Junge Frauen mit Migrationshintergrund haben im Gegensatz zu jungen Frauen ohne Migrationshintergrund eine geringere Chance auf einen Ausbildungsplatz und folglich auch auf ihre Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt. Dies widerspricht jedoch dem Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, das in seiner Zielsetzung in §1 besagt, dass es das „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“ (§1 AGG). Wie kann es sein, dass trotz dieses Gesetzes junge Frauen mit Migrationshintergrund also immer noch Benachteiligungen im Berufsleben erleiden? Wie können diese jungen Frauen in ihrer Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützt werden? Die vorliegende Arbeit muss mit einer kritischen Betrachtung der gesellschaftlichen Wirklichkeit gelesen werden. Denn trotz vorgelegter rechtlicher Verankerungen gelten Diskriminierungen immer noch als alltäglich.
Die Arbeit ist in zwei Hauptteile gegliedert: Der erste Teil ist der theoretische Part und der zweite Teil umfasst eine empirische Untersuchung des Forschungsgegenstandes mittels qualitativer Interviews. Die Theorie dieser Masterarbeit wird als notwendig für die empirische Untersuchung betrachtet und dient als Grundlage für deren Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausbildungssystem in Deutschland
2.1 Betriebliche Ausbildung
2.2 Schulische Ausbildung
2.3 Übergangssystem
2.3.1 Das Berufsvorbereitungsjahr
2.3.2 Kritik
2.4 SchülerInnen mit dem Förderbedarf Lernen
3. Arbeitsmarkt
4. Intersektionalität und soziale Ungleichheit
4.1 Intersektionalität
4.2 Kategorien und Dimensionen
4.3 Kapitalbegriffe nach Bourdieu
4.4 Soziale Ungleichheit
4.5 Strukturkategorien bildungsbenachteiligter, junger Frauen mit Migrationshintergrund auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
4.5.1 Kategorie der Herkunft
4.5.2 Kategorie des Geschlechts
4.5.3 Kategorie der Bildung
5. Unterstützungsmöglichkeiten
5.1 Resilienzförderung
5.2 Ressourcenorientierung
5.3 Frühstückstreffen für Frauen
5.4 Beurteilung der Maßnahmen
6. Empirischer Teil
6.1 Inhalte und Methode der Untersuchung
6.2 Vorbereitungsphase
6.2.1 Zugang zur Untersuchungsgruppe
6.2.2 Auswahl der Interviewpartnerinnen
6.2.3 Erhebungsmethode
6.3 Datenanalyse
6.4 Ergebnisse der Untersuchung
6.4.1 Benachteiligung aufgrund der Herkunft
6.4.2 Benachteiligung aufgrund des Geschlechts
6.4.3 Benachteiligung aufgrund der Bildung
6.4.4 Benachteiligung aufgrund der Herkunftsfamilie/Erziehung
6.4.5 Benachteiligung aufgrund von körperlichen Eigenschaften
6.4.6 Intersektionale Analyse der Ergebnisse
7. Ausblick
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern bildungsbenachteiligte junge Frauen mit Migrationshintergrund auf dem allgemeinen deutschen Arbeitsmarkt Diskriminierung erfahren. Ziel ist es, diese Benachteiligungen anhand der Intersektionalitätstheorie zu analysieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Strukturkategorien dabei zusammenwirken.
- Intersektionale Analyse sozialer Ungleichheit
- Bedeutung des Ausbildungssystems und Arbeitsmarktes für junge Frauen
- Einfluss von Herkunft, Geschlecht, Bildung und körperlichen Aspekten
- Evaluation von Unterstützungsmöglichkeiten im Kontext von Resilienz und Ressourcenorientierung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Auch wenn sich in Bezug auf die beruflichen Bedingungen von Frauen in den letzten 50 Jahren einiges geändert hat, verdienen Frauen immer noch deutlich weniger als Männer (vgl. RUDNICKA 2023, o.S.). Ebenso befinden sich auch trotz der Frauenquote immer noch zu wenig Frauen in Führungspositionen (vgl. BUNDESMINISTERIUM FÜR FAMILIE, SENIOREN, FRAUEN UND JUGEND [BMFSFJ] 2023, o.S.). Eine weitere Ungerechtigkeit besteht darin, dass noch immer Kinder mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen als Kinder ohne Migrationshintergrund haben (vgl. PETSCHEL 2021, o.S.).
Benachteiligungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt können anhand von Kategorien, wie der des Geschlechts erkannt werden, doch ist die alleinige Betrachtung der Kategorie des Geschlechts in Bezug auf junge Frauen mit Migrationshintergrund nicht ausreichend, um die Benachteiligung in ihrer Gänze zu beschreiben. Die Theorie der Intersektionalität ist in Bezug auf die zu untersuchende Gruppe ein geeignetes Instrument, um Zusammenhänge und auch Wechselwirkungen von ungleichen (sozialen) Behandlungen zu analysieren. Das Anliegen dieser Arbeit ist die Frage, inwieweit junge Frauen mit Migrationshintergrund in Hinblick auf die Strukturkategorien in der Arbeitswelt benachteiligt werden und wie sich dadurch soziale Ungleichheit äußert. Daher lautet die dazugehörige Forschungsfrage: Inwiefern lässt sich anhand der Intersektionalitätstheorie die Benachteiligung bildungsbenachteiligter, junger Frauen mit Migrationshintergrund am allgemeinen Arbeitsmarkt erklären?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Forschungsvorhaben und die Forschungsfrage zur Benachteiligung junger Frauen mit Migrationshintergrund im Kontext der Intersektionalitätstheorie.
2. Ausbildungssystem in Deutschland: Beschreibt die deutschen Bildungssektoren betriebliche Ausbildung, schulische Ausbildung und Übergangssystem sowie deren Relevanz für junge Menschen.
3. Arbeitsmarkt: Analysiert die aktuelle Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt inklusive der Auswirkungen der Pandemie und der Bedeutung von Qualifikationen.
4. Intersektionalität und soziale Ungleichheit: Theoretische Fundierung durch das Konzept der Intersektionalität, die Kapitaltheorie von Bourdieu und die Strukturkategorien Herkunft, Geschlecht und Bildung.
5. Unterstützungsmöglichkeiten: Beleuchtet Strategien wie Resilienzförderung, Ressourcenorientierung und angebotsorientierte Maßnahmen wie Frühstückstreffen.
6. Empirischer Teil: Detaillierte Beschreibung der qualitativen Untersuchung mittels ExpertInneninterviews und die Analyse der Ergebnisse nach dem Mehrebenenmodell.
7. Ausblick: Diskutiert weiterführend strukturelle Veränderungen und Forschungsansätze zur Verbesserung der Integrationschancen.
8. Fazit: Führt die empirischen Ergebnisse zusammen und bestätigt die intersektionale Komplexität der Diskriminierungserfahrungen.
Schlüsselwörter
Intersektionalität, Migrationshintergrund, Arbeitsmarkt, Soziale Ungleichheit, Bildung, Berufliche Ausbildung, Resilienz, Ressourcenorientierung, Diskriminierung, Qualitative Forschung, Geschlechterrollen, Bourdieu, Empowerment, Strukturkategorien.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit junge Frauen mit Migrationshintergrund auf dem deutschen Arbeitsmarkt benachteiligt werden und wie diese Diskriminierung im Rahmen der Intersektionalitätstheorie erklärt werden kann.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf das Ausbildungssystem, die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt, die theoretische Konzeptualisierung sozialer Ungleichheit sowie spezifische Unterstützungsangebote für die Zielgruppe.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern lässt sich anhand der Intersektionalitätstheorie die Benachteiligung bildungsbenachteiligter, junger Frauen mit Migrationshintergrund am allgemeinen Arbeitsmarkt erklären?
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Es wird eine qualitative Forschungsstrategie verfolgt. Dabei wurden Experteninterviews mit vier jungen Frauen geführt und das Datenmaterial mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Was umfasst der empirische Hauptteil?
Im Hauptteil werden die Erfahrungen der vier befragten Frauen im Kontext von Herkunft, Geschlecht, Bildung und individuellem familiären Hintergrund qualitativ analysiert und intersektional interpretiert.
Welche Bedeutung haben die Begriffe Intersektionalität und Strukturkategorie?
Intersektionalität betrachtet die Verwobenheit verschiedener Diskriminierungsdimensionen. Die Strukturkategorien dienen als methodisches Raster, um die verschiedenen Benachteiligungsfaktoren differenziert zu betrachten.
Zählen junge Frauen mit Migrationshintergrund automatisch zur Risikogruppe?
Die Autorin verdeutlicht, dass nicht die Abstammung per se das Risiko bestimmt, sondern die Kombination aus Herkunft, sozialen Voreingenommenheiten, Bildungsstand und institutionellen Hürden.
Warum ist das Förderkonzept laut der Arbeit so wichtig?
Die Untersuchung zeigt, dass institutionelle Maßnahmen oft nicht ausreichen oder nicht zielgenau sind. Eine ressourcenorientierte Unterstützung ist notwendig, um die individuelle Resilienz der Frauen gegen institutionelle Diskriminierung zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Anna-Maria Kahllenberger (Autor:in), 2023, Bildungsbenachteiligung und Arbeitsmarktherausforderungen. Junge Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1561499