsministerium ruhen im Bundesarchiv (BA) in Koblenz. Um sich die von der Reichsregierung im Bezug auf die Arbeitsbeschaffung geschlossenen Maßnahmen näher zu führen, helfen die Aufzeichnungen der Reichsgesetz- und Reichsarbeitsblätter. Wie der Historiker Jürgen Stelzner feststellte, bieten die Bestände des Reichsfinanzministeriums für die Aufarbeitung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen reichlich Material; wenig ergiebig dagegen sind die Akten des Reichsarbeits- und Reichswirtschaftsministeriums, da sie überwiegend Schriftgut nach 1936 beinhalten.[6] Reden und Ausschnitte aus Besprechungen der Reichsregierung sind den Akten der Reichskanzlei zu entnehmen, so die "Chefbesprechung" zur Arbeitsbeschaffung, Aufrüstung und der Planung zum Autobahnbau. Desweiteren können die statistischen Ausführungen im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich, im Statistischen Handbuch für das Deutsche Reich, welches von den Alliierten herausgegeben wurde, und die Publikationen des Instituts für Konjunkturforschung benutzt werden. Die Aufarbeitung der vorhandenen frei verfügbaren, primären Quellen durch die Geschichtswissen-schaft ist größtenteils abgeschlossen. Aktenveröffentlichungen seitens der Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika oder des jetzigen Rußlands seit dem Ende des "Kalten Krieges" lassen die Hoffnungen aufkeimen, in den Besitz weiterer Dokumente aus der Zeit des NS-Regimes zu gelangen. Von den gedruckten Quellen sind die Aufzeichnungen der führenden Vertreter des Nationalsozialismus wie z.B. von Adolf Hitler[7], Gregor Strasser[8], Friedrich Syrup[9] oder Fritz Todt[10] von großer Hilfe. Ebenso bieten die Parteiprogramme der NSDAP[11] oder die Schriften des Exilvorstandes der SPD (Sopade)[12] Einblicke z.B. in die Wirtschaftstheorie der jeweiligen Gruppierungen. Weitere zeitgenössische Literatur, welcher aber teilweise der Makel der ideologischen Beeinflußung anhängt, sind die Werke von Karl Schiller[13], Leo Grebler[14] und Hans Priester.

Damit soll auf die Darstellungen der Wirtschaftsgeschichte des "Dritten Reiches" verwiesen werden, welche danachgehend ausgesucht wurden, ob sie die in der Arbeit angesprochenen Fragen beantworten könnten. Dem Problem der Wirtschaftspolitik der Präsidialkabinette widmen sich besonders Knut Borchardt[15], der in seinen Aufsätzen vor allem versucht die Ursachen der deutschen Wirtschaftskrise herauszuarbeiten; und Carl-Ludwig Holtfrerich[16], der das jeweils Typische aus den Wirtschaftsprogrammen der letzten Weimarer Regierungen zusammenstellt. Einen großen Beitrag zur Forschung schufen für diesen Komplex außerdem Gerhard Kroll[17], Helmut Marcon[18] und Henning Köhler[19], die die wichtigsten Stationen der Krisenbekämpfung vor Hitler aufzeigen. Eine Publikation, welche die Hauptprobleme der deutschen Wirtschaft anspricht und deren Aufzeichnungen noch heute ihre Gültigkeit besitzt, ist die von Dieter Petzina. Ein kritischer Umgang mit Quellen, vor allem die Analysen der Kabinettssitzungen der Präsidialkabinette, machen diese Arbeit so wertvoll. Als wichtige Quellensammlung hat sich die Arbeit des Schweizer Historikers René Erbe[20] durchgesetzt. In ihr findet sich eine hervorragende Auswertung aller Wirtschaftsstatistiken des "Dritten Reiches". Einen Beitrag zur Diskussion um Hitlers Einstellung zu Wirtschaft und Gesellschaft vor dem "Machtantritt" gibt u.a. Henry A. Turner[21] in seinem 1976 erschienenen Aufsatz. Arbeiten, die sich konkret auf die Arbeitsbeschaffung der Nationalsozialisten beziehen, stellen die Dissertationen von Jürgen Stelzner[22] und Guido Golla[23] dar. Deren präzise Quellenarbeit, der logische Aufbau ihrer Aufzeichnungen und die genaue Darstellung der von den Nationalsozialisten eingeführten Maßnahmen machen ihre Literatur zu Stützen der folgenden Arbeit. Wichtige Beiträge zum Verständnis des Baus der Reichsautobahnen schufen Kurt Kaftan[24] und Erhard Schütz[25]. Dieser Arbeit wurde außerdem die Arbeit von Claudia Brunner[26] zugrunde gelegt, die sich mit dem staatlichen Zugriff auf die Arbeitslosen beschäftigt und die Institutionen, die sich bei der Arbeitsbeschaffung bewährten, näher vorstellt. Weitere wichtige Hilfestellungen bei der Erfassung des Themas boten die Arbeiten von Dietmar Petzina[27] über den Arbeitereinsatz vor und während des 2. Weltkrieges, sowie die Ausführung des Franzosen Charles Bettelheim[28] zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffungs-programme.

Entscheidend beeinflußt hat die Diskussion zur deutschen Wirtschaft in der Zwischenkriegszeit die Frage nach dem Charakter des wirtschaftlichen Aufschwungs unter Adolf Hitler. Dabei spielt der Einfluß des "Keynesianismus"[29] eine entscheidende Rolle; vor allem aber interessiert der Anteil der Aufrüstung an der Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit. So bleibt der Aufsatz von Werner Abelshauser zu nennen, welcher sich damit beschäftigt, ob der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland eine notwendige Voraussetzung für die Mobilisierung aller Ressourcen, oder ob er eher ein Abfallprodukt der Rüstungsanstrengungen darstellte.[30] Dabei stößt man auf verschiedene Thesen bei der Analyse der Literatur: Die DDR-Geschichtsschreibung stellt vor allem das Schicksal und die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterklasse in den Mittelpunkt und kam zum Ergebnis, daß "der deutsche Faschismus [...] die grausamste Form der Herrschaft des Monopolkapitals"[31] darstellte. Bei der Schuldzuweisung für den deutschen Faschismus entwickelten die DDR-Historiker die "Agententheorie", nach der die Eigentümer und Manager der Industriekonzerne und Großbanken die Hauptverantwortlichen an der Rüstungspolitik waren und nicht Hitler und seine Paladine. Historiker im Westen Deutschlands und im nichtmarxistischen Ausland vertraten eher der "Unterordnungsthese". Ihr Kernpunkt besagt, daß mit Verkündung des Vierjahresplanes das NS-Regime seinen Führungsanspruch gegenüber Großindustrie und Banken durchsetzte.

Einen weiteren Diskussionspunkt bot die Frage nach dem Ende der Arbeitsbeschaffung und dem Beginn der Aufrüstung. So sahen einige Historiker, unter ihnen Gerhard Kroll[32], die ersten Jahre des Nationalsozialismus unter dem Vorzeichen eines friedlichen Aufschwungs der Wirtschaft, bei dem sich alle Maßnahmen der Beseitigung der Arbeitslosigkeit unterordneten. Seit der Arbeit von Wolfram Fischer[33] geht die Geschichtsschreibung jedoch davon aus, daß jegliche Anstrengungen seitens des Staates in wirtschaftlicher Sicht sofort nach der "Machtergreifung" der Vorbereitung eines Krieges dienten. Von diesem Standpunkt wichen die Historiker bis auf den heutigen Tag nicht ab.

Der von Adolf Hitler vorgetragene "Aufruf der Reichsregierung an das deutsche Volk" vom 1. Februar 1933 versprach "die Rettung des deutschen Bauern zur Erhaltung der Ernährungs- und damit Lebensgrundlage der Nation" sowie die "Rettung des deutschen Arbeiters durch einen gewaltigen und umfassenden Angriff gegen die Arbeitslosigkeit" innerhalb von vier Jahren.[34] Da Adolf Hitler in "Mein Kampf" der Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle in Staat und Gesellschaft zubilligte und in ihr nur eine "notwendige Dienerin im Leben eines Volkskörpers"[35] sah, hatte auch er keine zwingenden Antworten parat, die wirtschaftliche Situation entscheidend zu beeinflußen und vor allem die Arbeitslosen von der Straße zu holen.

Und trotzdem war sich das nationalsozialistische Regime darin bewußt, "daß ihr Machterhalt und die Verwirklichung ihrer Ziele von der wirtschaftlichen Lage Deutschlands abhingen."[36]

1.2. Fragestellungen und Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit untersucht und durchleuchtet das Phänomen des „deutschen Wirtschaftswunders“ der 30er Jahre. Dabei wird sie sich in Form einer Literaturstudie mit folgenden Fragen beschäftigen: Inwieweit wurde die wirtschaftliche Krise der 20er und 30er Jahre von den Regierungen vor Hitler erkannt und worin bestanden die ersten Vorkehrungen seitens der Kabinette zum Aufschwung der Wirtschaft und der Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit ?

Aufgrund unserer Aufgabenstellung wird vor allem zu prüfen sein, inwieweit das nationalsozialistische Regime durch eigene Maßnahmen zur Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland beigetragen hat. Ansatzpunkt für das Wirtschaftsprogramm des NS-Regimes bot das vom ehemaligen Reichskanzler Kurt von Schleicher vorbereitete Sofortprogramm, da es nach Hitler "...besonders geeignet [wäre], den Interessen der Wiederaufrüstung dienstbar gemacht zu werden. Es ermöglichte am ehesten die Tarnung der Arbeiten für die Verbesserung der Landesverteidigung."[37] Es soll veranschaulicht werden, inwieweit die wirtschaftspolitischen Programme der Kabinette Brüning, Schleicher und Papen die wirtschaftlichen Probleme hätten lösen können und was die Gründe dafür waren, weshalb sie nicht zur Ausführung kamen. Welche Voraussetzungen wurden durch die Vorarbeiten dieser Kabinette geschaffen, die es Hitler ermöglichten, eine Politik zu führen, „die von Anbeginn in den verschiedensten Ausprägungen aus dem Vollen zu schöpfen schien.“?[38] Das Volumen der Aufzeichnungen zur Wirtschaftspolitik der Präsidialkabinette ist deshalb so groß gewählt, da die Regierung Hitler, wie sich zeigen wird, sich größtenteils auf diese Programme stützte.

Ein kurzer Einblick in die Situation der deutschen Wirtschaft der 20er und 30er Jahre soll vorerst verdeutlichen, mit welchen ökonomischen Problemen sich die Regierungen Brüning bis Hitler zu befassen hatten. Dabei wird wichtig sein, zu fragen, inwieweit sich Adolf Hitler und die NSDAP vor 1933 wirtschaftspolitischen Fragen zuwendeten und mit Hilfe welcher Maßnahmen sie der Wirtschaftskrise in Deutschland begegnen wollten.

Inwiefern kann wirklich von einem "nationalsozialistischen Wirtschaftswunder" gesprochen werden ? Eine oberflächliche Sicht über die statistischen Daten der deutschen Wirtschaft der Jahre 1933 bis 1936 zeigt, daß mit dem Jahre 1936 die Vollbeschäftigung[39] in der deutschen Wirtschaft erreicht wurde und sich bereits ein Arbeitskräftemangel in bestimmten Bereichen der Industrie abspiegelte. So will diese Darlegung versuchen, althergebrachte Legenden von der Wirtschaftspolitik Hitlers, welche auch bis heute noch nicht beseitigt wurden und einerseits auf den Erfolg der NS-Propaganda, andererseits auf den Mißerfolg aller Aufklärungsversuche zurück- zuführen sind, aufzuklären. Zwei der bedeutendsten Legenden im Bezug auf die NS-Arbeitsbeschaffung stellen Hitler als den Wirtschaftsstrategen dar, der erstens die Arbeitslosigkeit in Deutschland beseitigte, und zweitens, dies mit Hilfe "seines" Projektes Autobahnbau erfolgreich erreichte. Es soll eine Analyse der ergriffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf dem Gebiet der zivilen Arbeitsbeschaffung durchgeführt werden. Dabei stellt sich die Frage mit welchen arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Instrumentarien die Nationalsozialisten die Arbeitslosigkeit in Deutschland verringern konnten. Den Schwerpunkt hierbei bildet ein Blick auf die „unmittelbaren“ und „mittelbaren“ Maßnahmen im Rahmen der nationalsozialistischen „Arbeitsschlacht“, der unmittelbare Regierungseingriff in die Wirtschaft, die Vergabe von öffentlichen Aufträgen und deren fiskalpolitischen Finanzierungsmöglichkeiten. Anhand des "Reinhardt-Plans" vom 1. Juni 1933[40] und des "2. Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit" vom 21. September 1933[41] werden die wichtigsten Eckpunkte im Programm der Reichsregierung zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit vorgestellt. Der Blick führt vom Bau der Reichsautobahnen zu den Sonderprogrammen von Reichsbahn und Reichspost; im Bereich der "Mittelbaren Arbeitsbeschaffung" sollen diverse Steuervergünstigungen, das "Ehestands-darlehen", das "Gebäude-Instandsetzungs-Gesetz" (GIG) und Anordnungen zum Abzug von Arbeitskräften vorgestellt werden. Daran anschließend wird versucht, anhand der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (RAA) und der "Deutschen Arbeitsfront", die Radikalität des Regimes bei der Beeinflußung der Arbeiter und der Instrumentalisierung des Volkskörpers zur Vorbereitung des Krieges darzustellen. Radikale Arbeitsmarktpolitik, Finanzpolitik und Beeinflußung der betrieblichen Strukturen stellten sich als die Grundfesten des national-sozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramm dar.

Desweiteren soll geklärt werden, wie sich die Arbeitsbeschaffungsprogramme der Regierung Hitler auf die konjunkturelle Entwicklung der Wirtschaft und die Arbeitslosigkeit auswirkten. Welche Maßnahmen, parallel zu den arbeitsschaffenden, wurden getroffen, um temporär bestimmte gesellschaftliche Gruppen, wie Frauen, Jugendliche oder ältere Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt auszuschließen ? Einen wichtigen Aspekt dieser Arbeit bildet die Bewertung der Arbeitsbeschaffungs-programme. Worin lagen trotz des sichtlichen Erfolgs aller Maßnahmen die negativen Nebenerscheinungen, und welchen Einfluß hatte die "Wiederwehrhaftmachung des deutschen Volkes" auf die Wirtschaftsprogramme ? Abschließend wird der finanzielle Hintergrund der Arbeitsbeschaffungsprogramme zur Sprache kommen. Wie wurde es möglich, nach all den finanzpolitischen Problemen zur Ankurbelung der Wirtschaft unter den Vorgängerregierungen, jetzt ein Programm zur Schaffung von Arbeit zu entwickeln und erfolgreich durchzuführen ?

Die Arbeit wird zeitlich beginnen mit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1929; enden im Jahre 1936, da in diesem Jahr die Vollbeschäftigung erreicht wurde und Arbeitsbeschaffung nicht das Hauptanliegen der Regierung darstellte, sondern Aufrüstung. Alle weiteren Programme seitens der Regierung dienten nicht vorsätzlich dem Abbau der Arbeitslosigkeit, sondern richteten sich zweifelsfrei auf die Vorbereitung eines Krieges. Die NS-Regierung setzte ihre radikale Wirtschafts-strategie weiter fort und forcierte alle wirtschaftlichen Bestrebungen Richtung Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Es soll eine Analyse der zivilen Arbeits-beschaffung versucht werden, wobei die Außenwirtschafts- und Agrarpolitik bewußt ausgeklammert werden. Diese Arbeit wendet sich hauptsächlich dem Abbau der Arbeitslosigkeit unter den Nationalsozialisten zu, zur Sprache kommen die Maßnahmen der Regierung Hitler zur Beseitigung dieses Problems. Fragen nach Lohn-, Freizeitpolitik, oder sozialen Umständen der Arbeiter werden nicht beantwortet. Einen entscheidenden Moment bei der Konsolidierung der Macht der Nationalsozialisten bildete die Propaganda. Auch wenn gerade in der Frage der Arbeitsbeschaffung und damit bei der Beseitigung der Arbeitslosen in Deutschland die propagandistischen Mittel entscheidend zum Erfolg beitrugen, wird diese Arbeit sich nicht damit beschäftigen.

2. Die globale Wirtschaftskrise und Ansätze zu ihrer Überwindung

2.1. Die Weltwirtschaftskrise 1929 und ihre Auswirkungen auf Deutschland

Der verlorene 1. Weltkrieg versetzte Deutschland in eine Zwangslage der Reparationszahlungen und der damit verbundenen internationalen Verschuldung. Deutschland entwickelte sich vom ehemaligen Gläubigerland zum nunmehr Schuldner der anderen Staaten. Verhängnisvoll für die Wirtschaft Deutschlands gestaltete sich vor allem der immer stärker vorangetriebene Protektionismus. Alle Länder versuchten durch hohe Zollmauern oder Einfuhrquoten ihre eigene Ökonomie zu schützen. Der Grund dafür war, daß durch die "kriegsbedingten Verwerfungen langfristiger Trends zuungunsten der etablierten europäischen Wirtschafts-standorte"[42] neue Wirtschaftszentren gegründet wurden, die diese Waren nun produzierten. Um den Absatz dieser Güter sicherzustellen, wurde der freie Welthandel aufgegeben. Beispiele dafür bringt Christoph Buchheim[43], der auf den 1930 von den USA eingeführten "Smoot-Hawley-Zolltarif" eingeht, welcher ein Spitzenniveau des Protektionismus darstellte. Weiterhin verließ das bis dahin durch eine Freihandelspolitik glänzende Großbritannien diese Prinzipien und ging mit den Commonwealth-Ländern eine Präferenzzone ein, in der ebenfalls durch verschiedene Zolltarifgesetze die inländischen Märkte und Unternehmen geschützt werden sollten.

Da Deutschland, einst wie auch heute, seine Wirtschaft größtenteils auf den Export abstimmte, fiel mit der Ausfuhrquote[44] und der Anzahl der Aufträge auch die Industrieproduktion, das Volkseinkommen und somit die Höhe der beschäftigten Arbeiter.

Seit 1927 steuerte die Welt in eine globale Wirtschaftskrise[45], die im Jahre 1929 ihren Höhepunkt erreichte.

Allgemein wird der 25. Oktober 1929 als der Beginn der Weltwirtschaftskrise gesehen, als es am sogenannten "Schwarzen Freitag" zu einem Börsencrash in der Wertpapierbörse von New York kam. Friedrich-Wilhelm Henning charakterisiert den Weg zur Wirtschaftskrise so: "Die relativ langfristige Prosperitätsperiode für die industrielle Produktion, die Gewinne und die Börsenkurse hatten zu der verbreiteten Annahme verleitet, daß wesentliche wirtschaftliche Schwankungen, wie sie vor allem in der Zeit von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg noch verbreitet waren, nicht mehr eintreten würden. Es herrschte ein allgemeiner Fortschrittsglaube."[46] Durch den globalen Aufschwung in Industrie und Landwirtschaft ab Mitte der 20er Jahre wurden mehr Gelder in Investitionen von Industrieanlagen gepumpt als sich am Ende wirklich rechnete. Der Verbrauch der Bevölkerung war nicht spürbar gestiegen, jedoch setzten sich die Investitionen weiter fort, so daß es zu Überkapazitäten kam. Das Vertrauen in die Konjunkturphase erzeugte eine Überproduktion von Gütern, welcher nicht genügend Nachfrage entgegenstanden. Also konnten die inneren und äußeren Märkte diese Produkte nicht aufnehmen. Seit dem Konjunkturbeginn Mitte der 20er Jahre hatten vor allem amerikanische Kapitalimporte in Deutschland zu einem Kapazitätsausbau der Industrie geführt. Diesem vorausgegangen war eine Fehleinschätzung der Aufnahmefähigkeit des Marktes. In den Zeiten steigender Börsenkurse wollte niemand an ein mögliches Abflachen oder Stocken dieser Konjunkturphase glauben.[47]

Um die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zu untersuchen, lehnt sich die Arbeit an Jürgen Stelzners Vorgehensweise zur Untersuchung des Volks-einkommens und der Produktion und dem wichtigsten Indikator der Wirtschaft, der Arbeitslosigkeit an.[48] Aufgrund des fehlenden Absatzes der Waren auf dem Weltmarkt mußte die Industrie Rationalisierungsmaßnahmen durchführen, um ihr Fortbestehen zu gewährleisten. Wem das nicht mehr gelang, mußte die Produktion einstellen und seinen Betrieb schließen, so daß es allein im Jahre 1932 in Deutschland zu 62.000 Konkursen in der Industrie kam. Die Zahl der jährlichen Konkurse verdoppelten sich von 1928 bis 1932.[49]

Die Hauptindikatoren der deutschen Wirtschaft besagten folgendes: Das Volkseinkommen fiel in den Jahren 1928 bis 1932 um rund 40%, das Einkommen aus unselbständiger Arbeit, also Löhne und Gehälter, sank um 50%. Der Handel und die Gewerbe hatten ebenfalls einen Rückgang um rund 50% zu verbuchen. Die gesamte deutsche Industrieproduktion ging in diesen vier Jahren um 46,8% zurück, die landwirtschaftliche Erzeugung sank um 36%.[50] Da die allgemeine Produktion abnahm und die Mittel für neue Investitionen nicht zur Verfügung standen, wurden auch kaum noch Kredite für Neuinvestitionen gewährt. Ausländische Finanzmittel, welche in der Konjunkturphase in Deutschland angelegt worden waren, wurden nun schnell wieder abgezogen, die inländischen Geldmittel schwanden.[51] Eine Ab-schwächung der Konjunktur mit dem Anwachsen der Arbeitslosenzahl[52] auf 2,6 Mill. Personen begann schon im Winter 1928/1929. Im Laufe der Weltwirtschaftskrise mit ihren negativen Folgen auf die Industrieproduktion, wie die Rationalisierungs-maßnahmen mit der Schließung von Betrieben und der Entlassung von Beschäftigten, stieg die Arbeitslosenzahl bis 1932 auf einen Höchststand von 6,128 Millionen.[53]

2.2. Arbeitsbeschaffungsprogramme aus der Zeit der Weimarer Republik

Die Klärung der Reparationsfrage gehörte zu den zentralen Inhalten der Weimarer Wirtschaftspolitik. "Das Ziel der sogenannten "Erfüllungspolitik" der Weimarer Reichsregierungen lag darin, die Unerfüllbarkeit der Reparationsforderungen nachzuweisen, indem das Reich seinen Verpflichtungen bis an die Grenzen des Möglichen nachkam und somit die Absurdität der Auflagen unter Beweis zu stellen versuchte."[54]

Das Bestreben der letzten 3 Präsidialkabinette der Weimarer Republik war klar auf die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und dem Austritt aus der Wirtschaftskrise gerichtet. Jedoch war die Bereitschaft zum Risiko unter den Kabinetten noch nicht gegeben, welche die deutsche Wirtschaft aus ihren Tal hätten führen können. Die Ansatzpunkte der Regierungen Brüning, Papen und Schleicher waren ähnlich, aber kamen zu spät oder wurden nicht konsequent genug durchgesetzt.

Wissenschaftler der Geschichte wie der Ökonomie versuchten seit jeher die Ursachen für die Wirtschaftskrise in Deutschland und die Entstehung von Massen-arbeitslosigkeit zu deuten. Abgesehen davon, daß diese depressiven Merkmale global auftraten und auch dort kaum Wege gefunden wurden, der Krise zu entrinnen, stand in der Forschung eine genauere Klärung der spezifisch deutschen Verhältnisse im Mittelpunkt. Die sogenannte "Borchardt-Kontroverse"[55] ging seit Anfang der 80er Jahre dem Problem nach, woran die Wirtschaft der Weimarer Republik krankte und weshalb ein Ausbrechen aus der Krise erfolglos blieb. Genauer wurde hier gefragt, ob die Lohn- und Sozialkostenentwicklung der Weimarer Wirtschaft schon vor der großen Weltwirtschaftskrise überfordert wurde durch die begrenzten Möglichkeiten der Volkswirtschaft. Trugen diese Faktoren neben anderen dazu bei, daß die Deflationspolitik des Reichskanzlers Brüning die einzige Möglichkeit darstellte ? Nach Knut Borchardt waren die zu hohen Reallöhne seit 1925 mitverantwortlich für die krisenhafte Existenz der deutschen Wirtschaft. Dies stellte unter anderem den Hauptgrund für die niedrige Investitionsquote dar, welche immer noch unter dem Vorkriegsniveau verharrte.[56]

Rolf Walter sieht in der durch Abzug ausländischer Finanzmittel eingetretenen Geldknappheit die Hauptursache der Wirtschaftskrise in Deutschland, wobei Brüning die Umstände seiner "Deflationspolitik" nicht beseitigen konnte, ja sogar die wirtschaftliche Talfahrt beschleunigte.[57] Carl-Ludwig Holtfrerich und Christoph Buchheim kamen in ihren Ausführungen zum Ergebnis, daß es mit der Deflationspolitik Brünings und der Verringerung der Staatsausgaben im März 1930 zu Lohn- und Gehaltssenkungen im öffentlichen Dienst und im privatwirtschaftlichen Bereich kam.[58] Buchheim gibt Borchardt zwar Recht und spricht von einer positiven Lohnentwicklung, vergleicht aber den Lohnanstieg der Jahre 1925 bis 1930 und den der Jahre 1950 bis 1955. Er kommt zu dem Ergebnis, daß in diesen Zeiträumen der Lohnanstieg etwa gleich war[59], jedoch die Begleitumstände völlig verschieden. Das Wirtschaftswachstum und die Investitionsquoten waren in den 50er Jahren viel höher, so daß man den Lohnanstieg zur Klärung des Wachstums nicht heranziehen kann. Jedoch erfüllte die "Borchardt-Kontroverse" ihre Funktion: Sie legte das Hauptaugenmerk der Forschung auf die Ursachen der Krise und stellte die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft in den Mittelpunkt des Interesses. Es mußten Wege gefunden werden, die wirtschaftliche Krisenfahrt zu stoppen und den Menschen in Deutschland durch Arbeitsbeschaffung Vertrauen in die demokratischen Verhältnisse der Weimarer Republik zu geben. Denn wie Jürgen Stelzner feststellte, führte die Krise in Industrie, Landwirtschaft und Bankenwelt "mit zunehmender Dauer auch zur wachsenden politischen Radikalisierung der Bevölkerung."[60] Knut Borchardt leitet daraus das spezifisch deutsche Problem an der Krise ab; "das besondere Maß an Politisierung - eben der enge Verbund von Wirtschafts- und Staatskrise."[61] Diese "Verkoppelung", so Borchardt, "des Schicksals von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat hat schließlich zur Fesselung von autonomen Kräften geführt und die Katastrophe nahezu unausweichlich gemacht."[62]

Die Erfolglosigkeit der Kabinette Brüning, Papen und Schleicher in der Lösung der wirtschaftlichen Probleme bereitete den Weg zum Machtantritt des Hitler-Regimes im Jahre 1933. Jedoch schufen sie die wirtschaftlichen Hauptansatzpunkte, nach denen die Nationalsozialisten nach ihrem Machtantritt ein Wirtschaftshilfsprogramm einleiten konnten, daß erfolgreich die Massenarbeitslosigkeit beseitigte. Die Frage nach dem Eigenanteil der NSDAP und der späteren Regierung Hitler am nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramm wurde vom israelischen Historiker Avraham Barkai klar beantwortet: "Die theoretische Diskussion zu Beschäftigungsproblemen geht also schon auf die Zeit vor 1933 zurück. Sie hat von nationalsozialistischer Seite - trotz der nach 1933 in größerem Umfang durchgeführten beschäftigungspolitischen Maßnahmen - keine wesentlichen Impulse erhalten."[63]

Auch Dieter Petzina verweist eindeutig auf die Unwahrheit der Worte des Hitler-Regimes an ihrem so propagierten "NS-Wirtschaftswunder" und ihrer "NS-Wirtschaftspolitik" in dem er resümiert: "Die Regierung Hitler brauchte sich der bereitgestellten Instrumente nur noch zu bedienen, um das "Wirtschaftswunder" von 1933 zu inaugurieren."[64] Das Wirtschaftsprogramm der Nationalsozialisten lehnte sich also klar an die von den Vorgängerregierungen Brüning, Papen und Schleicher ausgearbeiteten und teilweise schon eingeführten Verordnungen zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft an. Es wurde für das Hitlerregime möglich, die Zahl der Arbeitslosen von der Rekordmarke von über 6 Millionen (1932) auf den Stand von 1936 zu verringern, bei der in einigen Branchen der deutschen Industrie schon ein Mangel an Arbeitskräften vorlag.

Welche Begleitumstände machten es den Vorgängerregierungen unmöglich, die wirtschaftlichen Probleme mit Hilfe schon ausgearbeiteter Programme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit derart zügig zu lösen ?

2.2.1. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter der Regierung Brüning

Durch die Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 und ihre langwierigen Folgen stürzte die deutsche Wirtschaft in eine Phase der Stagnation und der Inflation der Währung. Belastet durch die Folgen des 1. Weltkrieges und die für Deutschland finanziell ungünstigen Zahlungen der Reparationen[65] [66] bot sich der Regierung Brüning ein Handlungsspielraum, der politische Prioritäten auf die Stabilisierung der Staatsfinanzen und damit der Vertrauensbildung für die Reparationsgläubiger setzte. So konnte die Regierung Brüning nur eine Wirtschaftspolitik[67] gestalten, die als "klassische Deflationspolitik" in die Geschichte eingegangen ist.[68]

Henning Köhler definiert "Deflationspolitik" mit einem passiven Verhalten der Regierung gegenüber der Krise. Wolfgang J. Helbich wägt ab und bezeichnet dieses Vorgehen als ein aktives, genau kalkuliertes Zuwarten auf den geeigneten Zeitpunkt für einen radikalen Kurswechsel im Sinne einer wirksamen Konjunkturbelebung.[69] Auf dieser Basis wurden durch Brüning Notverordnungen auf der Grundlage des Artikels 48 der Weimarer Verfassung beschlossen, welche die deflatorischen Tendenzen weiter unterstützten. Ziel dieser Notverordnungen stellten in erster Hinsicht die Ordnung der öffentlichen Finanzen dar, "um durch die vertrauens-stärkende Wirkung einer Finanzsanierung den depressiven Tendenzen Einhalt zu gebieten."[70] Hauptkennzeichen der Wirtschaftspolitik wurden Ausgabenverringerung und Einnahmenvermehrung, festgeschrieben u.a. in der "Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" vom 30. Juni 1930.[71] Dies geschah durch Erhöhung der Einkommens-, Umsatz-, Zucker-, Tabak-, Bier- und Kraftfahrzeug-steuer und durch die Senkung der Gehälter, Pensionen, Diäten, Arbeitslosen-unterstützungen, Aufwandsentschädigungen, Zahlungen an Kriegsopfer, sowie der Verringerung der Behörden- und Angestelltenzahl und der Reduzierung der laufenden Staatsaufgaben.[72]

Die Regierung Brüning beschränkte sich vorerst auf Eingriffe in die Wirtschaft durch finanz- und fiskalpolitische Maßnahmen. Es herrschte der Glaube an die "Selbstheilung der Wirtschaft"[73], vor einer aktive Staatsintervention wurde aufgrund von Ängsten vor einer Beschleunigung der Inflation zurückgeschreckt.

Vorschläge zu ersten Programmen zum aktiven Eingriff, wie der WTB-Plan[74], wurden wiederum aus Furcht vor einer Inflationsbeschleunigung abgelehnt. Der WTB-Plan sah unter anderem vor, zusätzlich zu den normalen Haushaltsausgaben Aufträge für Arbeiten an die öffentliche Hand auszugeben, um mehr Menschen zu beschäftigen und somit den Wirtschaftsaufschwung in Gang zu setzen. Diesen öffentlichen Aufträgen sollten sich Arbeiten der Reichspost und der Reichsbahn anschließen, wofür ein finanzieller Rahmen von über 2 Mrd. Reichsmark (RM) berechnet wurde.[75] Der von den Freien Gewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts-bundes (ADGB) Ende 1931 vorgelegte WTB-Plan mußte schließlich abgelehnt werden, da selbst die Sozialdemokraten und ihr wirtschaftspolitischer Sprecher Rudolf Hilferding noch immer die "Deflationspolitik" der Regierung Brüning unterstützten.[76]

Als ein bedeutender Ansatz zur Beseitigung der Unterbeschäftigung kann die Begründung des Freiwilligen Arbeitsdienstes gewertet werden. Dieser wurde im Sommer 1931 als soziale Hilfsmaßnahme für arbeitslose Jugendliche eingeführt. Ziel war es, die "Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze außerhalb des marktwirt- schaftlichen-industriellen Prozesses" zu erreichen.[77] Diese erste Maßnahme der staatlichen Arbeitsbeschaffung wurde vor allem dazu verwandt, um im Bereich des landwirtschaftlichen Siedlungsbaus Arbeitskräfte zu binden und weiteren Menschen auf dem Lande eine neue Existenz zu ermöglichen. Einerseits konnten wieder siedlungswillige, agrarerfahrene Arbeitslose auf das Land zurückkehren, andererseits wurde durch die Ansiedlung landwirtschaftlich Unerfahrener Arbeiten im Straßenbau, Hochbau oder in der Bodenverbesserung durchgeführt.[78] Ein entscheidender konjunkturieller Anreiz für die deutsche Wirtschaft konnte von den Maßnahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes nicht ausgehen, da sich der Siedlungsbau nicht wie gewünscht erfolgreich entwickelte und die Arbeiten "im wesentlichen nur um die bloße Beschäftigung von Arbeitslosen ohne Rückwirkung auf die Gesamtwirtschaft"[79] durchgeführt wurden. Gefördert werden sollten vor allem Projekte, bei denen eine Vielzahl von Arbeitern Tätigkeiten mit der Hand ausüben konnten. Demzufolge schlug der Verkehrsminister Treviranus verstärkte "Spatenarbeit" vor.[80] Die Notwendigkeit, daß man die Menschen von der Straße holen mußte, um ihnen keine sozialen Leistungen mehr zukommen lassen zu müssen, wurde erkannt, obwohl diese Beschäftigungsarbeiten teilweise unproduktiv und unrentabel waren. Die Institution des Reichsarbeitsdienstes wurde von Hitler später aufgegriffen, um durch Sammlung der Arbeitslosen diese für den Einsatz zu rüstungswichtigen Zwecken zu gewinnen. Im Jahre 1936 wurde der Freiwillige Arbeitsdienst in eine Arbeits-dienstpflicht umgewandelt.

Kurz vor dem Rücktritt des Reichskanzlers Brüning am 6. Juni 1932 diskutierte man im Kabinett über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, in deren Folge der damalige Finanzminister Dietrich ein Programm vorlegte, daß Arbeitsbeschaffungsprojekte in Höhe von 1,4 Mrd. RM vorsah.[81] Dieses Projekt sollte für 600.000 Menschen eine Beschäftigung sicherstellen. Letztlich geriet das Arbeitsbeschaffungsprogramm nach unendlichen Diskussionen um die Finanzierung aber in Vergessenheit.

Endergebnis der Wirtschaftspolitik Brünings war, daß die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland nicht gesenkt werden konnte. Es waren Arbeitsbeschaffungspläne vorhanden und ausgearbeitet, diese blieben aber leider nur Theorie aus Angst vor weiterer Verschuldung und dem Anschwellen der Inflation. Friedrich-Wilhelm Henning machte zwei Kritikpunkte für das Scheitern der wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung Brüning fest. Neben dem Hauptproblem, der Finanzierung und des unangemessenen geringen Volumens der Mittel, sorgte auch die schwerfällige Bürokratie für ein Verharren in alten, festgefahrenen Systemen und das Abbremsen ersten Reformwillens und Mobilität.[82] So verursachte die "Deflationspolitik" der Regierung Brüning eher eine "weitere Erhöhung unproduktiver Aufwendungen [Unterstützungsleistungen] verbunden mit der Minderung der öffentlichen Einnahmen [Steuern]."[83] Rolf Walter charakterisiert die Wirtschaftspolitik Brünings dahingehend, daß er von einer zwingenden Erfolgslosigkeit spricht, da "er [Brüning] der Wirtschaft das Geld, daß ihr im Rahmen der Programme zufloß, durch Steuern und Sonderabgaben wieder entzog."[84] Bei allem erfolglosen Bemühen der Regierung Brüning im Kampf um die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit kann doch der Wille zur aktiveren Politik zum Ende der Regierungszeit nicht abgesprochen werden. Die Politiker gewannen die Einsicht, daß ein Weg von der "Selbstheilung der Wirtschaft" zur praktischen Intervention gegangen werden mußte. Auch die Sparpolitik Brünings erfüllte letztlich doch ihre positiven Wirkungen. "Indem Brüning den ehemaligen Feindmächten das Unmögliche der Reparationsverpflichtungen angesichts der schweren Krise durch den Versuch der Erfüllung demonstrierte, machte er seinen Nachfolgern den Weg für eine aktivere, autonome Wirtschaftspolitik frei."[85]

2.2.2. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung Papen

Zwei Zitate aus einer Rede des Reichskanzlers Franz von Papen lassen erkennen, nach welchen Leitlinien er und seine Regierung den Wirtschaftskurs gestalten wollten. Vor dem Westfälischen Bauernverein sagte er am 28. August 1932 in Münster: "Getreu den Grundsätzen konservativer Staatsführung nehmen wir die Verhältnisse, wie sie heute sind, um durch ein organisches Programm die in unserem Wirtschaftsleben noch lebendigen Kräfte neu zu stärken. Die wesentlichste dieser Kräfte ist die private Initiative." Und weiterhin: "Unsere Währung darf nicht gefährdet werden."[86] Zum einen deutet er auf die Notverordnung hin, welche kurz nach seinem Amtsantritt im Juni 1932 erlassen wurde. Diese Notverordnung[87] beinhaltete ein von der Regierung Brüning ausgearbeitetes und bis zur praktischen Ausführung vorbereitetes[88] Programm, welches weitere Sparmaßnahmen im sozialen Bereich, aber auch Arbeitsbeschaffungsprojekte vorsah. Zum anderen läßt er aus seiner Rede ein Festhalten am Deflationskurs Brünings erkennen, welcher noch immer an die "Selbstheilung der Wirtschaft" glaubte und jegliche Einwirkung des Staates in den Wirtschaftsprozeß verbot.

Die Notverordnung vom 14. Juni 1932 ließ erste Anzeichen erkennen, durch Vergabe von Aufträgen an die öffentlichen Träger unmittelbar Einfluß auf die Wirtschaft zu nehmen. Für die Notverordnung wurden insgesamt 167 Millionen RM vorgesehen, wobei die Gesamtausgaben aller Maßnahmen der Regierung Papen auf etwa 302 Millionen RM berechnet werden. Dabei floßen 102 Millionen RM in den Bau von Straßen, für Tiefbauarbeiten wurden 52 Millionen RM kalkuliert, desweiteren 51 Millionen RM für landwirtschaftliche Bodenverbesserungen, 50 Millionen RM für Arbeiten an Reichswasserstraßen, 30 Millionen RM für den Bau oder Ausbau von vorstädtischen und landwirtschaftlichen Siedlungen, sowie 17 Millionen RM für Schiffsbau- und Abwrackarbeiten.[89]

Die neue Regierung wollte den Willen zur Neugestaltung des künftigen wirtschaftspolitischen Kurses demonstrieren. Erstmals wurden Schritte zur aktiven Konjunkturpolitik gemacht. Es zeigte sich als notwendige und alleinige Möglichkeit, durch die Vergabe von direkten Staatsaufträgen, Arbeit für die Menschen zu schaffen. Nur durch die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit konnte die deutsche Wirtschaft aus ihrer Krise geführt werden. Das Kabinett einigte sich im August 1932 auf zwei weitere Maßnahmenkataloge; die "Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft" vom 4. September 1932 und die "Verordnung des Reichspräsidenten zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheiten" vom 5. September 1932[90]. Mit Hilfe dieser vor allem fiskalpolitischen Maßnahmen sollte über Steuergutscheine durch den Erlaß künftiger Steuern die volkswirtschaftlich wirksame Nachfrage gestärkt werden. Geplant war, über mehrere Jahre bis zu 1,5 Mrd. RM an Krediten zu vergeben. Dies stellte das erste Programm zur Erhöhung der kaufkräftigen Nachfrage dar, welches mit Steuergutscheinen finanziert wurde. Mit Hilfe dieser Steuergutscheine sollten an die privaten Unternehmer Kredite im Volumen bis zu 700 Mill. RM ausgegeben werden, so daß sie zusätzlich Arbeiter in ihre Betriebe einstellen konnten.[91] Darin lag der Hauptzweck des Papen-Programms, durch Steuergutscheine eine zusätzliche Nachfrage zu erzeugen.

Zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsprogramme wurde der Weg der Kreditschöpfung gewählt. Eine von der Regierung Brüning schon vorgedachte und im kleinen Maßstab praktizierte Möglichkeit war, mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungs-wechseln öffentliche Arbeiten "vorzufinanzieren".[92] Diese Methode wird später von den Nationalsozialisten in ähnlicher Art und Weise zur Finanzierung der Arbeits-beschaffungsprogramme angewandt, deshalb folgt eine genauere Erklärung später. Es ist jedoch hinzuzufügen, daß das Finanzierungssystem der Wechsel die Geldfrage für Arbeitsbeschaffungsprogramme ernsthaft abgelöst hatte. "Auch wenn die Finanzierungsschwierigkeiten bis zur Machtübernahme nicht vollends beseitigt werden konnten, war mit diesem "Urtyp der Arbeitsbeschaffungswechsel"[93] ein auf lange Sicht brauchbares, da mehrfach prolongierbares Kreditpapier geschaffen, welches als Vorbild für die Wechselfinanzierungspraxis unter Schacht dienen konnte."[94]

Stellten die von Papen eingeleiteten Reformversuche eine radikale Wende im Abbau der Arbeitslosigkeit und im Aufschwung der Wirtschaft dar ? Die von der Regierung Papen geplanten 2,5 Mrd. RM zur Wiederbelebung der Wirtschaft waren vom finanziellen Umfang das bisher Bedeutendste. Da die Steuerersparnisse hauptsächlich als Kapitalanlage gesehen und zur Tilgung von Schulden verwandt wurden, kam es kaum zu zusätzlichen Investitionen durch die privaten Unternehmer.[95] Innerhalb eines Jahres wurde von den 700 Mill. RM zur Mehreinstellung von Arbeitskräften nur 100 Mill. RM in Anspruch genommen. Die Streckung der Programme über einen langen Zeitraum hinweg verhinderte ein baldiges positives Ergebnis; die Früchte der Programme erntete die Regierung Hitler.

[...]


[1] zur Entwicklung der Arbeitslosenquote zwischen 1928 und 1938 vgl.: Mitchell, B.R.:

Statistischer Anhang 1920-1970, in: Cipolla, Carlo M./Borchardt, Knut (Hg.): Europäische Wirtschaftsgeschichte, (Bd.5: Die europäischen Volkswirtschaften im zwanzigsten Jahrhundert, Stuttgart 1986, S. 440; zit. nach Walter, Rolf: Wirtschaftsgeschichte. Vom Merkantilismus bis zur Gegenwart, Köln/Weimar/Wien 1998, S. 177;

(zit. Walter, Wirtschaftsgeschichte)

[2] Priester, Hans: Das deutsche Wirtschaftswunder, Amsterdam 1936;

(zit. Priester, Wirtschaftswunder)

[3] Kaldor, N.: The German War Economy, in: The Review of Economic Studies, Bd. 13, 1945/46; Klein, Burton H.: Germany´s Economic Preparation for War, Cambridge/Mass. 1959

[4] Blaich, Fritz: Wirtschaft und Rüstung im Dritten Reich, Düsseldorf 1987, S. 285;

(zit. Blaich, Wirtschaft)

[5] verzeichnet im Findbuch (Band 7) der "NAW - Guides to German Records microfilmed at

Alexandria/Va.

[6] Stelzner, Jürgen: Arbeitsbeschaffung und Wiederaufrüstung 1933-1936. Nationalsozialistische

Beschäftigungspolitik und der Aufbau der Wehr- und Rüstungswirtschaft, Diss. Tübingen 1976, S. 6; (zit. Stelzner, Arbeitsbeschaffung)

[7] Hitler, Adolf: Mein Kampf, München 1936

[8] Strasser, Gregor: Kampf um Deutschland. Reden und Aufsätze eines Nationalsozialisten,

München 1932

[9] Syrup, Friedrich: Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe in Deutschland, Berlin 1936

[10] Todt, Fritz: Adolf Hitler und seine Straßen, in: Adolf Hitler. Bilder aus dem Leben des Führers,

Hamburg 1935

[11] Wirtschaftliches Sofortprogramm der NSDAP, ausgearbeitet von der Hauptabteilung

IV (Wirtschaft) der Reichsorganisationsleitung der NSDAP, München 1932

[12] Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade).

Jahrgänge 1934-1940, Frankfurt/M. 1980

[13] Schiller, Karl: Arbeitsbeschaffung und Finanzordnung in Deutschland, Berlin 1936

[14] Grebler, Leo: Die deutsche Arbeitsbeschaffung 1932-1935, Genf 1935, in: Internationale

Rundschau der Arbeit, (15. Jg.) 1937

[15] Borchardt, Knut: Zwangslagen und Handlungsspielräume in der großen Weltwirtschaftskrise

der frühen dreißiger Jahre: Zur Revision des überlieferten Geschichtsbildes, S. 165-182;

ders.: Wirtschaftliche Ursachen des Scheiterns der Weimarer Republik, S. 183-205,

in: Borchardt, Knut: Wachstum, Krisen, Handlungsspielräume der Wirtschaftspolitik. Studien

zur Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 1982

[16] Holtfrerich, Carl-Ludwig: Zur Debatte über die deutsche Wirtschaftspolitik von Weimar zu

Hitler, in: VfZ (44. Jg.) 1996; (zit. Holtfrerich, Wirtschaftspolitik)

[17] Kroll, Gerhard: Von der Weltwirtschaftskrise zur Staatskonjunktur, Berlin 1958;

(zit. Kroll, Weltwirtschaftskrise)

[18] Marcon, Helmut: Arbeitsbeschaffungspolitik der Regierungen Papen und Schleicher.

Grundsteinlegung für die Beschäftigungspolitik im "Dritten Reich", in: Schulz, Gerhard/Born,

Karl-Erich/Scholder, Klaus (Hg.): Moderne Geschichte und Politik, Nr. 3, Bern/Frankfurt/M.

1974; (zit. Marcon, Arbeitsbeschaffungspolitik)

[19] Köhler, Henning: Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Reparationen in der Schlußphase der

Regierung Brüning, in: VfZ 17 (1969)

[20] Erbe, René: Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik 1933-1939 im Lichte der modernen

Theorie, Zürich 1958; (zit. Erbe, Wirtschaftspolitik)

[21] Turner jr., Henry A.: Hitlers Einstellung zu Wirtschaft und Gesellschaft vor 1933, in:

GG (2. Jg.) 1976; (zit. Turner, Hitlers Einstellung)

[22] Stelzner, Arbeitsbeschaffung

[23] Golla, Guido: Nationalsozialistische Arbeitsbeschaffung in Theorie und Praxis 1933-1936,

Köln 1994; (zit. Golla, Arbeitsbeschaffung)

[24] Kaftan, Kurt: Europa braucht Straßen, Berlin 1936

[25] Schütz, Erhard: "Mythos Reichsautobahn" - Bau und Inszenierung der "Straße des Führers",

Berlin 1996

[26] Brunner, Claudia: Arbeitslosigkeit im NS-Staat. Das Beispiel München, Pfaffenweiler 1997

[27] Petzina, Dietmar: Die Mobilisierung deutscher Arbeitskräfte vor und während des

Zweiten Weltkrieges, in: VfZ (18. Jg.) 1970

[28] Bettelheim, Charles: Die deutsche Wirtschaft unter dem Nationalsozialismus,

München 1974

[29] Eine Wirtschaftstheorie, welche nach dem englischen Ökonomen John M. Keynes benannt

wurde. Der Keynesianismus entwickelte sich zum festen Bestandteil der

nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik.

[30] Abelshauser, Werner: Kriegswirtschaft und Wirtschaftswunder, in: VfZ (47. Jg.) 1999

[31] Kuczynski, Jürgen: Darstellung der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1933 bis 1945. Die

Geschichte der Lage der Arbeiter in Deutschland von 1789 bis zur Gegenwart, Bd. 6,

Berlin (O.) 1964

[32] Kroll, Weltwirtschaftskrise, S. 7f.

[33] Fischer, Wolfram: Deutsche Wirtschaftspolitik 1918-1945, Opladen 1968, S. 61

[34] zit. nach Wendt, Bernd-Jürgen: Das nationalsozialistische Deutschland, Opladen 2000, S. 53;

(zit. Wendt, Deutschland)

[35] zit. nach Turner jr., H. A.: Hitlers Secret Pamphlet for Industrialists, in: Journal of Modern

History, Vol. 40 (1968), S. 362

[36] Hummel, Karl-Joseph u. M. von Dierker, Wolfgang: Deutsche Geschichte 1933-1945,

München 1998, S. 94; oder auch Sopade-Jahresband 1934,in: Deutschland Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade). Jahrgänge 1934-1940, Frankfurt/M. 1980, S. 582: "...keine Wahl hatten, ob sie [die Nationalsozialisten] eine großzügige Arbeitsbeschaffung durchführen wollen oder nicht. Sie mußten gerade auf diesem Gebiet schnell zu sichtbaren Erfolgen kommen, um ihre Macht zu halten und zu sichern.";

(zit. Hummel, Geschichte)

[37] Hitler in der Sitzung des Ausschusses für Arbeitsbeschaffung am 9.2.1933, Bundesarchiv

(BA) R 43 II/540; gemeint war der sogenannte "Gerecke-Plan"

[38] Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 3

[39] vgl. u.a. Hummel, Geschichte, S. 106

[40] "Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit" vom 1. Juni 1933, Reichsgesetzblatt (RGBl.) I,

1933, S. 323-329

[41] RGBl. I, 1933, S. 651-653

[42] Plumpe, Gottfried: Wirtschaftskrise, Wirtschaftspolitik und Nationalsozialismus, in:

Malettke, Klaus (Hg.): Der Nationalsozialismus an der Macht, Göttingen 1984, S. 56;

(zit. Plumpe, Wirtschaftskrise)

[43] vgl. Buchheim, Christoph: Einführung in die Wirtschaftsgeschichte, München 1997, S. 96;

(zit. Buchheim, Wirtschaftsgeschichte)

[44] die deutsche Exportquote sank in den Jahren 1929 bis 1932 um 57,7%, zit. nach Stelzner,

Arbeitsbeschaffung, S. 15; vgl. Konjunkturstatistisches Handbuch 1936, Berlin 1935, S. 93;

(zit. Konjunkturstatistisches Handbuch 1936)

[45] die Ursachen, die Entwicklung vor und in der Weltwirtschaftskrise, sowie erste Anfänge zur

Überwindung stellen u.a. dar: Henning, Friedrich-Wilhelm: Das industrialisierte Deutschland

1914 bis 1992, Paderborn 1993, S. 90-140; (zit. Henning, Deutschland);

Kindleberger, Charles P.: Die Weltwirtschaftslage 1929-1939, 3. Aufl., München 1984

[46] Henning, Deutschland, S. 92

[47] zit. nach Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 13; vgl. Born, Karl Erich: Die deutsche Bankenkrise.

Finanzen und Politik, München 1967, S. 32

[48] vgl. Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 14 -18

[49] vgl. Statistisches Jahrbuch 1932, S. 374

[50] Konjunkturstatistisches Handbuch 1936, S. 95, 52 und 176f.; vgl. Statistisches Handbuch

von Deutschland 1928-1944, München 1949, S. 600; (zit. Statistisches Handbuch)

[51] vgl. Henning, Deutschland, S. 103

[52] vgl. die Arbeitslosenstatistik bei Erbe, Wirtschaftspolitik, S. 26

[53] Konjunkturstatistisches Handbuch 1936, S. 16

[54] Feldenkirchen, Wilfried: Die deutsche Wirtschaft im 20. Jahrhundert, Enzyklopädie deutscher

Geschichte, München 1998, S. 19; (zit. Feldenkirchen, Wirtschaft)

[55] ausgelöst durch die Aufsätze von:

Borchardt, Knut: Zwangslagen und Handlungsspielräume in der großen Weltwirtschaftskrise

der frühen dreißiger Jahre: Zur Revision des überlieferten Geschichtsbildes, S. 165-182;

ders.: Wirtschaftliche Ursachen des Scheiterns der Weimarer Republik, S. 183-205;

in: Borchardt, Knut: Wachstum, Krisen, Handlungsspielräume der Wirtschaftspolitik. Studien

zur Wirtschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 1982

[56] zit. nach Buchheim, Wirtschaftsgeschichte, S. 98

[57] vgl. Walter, Wirtschaftsgeschichte, S. 167

[58] zit. nach Holtfrerich, Wirtschaftspolitik, S. 122

[59] vgl. Buchheim, Wirtschaftsgeschichte, S. 98

[60] Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 13

[61] Borchardt, Knut: Geleitwort, in: James, Herold: Deutschland in der Weltwirtschaftskrise 1924-

1936, Stuttgart 1988, S. 12; (zit. James, Weltwirtschaftskrise)

[62] ders., S. 12

[63] Barkai, Avraham: Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Ideologie, Theorie, Politik

1933-1945, Frankfurt/Main 1988, S. 22; (zit. Barkai, Wirtschaftssystem)

[64] Petzina, Dieter: Hauptprobleme der deutschen Wirtschaft 1932/33, in: VfZ (15. Jg.) 1967,

S. 29; (zit. Petzina, Hauptprobleme)

[65] Regierungszeit vom 30.3.1930 bis zum Rücktritt am 30.5.1932

[66] zu den wirtschaftlichen Folgelasten des 1. Weltkrieges vgl.:

Helbich, Wolfgang J.: Die Reparationen in der Ära Brüning. Zur Bedeutung des Young-Plans

für die deutsche Politik 1930 bis 1932 (Studien zur europäischen Geschichte aus dem

Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Band V), Berlin 1962;

(zit. Helbich, Reparationen)

[67] zur Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers Brüning vgl.:

Erbe, René: Die nationalsozialistische Beschäftigungspolitik im Lichte der

Beschäftigungstheorie von Keynes, in: Schweizerische Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik, (90. Jg.) 1954, S. 463ff.; Kroll, Weltwirtschaftskrise; Henning: Arbeitsbeschaffung, Siedlung und Reparationen in der Schlußphase der Regierung Brüning, in: VfZ (17. Jg.) 1969,

S. 276-307; (zit. Köhler, Arbeitsbeschaffung)

[68] vgl. Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 39

[69] vgl. Helbich, Reparationen, S. 58

[70] zit. nach Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 39; vgl. Die Arbeitsbeschaffungsprogramme der

Reichsregierung 1932 bis 1935. Vertrauliche, nur für den Dienstgebrauch bestimmte

Denkschrift des Reichsministers der Finanzen, Ar 4024f. - 5 I, vom 11.8. 1937, S. 3, in: Bundesarchiv (BA) R 2/13.716; (zit. Denkschrift RdF)

[71] "Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" vom 30. Juni 1930, in:

Reichsgesetzblatt I, 1930,S.

[72] Henning, Deutschland, S. 125

[73] vgl. Petzina, Hauptprobleme, S. 18-55

Er belegt den Willen der Reichsregierung, nicht aktiv in den Wirtschaftsprozeß einzugreifen,

aus dem Glauben heraus, daß "nach den Jahren des Krieges und der Inflation nunmehr der Weg in eine bessere wirtschaftliche Zukunft frei sei und die Arbeitslosigkeit eines Tages verschwunden sein würde."(S. 19)

[74] nach seinen Verfassern Wladimir Woytinsky, Fritz Tarnow und Fritz Baade benannt

[75] vgl. Henning, Deutschland, S. 137

[76] zit. nach Abelshauser, Werner: Kriegswirtschaft und Wirtschaftswunder - Deutschlands

wirtschaftliche Mobilisierung für den Zweiten Weltkrieg und die Folgen für die Nachkriegszeit,

in: VfZ (47. Jg.) 1999, S. 510; (zit. Abelshauser, Kriegswirtschaft);

vgl. Gates, Robert A.: Von der Sozialpolitik zur Wirtschaftspolitik ? Das Dilemma der deutschen Sozialdemokratie in der Krise 1929-1933, in: Mommsen, Hans u.a. (Hg.): Industrielles System und politische Entwicklung in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1974, S. 219

[77] vgl. dazu Schiller, Karl: Arbeitsbeschaffung und Finanzordnung in Deutschland

(Schriftenreihe: Zum wirtschaftlichen Schicksal Europas), 2. Teil: Arbeiten zur deutschen Problematik, Brinkmann, Carl (Hg.), 4. Heft, Berlin 1936, S. 58;

(zit. Schiller, Arbeitsbeschaffung)

[78] vgl. Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 43

[79] ders., S. 42; vgl. dazu: Köhler, Henning: Arbeitsdienst in Deutschland. Pläne und

Verwirklichungsformen bis zur Einführung der Arbeitsdienstpflicht im Jahre 1935, Berlin 1967,

S. 107

[80] vgl. Köhler, Arbeitsbeschaffung, S. 279

[81] vgl. Protokoll der Ministerbesprechung vom 12. April 1932, in BA R 43 I, Bd. 2376

[82] vgl. Henning, Deutschland, S. 137

[83] vgl. Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 40

[84] Walter, Wirtschaftsgeschichte, S. 168

[85] Petzina, Hauptprobleme, S. 19f.

[86] Schultheß' Europäischer Geschichtskalender, hg. von Ulrich Thürauf, N.F. 48, Bd. 73 (1932),

München 1932, S. 145; (zit. Schultheß, 1932)

[87] Verordnung des Reichspräsidenten über Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitslosenhilfe und

der Sozialversicherung sowie zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten der Gemeinde vom

14. Juni 1932, Reichsgesetzblatt (RGBl.) I, 1932, S. 273ff.

[88] vgl. Köhler, Arbeitsbeschaffung, S. 286; Helbich, Reparationen, S. 54

[89] vgl. Golla, Arbeitsbeschaffung; vgl. Petzina, Hauptprobleme, S. 24f.

[90] RGBl. I, 1932, S. 425ff.; RGBl. I, 1932, S. 433ff.

[91] vgl. Petzina, Hauptprobleme, S. 22

[92] vgl. Boelcke, Willi A.: Die deutsche Wirtschaft 1930-1945. Interna des

Reichswirtschaftsministeriums, Düsseldorf 1983, S. 20; (zit. Boelcke, Wirtschaft)

[93] Kroll, Weltwirtschaftskrise, S. 419

[94] Golla, Arbeitsbeschaffung, S. 58f.

[95] zit. nach Stelzner, Arbeitsbeschaffung, S. 48

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Dritten Reich von 1933-1936
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Note
1,8 (gut)
Autor
Jahr
2000
Seiten
91
Katalognummer
V1560
ISBN (eBook)
9783638109635
ISBN (Buch)
9783638686556
Dateigröße
697 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte; Faschismus; Nationalsozialismus; Wirtschaft; Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen;
Arbeit zitieren
Andre Bastisch (Autor), 2000, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Dritten Reich von 1933-1936, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1560

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