Immer mehr Patienten im Akutspital sind ältere Menschen, oft wird das Berufsfeld der Pflegefachpersonen aber nicht mit dieser Zielsetzung gewählt, ältere Menschen zu pflegen. Umso schwieriger ist es dann, sich auf diese Situation einzulassen. Auch in den curricularen Grundlagen der Ausbildungen wird diesem Faktum häufig zu wenig Rechnung getragen. Die allgemein herrschenden Altersbilder in der Gesellschaft prägen und beeinflussen den beruflichen Umgang mit alten Menschen. Die Autorin geht in der vorliegenden Arbeit dem Phänomen der Ungleichbehandlung von älteren Menschen in der Akutpflege nach. Sie untersucht explizit die Sichtweise der Pflegefachpersonen mit der Zielsetzung, Ansätze zur Veränderung und Verbesserung der Situation zu finden. Es zeigt sich in den Untersuchungsresultaten, dass das Bewusstsein von Altersdiskriminierung nicht explizit vorhanden ist. Es wird eine Ungleichbehandlung festgestellt, die als fast alltäglich bezeichnet werden darf. Die Ausmasse und die Auswirkungen werden von Befragten nicht erfasst. Es wird deutlich, dass die Altersdiskriminierung in der Akutpflege ein Phänomen ist, das auf allen Ebenen, letztlich auch auf gesellschaftlicher Ebene, angegangen werden muss. Als eine der Hauptinterventionen kann die Sensibilisierung für die Thematik genannt werden, worauf die Möglichkeit zu Diskussion, Reflexion und Begleitung folgen muss. Dies sind Investitionen finanzieller und personeller Art, die in der Verantwortung von Institutionen und Politik liegen. Auf dieser Grundlage können fachliche und persönliche Weiterentwicklung der Pflegefachpersonen zu diesen Themen ermöglicht werden, was sich dann im Alltag positiv niederschlagen sollte. Über Auswirkungen und Einfluss vom Phänomen der Altersdiskriminierung in der Pflege auf die Qualität und die Kosten weiss man heute zu wenig. Dieser Frage nachzugehen, wäre ein weiterer Schritt, der die Notwendigkeit der vorgeschlagenen Massnahmen belegen könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Zielsetzung der Arbeit
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsklärungen
2.1.1. Alter
2.1.2. Altersdiskriminierung
2.1.3. Pflege
2.2. Theoretische Bezüge
2.2.1. Altersbilder
2.2.2. Altersbilder der Pflegfachpersonen
2.2.3. Stereotypen des Alters
2.2.4. Ethische Grundlagen
2.2.5. Pflegeethik
2.2.6. Macht
2.3. Stand der Forschung
2.3.1. Altersdiskriminierung
2.3.2. Befunde in der Schweiz
2.3.2. Diskriminierung im Gesundheitswesen
3. Fragestellung
3.1. Forschungsfragen:
4. Methodisches Vorgehen
4.1. Voruntersuchung
4.2. Ergebnisse der Voruntersuchung
4.2.1. Kategoriensystem zur Situationsanalyse
4.2.2. Darstellung der Situationen
4.3. Untersuchung
4.3.1. Wahl der interviewten Personen
4.3.2. Datenerhebung
4.3.3. Auswertung der Daten
4.4. Kategoriensystem
4.4.1. Kategorien zur Konfrontation mit den Situationen Frage 1
4.4.2. Kategorien zur Konfrontation mit den Situationen Frage 2
4.4.3. Kategorien zur Konfrontation mit den Situationen Frage 3
4.4.4. Kategorien zur Entscheidungssituation
4.4.5. Kategorien zum Vergleich der Situationen
4.4.6. Kategorien zur Frage nach eigenen Beispielen zu Altersdiskriminierung
5. Ergebnisse
5.1. Darstellung der Ergebnisse zu den Situationen
5.1.1. Situation 1:
5.1.2. Situation 2:
5.1.3. Situation 3:
5.1.4. Situation 4:
5.1.5. Situation 5:
5.1.6. Situation 6: Konstruierte Entscheidungssituation
5.1.7. Vergleich der Situationen
5.1.8. Eigene Beispiele von Altersdiskriminierung in der Akutpflege
5.2. Interpretationen
5.2.1. Frage 1
5.2.2. Frage 2
5.2.3. Frage 3
5.2.4. Entscheidungssituation
5.2.5. Vergleiche der Situationen
5.2.6. Eigene Erfahrungen
5.2.7. Zuordnung zu den Kategorien
6. Diskussion
6.1. Bezug zu den Fragestellungen
6.2. Bezug zu den Zielsetzungen
6.3. Bezug zum methodischen Vorgehen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung und das Vorkommen von Altersdiskriminierung bei Pflegefachpersonen im Kontext der somatischen Akutpflege, mit dem Ziel, Sensibilität zu schaffen und Handlungsbedarf für die pflegerische Ausbildung und Praxis aufzuzeigen.
- Altersbilder und deren Einfluss auf das pflegerische Handeln
- Ethische Prinzipien und moralische Verantwortung in der Akutpflege
- Strukturelle Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf Diskriminierung
- Analyse von Fallbeispielen zur Identifikation diskriminierender Muster
Auszug aus dem Buch
1.1. Ausgangslage
Mit dem demografischen Wandel unserer Zeit steht die Gesellschaft vor grossen Herausforderungen, beispielsweise die Sicherstellung der Pflege und Betreuung älterer Menschen. Oft werden diese Herausforderungen in negativem Sinne diskutiert, meist unterstützt durch negative Begriffe wie „Altersschwemme“, „Altenlast“ oder „Überalterung“ der Bevölkerung. Negative Altersbilder und Stereotype, die das Alter in Verbindung bringen mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit, mangelnder geistiger Beweglichkeit und Abhängigkeit verhindern eine differenzierte Wahrnehmung der Lebensphase Alter und verfestigen Vorurteile. Dies begünstigt die Entstehung von Benachteiligungen und Diskriminierung (Eifert & Scholl, 2006).
Wie in Deutschland wird nun auch in der Schweiz der Altersdiskriminierung mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Am Institut für Soziale Arbeit der Fachhochschule St. Gallen wird zurzeit unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Rehberg ein nationales Forschungsprojekt durchgeführt, welches das Phänomen des Ageism in unserer Gesellschaft erforschen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Altersdiskriminierung in der Akutpflege ein und definiert das Ziel der Masterarbeit, das Bewusstsein für dieses Phänomen zu schärfen und Handlungsbedarf aufzuzeigen.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe, Altersbilder, ethische Grundlagen, Pflegeethik und das Konzept der Macht, um den theoretischen Rahmen für die Untersuchung zu bilden.
3. Fragestellung: Hier wird der Untersuchungsfokus auf negative Formen von Diskriminierung in somatischen Akutinstitutionen gelegt und es werden konkrete Forschungsfragen formuliert.
4. Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Design der Untersuchung, inklusive der Voruntersuchung, des Kategoriensystems und der Durchführung von problemzentrierten Interviews.
5. Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Befragungen detailliert dargestellt, die Situationen analysiert und die gewonnenen Daten systematisch nach den gebildeten Kategorien ausgewertet.
6. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Ergebnisse in Bezug auf die Fragestellungen, Zielsetzungen und das methodische Vorgehen und reflektiert diese im Kontext aktueller Forschung.
Schlüsselwörter
Altersdiskriminierung, Akutpflege, Ageism, Altersbilder, Stereotypen, Pflegeethik, somatische Akutpflege, Pflegefachpersonen, Diskriminierung, Pflegeprozess, Patienten, Berufsalltag, Ethik, Kommunikation, Ungleichbehandlung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, in welchen Situationen und aus welchen Gründen Pflegefachpersonen in der somatischen Akutpflege ältere Patienten ungleich behandeln.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Begriffen des Alters, Altersbildern, der Pflegeethik sowie den Einflüssen von Machtstrukturen und institutionellen Bedingungen auf das pflegerische Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Phänomen Altersdiskriminierung in der Akutpflege sichtbar zu machen, das Bewusstsein bei Pflegenden zu fördern und Handlungsempfehlungen für die Ausbildung und Praxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine empirische Untersuchung mit 25 Studierenden und 25 diplomierten Pflegefachpersonen mittels problemzentrierter Interviews durchgeführt und qualitativ ausgewertet.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Themas, eine methodische Darstellung der Untersuchung sowie die Auswertung und Diskussion der Ergebnisse zu verschiedenen diskriminierenden Fallbeispielen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Altersdiskriminierung, Ageism, Pflegeethik, Altersbilder und die institutionellen Rahmenbedingungen im Krankenhausalltag.
Wie wirkt sich laut der Arbeit Zeitdruck auf die Pflege aus?
Der Zeit-Kosten-Faktor sowie Personalengpässe begünstigen diskriminierendes Verhalten, da Pflegefachpersonen unter Stress oft auf Routine und Stereotype zurückgreifen, statt individuell zu pflegen.
Welche Bedeutung hat das "Eingeständnis" der Befragten?
Das Eingeständnis zeigt, dass Pflegefachpersonen teilweise selbstkritisch reflektieren, in Stresssituationen unangemessen gehandelt zu haben, was auf ein vorhandenes, aber oft unbewusstes Potenzial zur Reflexion hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Gerontologin HF Ursula Schär-Bütikofer (Autor:in), 2009, Altersdiskriminierung in der Akutpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156146