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Papst und Konzil

Eine Verhältnisbestimmung anhand der Konstanzer Dekrete

Title: Papst und Konzil

Seminar Paper , 2010 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jörg Termathe (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
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Der päpstliche Primat hat bis zu seiner feierlichen Definition auf dem I.Vatikanum in der römisch-katholischen Kirche eine lange Tradition. Bereits Papst DamasusI. (ca. 305-384) interpretierte die Verheißung Jesu „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt 16,18) juristisch und begründete hiermit eine Monopolstellung für den Patriarchen des Abendlandes, den Bischof von Rom.

Dennoch gab es in der Kirchengeschichte auch Zeiten, in denen dieser Primat umstritten war. Besonders während des sogenannten saeculum obscurum wagte niemand, einen solchen Anspruch für den Papst zu formulieren. Auch in der spätere Kirchengeschichte blieb das Papsttum keineswegs von der Immoralität des Klerus der jeweiligen Zeit nicht verschont.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Entwicklung der konziliaren Idee zu verstehen, in der dem Konzil ein Vorrang vor dem Papst eingeräumt wurde. Seinen greifbarsten Niederschlag in der kirchlichen Lehre hat diese Theorie wohl in den Dokumenten des ökumenischen Konzils von Konstanz in den Dekreten «Haec Sancta» und «Frequens» , welche aufgrund ihrer Bedeutung allein mit dem Begriff „Konstanzer Dekrete“ bezeichnet werden, gefunden.

Gegenstand dieser Arbeit soll es daher sein auf Grundlage dieser Dokumente zu untersuchen, welche ekklesiologische Vorstellung des Verhältnisse zwischen Konzil und Papst in den Konstanzer Dekreten zum Ausdruck kommt. Hierzu soll zuerst ein Überblick über die damalige kirchliche Situation, damalige Reformbemühungen sowie über die Entstehungsgeschichte der Konstanzer Dekrete gegeben werden.
Darauf folgt deren Analyse.

Hierbei soll das Dekret «Haec Sancta» im Vordergrund der Interpretation stehen, da hierin eine Superioritätsvorstellungen des Konzils über den Papst am deutlichsten zur Sprache zu kommen scheint und ihm in der Diskussion über den Konziliarismus stets die größere Bedeutung zugemessen worden ist. Abschließend werde ich kurz drauf eingehen, welche Einsichten aus dem Konziliarismus von Konstanz für die heutige Ekklesiologie gezogen werden könnten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

2.1 Das Konzil von Konstanz

2.2 Der Konziliarismus

2.3 Die spätmittelalterliche Reformbewegung

2.4 Die Entstehung der Dekrete «Haec Sancta» und «Frequens»

3. Quellenanalyse

3.1 Das Dekret «Haec Sancta»

3.1.1 Die Frage nach der formalen Verbindlichkeit

3.1.2 Der Inhalt

3.2 Das Dekret «Frequens»

3.3 Ausblick

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

5.1 Quellen

5.2 Literatur

6. Anhang: Die Dekrete «Haec Sancta» und «Frequens»

6.1 Das Dekret «Haec Sancta»

6.2 Das Dekret «Frequens»

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der Konstanzer Dekrete das ekklesiologische Verhältnis zwischen Konzil und Papst. Dabei wird analysiert, wie in den Dokumenten «Haec Sancta» und «Frequens» die Vorrangstellung des Konzils gegenüber dem Papst begründet wird und welche kirchengeschichtliche Bedeutung diese Vorstellungen für das spätmittelalterliche Verständnis von Autorität hatten.

  • Historische Einordnung des Schismas und der Konstanzer Reformbewegung
  • Analyse des Dekrets «Haec Sancta» zur Begründung konziliarer Legitimität
  • Untersuchung des Dekrets «Frequens» als Instrument zur Sicherung regelmäßiger Konzilien
  • Bewertung des Konziliarismus im Kontext der damaligen Notsituation
  • Einfluss der Dekrete auf die spätere ekklesiologische Entwicklung

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Der Inhalt

Das Dokument beginnt mit dem Kreuzzeichen (in Worten): In nomine sanctae et individuae Trinitatis, Patris et Filii et Spiritus sancti. Amen. Seinen (richtigen) Namen hat es aber von durch den nächsten Satz, der mit Haec sancta synodus Constanciensis generale concilium faciens, pro exstirpatione praesentis schismatis, et unione ac reformatione ecclesiae Dei in capite et in membris fienda, ad laudem omnipotens Dei in Spiritu sancto legitime congregata beginnt. An dieser Stelle lässt sich bereits die Situationsgebundenheit des Dokuments erkennen: nicht nur, dass die Intitulation dies bereits erkennen ließe, auch wenn nachfolgend unter anderem erklärt wird, dass das Konzil zur Beseitigung des gegenwärtigen Schismas versammelt sei, folgt daraus, dass dieses Dekrets streng in Verbindung mit der oben geschilderten Situation interpretiert werden muss. Erst danach werden die weiteren Aufgaben, die Wiederherstellung der Einheit und die Reform am Haupt und Gliedern, erwähnt. Dem Konzil geht es aufgrund der aktuellen Situation folglich darum zu betonen, dass es legitime im Heiligen Geist versammelt sei, was ja durch die Abwesenheit des Papstes und die von ihm angeordnete, nicht erfolgte Verlegung in Frage stand.

Nachfolgend gliedert sich das Dokument in fünf weitere Abschnitte, aus denen weitere Rückschlüsse auf die Ekklesiologie des Konzils gezogen werden sollen:

Erstens erklärt die Synode, dass es sich bei ihr um ein im Heiligen Geist rechtmäßig versammelte Generalkonzil handelt, welche ecclesiam catholicam militantem repraesentans, dass sie ihre potestatem a Christo immediate habeat. Zunächstmal bezieht das Konzil seine Legitimität also daraus, dass es die streitende universale Kirche „gegenwärtigsetzt“, in der Verwendung von militans ist hierbei ein Allgemeinplatz der damaligen Zeit zu sehen. Indem das Konzil dieses tut, vertritt es weder einen damals verbreiteten papalistischen noch einen pneumatischen Kirchenbegriff, wie die später verurteilten Reformer John Wyclif und Jan Hus. Vielmehr gebraucht das Konzil den Begriff ecclesia gemäß seiner neutestamentlichen Verwendung als das versammelte Gottesvolk, das durch seine äußere Ordnung vergegenwärtigt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der päpstlichen Vorrangstellung und die Bedeutung der Konstanzer Dekrete für das Verhältnis zwischen Konzil und Papst.

2. Historischer Hintergrund: Darstellung des Großen Abendländischen Schismas, des Konziliarismus und der reformatorischen Bestrebungen als Ausgangslage für das Konzil von Konstanz.

3. Quellenanalyse: Detaillierte Untersuchung der Dekrete «Haec Sancta» und «Frequens» hinsichtlich ihrer Entstehung, formalen Verbindlichkeit und inhaltlichen Aussagekraft.

4. Fazit: Kritische Würdigung der Wirksamkeitsgeschichte der Dekrete und ihrer Bedeutung für das ekklesiologische Verständnis in der Kirche.

5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.

6. Anhang: Die Dekrete «Haec Sancta» und «Frequens»: Wiedergabe der Originaltexte der beiden zentralen Dekrete zur Quellenüberprüfung.

Schlüsselwörter

Konzil von Konstanz, Papst, Konstanzer Dekrete, Haec Sancta, Frequens, Konziliarismus, Schisma, Ekklesiologie, Kirchenreform, Legitimität, Papsttum, Repräsentation, Kirchenrecht, Dogma, Autorität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen der päpstlichen Autorität und der konziliaren Idee während des Konstanzer Konzils.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Entstehung und Interpretation der Dekrete «Haec Sancta» und «Frequens» sowie deren Wirkung auf die kirchengeschichtliche Entwicklung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die ekklesiologische Vorstellung des Verhältnisses zwischen Konzil und Papst, wie sie in den Konstanzer Dekreten zum Ausdruck kommt, zu bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?

Es wird eine quellenorientierte Analyse der relevanten Dekrete durchgeführt, eingebettet in den historischen Kontext der spätmittelalterlichen Reformbewegung.

Was behandelt der Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Konzilsereignisse und eine detaillierte textkritische Analyse der Dekrete hinsichtlich ihrer Form und ihres Inhalts.

Welche Schlüsselbegriffe prägen den Text?

Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Konziliarismus, Schisma, Legitimität und die konkrete Ekklesiologie der Konstanzer Dokumente charakterisiert.

Welche Bedeutung kommt dem Dekret «Haec Sancta» zu?

Das Dekret ist zentral für die Begründung der Konzilsautorität und soll dem Konzil auch ohne päpstliche Bestätigung in einer Notsituation Legitimität verleihen.

Warum wurde «Frequens» verabschiedet?

Das Dekret soll durch die Festlegung regelmäßiger Konzilseinberufungen eine langfristige Reformfähigkeit der Kirche sichern und eine Rückkehr zu autoritären, päpstlichen Alleingängen verhindern.

Inwiefern beeinflusste die Schisma-Situation den Inhalt der Dekrete?

Der Autor zeigt auf, dass die Dekrete keine abstrakten theologischen Abhandlungen sind, sondern aus der konkreten Notsituation der Kirchenspaltung und der Flucht des Papstes heraus entstanden.

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Details

Title
Papst und Konzil
Subtitle
Eine Verhältnisbestimmung anhand der Konstanzer Dekrete
College
University of Münster  (Katholisch-Theologische Fakultät)
Course
Grundthemen und Methoden der Kirchengeschichte
Grade
1,0
Author
Jörg Termathe (Author)
Publication Year
2010
Pages
27
Catalog Number
V156052
ISBN (eBook)
9783640685257
ISBN (Book)
9783640685578
Language
German
Tags
Papst Konzil Konstanz Haec Sancta Frequens Konziliarismus Großes Abendländisches Schisma Papalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jörg Termathe (Author), 2010, Papst und Konzil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156052
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