Homo ridens oder das verkaufte Lachen

Timm Thaler trifft auf den lachenden Menschen


Seminararbeit, 2009

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorien über den Homo ridens: der lachende Mensch
2.1 Helmuth Plessner
2.2 Henri Bergson
2.3 Sigmund Freud

3. Timm Thaler oder das verkaufte Lachen
3.1 Das Lachen als eine wichtige Essenz zum Leben
3.2 Das Lachen als ein Medium in der Sozialen Arbeit

4. Zusammenfassung/Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Wette gilt, mein Herr! Doch glaubt es mir:

Das Lachen unterscheidet Mensch und Tier.

Und man erkennt den Menschen stets daran,

daß er zur rechten Stunde lachen kann.“1 [sic!]

Lachen ist für mich eine Lebenseinstellung und umso wichtiger für das erfolgreiche Leben. Aus diesem Grund habe ich für die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit das Thema: „Homo ridens oder das verkaufte Lachen – Timm Thaler trifft auf den lachenden Menschen“ gewählt. „Sicherlich ist kein Tag mehr vergeudet als einer, an dem man überhaupt nicht gelacht hat.“2, so heißt es in einem Zitat von Nicolas Chamfort oder „Ein Tag an dem man nicht Lacht, ist ein verlorener Tag.“3, so drückt es Charlie Chaplin aus. Diese gewählten Zitate zeigen die Darstellung der Wichtigkeit des alltäglichen Lachens im Leben eines Menschen. Wie bedeutend diese non-verbale Sprache ist, zeigt u.a. das Buch „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“, geschrieben von James Krüss (1926-1997). Doch was ist der Homo ridens (der lachende Mensch) und welche Merkmale weist er auf? Anhand bestehender anerkannter Theorien über dieses Menschenbild und mit Hilfe der oben genannten Literatur möchte ich versuchen dieser Frage auf den Grund zu gehen und wiederum die Bedeutsamkeit des Lachens, auch in der Sozialen Arbeit, aufzeigen.

„Das Weinen ist dem Menschen angeboren, aber das Lachen will gelernt sein.“4

2. Theorien über den Homo ridens: der lachende Mensch

Lachen ist als Ausdrucks- und Äußerungsform ein Verhalten, dass nicht nur persönlich, sondern auch und vor allem in der Gemeinschaft seine volle Wirkung entfaltet. Meist reagiert der Mensch auf komische oder erheiternde Situationen mit einem herzhaften Lachen, so kann es aber auch in anderen Situationen eine Entlastungsreaktion darstellen. Im gemeinschaftlichen Miteinander wird das Lachen oft als ein Ausdruck für gegenseitige Sympathie verstanden und nach der Einschätzung verschiedener Gelotologen (von griech. γέλως gélōs, Gen. γέλωτος gelōtos „das Lachen“, die Wissenschaft vom Lachen) ist das Lachen eine grundlegende Kommunikationsform des Menschen. Das Lachen geht der menschlichen Sprache weit voraus. Das zeigt u.a., dass die Region, die in unserem Gehirn für das Lachen zuständig ist, deutlich älter ist als das menschliche Sprachzentrum. Der Mensch lacht in seinem Leben unterschiedlich lang und viel und tut dies zu 80 % nicht über einen Witz oder einer Pointe, sondern eher um den Mitmenschen etwas unbewusst oder bewusst mitzuteilen. Lachen bedeutet in diesem Zusammenhang Kommunikation. Schon vor rund 2,5 Millionen Jahren kommunizierten die Steinzeit-Menschen mit Hilfe des Lachens. „Wenn man das Phänomen des Lachens ganz begriffe, dann hätte man das entscheidende Geheimnis der menschlichen Existenz begriffen.“5 Da in allen Kulturen gelacht wird, schenkt man dem Lachen in der aktuellen und zukünftigen Zeit große Aufmerksamkeit und schreibt ihm wichtige Funktionen zu. Nehmen wir einmal an, der Mensch lacht im Schnitt ca. 10 min am Tag, dann sind das im Jahr 3.650 min, dann würde der Mensch im Alter von 72 Jahren insgesamt 2.622.800 min gelacht haben. Das entspricht 4.380 Stunden= 182,5 Tage= 26,1 Wochen= 0,5 Jahre. Diese Darstellung ist von mir natürlich völlig fiktiv gewählt, denn wer kann schon sagen, ob ich heute oder morgen lache. Insofern ist es doch zutreffender die These aufzustellen, dass die Menschen heutzutage immer älter werden, aber immer weniger zu lachen haben. Doch was sagen und schreiben anerkannte Denker über den Homo ridens – der lachende Mensch. Helmuth Plessner, Henri Bergson und Sigmund Freud verfassten ernsthafte Abhandlungen über dieses Thema. Die Interpretationen, Thesen und Feststellungen dieser drei Vertreter werde ich im Folgenden darstellen und erläutern.

2.1 Helmuth Plessner

Er ist einer der interessantesten deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Von ihm wurde der Begriff „verspätete Nation“ zur Charakterisierung Deutschlands am stärksten geprägt. Er gilt als ein Begründer der philosophischen Anthropologie und als einer der Gründungsväter der bundesdeutschen Soziologie. „Plessner? Das ist doch ein halber Niederländer!“6, so lautet eine meist spontan geäußerte Reaktion und Beschreibung. Helmuth Plessner (1892-1985) war ein deutscher Philosoph und Soziologe.

Im Jahre 1941 erschien sein Werk: „Lachen und Weinen. Eine Untersuchung der Grenzen menschlichen Verhaltens.“ Mit Hilfe dieses Werkes und somit mit Hilfe der Vorstellungen von Helmuth Plessner über den Homo ridens, werde ich versuchen diesen Menschentypus zu charakterisieren. Für die vorliegende Hausarbeit interessiert das Thema „Weinen“ nicht weiter, es sei nur kurz angedeutet, warum Plessner Lachen und Weinen gemeinsam abhandelt. Insgesamt gesehen, haben beide Phänomene die Gemeinsamkeit, dass es Reaktionen auf einen eigentlich, von der Person unbeantwortbare Situationen sind. In diesen Situationen reagiert der Körper, nicht aber die Person. Helmuth Plessner bettet seine Theorien und Analysen in seine „Theorie der menschlichen Natur“. Um die Theorien über das Lachen besser zu verstehen, ist es meiner Meinung nach wichtig, auch Plessners Theorie über die menschliche Natur zu kennen. Aus diesem Grund, werde ich diese im Folgenden grob skizzieren. Plessner beschreibt die exzentrische Position des Menschen, denn seiner Ansicht nach, ist der Mensch „immer zu gleich Leib (…) und hat diesen Leib als seinen Körper.7 Somit stellt er die Doppeldeutigkeit der menschlichen Existenz dar, die meist daraus besteht, dass sich der Mensch als „Leib“ wahrnimmt, und gleichzeitig ein Verhältnis zu seinem „Leib“ aufbauen kann, weil er einen „Leib“ hat. Lebendige organische Körper sind demnach nicht nur in die Umwelt hineingestellt, sondern, sie besitzen eine Positionalität.

„Für gewöhnlich, in eindeutigen Situationen die sich eindeutig beantworten und meistern lassen, antwortet der Mensch als Person und bedient sich dazu seines Leibes: als Sprachwerkzeug, als Greif- Stoß-, Stütz- und Tragorgan, als Bewegungsmittel, als Signalisierungsmittel, als Resonanzboden seiner Emotionen. Er beherrscht den Leib, er lernt ihn beherrschen.“8

Nach Plessner verliert die menschliche Person beim Lachen zwar die Beherrschung, „aber sie bleibt Person, indem der Körper gewissermaßen für sie die Antwort übernimmt.“9

Die Beherrschung des Körpers ist eine Notwendigkeit, weil der Mensch nur dadurch handlungsfähig ist, indem er seine Körperaktivitäten durch sich als Person koordiniert. Wenn der Mensch z. B. greift, dann ist er zum einen der Körper, der sich bewegt, als auch jene Instanz, die diese Bewegung koordiniert. Plessner spricht hier wiederum von einer Doppelrolle des Menschen, die dieser von Geburt an hat:

„Ein Mensch ist immer zugleich Leib (Kopf, Rumpf, Extremitäten mit allem, was darin ist) - auch wenn er von seiner irgendwie „darin“ seienden unsterblichen Seele überzeugt ist - und hat diesen Leib als diesen Körper.“10

Warum über einen Witz gelacht wird und warum der Mensch z.B. aus Reue weint, kann nicht eindeutig erklärt werden. Es ist aber unbestreitbar, dass Witz und Reue eine „genau umschriebene körperliche Erregung im Gehirn“11 hervorrufen. Plessner widerlegt damit die These, dass Lachen und Weinen ein physischer Vorgang ist. Er ordnet ihn in ein Bedeutungsgefüge der seelischen Natur ein. Doch eines ist klar: Nichts lässt sich schneller begreifen und deuten, als die Äußerung des Lachens. Meinen Mitmenschen zeigt die jeweils gewählte äußere Reaktion, unmittelbar, ob ich sein Verhalten begrüße oder missbillige.

Plessner beschreibt in seinen Schriften verschiedene Ausdrucksweisen des Lachens. Er geht demnach auch der Frage nach, ob Lachen und Weinen an typischen Verhaltensmustern gebunden ist.12 Durch etwaige alltägliche Situationen hat der Mensch gezeigt, dass er auch im tiefsten Punkt der Trauer Lachen kann, nur stellt hier das Lachen eher die gezeigte Entlastungsfunktion dar. Nach Plessner erinnert die äußere Form des Lachens an die Gebärdensprache, also an wortlose (nicht stimmlose), pantomimische Kommunikation.

Das Lachen ist jedoch weder zu den Gebärden, noch zur „künstlichen“ Mimik und auch nicht zur Sprache zu zählen, weil es nicht intentional ist. Die Gebärden sind eine Körpersprache, und wer eine Gebärde zeigt, der will dem anderen etwas mitteilen. Die Konvention bestimmt, welcher Gebärde welcher Sinn zukommt. Diese Konvention ist entstanden, indem eine emotional-expressive Mimik zu einer Geste stilisiert wurde.

Warum ist aber das Lachen keine Geste? Diese Meinung kann nämlich schnell entstehen, wenn man vom Lächeln, was sicherlich eine Ausdrucksgeste sein kann, auf das Lachen schließt. Plessner führt vier Gründe an, warum Lachen keine Geste ist:

1. Lachen ist zwangsmäßig.
2. Lachen ist rein expressiv-reaktiv.
3. Dem Lachenden ist keine Zeichenfunktion seines Lachens bewusst.
4. Lachen ist bei „ allen Völkern und zu allen Zeiten“13 verbreitet.

Außerdem versucht Plessner auf die Frage aus welchen Anlässen überhaupt gelacht wird eine Antwort zu finden, indem er verschiedene Anlässe des Lachens, nämlich dem Kitzel, dem Spiel, dem Komischen, dem Witz, der Verlegenheit und der Verzweiflung besondere Aufmerksamkeit entgegenbringt.

Weiterhin widerliegt er die allgemeine These, dass die physische Äußerungsart des Lachens „dem Anlaß entspricht und auf ihn reagiert, ohne von ihm geprägt zu sein (…)“14 [sic!] Denn nach Plessner, ist es „keineswegs sicher, daß das, worüber man sich freut, den Grund darstellt, aus welchem man lacht.“15 [sic!]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Plessner den Menschen als ein Mängelwesen darstellt. Der Lachende ist mit „seinem Latein am Ende“. Er weiß nicht weiter, will vielleicht auch nicht mehr weiter wissen. Daher überlässt er sich dem Körper und beginnt zu lachen. Der Körper „übernimmt das Kommando“ und zugleich wird dadurch die Situation bewältigt. Der Mensch wird als jemand dargestellt, der gelegentlich in Schwierigkeiten gelangt, wenn er eine Situation nicht beantworten kann. In solchen Situationen rettet der Körper die Person vor einer peinlichen Kapitulation, die dann vorliegen würde, wenn der Mensch schweigen oder nicht reagieren würde.

[...]


1 Krüss, James (1926-1997) (1962): Timm Thaler oder das verkaufte Lachen, Serie: Paperback für junge Leser, Kinderbuchverlag Berlin: Berlin

2 Chamfort, Nicolas (1741-1794), eigtl. Nicolas Sebastian Roch, frz. Moralist

3 Chaplin, Charles Spencer Jr. (1889-1977), bekannt als Charlie Chaplin, engl. humoristischer Schauspieler

4 Max Pallenberg (1877-1934), östr. Komiker

5 Berger, Peter L. (1998): Erlösendes Lachen. Das Komische in der menschlichen Erfahrung, Berlin - New York: Walter de Gruyter-Verlag, S. 53

6 Dietze, Carola (2005): Nachgeholtes Leben. Helmuth Plessner 1892-1985, Göttingen: Wallstein-Verlag, S. 7

7 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. Eine Untersuchung der Grenzen menschlichen Verhaltens (1941), in: Helmuth Plessner: Gesammelte Schriften VII. Ausdruck und menschliche Natur, Frankfurt am Main: Fischer, S. 237

8Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. Eine Untersuchung der Grenzen menschlichen Verhaltens (1941), in: Helmuth Plessner: Gesammelte Schriften VII. Ausdruck und menschliche Natur, Frankfurt am Main: Fischer, S. 237

9 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 237

10 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 238

11 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 230

12 Fröhlichkeit= Lachen, Trauer= Weinen

13 Vgl. Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 257

14 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 277

15 Plessner, Helmuth (1982): Lachen und Weinen. S. 278

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Homo ridens oder das verkaufte Lachen
Untertitel
Timm Thaler trifft auf den lachenden Menschen
Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Veranstaltung
Philosophische Anthropologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V156053
ISBN (eBook)
9783640689583
ISBN (Buch)
9783640689408
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lachen, Mensch, Anthropologie, Timm, Thaler, Krüss, James Krüss, verkaufte
Arbeit zitieren
Tim Wersig (Autor:in), 2009, Homo ridens oder das verkaufte Lachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156053

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