Finanzielle Erfolgsbeteiligungssysteme in Europäischer Perspektive


Seminararbeit, 2001

22 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. PEPPER : Eine Analyse finanzieller Erfolgsbeteiligungssysteme auf europaischer Ebene

3. Frankreich
3.1. Die Haupttypen der Erfolgsbeteiligung und ihre gesetzlichen Rahmenbedingungen
3.2. Die politische Einstellung zum Thema Erfolgsbeteiligung
3.3. Die verschiedenen Verteilungen in Bezug auf Erfolgsbeteiligung
3.3.1. Die Verteilung nach Beteiligungstypen und deren zeitliche Entwicklung
3.3.2. Die Verteilung nach Unternehmensgrofie
3.3.3. Die Verteilung nach Wirtschaftszweigen
3.3.4. Der Anteil der Beteiligungspramie am Gesamtlohn
3.4. Die Auswirkungen der Einfuhrung von Erfolgsbeteiligung
3.4.1. Erhohung der Produktivitat
3.4.2. Auswirkungen auf die Lohnflexibilitat und Beschaftigungsstabilitat

4. Grofibritannien
4.1. Die Haupttypen der Erfolgsbeteiligung und ihre gesetzlichen Rahmenbedingungen
4.2. Die politischen Einstellungen zum Thema Erfolgsbeteiligung
4.3. Die verschiedenen Verteilungen in Bezug auf Erfolgsbeteiligung
4.3.1. Die Verteilungen nach Beteiligungstypen und deren zeitliche Entwicklung
4.3.2. Die Verteilung nach Unternehmensgrofie
4.3.3. Die Verteilung nach Wirtschaftszweigen
4.3.4. Der Anteil der Beteiligungspramie am Gesamtlohn
4.4. Die Auswirkungen der Einfuhrung von Erfolgsbeteiligung
4.4.1. Okonomische Auswirkungen
4.4.2. Auswirkungen auf die industriellen Beziehungen
4.4.3. Auswirkungen auf die organisatorische Durchfuhrung

5. Abschliefiender Vergleich

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Obwohl nur zwischen 7,4% (Arbeiter) und 15% (Management) der Unternehmen in der EU die Kapitalbeteiligung und 14,2% und 24,9% die Gewinnbeteiligung nutzen (1995), gewinnt das Thema „Finanzielle Erfolgsbeteiligungssysteme“ immer mehr an Be- deutung (vgl. Festing et al. 1999, 306), da man sich positive Auswirkungen auf die Produktivitat und andere Faktoren erhofft.

Die Grundlage fur Untersuchungen uber dieses Thema auf europaischer Ebene bilden der PEPPER 1-Bericht und der nachfolgende PEPPER2, die ich im nachsten Kapitel kurz behandeln werde, bevor ich auf das Thema der Erfolgsbeteiligung eingehe. Auch fur meine Seminararbeit sind die beiden PEPPER-Berichte die wichtigsten Quellen. Die Ausfuhrungen habe ich jedoch auf die Lander Frankreich und GroBbritannien beschrankt, da eine Behandlung aller Mitgliedstaaten den Rahmen einer solchen Arbeit ubertreffen wurde und ich mit den beiden ausgewahlten Staaten die wichtigsten Vertreter analysieren werde. In Frankreich findet man die ersten Modelle finanzieller Erfolgsbeteiligung Anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts. Eine weitere Besonderheit und der Grund fur die Komplexitat an Systemen in diesem Land ist die Einfuhrung obligatorischer Beteiligungsmodelle ab einer gewissen BetriebsgroBe im Jahr 1967. Auch in GroBbritannien haben wir eine groBe Anzahl unterschiedlicher Systeme.

Angelehnt an die Gliederung des PEPPER 1-Berichtes werde ich zunachst bei Frankreich, dem wichtigsten Vertreter von Erfolgsbeteiligungssystemen, und dann bei GroBbritannien auf die Haupttypen der Beteiligungssysteme und die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehen. Danach werde ich dann die politische Einstellung der Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Gewerkschaften sowie der Regierungspartei zum Thema Erfolgsbeteiligungssysteme erlautern. Hieran werde ich eine Beschreibung verschiedener Verteilungen, worauf ich meinen Schwerpunkt legen mochte, anschlieBen. Die einzelnen Verteilungen werde ich anschaulich anhand der sich im Anhang befindenden Abbildungen erlautern, um dann schlieBlich am Ende der Beschreibung der Situation eines jeden Landes die verschiedenen Auswirkungsmoglichkeiten zu erklaren. Zum Abschluss werde ich dann auf die unterschiedlichen institutionellen Rahmenbedingungen eingehen, die ein grundlegender Erklarungsansatz fur die auffallenden Unterschiede zwischen den Landern sind. Zunachst hatte ich vor die fur die beiden anderen Lander abgehandelten Aspekte meiner Hausarbeit auch am Beispiel Deutschland zu erlautern. Um den vorgeschriebenen Umfang der Arbeit nicht zu uberschreiten, habe ich hierauf jedoch verzichtet und gehe davon aus, dass die Situation in Deutschland durch die anderen im Proseminar behandelten Themen ausreichend bekannt ist.

2. PEPPER : Eine Analyse finanzieller Erfolgsbeteiligungssysteme auf europaischer Ebene

PEPPER steht als Abkurzung fur „Promotion of Employee Participation44 in Profit and Enterprise Results44, was man ins Deutsche mit „Forderung der Gewinn- und Betriebs- ergebnisbeteiligung der Arbeitnehmer“ ubersetzen kann. Dieser Begriff hat sich seit dem Workshop von Florenz von 1980, dessen Resultat der 1991 von Dr. Milica Uvalic herausgegebene PEPPER 1-Bericht ist, in der Literatur festgesetzt. Grund fur die Verfassung dieses Berichtes ist die Notwendigkeit einer umfassenden Analyse uber die Ergebnisbeteiligung auf europaischer Ebene, die bis zur Erstellung von PEPPER1 nicht vorhanden war. Im ersten Teil geht der Bericht auf den Ursprung und die Typologie des Begriffes PEPPER ein. Im zweiten Teil widmet er sich dann der Analyse von praktischen Erfahrungen mit Ergebnisbeteiligungs-Modellen in den Mitgliedsstaaten der EU. Im letzten Teil werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst und zur Anregung fur weitere Initiativen auf europaischer Ebene aufgearbeitet. (vgl. Uvalic 1991, 1f.)

Diese Anregungen bilden den Grundstein fur den 1996 von der „Commission of the European Communities44 herausgegebene PEPPER2. Dieser Bericht soll einen Uberblick uber die Veranderungen hinsichtlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen und den Verteilungen der verschiedenen Systeme geben. Er ist auf der Grundlage von Fragebogen entstanden, die an die verschiedenen EU-Staaten verschickt wurden.

Wie schon in der Einleitung erwahnt, bilden die beiden PEPPER-Berichte die Grund- lage fur Analysen uber Erfolgsbeteiligungssysteme auf europaischer Ebene.

3. Frankreich

3.1. Die Haupttypen der Erfolgsbeteiligung und ihre gesetzlichen Rahmenbedingungen

Bei den Haupttypen der Erfolgsbeteiligungssysteme in Frankreich kann man grundsatzlich drei Typen unterscheiden: die geldmaBige Gewinnbeteiligung, die sofort ausgezahlt wird, die aufgeschobene Gewinnbeteiligung in Form der sogenannten Wachstumsbeteiligung und die Kapitalbeteiligung. Nachdem fur jedes dieser Systeme bei der Einfuhrung ein Gesetz erlassen wurde, hat man 1986 versucht einheitliche Regelungen in einem gemeinsamen Gesetz zu treffen. Diese Regeln hat man dann im November 1990 und 1994 erneut abgeandert.

Die erste Rechtsvorschrift uber die Gewinnbeteiligung wurde im Januar 1959 mit dem Erlass einer Verordnung uber ein freiwilliges System der geldmaBigen Gewinn­beteiligung (l'interessement des salaries) eingefuhrt. Dieses System soll in regelmaBigen zeitlichen Abstanden eine an Unternehmensgewinn etc. geknupfte Barpramie ausschutten. Die auf die Gewinnverteilung verwendeten Betrage durfen bis zu 20% des Bruttolohns betragen. Anders als bei anderen Beteiligungssystemen durfen auch innerhalb eines Unternehmens unterschiedliche Vereinbarungen abgeschlossen werden. Fur die verschiedenen Arbeitnehmergruppen muss somit kein kollektives System gelten; es besteht die Moglichkeit differenzierter Regelungen. Neben der Befreiung fur den Arbeitgeber von der Korperschaftssteuer, der Lohnsummensteuer und der Sozialversicherungssteuer gibt es auch die Befreiung von der Einkommenssteuer fur den Arbeitnehmer, falls dieser bereit ist seine Gewinnanteilspramie im Sparplan des Unternehmens (Plan d'epargne d'entreprise (PEE)) anzulegen. Im Jahr 1990 wurde die Obergrenze der verwendbaren Betrage fur Unternehmen auf 10% der Bruttolohne beschrankt. Diese Obergrenze muss nicht beachtet werden falls der Teil der Anteilspramie am Gewinn, der die 15%-Marke ubersteigt, dem Unternehmenssparplan (PEE) zugefuhrt wird.

Die aufgeschobene Gewinnbeteiligung in Form der Wachstumsbeteiligung wurde zum ersten Mal mit der Verordnung vom August 1967 gesetzlich geregelt. Seit November 1990 ist diese verpflichtende Form der Gewinnbeteiligung von Unternehmen mit mehr als 50 Beschaftigten durchzufuhren. Die Unternehmen mussen einen Teil ihrer Gewinne fur 5 bzw. 3 Jahre einbehalten. Wahrend dieser Zeit verbleibt der Betrag, der nach bestimmten festgesetzten Regeln berechnet wird, in der „Reserve Speciale de Participation44 (RSP). Nach der Festlegungsfrist kommt die RSP allen Mitarbeitern unterschiedslos zugute. Die Zinsen konnen den begunstigten Mitarbeitern auch wahrend der Periode, in der das Geld festliegt, ausgezahlt werden. Das Gehalt, das bei der Berechnung des Gewinnanteils zugrunde gelegt wird, darf nicht mehr als das Vierfache des fur die Bemessung der Sozialabgaben geltenden Hochsteinkommens betragen. Fur die Unternehmen zahlt die RSP zu den Betriebskosten und ist somit von der Unternehmenssteuer und von den Sozialabgaben befreit. Auch fur die Arbeitnehmer sind die erhaltenen Gewinnanteile, falls sie die Festlegungsfrist von 5 Jahren einhalten, steuer- und abgabenfrei. Seit 1986 kann man die Festlegungsfrist auch auf 3 Jahre verkurzen. Die Steuerbefreiungen gelten in diesem Fall jedoch nur noch fur die Halfte der Anteilspramie. 1994 hat man einige Anderungen bzw. Zusatze eingefuhrt. Das „eingefrorene“ Geld kann von nun an im Ausnahmefall eines Autokaufs oder einer BaumaBnahme dem Begunstigten vor Ablauf der Frist ausgezahlt werden. Auch konnen die Arbeitnehmer neuerdings ihren Gewinnbeteiligungsbonus in Form von bezahltem Zusatzurlaub erlangen.

Die dritte Form der Erfolgsbeteiligung, die Kapitalbeteiligung, finden wir in verschiedenen Formen vor. Unter diese Beteiligungsform fallen insbesondere Stock Options, die kostenlose Ausgabe von Belegschaftsaktien oder die Ausgabe von Aktien an die Mitarbeiter zu Vorzugsbedingungen, unternehmensinterne Arbeitnehmerfonds sowie die Betriebsubernahme durch die Belegschaft. Auf die gesetzlichen Rahmen- bedingungen werde ich hier jedoch nicht genauer eingehen, da diese Form der Beteiligung in Frankreich nur eine Nebenrolle einnimmt. (vgl. Uvalic 1991, 66ff. u. Commission of the European Communities 1996, 17f.)

3.2. Die politische Einstellung zum Thema Erfolgsbeteiligung

In Frankreich gilt die Erfolgsbeteiligung seit dem Beginn der staatlichen Forderung Ende der 50er Jahre als Ausdrucksmittel politischer Tendenzen. Herausragende Politiker wie de Gaulle1, Pompidou2, Giscard d'Estaing3 und Chirac4 waren Befurworter finanzieller Beteiligungssysteme, wobei die Hauptvertreter in erster Linie von den Gaullisten gestellt wurden, welche von 1958 bis 1981 allein oder in Koalition ununterbrochen die Regierung stellten. Diese durchgehende Unterstutzung finanzieller Erfolgsbeteiligungssysteme ist der Grundstein des ausgepragten Systems, was wir heute in Frankreich vorfinden. (vgl. Uvalic 1991, 64) Die Einstellung der Gewerkschaften zum Thema finanzielle Erfolgsbeteiligungs­systeme auf nationaler Ebene divergiert.

Zum einen haben die Gewerkschaften Angst, dass sie durch das Entstehen einer engeren Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vom Handelsprozess vollig ausgeschlossen werden. Zum anderen befurchten sie, dass die Erfolgsbeteiligung an die Stelle eines Teiles des bezahlten Grundlohn treten konnte; es also zu einem Missbrauch dieses Systems, welches ursprunglich im Sinne eines zusatzlichen Entgeltes gedacht war, fuhren konnte. Ein dritter Kritikpunkt ist das traditionelle franzosische Prinzip „equal pay for equal work“ (Vaughan-Whitehead et al. 1994, 70), welches gegen die ausgepragte Lohndifferenzierung, zu welcher die Gewinnbeteiligung fuhrt, spricht. Die mit der Erfolgsbeteiligung in groBem AusmaB verbundene Steuerbefreiung ist ebenfalls ein Anhaltspunkt fur Einwande. Indirekt hindern diese Steuervergunstigungen die Finanzierung von Systemen zur sozialen Absicherung der Bevolkerung. Aus diesem Grund wurden im November 1990 die begunstigenden Steuerregelungen eingeschrankt. In den Unternehmen haben wir eine groBere Ubereinstimmung was die Haltung zum Thema Erfolgsbeteiligungssysteme angeht. So akzeptierte eine Gewerkschaft, nach einer Studie von PENN-Beratern (1988) bei 47 Gewinnbeteiligungsvereinbarungen, trotz ihrer Ablehnung auf nationaler Ebene, diese Beschlusse ofter (14mal) als dass sie sie verweigerte (11mal). Turnbull teilt in seiner Theorie die Aktivitat von Gewerk- schaften in zwei Ebenen ein. Die erste zentrale Ebene nimmt eine negative Haltung gegenuber der Einfuhrung von Beteiligungssystemen ein. Auf der anderen Ebene, der Unternehmensebene lehnen die Gewerkschaftsmitglieder die Erfolgsbeteiligung nicht systematisch ab; es finden auf dem Unternehmensniveau Verhandlungen statt, um die Konditionen der Systeme so zu verbessern, dass sie den Vorstellungen des Arbeitnehmers entsprechen.

Von Arbeitgeberseite werden die finanziellen Erfolgsbeteiligungssysteme in Frankreich gefordert. So hat das franzosische Arbeitgeberbundnis (Confederation nationale du patronat (CNPF)) in den vergangenen Jahren seine Anstrengungen zur Forderung finanzieller Beteiligung gesteigert. Die Arbeitgeber sehen in der Erfolgsbeteiligung ein Mittel zur Verbesserung der Motivation der Mitarbeiter, der Erhohung der Produktivitat sowie der Erlangung einer besseren Lohnflexibilitat. (vgl. Vaughan-Whitehead 1995, 69ff.)

3.3. Die verschiedenen Verteilungen in Bezug auf Erfolgsbeteiligung

3.3.1. Die Verteilung nach Beteiligungstypen und deren zeitliche Entwicklung

Betrachtet man die Anzahl der abgeschlossenen Vereinbarungen uber geldmaBige Gewinnbeteiligung in Frankreich im Jahr 1992 im Vergleich zu der Anzahl der abgeschlossenen Vereinbarungen uber aufgeschobene Gewinnbeteiligung, so kann man leicht erkennen, dass die Gesamtzahl der Unternehmen bei der aufgeschobenen Beteiligung mit 13.721 fast doppelt so hoch wie die der geldmäßigen Beteiligung ist. Grund hierfür ist sicherlich die Gesetzgebung, die eine obligatorische Einführung dieses Systems für Unternehmen ab einer bestimmten Größe vorschreibt. (Abb.1 u. 2).

[...]


1 frz. General und Politiker, der fur eine starke Staatsgewalt eintrat

2 frz. Politiker (Gaullist); 1969:Staatsprasident

3 frz. Politiker (Republikaner); 1962-65 u. 1969-74: Finanz- u. Wirtschaftsminister; 1974: Staatsprasident

4 frz. Politiker; 1986-88: Ministerprasident

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Finanzielle Erfolgsbeteiligungssysteme in Europäischer Perspektive
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar Finanzielle Erfolgsbeteiligungssysteme
Note
2,6
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V156097
ISBN (eBook)
9783640692651
ISBN (Buch)
9783640692910
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzielle, Erfolgsbeteiligungssysteme, Europäischer, Perspektive
Arbeit zitieren
Britta Reiter (Autor), 2001, Finanzielle Erfolgsbeteiligungssysteme in Europäischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156097

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