Inferenzen - Verstehen von Texten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

10 Seiten, Note: 3,0

Regina Schultze (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Inferenz und Kohärenz
2.1. Bridging Inference
2.2. Elaborative Inferenz

3. Diskussion

Literatur

1. Einführung

Das Verstehen von Texten (“Comprehension”) ist ein vielfältig untersuchtes Teilgebiet der Psycholinguistik, welchem allerdings erst seit ein paar Jahrzehnten Aufmerksamkeit geschenkt wird. Beim Lesen eines Textes muss z.B. die Syntaxstruktur analysiert und der semantische und morphologische Inhalt der Äußerung dekodiert werden. Danach folgen Inferenzbildungen, die die Wörter sinnvoll zusammenfügen und für uns auf Satz- und Textebene verstehbar machen.

Zunächst soll kurz erklärt werden, was im Folgenden mit dem Begriff „Text“ gemeint ist.

Text (lat. textum: Gewebe, Text) bezeichnet eine abgegrenzte, zusammenhängende Äußerung in geschriebener Sprache, im weiteren Sinne auch die nicht geschriebene, aber schreibbare Sprachinformation.

(de.wikipedia.org/wiki/Text, letzte Änderung am 04.07.2009)

Es handelt sich hierbei also um eine schriftliche oder mündliche Äußerung, die zumindest zwei Sätze umfassen sollte. Texte können natürlich durchaus auch einen weit größeren Umfang annehmen. Umschreibungen wie „der Leser“ sind exemplarisch gemeint und beziehen sich genauso auf den möglichen Zuhörer.

Um Äußerungen verstehen zu können, wird Weltwissen benötigt, welches sich von Person zu Person unterscheiden kann. Der kulturelle Hintergrund, der Bildungsgrad, das Alter und persönliche Interessen eines Menschen haben einen sehr großen Einfluss auf das Weltwissen. So weiß ein Kind unseres Kulturkreises von der Existenz des Weihnachtsmannes und ein afrikanischer Stamm huldigt seiner Gottheit. Dieses Wissen wird auch Vorwissen genannt, da es in einer bestimmten Situation von vornherein eingebracht wird und das Verstehen eines Textes dadurch meist vereinfacht, aber auch verkomplizieren kann.

Es sei noch angemerkt, dass sich in der Literatur durchaus verschiedene Begrifflichkeiten für einzelne Phänomene finden lassen, welche aber notiert worden sind. In Ermangelung von deutschen Äquivalenten wurden zur Sicherheit die englischen Begriffe beibehalten.

2. Inferenz und Kohärenz

Inferenzen können vielfältig definiert werden, da der Begriff nicht auf Sprache begrenzt ist und ein kognitives Grundprinzip darstellt (Rickheit 2002, S. 72)[1]. So gibt es verschiedene Formulierungsansätze, die sich jedoch stets mit der Bildung neuer Propositionen durch die Verknüpfung von Weltwissen und der neu verarbeiteten sprachlichen Information aus einem Text befassen, um eine Texteinheit zu erstellen (Fix/Poethe 2003, S. 214; Ferstl 2006, S. iii). „Basis jeder Inferenz ist vorhandenes Wissen“ (Rickheit 2002, S. 17), das Vorwissen. Durch die Verbindung von Einzelsätzen entstehen Schlussfolgerungen, die oft der lokalen Kohärenz, also dem Sinnzusammenhang in einem spezifischen Text, dienen (Ferstl 2006, S. 4). Hier ist die akkurate Abgrenzung der Definition und die Nutzung des Begriffs Inferenz qualitativ nicht ganz eindeutig, da z.B. Ironie oder Metaphern über einfache Schlussfolgerungen hinausgehen, aber von Forschern nicht immer deutlich in ihre Betrachtungen involviert oder ausgeschlossen werden (Ferstl 2006, S. 5). Zudem können in einem Gespräch auch Gestik und Mimik zu Inferenzen führen, als Beispiel seien bestimmte Handbewegungen wie das Reiben von Daumen am Zeigefinger genannt, was verschiedene Bedeutungen rund ums Thema Geld haben kann, wie etwa „Ich will bezahlen!“, „Er hat viel Geld“ oder auch „Du schuldest mir noch Geld“ - abhängig vom Kontext.

Ein weiterer Diskussionspunkt beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Inferenzen automatisch gebildet werden (Ferstl 2006, S. 22). Dieser Fragestellung soll noch nachgegangen werden.[2]

Die beiden Begriffe Kohärenz und Inferenz sind untrennbar miteinander verbunden und Kohärenz wird mitunter als spezieller Typ der Inferenz bezeichnet (Traxler 2006, S. 776). Harvey kategorisiert dieses Phänomen hingegen als logical inference (Harley 2008, S. 369).

Die Inferenzbildung wird durch Kohäsionsmarkierungen wie Pronomen, Konjunktionen und Wiederholungen erleichtert (Ferstl, S. 7), da automatisch Bezüge zu vorherigen Texteinheiten hergestellt werden. Diese Struktur, bei der in einem Satz jeweils eine neue auf eine bekannte Information trifft, wird mit dem Begriff Thema-Rhema beschrieben. Kohäsionsmarkierungen können das Erkennen von Kohärenzbrüchen allerdings erschweren (ebd.).

[...]


[1] Neuroanatomisch gesehen spielt sich der Inferenzbildungsprozess bewiesenermaßen zu einem großen Teil in der rechten Hemisphäre ab (Ferstl, S. 24; Traxler, S. 777). Gibt es zum Beispiel Informationen im Text, die dem eigenen Weltwissen widersprechen, sogenannte globale Inkonsistenzen, wird der rechte Temporallappen aktiviert (Ferstl, S. iv).

[2] siehe Kapitel 3

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Inferenzen - Verstehen von Texten
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Psycholinguistics
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V156020
ISBN (eBook)
9783640689088
ISBN (Buch)
9783640689262
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inferenzen, Verstehen, Texten
Arbeit zitieren
Regina Schultze (Autor), 2009, Inferenzen - Verstehen von Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156020

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